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Displaymanager

Zum Verständnis dieses Artikels sind folgende Seiten hilfreich:

Wiki/Icons/Oxygen/preferences-system-login.png Displaymanager, auch Loginmanager genannt, bieten eine grafische Anmeldung vor dem Starten einer Desktop-Umgebung. Ist ein Displaymanager aktiviert, so wird der XServer bereits vor der eigentlichen Anmeldung gestartet. Falls mehrere Desktop-Umgebungen bzw. Fenstermanager installiert sind, kann auch die jeweils gewünschte Sitzung ausgewählt werden.

Informationen über die Displaymanager

Bei den meisten Ubuntu-Versionen (allerdings nicht bei der Server-/Minimalinstallation!) ist ein Displaymanager bereits vorinstalliert. Welcher dies ist, kann in der Textdatei /etc/X11/default-display-manager nachgesehen werden.

Soll der beim Booten startende Manager gewechselt werden, so muss zunächst der neue parallel installiert werden. Ist nun ein neuer Manager vorhanden, muss die Standardeinstellung für den zu ladenden Displaymanager geändert werden.

Installiert man das Programm aus den Paketquellen [1] heraus, so wird die Änderung automatisch von debconfig übernommen. Möchte man die Einstellung wieder ändern, so führt man ein dpkg-reconfigure mit dem jeweiligen Paket aus. Beispiel:

sudo dpkg-reconfigure lightdm 

um LightDM (wieder) als Standard zu setzen. Alternativ kann man das gewünschte Programm in der Datei /etc/X11/default-display-manager eintragen.

Display Manager Standard in Paket Bemerkungen
LightDM Xubuntu, Lubuntu (bis 18.04), Ubuntu_MATE, Ubuntu Budgie lightdm Ubuntu
GDM3/GDM Ubuntu gdm3 (main) bzw. gdm (universe) Ubuntu ab 17.10
SDDM Kubuntu, Lubuntu ab 18.10 sddm (universe) Neuentwicklung als Ersatz für KDM
LXDM lxdm (universe)
SLiM slim (universe) sehr geringer Ressourcenbedarf
WDM wdm (universe) Projektseite nicht mehr online, Entwicklung seit 2005 inaktiv
XDM xdm (universe) Klassiker, auf dem alle anderen Displaymanager direkt oder indirekt basieren

Die Konfiguration der Manager wird im jeweiligen Artikel (soweit vorhanden) beschrieben.

Sitzungsauswahl

Hier wird erklärt, wie man dem Menü eine Session hinzufügt oder das Xclient-Skript ausführt. Sitzungen kann man bei LightDM, GDM, KDM und LXDM hinzufügen, die anderen Displaymanager verwenden ein Xclient-Skript.

Sitzung hinzufügen

Die Dateien für die verschiedenen Sitzungen werden im Verzeichnis /usr/share/xsessions/ als .desktop abgelegt und können mit einem Editor [2] bearbeitet bzw. erstellt werden. Die Syntax ist immer gleich, die eventuell anzupassenden Einträge werden erklärt:

1
2
3
4
5
6
[Desktop Entry]
Name=Fluxbox Session     ## der Name der Sitzung
Comment=Unsere Sitzung   ## ein Kommentar
Exec=startfluxbox        ## der Startbefehl des auszuführenden Programms
Icon=
Type=Application

Durch Hinzufügen einer weiteren Datei lässt sich somit jede beliebige Desktop-Umgebung bzw. jeder beliebige Fenstermanager auswählen. Bei einer Standardinstallation aus den Quellen wird diese Datei aber automatisch erstellt und korrekt platziert. Näher auf .desktop-Dateien wird im Artikel Programmstarter eingegangen.

Xclient-Skript

Dieses Skript muss in den meisten Fällen erst angelegt werden und liegt im Homeverzeichnis mit dem Namen ~/.xsession. Es ist ein Shell-Skript und kann dann in etwa so aussehen [2]:

1
2
#!/bin/sh
exec wmii

Für den Benutzer, in dessen Homeverzeichnis sich diese Datei befindet, startet im Anschluss an die Anmeldung der Fenstermanager WMII. Nachfolgend eine Liste der Befehle zum Starten einiger Fenstermanager:

Startbefehl Fenstermanager
dwm DWM
ion3 Ion3
pekwm Pekwm
startfluxbox Fluxbox
startlubuntu Lubuntu
wmaker Windowmaker
wmii WMII

Um das XClient-Skript auszuführen, muss man im Menü zur Sitzungsauswahl (engl.: Session selection, ist bei jedem Design optisch anders gestaltet) und dort "Xclient-Skript ausführen" auswählen.

Experten-Info:

Um den Fenstermanager bereits vor der Anmeldung festzulegen, geht man mit Strg + Alt + F1 in die Konsole und ändert die Datei an dieser Stelle. Mit einem anschließenden Strg + Alt + F7 kommt man dann wieder zurück.

Alternativen

Statt einen Displaymanager zu nutzen, kann man sich auch in der Konsole einloggen und dann mit startx den XServer starten.

Alternativ kann man auch das folgende Paket installieren:

  • nodm (universe)

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install nodm 

Oder mit apturl installieren, Link: apt://nodm

Der Name nodm steht für "no display manager", auf Deutsch also "kein Displaymanager". Auf Systemen mit nur einem Benutzer wird damit nach dem Systemstart direkt die als Standard voreingestellte grafische Desktop-Oberfläche geladen.

Automatische Anmeldung

Siehe dazu den Artikel Autologin.

Achtung!

Wer ein verschlüsseltes Homeverzeichnis verwendet, sollte auf eine automatische Anmeldung verzichten, weil dadurch der Aspekt der Daten-Sicherheit unterlaufen und die Funktionsweise erheblich beeinträchtigt wird.

Problembehebung

Beenden und (Neu-)Starten des DisplayManagers

Manchmal kommt es vor, dass man bestimmte Aufgaben ohne laufenden XServer bzw. auf der Konsole durchführen möchte. Mit den Tastenkombinationen Tasten Strg + Alt + F1 bis Strg + Alt + F6 kann man in sechs unabhängige Textkonsolen wechseln. Befindet man sich erst einmal auf einer Textkonsole, reicht beispielsweise Alt + F2 , um zur zweiten Textkonsole zu wechseln. Zurück zur laufenden Sitzung / graphischen Anmeldung gelangt man mit Alt + F7 oder versionsabhängig auch mit Alt + F8 .

Von einer virtuellen Textkonsole (ttyX) aus kann man den Displaymanager mitsamt Xserver wie folgt beenden, starten oder neu starten (lightdm ist ggf. zu ersetzen):

Aktion Befehl
Beenden
sudo systemctl stop lightdm 
Starten
sudo systemctl start lightdm  
Neustarten
sudo systemctl restart lightdm 

NFS

Diverse Displaymanager arbeiten nicht mit NFS, abgesichert über LDAP zusammen. Besonders kritisch ist dieses dadurch, dass auch die LTS-Version 12.04 betroffen ist und sich die Unterstützung dieser Konfiguration von 10.04 zu 12.04 geändert hat. Nicht vernünftig mit NFS und LDAP arbeiten:

Anmeldung scheitert ("failed to load session")

Insbesondere beim Zurückspielen einer Datensicherung des Homeverzeichnis (z.B. nach einer Neuinstallation) kann es vorkommen, dass Dateirechte nicht korrekt gesetzt wurden. Dies führt nach Eingabe von Nutzername und Passwort dazu, dass man direkt wieder an der Anmeldemaske landet bzw. diese nicht verlassen kann. Eventuell sind Fehlermeldungen wie beispielsweise failed to load session zu sehen. Dann müssen die Rechte zuerst korrigiert werden.

Diese Revision wurde am 25. Oktober 2020 21:28 von tomtomtom erstellt.
Die folgenden Schlagworte wurden dem Artikel zugewiesen: Übersicht, Desktop, System