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Samba Client GNOME

Dieser Artikel wurde für die folgenden Ubuntu-Versionen getestet:

Samba_Server/samba-logo.png Dieser Artikel bezieht sich in erster Linie auf die Desktop-Umgebung GNOME, ist aber in weiten Teilen auch für MATE, Unity und Xfce (Xubuntu) gültig. Für KDE (Kubuntu) gibt es einen eigenen Artikel Samba Client/KDE. Zur Orientierung unter allen Artikeln zu den Themengebieten Samba und Windows-Netzwerke dient der Artikel Samba .

Das virtuelle Dateisystem GVfs

Für den direkten Zugriff auf Windows- und Samba-Freigaben wird in GNOME das virtuelle Dateisystem GVfs (Gnome Virtual File System) verwendet. Ursprünglich wurde dieses speziell für die graphische Oberfläche GNOME entwickelt, um auf entfernte Dateisysteme mittels Routinen des GIO (Gnome Input/Output) zuzugreifen. Das GVfs wird aber inzwischen auch in anderen Oberflächen (nicht aber in KDE) benutzt. Zum Einbinden von Windows- und Samba-Freigaben werden zusätzlich nur die Routinen aus dem Paket samba-common gebraucht. Dieses gehört in allen Ubuntu-Versionen zur Standard-Ausstattung. Deshalb ist die Installation weiterer Pakete aus dem Metapaket samba und auch des Pakets cifs-utils nicht nötig. Mit dem GVfs werden die Freigaben nicht systemweit für alle Benutzer, sondern vom jeweiligen Benutzer ohne Root-Rechte im eigenen Userspace eingebunden.

Verschiedene Dateimanager

Außer Nautilus unterstützen inzwischen auch andere Dateimanager das GVfs. Für Thunar gilt dies z.B ab Version 1.1.0 und für PCManFM ab Version 0.9.8. Mit diesen Dateimanagern kann man dann im Netzwerk browsen und auf Freigaben zugreifen wie auf Ordner und Dateien im eigenen Dateisystem. Das Verhalten der verschiedenen Dateimanager unterscheidet sich dabei nur wenig.

Eventuell muss dazu noch folgendes Metapaket nachinstalliert werden:

  • gvfs-backends

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install gvfs-backends 

Oder mit apturl installieren, Link: apt://gvfs-backends

Unabhängig vom jeweils verwendeten Dateimanager bietet auch das sehr vielseitige graphische Tool Gigolo die Möglichkeit, über das GVfs im Netzwerk zu browsen und auf Freigaben zuzugreifen. Außerdem erlaubt es Gigolo, auf einfache Weise Lesezeichen für Freigaben einzurichten und sich mit diesen auf Wunsch auch automatisch zu verbinden. Im Gegensatz zum systemweiten Einbinden von Freigaben mittels Eintrag in /etc/fstab geschieht dies dann beim Einloggen des jeweiligen Benutzers und nicht schon vorher beim Systemstart. Für andere Benutzer haben die Festlegungen in gigolo deshalb keine Bedeutung.

Unterschiede der Protokolle

Schon seit Ubuntu 14.04 LTS sind statt der vorherigen Versionen 3.xx ausschließlich Samba-Versionen 4.xx in den Paketquellen enthalten. Samba 3 benützte lange Zeit ausschließlich das Protokoll SMBv1, auch mit cifs bezeichnet. Wie auch die neueren Windows-Versionen unterstützt nun Samba seit der Version 3.6 optional auch das Protokoll SMBv2 und seit der Version 4.1 auch das Protokoll SMBv3. Seit Samba 4.6 (September 2017) gilt nun SMBv3 als Standard. In Windows 10 und nun auch in Samba seit der Version 4.11 (ab Ubuntu 20.04 LTS) wird in der Grundeinstellung das Protokoll SMBv1 nicht mehr unterstützt, da es als langsam, "geschwätzig" und vor allem als unsicher gilt.

Leider sind das GVfs/GIO und damit alle graphischen Dateimanager derzeit (noch) nicht in der Lage, mit den Protokollen SMBv2 und SMBv3 von Servern Freigaben-Listen zu ermitteln (Stand: Mai 2020). Es ist zu hoffen, dass dieser Mangel bald behoben wird, da diese Einschränkung für Windows-Clients und auch für das Samba-Tool smbclient nicht gilt. Bis dahin bietet das im Artikel SMBsession beschriebene Nautilus-Skript Nautilus-Skript eine Alternative.

Weitere Details und ausführliche technische Informationen finden sich im Artikel Samba Client/Windows-Netzwerk Dort wird auch beschrieben, wie man nötigenfalls Server und Clients konfigurieren muss, damit im Dateimanager der Ordner „Windows-Netzwerk“ und auch die außerhalb dieses Ordners dargestellten Server-Symbole wie gewünscht funktionieren.

Das Netzwerk durchsuchen (browsen)

./Windows-Netzwerk.png

Beim Browsen im Netzwerk muss man zwei Stufen unterscheiden.

  • Bei der ersten Stufe handelt es sich um das Suchen und Auffinden der im Netzwerk verfügbaren Server.

  • Bei der zweiten Stufe geht es um das Auffinden verfügbarer Freigaben auf dem ausgewählten Server.

Die erste Stufe ist von dem verwendeten Samba-Protokoll unabhängig. Die zweite Stufe funktioniert nur dann, wenn der Client vom Server eine Freigaben-Liste erhält. Über das GVfs bzw. GIO ist dies bis jetzt leider nur mit dem Protokoll SMBv1 (cifs, NT1), nicht aber mit den moderneren Protokollen SMBv2 und SMBv3 möglich.

Das Browsen im Netzwerk kann man in jedem beliebigen Fenster des Dateimanagers beginnen, wobei sich das Verfahren bei den verschiedenen Dateimanagern nur geringfügig unterscheidet. In Nautilus findet man dort alle verfügbaren Server unter andere Orte, während z.B. Thunar die Funktion Netzwerk durchsuchen anbietet. Möglicherweise erscheinen dann die verfügbaren Server mehrfach, weil das GVfs das Netzwerk auf verschiedene Arten durchsuchen und Verbindungen auch über ganz andere Protokolle (z.B . FTP oder WebDAV) herstellen kann. Man wählt dort die Server am besten in der Rubrik Windows-Netzwerk aus. Alternativ kann man auch zum Auffinden der Freigaben in der Befehlszeile des Dateimanagers (in Nautilus mittels Strg L zu aktivieren) smb:/// eingeben.

Namensauflösung

Für die Verbindung mit dem Server wird intern die IP-Adresse des Servers verwendet. In der Adresszeile ist aber der Name des Servers eingetragen. Unter Namensauflösung versteht man das Suchen und hoffentlich Finden der zu diesem Namen gehörenden IP-Adresse. Hierfür gibt es verschiedene Verfahren, die nacheinander in der Reihenfolge durchprobiert werden, die durch name resolve order festgelegt ist und durch einen Eintrag in /etc/samba/smb.conf verändert werden kann (siehe dort). Wird die IP-Adresse des Servers nicht schon auf dem Client selbst gefunden, so muss der Server auf eine Namensanfrage übers Netz antworten. Hierfür ist es nötig, dass dort der Dienst nmbd läuft.

Alternativ kann man auch den Dienst Avahi zur Namensauflösung verwenden. Dafür muss dann der Servername noch durch .local erweitert werden. Für Windows-Server funktioniert dies erst seit Windows 10 ohne die Installation zusätzlicher Software.

Kennt man die IP-Adresse des Servers, so kann man statt des Servernamens auch diese eintragen und so die Namensauflösung ganz umgehen. Beispiel:

smb://192.168.178.2/public

Ermitteln der Freigaben-Liste

Klickt man nun das Symbol eines Servers an, so versucht der Dateimanager über GVfs/GIO, von diesem eine Freigaben-Liste zu erhalten. Ist auf beiden, Server und Client, das Protokoll SMBv1 zugelassen, gelingt dies, und man kann dann weiter browsen wie im lokalen Dateisystem.

Ist dies aber nicht der Fall, dann erscheint statt dessen die etwas missverständliche Fehlermeldung

Empfangen der Freigabenliste vom Server ist gescheitert:
Verbindungsaufbau abgelehnt

Kennt man den Namen der gesuchten Freigabe, so kann man dann aber trotzdem fortfahren, indem man diesen von Hand in die Adresszeile des Dateimanagers einträgt. Danach kann man dann auch ohne SMBv1 innerhalb der Freigabe weiter browsen.

Reaktivieren von SMBv1

Möchte oder kann man trotzdem nicht darauf verzichten, von einem Samba-Client aus mit dem Dateimanager auf dem Samba- oder Windows-Server nach Freigaben zu suchen (browsen), hat man nur die Wahl, auf beiden, Server und Client, das veraltete Protokoll SMBv1 wieder zu aktivieren. Auf dem Samba-Client geschieht dies, indem man mit Root-Rechten im Teil [global] der Datei /etc/samba/smb.conf folgende Zeile einfügt:

client min protocol = NT1

Möglicherweise ist auf einem Client, der nicht gleichzeitig auch als Server verwendet wird, und auf dem deshalb das Metapaket samba nicht komplett installiert ist, gar keine Datei /etc/samba/smb.conf vorhanden. Dann muss man diese zuvor von Hand als leere Textdatei anlegen. Dies kann z.B. im Terminal[1] mit folgender Befehlszeile geschehen:

sudo touch /etc/samba/smb.conf 

Es genügt, in diese Datei dann ohne weitere Angaben nur obige Zeile einzutragen.

Achtung!

Das Protokoll SMBv1 (cifs, NT1) gilt als unsicher und sollte deshalb auf Rechnern mit sensiblen Daten oder in unsicheren Netzen nicht mehr zugelassen werden. Neuere Server (Windows 10, Samba ab Version 4.11) verweigern deshalb in der Grundeinstellung den Zugriff über SMBv1 (cifs). Siehe dazu auch Samba Server und Samba Server GNOME.

Browsen ohne SMBv1 mit Nautilus-Skript

Eine Möglichkeit, mit einem Nautilus-Skript auf einem Windows- oder Samba-Server zu browsen ohne SMBv1 wieder zu reaktivieren, ist im Artikel SMBsession beschrieben.

Einhängen (mounten) der Freigaben

Klickt man nun eine der angezeigten Freigaben an, so wird diese über das GVfs/GIO auf dem Client eingehängt ("gemountet"). Dafür handelt der Client mit dem Server das Protokoll aus und wählt dann das höchste Protokoll, das beide Seiten verstehen und das bei beiden zugelassen ist. Ab Samba 4.6 (also ab Ubuntu 18.04 LTS) ist dies nun üblicherweise SMBv2 oder SMBv3 (derzeit SMB3.11).

Die auf diese Weise eingehängten ("gemounteten") Freigaben erscheinen in der linken Sparte des Dateimanagers. Die Zuordnung zu einer Rubrik hängt vom jeweiligen Dateimanager ab. Bei Ubuntu Mate erscheinen zudem noch Symbole für die eingehängten Freigaben auf dem Desktop. Weil die Verbindung über das GVfs/GIO vom jeweiligen Benutzer und nicht von "root" hergestellt wurde, kann dieser die Freigaben jederzeit auch wieder selbst aushängen, wenn er sie nicht mehr braucht.

Öffentliche Freigaben

Auf öffentlichen Freigaben (Gast-Zugang gestattet) kann man ohne weitere Umstände weiter navigieren, wie wenn es sich um Ordner und Dateien des lokalen Dateisystems handeln würde. Der Dateimanager greift auf diese dann als Gast unter dem Benutzernamen nobody zu, für den kein Samba-Passwort festgelegt ist. Auf dem Client erscheinen die Freigaben als Eigentum von root:root mit Lese-und Schreibrechten für jedermann, die jedoch durch die Rechte des virtuellen Benutzers nobody auf dem Server eingeschränkt sein können.

Üblicherweise erscheint auch zum Einhängen öffentlicher Freigaben die Aufforderung, Benutzername und Passwort einzugeben. Man kann dann die Freigaben wahlweise als virtueller Benutzer nobody (Aufforderung ohne Eingabe von Benutzername und Passwort überspringen) oder mit Benutzername und Passwort einhängen. Die Zugriffsrechte auf dem Server können in beiden Fällen verschieden sein. Sollte der verwendete Dateimanager diese Möglichkeit nicht bieten, so kann man mittels gvfs-mount (bis Ubuntu 16.04) bzw. gio mount auch öffentliche Freigaben wahlweise als Gast oder mittels Benutzername und Passwort einbinden (siehe gio mount).

./Passwort-eingeben.png

Geschützte Freigaben

Klickt man hingegen eine geschützte Freigabe (Gast-Zugang nicht gestattet) an, so ist die Eingabe von Benutzername und Passwort obligatorisch. Standardmäßig wird zunächst der Name des eingeloggten Benutzers vorgeschlagen. An dessen Stelle kann man aber auch jeden anderen Benutzer eintragen, der auf dem Server einen eigenen Samba-Account hat. Als Passwort muss dann dessen Samba-Passwort (nicht unbedingt identisch mit dem System-Passwort) angegeben werden. In einem Netzwerk ohne Domänen-Struktur wird das Feld "Domäne" ignoriert. Man kann es dann frei lassen oder den Namen der Arbeitsgruppe eintragen.

Jeder, der das Samba-Passwort eines anderen Benutzers kennt, kann auch mit dessen Identität die Verbindung herstellen und sich ggf. so z.B. Zugriff zu dessen freigegebenem Heimverzeichnis verschaffen. Man sollte deshalb unbedingt darauf achten, sein Samba-Passwort nicht leichtfertig oder versehentlich preiszugeben.

Hinweis:

Auf Freigaben, die auf einem Windows-Server innerhalb der "Heimnetzgruppe" erstellt werden, können nur Windows-Clients zugreifen. Sollen auch Linux-Clients zugreifen können, muss der Server die Heimnetzgruppe verlassen.

Verbindung lösen

Sobald die Verbindung zu der Freigabe hergestellt ist, erscheint diese in der linken Spalte des Dateimanagers und bei Ubuntu Mate außerdem noch auf dem Desktop. Auch wenn das Auswahlfenster geschlossen wird, bleibt die Verbindung zu der Freigabe bestehen. Man kann innerhalb der Sitzung immer wieder ohne erneute Eingabe des Passworts auf die Freigabe zugreifen.

Beim Beenden der jeweiligen Sitzung (Benutzerwechsel, Herunterfahren (Shutdown) oder Neustart (Reboot)) werden über GIO eingehängte Freigaben automatisch wieder ausgehängt. Sie müssen also bei Bedarf in jeder Sitzung wieder neu eingehängt werden. Weil die Freigaben über GIO vom Benutzer ohne Root-Rechte eingehängt wurden, kann dieser sie auch während der Sitzung jederzeit wieder aushängen, wenn er den Zugriff nicht mehr braucht.

Direkter Zugriff über die Adresszeile

Über das GVfs/GIO ist es derzeit mit den Protokollen SMBv2 und SMBv3 nur noch möglich, auf Freigaben zuzugreifen, deren Namen man kennt. Freigaben-Listen zum Durchsuchen des Servers kann das GIO mit diesen Protokollen nicht ermitteln. Seit Samba 4.11 (ab Ubuntu 20.04 LTS) wird nun das frühere Protokoll SMBv1 standardmäßig nicht mehr unterstützt. Ohne auf Server und Client die Standard-Einstellungen zu verändern, kommt man deshalb nicht mehr umhin, nach dem Auffinden des Servers den Namen der gewünschten Freigabe von Hand in die Adresszeile des Dateimanagers einzutragen (s.o.). Dann kann es einfacher sein, auf das Browsen ganz zu verzichten und von Anfang an nur die Adresszeile zu verwenden.

Schema

Für den Eintrag in der Adresszeile genügt folgendes Schema (vereinfachte Syntax):

smb://<Server>/<Freigabe>

Beispiel:

smb://diskstation/public

oder

smb://192.168.178.2/public

Anschließend kann man mit der Freigabe weiter verfahren (browsen oder öffnen) wie mit einem lokalen Ordner bzw. einer lokalen Datei.

Die Form smb://<Server>/<Freigabe> wird inzwischen von fast allen Anwendungen verstanden, obwohl sie streng genommen nicht POSIX-konform ist. Für die wenigen Programme, die mit dieser Form (noch) nicht klar kommen, ist im Artikel gio mount eine alternative Zugriffsmöglichkeit beschrieben.

Einschränkungen und Alternativen

Das GVfs/GIO ist in Ubuntu keineswegs die einzige Möglichkeit, auf Windows- und Samba-Freigaben zuzugreifen. Wegen seiner einfachen Handhabung eignet es sich vor allem für Netzwerke mit wechselnden Teilnehmern und für sporadische Benutzerfreigaben, die man häufiger ein- und wieder aushängen möchte. Bei Freigaben, die ständig auf dem Client verfügbar sein sollen, kann es vorteilhaft sein, diese mit dem cifs-vfs fest in das Dateisystem des Client einzubinden (zu mounten). Dies ist in den Artikeln Samba Client cifs und fstab beschrieben.

Hinweis:

SMB-Freigaben, die über einen Eintrag in /etc/fstab systemweit potenziell (Option noauto) oder real eingebunden sind, werden in Nautilus ebenfalls im Bereich "Netzwerke" angezeigt. Klickt man diese an, wird die Verbindung zum Server jedoch nicht von Nautilus mittels gio mount… im GVfs hergestellt, sondern es gelten die Angaben im fstab-Eintrag (cifs-vfs, mount-Optionen).

UNIX-Erweiterungen, Besitz- und Zugriffsrechte

Außerdem unterstützt das GVfs/GIO nicht die volle Funktionalität und die Gesamtzahl der Optionen des jeweiligen Protokolls. Dies gilt z.B. für die cifs-UNIX-Erweiterungen (derzeit nur SMBv1), seit SMBv2 auch für die Unterstützung der Windows-ACLs und seit SMBv3 für das Verschlüsseln der Daten und für die POSIX-Erweiterungen. Mit dem GVfs ist es deshalb auch nicht möglich, die Datei-Attribute wie Benutzer und Zugriffsrechte zwischen dem Server und dem Client zu synchronisieren. Eine volle Unterstützung aller aktuell verfügbaren Optionen bietet nur das CIFS-VFS.

Problembehebung

Dateinamen unlesbar

Dateinamen mit ungewöhnlichen Sonderzeichen, die zwar vom Server akzeptiert, aber sonst nicht zulässig sind, werden vom GVfs u.U. nicht erkannt. Auf dem Client erscheinen dann nur unverständliche, kryptische Zeichenfolgen. Kann oder möchte man diese Dateinamen nicht auf dem Server ändern, kann man die Freigaben oftmals trotzdem über das cifs-vfs einbinden, das sich hier als toleranter erweist.

Eine Anwendung kann nicht auf die Freigabe zugreifen

Einige Programme (z.B. der Musik-Spieler Amarok) kommen mit der vom GVfs verwendeten Syntax nicht klar und benötigen eine POSIX-konforme Adresse (ohne Doppelslash und Doppelpunkt). Da dieses Problem auch für andere Dienste (z.B. FTP, WebDAV u.a.) gilt, ist die Lösung im Artikel gio mount beschrieben.

Beim Browsen werden nicht alle Server angezeigt

Wenn beim Browsen nicht alle Server angezeigt oder Server nicht gefunden werden, wenn man ihren Namen in der Adresszeile des Dateimanagers eingibt, sind ganz verschiedene Ursachen möglich.

Windows-Heimnetzgruppe

Auf Freigaben in der "Heimnetzgruppe" kann nicht zugegriffen werden.

Fehler in der Domänen-Struktur

Wenn das (Windows-)Netzwerk in Domänen aufgeteilt ist, kann es sein, dass der Samba-Client fehlerhaft eingebunden ist. Hierauf näher einzugehen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Weitere Hinweise finden sich in Samba Winbind.

Fehler bei der Namensauflösung

Der Zugriff auf einen Server findet in Samba über dessen IP-Adresse statt. Servernamen müssen von Samba aufgelöst, d.h. ihre IP-Adresse muss ermittelt werden. Hierzu fragt Samba standardmäßig zuerst bei den vorhandenen Namens-Servern (DNS-Server, Datei hosts, WINS-Server) nach, ob der Name bekannt ist, und leitet erst bei Fehlmeldung einen Rundspruch (Broadcast) im Netz ein. Windows geht hingegen umgekehrt vor.

Manche Internet-Provider bzw. ihre DNS-Server leiten in unfairer Weise auf eine Seite mit Werbung um, sobald die angeforderte Adresse unbekannt ist. Dadurch wird die Namensauflösung in Samba vereitelt. Auch sogenannte "Navigationshilfen" 🇩🇪 (Ergänzungen unvollständiger URLs) können die Namensauflösung in Samba stören.

Lösungen

  • Wenn möglich, im Kundencenter des Providers "Navigationshilfen" ausschalten. Sonst:

  • "Insider" können mit Root-Rechten in der Datei /etc/samba/smb.conf des Client die Zeile

    name resolve order = lmhosts host wins bcast

    so abändern, dass lmhosts host erst hinter bcast steht. Ist die Zeile mit einem vorangestellten Semikolon deaktiviert, so muss man dieses entfernen.

  • Wenn man die IP-Adresse des Servers kennt und auf das Browsen im Netzwerk verzichten kann, kann man in der Adresszeile des Dateimanagers statt des Server-Namens direkt dessen IP-Adresse eingeben. Damit umgeht man das Problem.

  • Das GVfs kann Servernamen auch über Avahi auflösen. Dazu hängt man an den Servernamen in der Adresszeile den Zusatz .local an.

Authentifikations-Probleme

Samba-4 (Standard seit Ubuntu 14.10) verwendet bei der Authentifikation standardmäßig die starke Verschlüsselung "NTLMv2". Von älteren Servern (auch NAS oder Router) wird diese manchmal noch nicht verstanden. Alternative Verschlüsselungen sind z.B. "NTLM" (Vorgänger) oder "Lanman" (veraltet und unsicher).

Leider kann man beim GVfs/GIO (verwendet in Nautilus, Gigolo usw.) die Art der Authentifikation nicht für einzelne Freigaben beeinflussen. Man kann diese nur durch eine Zeile der folgenden Art im Teil [global] der Datei /etc/samba/smb.conf für den gesamten Client verändern:

  client NTLMv2 auth = no
  client lanman auth = yes   #(veraltet und unsicher, möglichst vermeiden!)

Aus Sicherheitsgründen sollte man dies nur dann tun, wenn es unbedingt nötig ist. Im Gegensatz zum GVfs/GIO erlaubt es das CIFS-VFS auch, die Art der Authentifikation für den Zugriff auf einzelne Freigaben festzulegen.

Hinweis:

Weitere Hinweise zur Problembehebung finden sich im Artikel Samba Client smbclient.

Nach einem Neustart wird das richtige Passwort ab sofort von Nautilus akzeptiert.

Es ist keine Authentifizierung im Passwort-Dialog möglich

Folgendes Problem kann bei Verwendung des Windows Live Sign-In Assistant auftreten: Beim Zugriff auf Netzwerkcomputer über Nautilus erscheint die Aufforderung, sich am Windows-Rechner zu identifizieren. Eingabe der richtigen Windows-Benutzerkennung öffnet den Dialog erneut. Direkte Eingabe des Ordners smb://[IP]/[Freigabeordnername] führt zum selben Ergebnis. Das Problem kann leicht durch Deinstallation des Windows Live Sign-In Assistant beseitigt werden.

Fehlermeldung: Einhängen des Ortes nicht möglich / Einhängen des Windows-Speichers nicht möglich

Problem

Bei aktiviertem „Gastzugriff“ in den Freigabeoptionen für einen Ordner ist das Öffnen dieser Freigabe in Nautilus nicht möglich, auch nicht als Besitzer der Freigabe. Es erscheint die Fehlermeldung: „Einhängen des Ortes nicht möglich / Einhängen des Windows-Speichers nicht möglich“.

Oder: Ohne aktivierten „Gastzugriff“ in den Freigabeoptionen ist das Öffnen dieser Freigabe in Nautilus nur für den Besitzer des freigegebenen Ordners möglich. Beim Versuch der Authentifizierung als anderer im System und per „smbpasswd“ angelegter Benutzer erscheint die Fehlermeldung: „Einhängen des Ortes nicht möglich / Einhängen des Windows-Speichers nicht möglich“.

Lösung

Es ist sicherzustellen, dass der Ordner der Freigabe existiert. Ist dies der Fall, dann wird das Problem durch fehlende Zugriffsrechte für den freigegebenen Ordner ausgelöst. Es ist zu überprüfen, ob der gesamte Pfad des freigegebenen Ordners mindestens die Zugriffsrechte „Auf Dateien zugreifen“ für „Andere Benutzer“ besitzt.

Im Beispiel

/home/user/share

müssen alle drei Ordner des Pfades die Rechte

drwxr-xr-x

besitzen.

Kein Zugriff auf Server mit Windows 10 oder Ubuntu 20.04

In Windows 10 Version 1709 und neuer sowie in Samba 4.11 und neuer (ab Ubuntu 20.04) ist die Unterstützung für SMBv1 standardmäßig deaktiviert. Bis zur Samba-Version 4.6 (bis Ubuntu 17.04) sind aber Samba-Clients standardmäßig so konfiguriert, dass sie maximal SMBv1 verwenden.

Lösungsmöglichkeit A (nicht empfohlen)

Auf dem Server die Unterstützung des Protokolls SMBv1 aktivieren:

  • unter Windows: "Start → Ausführen" oder Windows-Taste + R drücken, dann "optionalfeatures" eingeben. In dem Fenster "Windows-Features" dann folgendes Feature aktivieren: "Unterstützung für die SMB 1.0/CIFS-Dateifreigabe → "MB 1.0/CIFS-Server". Danach Neustart.

  • in Ubuntu: Mit Root-Rechten[1] im Teil global der Datei /etc/samba/smb.conf folgende Zeile einfügen:

     server min protocol = NT1 

    Die Datei speichern und den Dienst smbd oder Ubuntu neu starten.

Die Verwendung des Protokolls SMBv1 kann jedoch die Performance und die Sicherheit des Netzwerks beeinträchtigen.

Lösungsmöglichkeit B

Wenn möglich, dem (älteren) Samba-Client die Nutzung einer höheren Protokollversion erlauben. Dazu mit Root-Rechten im Teil [global] der Datei /etc/samba/smb.conf folgende Zeile einfügen:

   client max protocol = SMB3

Die Datei speichern und den Dienst smbd oder Ubuntu neu starten.

Im Gegensatz zur Lösungsmöglichkeit A funktioniert so zwar die Auflistung der Freigaben im Dateimanager nicht, aber auf die Freigabe kann zugegriffen werden, wenn diese von Hand in die Adresszeile eingegeben wird (s.o.).

Intern

  • Samba Allgemeine Erklärungen zum Thema und weitere Links

    • Samba Client KDE - Die entsprechende Seite für KDE (Kubuntu)

    • Samba Client/Windows-Netzwerk – Details und technische Informationen zur optimalen Konfiguration von Server und Client.

    • Samba Client cifs - Einbinden ("mounten") von Freigaben mit dem CIFS-VFS ins lokale Dateisystem des Client

    • SMBsession - Ein Nautilus-Skript zum Browsen auf Windows- und Samba-Servern ohne SMBv1

  • gvfs-mount - GVfs auch im Terminal und in Skripten verwenden (bis Ubuntu 16.04 LTS)

  • gio mount - Lokale und entfernte Orte im GVfs einbinden (ab Ubuntu 18.04 LTS)

  • gio - Kommandozeilenprogramm für das GVfs

  • Gigolo - Ein vielseitiges graphisches Tool für das GVfs, das es auch auf einfache Art erlaubt, Freigaben beim Einloggen des Benutzers automatisch einzubinden.

Extern

Diese Revision wurde am 18. Juli 2020 21:20 von ubot erstellt.