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Gastsitzung

Dieser Artikel wurde für die folgenden Ubuntu-Versionen getestet:


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Wiki/Icons/Oxygen/preferences-system-login.png Die grafische Anmeldung über LightDM (Standard in Ubuntu Budgie, Ubuntu Mate, Ubuntustudio sowie Xubuntu) bietet eine Gastsitzung, die bei der Abmeldung komplett neu initialisiert wird, d.h. es sind keine Daten mehr aus der vorherigen Gastsitzung vorhanden.

Der Gast nutzt dann den Standard-Desktop der jeweiligen Ubuntu-Variante als eingeschränkter Benutzer. Das Speichern von Dateien ist zwar möglich, aber diese Dateien müssen vor einer Abmeldung selbst auf ein externes Speichermedium wie z.B. einen USB-Stick gesichert werden. Andernfalls sind sie unwiderruflich verloren.

Die Displaymanager GDM (Ubuntu) und SDDM (Kubuntu) unterstützen keine Gastsitzung.

Rückblick

Der Gastzugang war in früheren Ubuntu-Versionen (bis 16.04) standardmäßig installiert und aktiviert. Der Gast konnte nicht auf das Verzeichnis /home oder andere Einhängepunkte zugreifen. Der Zugriff wurde verweigert. Genau dieses erwartete Verhalten war ab 16.10 nicht mehr gegeben. Einerseits wurde bei der Hauptversion von Ubuntu durch den Wechsel der Desktopumgebung auch der Displaymanager zu GDM gewechselt, der keinen Gastzugang anbietet. Andererseits wurde in den Versionen, die LightDM von Haus aus mitbringen, der Gastzugang standardmäßig deaktiviert, weil eben die Benutzerverzeichnisse anderer Benutzer ausgespäht werden konnten. Als Grund wird 1663157 angegeben.

aktuelle Versionen

In 20.04 wird dem Gast wieder der Zugriff auf das Verzeichnis /home oder andere Einhängepunkte verweigert. Ubuntu MATE 21.10 aktiviert sogar standardmäßig den Gastzugang, in anderen Derivaten muss man das selber machen.

Konfiguration

Für alle Einstellungen kann eine Datei /etc/lightdm/lightdm.donf.d/99-benutzerdefiniert.conf [1] mit erweiterten Rechten [2] erstellt bzw. bearbeitet [3] werden. Im nachfolgenden kurz Konfigurationsdatei genannt. Damit die Änderungen übernommen bzw. aktiviert werden muss das Betriebssystem neugestartet werden.

Aktivieren

Wer unter 18.04 bis 21.04 einen Gastzugang bereitstellen möchte, sollte zunächst die Rechte in seinem Benutzerverzeichnis einschränken. Auch wer eine frühere Version installiert und ein Upgrade auf 21.10 durchgeführt hat, dem sei eine Prüfung der Rechte unbedingt empfohlen, siehe Wikiartikel Homeverzeichnis (Abschnitt „Rechte“)

Die Konfigurationsdatei benötigt folgenden Eintag unterhalb von [Seat:*]:

[Seat:*]
…
allow-guest=true

Deaktivieren

Wer keine Gastsitzung braucht, kann diese auch komplett deaktivieren. Die Konfigurationsdatei benötigt folgenden Eintag unterhalb von [Seat:*]:

[Seat:*]
…
allow-guest=false

Sitzung

Wenn man erreichen möchte, dass innerhalb der Gastsitzung z.B. die GNOME Shell anstatt der eigentlichen Desktopumgebung gestartet wird, ist es am einfachsten, die GNOME Shell als Standard-Umgebung festzulegen. Die Konfigurationsdatei benötigt folgenden Eintag unterhalb von [Seat:*]:

[Seat:*]
…
user-session=ubuntu

Hinweis:

Einstellungen in anderen Konten werden nicht beeinflusst.

Hinweis ausblenden

Möchte man nicht, dass dem Gast ein Hinweis über die Gastsitzung und ein mögliches Speichern gezeigt wird, kann man eine (leere) Datei /etc/guest-session/skel/.skip-guest-warning-dialog anlegen.

Hinweis:

Unter MATE 20.04 wird der Hinweis nicht gezeigt. Egal ob die Datei existiert oder nicht.

Speichern von Daten ermöglichen

Wird beim Start der Gastsitzung ein beschreibbares Verzeichnis /var/guest-data gefunden, so wird im Hinweis auch eingeblendet, dass dort dauerhaft Daten gespeichert werden können. Es kann angelegt werden mit

sudo mkdir -m 777 /var/guest-data

Startskript

Wird ein ausführbare Datei /etc/guest-session/auto.sh gefunden, so wird sie auch ausgeführt. Ein Beispiel zur Verwendung findet sich unter Gastsitzung/Gastsitzung anpassen (Abschnitt „Desktop-Hintergrund“)

Problembehebung

Kennwort für Gastsitzung

Die Bildschirmsperre für MATE sowie XFCE wird zu Beginn der Gastsitzung deaktiviert. Trotzdem und unter anderen Desktopumgebungen kann es passieren, dass der Bildschirm gesperrt und ein Kennwort verlangt wird. Das wird allerdings schwierig, denn die Gastsitzung verwendet bewusst kein Kennwort.

Als Gast kommt man in dieser Situation allein nicht weiter, man benötigt die Hilfe des Eigentümers des Rechners. Als solcher öffnet man beispielsweise mit Strg + Alt + F1 eine virtuelle Konsole, meldet sich an und lässt sich die aktiven Benutzer anzeigen:

users 
guest-AbCdE12 (eigener Benutzername) (weitere Benutzernamen...)

Mit der Kenntnis des Namens des Gastkontos richtet man ein einfaches Kennwort ein:

sudo passwd guest-AbCdE12 

Anschließend wechselt man mit Strg + Alt + F7 wieder zur Gastsitzung. Nun sollte der Gast die Bildschirmsperre wieder aufheben können. Da die Gastsitzung beim Beenden komplett gelöscht wird, ist damit auch das gesetzte Kennwort hinfällig.

Vermeiden lässt sich das Problem, wenn innerhalb des Gastkontos evtl. vorhandene Mechanismen zur Sperrung des Bildschirms vorab deaktiviert werden. Leider wird man daran als Gast kaum denken...

Rechtevergabe unwirksam

Wer in einem Verzeichnis ein Schreib- und Leserecht für "alle" vergibt, tut dies nicht unbedingt auch für die Gastsitzung. Diese hat zusätzliche Einschränkungen bzw. Ausnahmen, die in /etc/apparmor.d/lightdm-guest-session definiert sind. Nähere Infos auf Englisch findet man bei Askubuntu.

Diese Revision wurde am 22. August 2022 20:10 von sh4711 erstellt.
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