Packprogramme

Dieser Artikel wurde für die folgenden Ubuntu-Versionen getestet:

Dieser Artikel ist größtenteils für alle Ubuntu-Versionen gültig.

Inhaltsverzeichnis
  1. Archivformate
  2. Programme

./archiv.png Dateien in Archive zu verpacken und ihre Größe durch Kompressionsalgorithmen zu verkleinern ist ein häufiger Vorgang in der Datenverarbeitung. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Archiven und komprimierten Dateien. Ein Archiv ist ein unkomprimierter Behälter für Dateien. Dieses Archiv kann durch Kompressionsverfahren komprimiert werden. Es gibt allerdings ein paar Formate, die gleich auch eine Komprimierung beinhalten.

Archivformate

Es gibt sehr viele verschiedene Formate zum Komprimieren von Daten. Soweit bekannt, lassen sich sämtliche Formate unter Linux benutzen, zumindest jedoch kann man die Dateien öffnen (entpacken). Bekannte Formate unter Linux/Unix sind folgende:

  • gzip - Kurze Laufzeit, Endung .gz

  • bzip2 - Hohe Kompressionsrate, Endung .bz2

  • xz - Neueres, 7z ähnliches Format, Endung .xz

Hierbei ist zu beachten, dass unter Linux erst die oft genutzte Kombination aus dem Archivprogramm tar und einer Kompression mittels gzip oder bzip2 ein komprimiertes Archiv ergibt. .tar.gz bzw. .tar.bz2-Dateien sind also .tar Archive, die mit dem entsprechenden Kompressionsverfahren komprimiert wurden.

Unter Windows sind vor allem die folgenden Formate gebräuchlich, die sich aber auch unter Linux benutzen lassen:

  • ZIP - Das wohl bekannteste Packformat, gleichzeitig auch die Dateiendung .zip

  • RAR - Bekanntes Dateiformat, gleichzeitig auch die Dateiendung .rar

  • ACE - ACE Packformat, sehr leistungsfähig, gleichzeitig auch die Dateiendung .ace

  • 7z - Freies Packformat, sehr leistungsfähig und quelloffen. Dateiendung .7z

Programme

Um diese Formate unter Linux packen und entpacken zu können, benötigt man für jedes Format ein eigenes Programm. Für die großen Desktop-Umgebungen GNOME und KDE gibt es Archivmanager, die über eine komfortable grafische Oberfläche verfügen, jedoch auf die Einzelprogramme zurückgreifen. Daher müssen diese auf jeden Fall installiert sein.

Um mit sämtlichen oben genannten Formaten umgehen zu können, müssen die folgenden Pakete installiert [1] werden. Die ersten fünf Pakete sollten bereits nach einer Standardinstallation vorhanden sein.

  • tar - ein Archivierungsprogramm, das unter Linux oft mit GZip oder BZip verwendet wird

  • bzip2 - für Dateien vom Typ BZip

  • gzip - für Dateien vom Typ GZip

  • zip - zum Packen von Zip-Archiven

  • unzip - zum Entpacken von Zip-Archiven

  • xz-utils und xz-lzma - für XZ-Dateien und den Vorgänger LZMA

  • p7zip-full (universe) - zum Packen/Entpacken mittels LZMA Algorithmus von 7-Zip-Archiven und Entpacken von AES-verschlüsselten Zip-Archiven

  • lha (multiverse, [2]) - ein LZH-Archiver, wird von Ark benutzt

Erwähnenswert ist auch folgende Anwendung, die bereits in der Standardinstallation mit installiert wird:

  • split - Archive in mehrere (beliebig große) Teile teilen

Für diverse proprietäre Archivformate gibt es die Wahl zwischen einer Open Source Version und einer Version, die unter einer unfreien Lizenz steht, die dafür aber mehr Funktionalität bietet. So können beispielsweise nur die proprietären Versionen mit Passwörtern geschützte Archive extrahieren usw. Man sollte hierbei darauf achten, dass entweder die proprietäre oder die freie Version installiert ist.

Ace

  • unace (universe)

  • unace-nonfree (multiverse)

Wiki/Vorlagen/Installbutton/button.png

Hinweise: unace-nonfree ist erst ab Ubuntu 7.04 Feisty Fawn verfügbar, und funktioniert nicht mit dem Archivmanager File Roller von GNOME.

Rar

  • rar (multiverse - zum Erstellen von Rar-Archiven )

  • unrar (multiverse)

  • unrar-free (universe)

  • p7zip-rar (universe)

Wiki/Vorlagen/Installbutton/button.png

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install rar unrar unrar-free p7zip-rar 

sudo aptitude install rar unrar unrar-free p7zip-rar 

Hinweis:

RAR und Ace sind proprietäre Dateiformate. Das heißt, die Mechanismen zum Erstellen und Entpacken solcher Archive beruhen auf geschützten Closed-Source Verfahren. unrar-free {en} und unace sind Versuche, die wichtigsten Funktionen zum Entpacken unter einer offenen Lizenz bereit stellen zu können. unrar {en} und unace-nonfree sind kommerzielle Software von den Herstellern der beiden Formate.

Welches dieser Pakete man installieren soll, ist dem Benutzer selber überlassen. Möchte man ein Computersystem ohne proprietäre Software, so sollte man die freien Pakete nutzen, muss aber mit der Einschränkung leben, nicht alle Archive entpacken zu können. Möchte man alle Archive inklusive beispielsweise dem RAR 3.0 Format und Passwort geschützte Archive entpacken, so muss man auf die proprietären Pakete zurückgreifen.

Archivmanager

Die großen Desktop-Umgebungen bringen von Haus aus Archivmanager mit, die Daten (de-)komprimieren können. Dabei sollte man im Kopf behalten, dass diese Archivmanager nur grafische Frontends für die einzelnen Packprogramme sind, die etwas weiter oben beschrieben werden. Ubuntu installiert aus lizenzrechtlichen Gründen standardmäßig keine Packprogramme für beliebte Archivformate wie Rar oder 7z. Diese müssen also wie oben beschrieben installiert sein, damit die Archivmanager solche Archive verarbeiten können.

fileroller.png
File Roller

GNOME

File Roller

File Roller {en} ist der Archivmanager der GNOME Desktop-Umgebung. Es wird direkt bei der Installation von Ubuntu mitinstalliert. Möchte man das Programm nachinstallieren, so kann man dies über das Paket

  • file-roller

Wiki/Vorlagen/Installbutton/button.png

tun. Der Eintrag in das Anwendungsmenü von GNOME ist von Haus aus deaktiviert. Sollte man den Eintrag einblenden wollen, so kann man dies mit dem Menüeditor [5] machen. Man findet das Programm dann unter

  • "Anwendungen -> Zubehör -> Archivmanager"

Den Eintrag im Anwendungsmenü braucht es jedoch nicht. File Roller ist vollständig in Nautilus, dem Dateimanager von der GNOME Desktop-Umgebung integriert. Ein Doppelklick links auf ein Archiv öffnet dieses in File Roller. Will man ein Archiv anlegen, so markiert die zu archivierenden Dateien in Nautilus und wählt "Komprimieren ..." oder "Archiv anlegen" aus dem Kontextmenü (rechte Maustaste).

ark2.jpeg
ARK

KDE

ARK

Ark ist der Archivmanager der Desktop-Umgebung KDE. Das Programm wird automatisch bei der Installation von Kubuntu installiert. Möchte man es nachinstallieren, so kann man dies über das Paket

  • ark

Wiki/Vorlagen/Installbutton/button.png

tun. Das Programm selber findet man unter

  • "K-Menü -> Dienstprogramme -> Ark (Archivprogramm)"

oder man startet es, indem man ein Archiv aus einem Dateimanager heraus öffnet.

xarchiver.png
Xarchiver

Xfce

Xarchiver

Xarchiver ist der Archivmanager der Xfce Desktop-Umgebung und wird automatisch mit Xubuntu installiert. Sollte man ihn nachinstallieren wollen, so kann man das über das Paket

  • xarchiver

Wiki/Vorlagen/Installbutton/button.png

tun. Das Programm selbst findet man unter

  • "Applications -> Zubehör -> Xarchiver"

oder man startet es, indem man ein Archiv aus dem Dateimanager heraus öffnet.

LXDE

Hier kommt ebenfalls File Roller zum Einsatz (bis Lubuntu 10.10 Xarchiver).

Squeeze

Squeeze {en} ist ein moderner, fortgeschrittener, schneller und einfach zu bedienender Archivmanager für Xfce. Weitere Informationen im Artikel Squeeze.

Terminal

Man muss nicht zwangsläufig auf die graphischen Archivmanager zurückgreifen. Alle Packprogramme kann man auch von einem Terminal heraus bedienen. Wichtig dabei ist natürlich, dass die oben genannten Packprogramme installiert sind.

Ace

# Falls unance-nonfree installiert ist
unace {Optionen} <archivname.ace>
# Falls unace installiert ist
unace e <archivname.ace> 

Rar

Archive erstellen

# Allgemein
rar a <archivname> <datei1> [datei2] ...
# Beispiel
rar a -v2048 test.rar -p datei1 datei2 datei3 

Archive entpacken

Manche unter Windows erstellte Rar-Archive lassen sich aus unbekannten Gründen nicht mit Ark unter KDE öffnen. Hier ist man gezwungen, auf das Entpacken im Terminal zurückzugreifen, was in der Regel einwandfrei funktioniert. Dazu geht man wie folgt vor:

# Allgemein
unrar x <archiv.rar>
# Beispiel
unrar x -pPasswort ~/Desktop/beispiel.rar 

Ein Sonderfall ergibt sich, wenn bei einer passwortgeschützten Datei das Passwort mit Sonderzeichen, wie etwa ~ endet. In diesem Fall führt der o. g. Befehl zu der Fehlermeldung

bash: !~: event not found

Das Problem kann man umgehen, indem man zunächst das Entpacken ohne Passworteingabe einleitet (siehe Befehl oben). Dann wird man automatisch nach dem Passwort gefragt, welches man nun eingeben kann. Achtung: Das Passwort wird bei der Eingabe nicht angezeigt.

Enter password (will not be echoed) for Dateiname.rar: 
Option Bemerkung
a Dateien sollen hinzugefügt werden.
e Dateien sollen entpackt werden.
x Dateien sollen in die in der Datei enthaltene Verzeichnisstruktur entpackt werden.
-m[Kompressionslevel] Setzt den Kompressionslevel ( -m0 = ohne; -m3 = standard; -m5 = maximal) (optional).
-v[Größe][Einheit] Legt die Dateigröße fest, als Einheit kann man u.a. Byte (b), Kilobyte (k), und Megabyte (m) wählen. Wenn man nun Teilarchive haben will, die z.B. 100 Megabyte groß sind, wählt man folgende Option -v100m. Die Größe der Teilarchive geht bei 1000 Bytes los, kleinere Teilarchive kann man nicht erstellen (optional).
-rr[Größe][Einheit] Fügt Wiederherstellungsinformationen hinzu. Diese können bspw. in Prozent angegeben werden, für fünf Prozent gibt man also -rr5% an. Wird keine Einheit angegeben, gibt die Größenangabe die Anzahl der Sektoren an, die zur Wiederherstellung verwendet werden können (optional).
-p Setzt ein Passwort, das man nach der Eingabe festlegt (optional).
-hp Setzt auch ein Passwort, unterschied zu -p ist, dass das Archiv nun komplett verschlüsselt wird, d.h. die Dateinamen im Archiv werden auch verschlüsselt (optional).

tar.gz/tar.bz2

tar.gz

Archive erstellen

# Allgemein
tar -czf <dateiname> <dateinamen/verzeichnisname>
# Beispiel
tar -czf beispiel.tar.gz test example
# oder
tar -czf beispiel.tar.gz test/ 

Dabei wird im ersten Beispiel ein Archiv "beispiel.tar.gz" aus den Dateien "test" und "example" erstellt. Im zweiten Beispiel wird aus dem Verzeichnis "test/" ein Archiv erstellt.

Archive entpacken

# Allgemein
tar -xzf <dateiname>
# Beispiel
tar -xzf beispiel.tar.gz 

tar.bz2

Archive erstellen

# Allgemein
tar -cjf <dateiname> <dateinamen/verzeichnisname>
# Beispiel
tar -cjf beispiel.tar.bz2 test exapmle
# oder
tar -cjf beispiel.tar.bz2 test/ 

Dabei wird im ersten Beispiel ein Archiv "beispiel.tar.bz2" aus den Dateien "test" und "example" erstellt. Im zweiten Beispiel wird aus dem Verzeichnis "test/" ein Archiv erstellt.

Archive entpacken

# Allgemein
tar -xjf <dateiname>
# Beispiel
tar -xjf beispiel.tar.bz2 

Dabei entsteht in der Regel ein neues Verzeichnis, in welches man dann wechseln kann. Manchmal möchte man den Inhalt des Archivs auch direkt an einen Ort entpacken (für ".tar.bz2" bitte die Befehle entsprechend ändern):

# Allgemein
tar -xjf <dateiname> -C <zielordner>
# Beispiel
tar -xjf php-5.1.0.tar.bz2 -C /opt/php5 

UnZip

# Datei entpacken
unzip dateiname.zip
# in Ordner entpacken
unzip dateiname.zip -d /ordner/ 

Unpack

Oft ist es so, dass man in der Konsole etwas entpacken muss und sich dann mit unterschiedlichen Befehlen und Parametern herumschlagen darf. Damit man sich die Befehle nicht merken muss, gibt es Unpack {en} . Das Programm kennt die Syntax um Archive zu entpacken und erspart dem Benutzer die Eingabe des kompletten Befehls. So kann man dann mit einem einzigen Befehl wie

unp <dateiname> 

bequem im Terminal [4] entpacken. Weitere Informationen findet man im Wiki unter unp.

Weitere Packprogramme

cabextract

cabextract ist zum Entpacken von Cabinet-Dateien, welche im Format .cab vorliegen, gedacht.

unshield

unshield ist wie cabextract zum Entpacken von Cabinet-Dateien gedacht, jedoch für Anwendungen, die InstallShield verwenden.

PeaZip

./peazip-3-2.png PeaZip ist ein relativ junges plattformübergreifendes Projekt (2005) und stellt eine gute und funktionserweiterte Alternative zu den obigen Archivmanagern dar. Es unterstützt praktisch alle im Rahmen der lizenzrechtlichen Bestimmungen verfügbaren Formate und bietet eine kaum mehr überschaubare Vielfalt an Funktionen, Optionen und Filtern. Besondere Beachtung verdienen die umfangreichen Möglichkeiten zur Datensicherheit (verschiedene Verschlüsselungen, Löschen durch mehrfaches Überschreiben usw.).

Im Gegensatz zu den oben beschriebenen Archivmanagern ist PeaZip kein grafisches Frontend für die einzelnen oben beschriebenen Packprogramme, sondern ein eigenständiges Pack- und Archivierungsprogramm. Es ist also nicht auf die separate Installation von Packprogrammen angewiesen.

Diese Revision wurde am 3. Februar 2012 um 18:56 Uhr von aasche erstellt.
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