Ubuntu kann auf die Windows-Dateisysteme VFAT (FAT12, FAT16, FAT32) und NTFS lesend und schreibend zugreifen, allerdings sind einige Einschränkungen zu beachten.
Sowohl FAT- als auch NTFS-Dateisysteme werden automatisch von Ubuntu erkannt, so dass z.B. nach dem Anschließen eines USB-Sticks oder einer externen Festplatte diese automatisch eingebunden und auf dem Desktop angezeigt werden. Alle Windows-Partitionen interner Festplatten werden im GNOME-Hauptmenü unter "Orte" und in vielen Dateimanagern wie z.B. Nautilus aufgelistet und können durch Anklicken eingehängt werden.
Sollen die Windows-Partitionen der internen Festplatten schon direkt beim Systemstart ohne Benutzerinteraktion eingehängt werden, wird ein Eintrag in der Datei fstab benötigt. Diese Einstellungen können während der Installation unter "manuelle Partitionierung" erledigt werden oder später wie folgt:
Dazu muss die UUID der entsprechenden Partition ermittelt und ein Verzeichnis zum Einhängen erstellt werden. Das geschieht mit den folgenden Befehlen[1], wobei <Gerät> durch das entsprechende Gerät der Windows-Partition, z.B /dev/sda6, und <Name> durch die gewünschten Bezeichnung ersetzt werden muss:
sudo blkid <Gerät> sudo mkdir /media/<Name>
Danach wird die folgende Zeile in die Datei /etc/fstab hinzugefügt[2], wobei <UUID> vorher durch die ermittelte UUID (ohne Anführungszeichen!) und <Name> durch die gewünschten Bezeichnung ersetzt werden muss:
Sollte keine grafische Oberfläche installiert sein oder die Konsole bevorzugt werden, ist es wie folgt möglich die Dateisysteme mit mount einzuhängen[1], wobei <Gerät> durch das entsprechende Gerät, wie z.B. /dev/sda6, und <Ordner> durch den entsprechenden Einhängepunkt ersetzt werden muss:
sudo mount -t ntfs -o defaults,nls=utf8,umask=007,gid=46 <Gerät> <Ordner>
Hiervon kann man auch dann Gebrauch machen, wenn man vom Standard abweichende Mount-Optionen benötigt.
Im Gegensatz zu FAT-Dateisystemen installiert Ubuntu standardmäßig keine Routinen zur Wartung (Formatierung, Namens-, Größenänderung usw.) von NTFS-Partitionen. Dies kann durch Installation des Pakets
ntfsprogs
nachgeholt werden[3]. Auf der Live-CD ist dieses bereits vorhanden.
Es ist generell empfehlenswert Windows-Dateisysteme nur zum Dateiaustausch mit anderen Betriebssystemen oder Rechnern zu verwenden, da diese einige Einschränkungen im Vergleich zu Linux-Dateisystemen mitbringen. Auf jeden Fall sollten diese nicht für Linux als z.B. System- oder Homepartition verwendet werden!
Dateien können systembedingt bei FAT32 nicht mehr als 4 GB umfassen.
Da es sich im Falle von NTFS um ein proprietäres Dateisystem handelt, gibt es bis heute (Stand: Karmic Koala 9.10) noch keine Dateisystemüberprüfung. Sollten unter Umständen Inkonsistenzen auftreten, weil die Partition z.B. nicht korrekt ausgehängt wurde oder der Computer abgestürzt ist und diese unter Linux nicht mehr eingehängt werden können, ist es nur möglich diesen Zustand in einem Windows-Betriebssystem wieder zur korrigieren. Normalerweise reicht es dazu einmal Windows zu starten und die externe Festplatte wieder auszuhängen bzw. den PC korrekt herunterzufahren.
Linux verwendet zur Verwaltung der Besitz- und Zugriffsrechte die UNIX-FACL (Filesystem Access-Control-List). Diese wird von keinem der Windows-Dateisysteme unterstützt. FAT kennt keine Dateirechte oder Dateizugehörigkeiten, und das Rechtesystem von NTFS ist ohne größeren Aufwand
nicht mit dem von Linux kompatibel. Eine erweiterte Version von ntfs-3g
, die auch diese Möglichkeit bieten soll, ist zwar in Arbeit, aber derzeit noch nicht als stabiles Release verfügbar (Januar 2010).
Aus diesen Gründen kann Ubuntu auf Windows-Partitionen für einzelne Ordner und Dateien keine Besitz- und Zugriffsrechte verwalten. Statt dessen werden diese beim Einbinden von Windows-Partitionen für die gesamte Partition festgelegt.
Von VFAT-Dateisystemen aus sind weder harte noch symbolische Verknüpfungen (Symlinks) möglich. Von Linuxdateisystemen aus sind aber symbolische Verknüpfungen zu Zielen auf VFAT-Partitionen erlaubt.
Anders als bei VFAT sind auf NTFS-Partitionen sowohl harte als auch symbolische Verknüpfungen zulässig, allerdings werden symbolische von Windows nicht erkannt, sodass sie nur für Linux gültig sind. Entsprechend wird auch in Linux den in Windows eingerichteten symbolischen Verknüpfungen nicht gefolgt.
Beim Verschieben von Dateien auf eine Windows-Partition geht der Zeitstempel (Datum und Uhrzeit) der letzten Änderung verloren, wenn sich dabei der (scheinbare) Besitzer ändert. Um dies zu umgehen wird die Windows-Partition nicht als Eigentum von "Root" (uid=0), sondern als Eigentum desjenigen Benutzers, dem die zu kopierende Datei gehört, eingebunden. Das geschieht mit der Mountoption uid=1000, wobei 1000 - im Regelfall die Nummer des Standardnutzers nach der Installation - durch die entsprechende Benutzernummer ersetzt werden muss.
Das in reinen Linux-Netzwerken am häufigsten verwendete Netzwerk-Protokoll ist NFS. Dieses eignet sich jedoch nur eingeschränkt, um Ordner oder Dateien von Windows-Dateisystemen freizugeben.
Mit FAT ist es nicht möglich aufgrund des Fehlens permanenter Inode-Nummern (siehe hier
).
Mit NTFS ist der Export mittels NFS erst ab Ubuntu Jaunty 9.04 möglich.
Partitionierung: Erstellen und verändern von Partitionen
MS-Windows Integration: Hinweise zum Parallel-Betrieb von Linux und Windows auf einem Rechner oder in einem Netzwerk.
Linux-Partitionen unter Windows: Auch der umgekehrte Weg ist möglich.
vfat-tipps:
Tipps zum vfat-Dateisystem unter Linux mit praktischen Anwendungsbeispielen
http://www.ntfs-3g.org/:
Homepage zum Treiber ntfs-3g
Diese Revision wurde am 12. Januar 2010 um 13:38 Uhr
von Max-Ulrich Farber erstellt.
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