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Einrichtung

Dieser Artikel wurde für die folgenden Ubuntu-Versionen getestet:


Du möchtest den Artikel für eine weitere Ubuntu-Version testen? Mitarbeit im Wiki ist immer willkommen! Dazu sind die Hinweise zum Testen von Artikeln zu beachten.

Zum Verständnis dieses Artikels sind folgende Seiten hilfreich:

Wiki/Icons/bluetooth.png Bluetooth ist eine Nahfeld-Funktechnik, die meist zur Kommunikation mit tragbaren Geräten wie z.B. Mobiltelefonen dient. Auch externe Peripheriegeräte wie Tastaturen, Zeigegeräte (Computer-Mäuse), Kopfhörer mit Mikrofon (Headsets) oder normale Kopfhörer können angebunden werden. Die notwendige Funkschnittstelle ist bei diesen Geräten bereits eingebaut. Beim Computer lässt sie sich via USB (Bluetooth-Dongle) nachrüsten, falls nicht bereits vorhanden.

Installation

Folgende Pakete müssen für ein korrektes Funktionieren von Bluetooth installiert sein [1], die nachfolgende Programme sind grundsätzlich in der Standardinstallation enthalten:

  • bluez

  • bluez-cups

  • bluez-obexd

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install bluez bluez-cups bluez-obexd 

Oder mit apturl installieren, Link: apt://bluez,bluez-cups,bluez-obexd

Prüfung

Vereinzelt werden USB-Sticks vom Computer nicht erkannt oder interne Funkschnittstellen sind defekt. Im Terminal [3] kann mit dem Befehl

lsusb | grep Bluetooth 

festgestellt werden, ob Bluetooth-Geräte am USB-Bus vorhanden sind. Dabei werden auch nähere Informationen zum Gerät angezeigt. Zum Beispiel sieht die Ausgabe der betreffenden Zeile so aus:

Bus 003 Device 004: ID 1310:0001 Roper Class 1 Bluetooth Dongle

Treiber

Gelegentlich fehlt auch der geeignete Treiber, siehe dazu Linux-backports-modules. Möglicherweise fehlt aber auch nur die Firmware.

Konfiguration

Nach der Installation muss der Bluetooth-Dienst evtl. neu gestartet werden. Dies geschieht im Terminal [3] mit dem Befehl

sudo service bluetooth restart 

Sind die benötigten Pakete installiert, wird beim Einstecken des Bluetooth-Dongles normalerweise automatisch das hcid (Host Controller Interface Device) gestartet. Dieses dient als Schnittstelle zum Bluetooth-Gerät. Informationen über das Bluetooth-Gerät erhält man mit dem Befehl:

hciconfig --all 

Die Option --all sorgt dabei für eine erweiterte Informationsausgabe. Zum Beispiel sieht die Ausgabe so aus:

hci0:   Type: USB
        BD Address: 00:0B:0D:33:8E:12 ACL MTU: 120:20 SCO MTU: 64:0
        UP RUNNING PSCAN ISCAN
        RX bytes:834 acl:21 sco:0 events:51 errors:0
        TX bytes:2926 acl:39 sco:0 commands:18 errors:0
        Features: 0xff 0xff 0x05 0x38 0x18 0x18 0x00 0x00
        Packet type: DM1 DM3 DM5 DH1 DH3 DH5 HV1 HV2 HV3
        Link policy: RSWITCH HOLD SNIFF PARK
        Link mode: SLAVE ACCEPT
        Name: 'konidesktop-0'
        Class: 0x100100
        Service Classes:
        Device Class: Computer, Uncategorized
        HCI Ver: 1.2 (0x2) HCI Rev: 0x0 LMP Ver: 1.2 (0x2) LMP Subver: 0x757
        Manufacturer: Silicon Wave (11)

Von besonderem Interesse sind hier die BD-Hardware-Adresse in der zweiten Zeile sowie der Name und die Klasse (Class). Der Name wird automatisch vergeben und ist mit dem Namen des Computers identisch (bis auf das angehängte -0). Die Klasse gibt an, welche Geräteart mit diesem Bluetooth-Anschluss verbunden ist.

Wenn der Gerätename nicht angezeigt wird oder geändert werden soll, kann dazu folgender Befehl verwendet werden:

hciconfig hci0 name NEUER_NAME 

Dabei steht in diesem Beispiel hci0 für ein Bluetooth-Gerät, das mit dem Befehl hciconfig angezeigt wurde.

Verbindung mit dem Mobiltelefon

Hinweis:

Anstelle von Bluetooth kann auch WLAN oder USB (über ADB) verwendet werden. Bekannte Anwendungen für Android sind KDE Connect (Dateiübertragung, Anrufe, SMS, Benachrichtigungen spiegeln) oder scrcpy (Spiegeln des Androidtelefons auf den Computer).

Beim Mobiltelefon muss man nun die Bluetooth-Menüpunkte durchgehen - diese sind bei jedem Gerät woanders untergebracht. Besonders wichtig ist, dass es auf "Sichtbar" eingestellt wird. Außerdem kann ein Name vergeben werden, der nachher bei der Verbindung angezeigt wird. Bei einigen Telefonen kann man sich auch die verfügbaren Dienste anzeigen lassen.

Wenn man diese Einstellungen vorgenommen hat und Bluetooth am Mobilgerät eingeschaltet ist, kann man am Computer im Terminal mit dem folgenden Befehl nach verfügbaren Mobilgeräten suchen:

hcitool scan 

Nun werden alle gefundenen Geräte (außer dem PC, der die Anfrage gestartet hat) mit ihrer Hardware-Adresse und dem Namen angezeigt. Das sieht beispielsweise so aus:

Scanning ...
        00:0E:07:73:3C:B1       K700i

Die Hardware-Adresse des Mobilgerätes ist dementsprechend eine andere als die des USB-Dongles.

Pairing

Der Begriff "Pairing" (Paarung) bezeichnet die (permanente) Bindung zweier Geräte aneinander. Bei Verbindungen über Bluetooth oder andere Funktechniken ist es sehr sinnvoll, wenn sich die Geräte bei jeder Verbindung automatisch identifizieren. Damit zwei Geräte aneinander gebunden werden können, müssen sie zunächst einander bekannt gemacht werden. Dies geschieht bei Bluetooth-Verbindungen durch eine gemeinsame PIN. Diese Nummer muss bei der ersten Kontaktaufnahme auf allen beteiligten Geräten kurz nacheinander eingegeben werden. Je nach Anwendung kann eine PIN auch zufällig ausgewählt werden.

Sollte das Pairing fehlschlagen (Fehlermeldung des Mobiltelefons und es erscheint kein Fenster für den Schlüssel auf dem Desktop), so muss man unter GNOME Bluetooth von Hand starten:

"Einstellungen → Bluetooth" in der oberen Fensterleiste den Regel auf an stellen.

Im Feld Geräte erscheint das gefundene Mobiltelefon. Diese Zeile muss angeklickt werden und der Button "weiter" ist aktiviert. In der Standard-Einstellung wird eine PIN automatisch generiert. Mit Betätigen des Buttons "weiter" wird diese sowohl auf dem Rechner als auch im Mobiltelefon angezeigt und muss auf beiden Geräten bestätigt werden.

Deaktivierung beim Start mit systemd

Der Service kann deaktiviert werden mit:

sudo systemctl disable bluetooth.service 

Sollte man den Bluetooth Dienst doch wieder benutzen wollen, muss im Terminal folgender Befehl eingegeben werden

sudo systemctl start bluetooth.service 

Danach steht der Dienst bis zum nächsten Neustart wieder zur Verfügung.

Konfigurationsdateien

Mit der Installation bluez werden unter /etc/bluetooth/ verschiedene Konfigurationsdateien angelegt. Bei Ubuntu 20.04 sind Änderungen in der Datei rfcomm.conf.dpkg-remove notwendig, wenn dieses Merkmal genutzt werden soll. Dazu benötigt man Root-Rechte.

main.conf

Die Datei /etc/bluetooth/main.conf ist bei Ubuntu vorhanden, aber komplett auskommentiert.

rfcomm.conf.dpkg-remove

Einige Programme benötigen zur Kommunikation eine serielle Schnittstelle. Diese wird bei Bluetooth mit rfcomm zur Verfügung gestellt. Damit lassen sich dem Mobiltelefon Modembefehle senden. Dies wird z.B. benötigt, wenn man den Akkustand abfragen oder über GPRS ins Internet gehen will. Bei der Einrichtung wird das Mobilgerät mittels seiner Hardwareadresse an ein rfcomm-device gebunden. Evtl. muss dabei auch ein Kanal angegeben werden. Wie dies genau funktioniert, wird in der jeweiligen Anleitung für die entsprechende Software erklärt.

Die Datei rfcomm.conf.dpkg-remove enthält diejenigen rfcomm-devices, die beim Systemstart schon eingerichtet werden sollen. Ein recht gutes Beispiel ist bereits in der Datei gegeben.

Nähere Informationen zum Umgang mit rfcomm sind in der rfcomm-manpage 🇬🇧 erhältlich.

Datenübertragung

Dateien vom PC zum Mobiltelefon

Einstellungen → Bluetooth → Verbundenes Gerät → Dateien Senden

Auf das Feld "Dateien senden..." (siehe Mauszeiger im Bild) klicken, es öffnet das Fenster. In diesem Fenster kann zwischen "suchen" (Lupensymbol), "Abbrechen" und "Auswahl" gewählt werden. Ist die zu sendende Datei gefunden und markiert, wird die Übertragung mit dem Betätigen des "Auswahl"-Buttons eingeleitet. Die Annahme am Mobiltelefon muss bestätigt werden. Unter Android wird die Datei idR. im Ordner Bluetooth abgelegt.

Dienste

SDP (Service Discovery Protocol) dient zur Abfrage der auf dem entfernten Gerät verfügbaren Dienste (Bluetooth Profile). Welche Dienste das Gerät anbietet, lässt sich mit dem Befehl

bluetoothctl info Hardwareadresse 

auslesen.

Die Hardwareadresse ist hierbei die Adresse des Bluetoothgeräts. Neben Informationen wie den Namen und ob das Gerät verbunden ist, werden die verfügbaren Bluetooth-Profile als UUIDs aufgelistet. Die Adresse kann unter "Einstellungen → Bluetooth → Gerätename" eingesehen werden.

Anwendungen

Es gibt zahlreiche Programme, die Kommunikation, Datenaustausch, Synchronisation und mehr zwischen mobilen Geräten und dem Rechner über die Bluetooth-Schnittstelle ermöglichen. Diese sind im Artikel Anwendungen für Mobilgeräte zusammengefasst. Auch stationäre Computer können per Bluetooth verbunden werden.

Verbinden von Gamecontrollern

Gamecontroller lassen sich wie wie andere Geräte verbinden. Dazu muss zunächst der pairing-Knopf auf den Controller gedrückt werden, dass Gerät erscheint anschließend in den Einstellungen, den nötigen Knopf entnimmt man der jeweiligen Bedienungsanleitung. Zu beachten ist, dass sich die meisten Gamecontroller nicht laden lassen, während sie über Bluetooth verbunden sind. Sollte eine individuelle Belegung der Tasten benötigt werden kann diese mit evdev vorgenommen werden. Für Funktionen wie die Vibration muss entweder ein entsprechendes Kernelmodul für den Controller nachinstalliert werden oder es ist bereits im Kernel vorhanden.

Problembehebung

Firmware fehlt

Manche Broadcom-Bluetooth-Geräte benötigen eine spezielle Firmware, die aus Lizenzgründen nicht von Ubuntu direkt ausgeliefert werden darf. Dies äußert sich meist darin, dass Bluetooth zwar aktiviert werden kann, aber keine Geräte gefunden werden. Sicher feststellen lässt sich das Problem durch den Aufruf von:

dmesg | grep bluetooth 

Fehlt die Firmware, so taucht in der Ausgabe in etwa diese Zeile auf:

[ 12.314809] bluetooth hci0: Direct firmware load for brcm/BCM43142A0-04ca-2009.hcd failed with error -2

oder

[ 12.314809] bluetooth hci0: Direct firmware load for brcm/BCM.hcd failed with error -2

In ersten Fall fehlt die Firmware BCM43142A0-04ca-2009.hcd für das Gerät mit der ID 04ca:2009. Wird wie im zweiten Fall lediglich das Fehlen der Firmware brcm/BCM.hcd bemängelt, so muss die ID noch ermittelt werden.

Die benötigte Datei lädt man aus diesem Sammelrepository ⮷ herunter und platziert sie unter /lib/firmware/brcm. Dabei muss man die Datei ggf. umbenennen, so dass sie dem Namen in der obigen Meldung entspricht. Dies könnte im zweiten Beispiel so aussehen:

sudo mv ~/Downloads/BCM43142A0-04ca-2009.hcd /lib/firmware/brcm/BCM.hcd 

Nach einem Neustart sollte das Bluetooth-Gerät nun korrekt funktionieren.

Sollte die passende Firmware noch nicht im Sammelrepository zu finden sein, so lässt sie sich aus dem vom Hersteller bereitgestellten Windows-Treiber extrahieren (Details dazu auf Github 🇬🇧 und in diesem Bug).

Codec Auswahl, bei Kopfhörern/Lautsprechern

Falls Probleme mit der Tonausgabe (Qualität, stottern) bestehen kann dies mit dem verwendeten Codec zusammenhängen. Unter 20.04 kann man diverse Codecs aus diesem PPA installieren:

Adresszeile zum Hinzufügen des PPAs:

  • ppa:berglh/pulseaudio-a2dp

Hinweis!

Zusätzliche Fremdquellen können das System gefährden.


Ein PPA unterstützt nicht zwangsläufig alle Ubuntu-Versionen. Weitere Informationen sind der Wiki/Vorlagen/PPA/ppa.png PPA-Beschreibung des Eigentümers/Teams berglh zu entnehmen.

  • pulseaudio-modules-bt

  • libldac

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install pulseaudio-modules-bt libldac 

Oder mit apturl installieren, Link: apt://pulseaudio-modules-bt,libldac

sudo systemctl bluetooth.service restart 

Das PPA wird nicht mehr gewartet. Die Codecs des PPAs wurden mittlerweile in das Pulseaudio-Projekt übernommen und könnten daher in zukünftigen Ubuntu-Versionen vorhanden sein. Konfiguieren kann man die Auswahl des Codecs unter "Einstellungen → Bluetooth → Gerätename".n

Die Codec-Unterstützung hängt hier vom verwendeten Audio-Ausgabe Gerät ab, günstigere Geräte sparen häufig bei diesen, weshalb die Möglichkeit besteht, dass kein so eben installierter funktioniert. In diesem Fall kann die Bitrate in der Pulseaudio-Konfiguration unter /etc/pulse/default.pa angepasst werden. Hier muss die Zeile load-module module-bluetooth-discover zu load-module module-bluetooth-discover a2dp_config="sbc_min_bp=53 sbc_max_bp=53 sbc_freq=44" geändert werden. sbc_min_bp=n sbc_max_bp=n gibt die Verwendete Bitrate an, hier gilt generell höher ist besser, aber nicht jedes Gerät unterstützt eine höhere Bitrate, hier muss durch Ausprobieren der optimale Wert ermittelt werden. Die Zeile kann auch zusätzlich um sbc_cmode=dual ergänzt werden, dies forciert den Stereo Modus.

Wenn die Tonqualität keine Rolle spielt (z.B. bei Telefonaten), kann man das Profil von A2DP auf HSP/HFP umstellen.

Im Superuser-Modus (sudo -s) hilft folgender Befehl:

echo 1 > /sys/module/bluetooth/parameters/disable_ertm 

Danach noch einmal neu koppeln.

Diese Revision wurde am 19. April 2021 07:49 von tuxifreund erstellt.
Die folgenden Schlagworte wurden dem Artikel zugewiesen: Kommunikation, Netzwerk, Hardware, Multimedia