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MythTV

Dieser Artikel wurde für die folgenden Ubuntu-Versionen getestet:

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MythTV verwandelt einen Rechner in ein komfortables Medienzentrum ("media centre") mit Festplattenrekorder. Neben der Möglichkeit, Fernsehsendungen aufzuzeichnen und abzuspielen, bietet MythTV unter anderem Folgendes:

Über Plugins können weitere Zusatzfunktionen wie DVD-Wiedergabe, Videoarchiv, Spiele, Wetterbericht und Browser installiert werden. Es ist auch möglich, den Aufnahme-Rechner so einzurichten, dass er sich zur vorgegebenen Zeit automatisch startet, aufnimmt und danach wieder herunterfährt. MythTV gilt als ausgereift und stabil und ist seit einigen Jahren fester Bestandteil der Repositories. Seine Oberfläche ist auf eine Steuerung per Fernbedienung am Fernseher ausgelegt.

Ein Kernpunkt des Programms ist die Trennung zwischen Backend (für Aufnahmen, Speicherung, Metadaten) und Frontend (Anwendung durch den Zuschauer). So ist es möglich, im Haushalt einen zentralen Backend-Server neben dem Fernsehanschluss aufzustellen, der das Fernsehsignal verarbeitet, und Frontends in anderen Zimmern zu betreiben, die über das Heimnetzwerk gemeinsam auf das Live-Programm oder Aufzeichnungen zugreifen. Auch mehrere Backends können in einem Verbund gesteuert werden.

Mit einem Frontend sieht oder hört sich der Zuschauer die gespeicherten Medien oder Aufnahmen an. Meist ist es ein HTPC (Home-Theater-PC), der als Backend und Frontend zugleich eingerichtet wird, am Fernseher angeschlossen ist und per LIRC (fern)bedient wird, aber auch andere Geräte und Programme können auf das offene MythTV-Protokoll zugreifen, so dass insbesondere über Kodi-Apps mit passenden Addons viele verschiedene Geräte wie Tablets, Smartphones oder auch Smart-TVs als Frontend dienen können.

Im Folgenden wird die Installation und Konfiguration eines Rechners als Backend und Frontend gleichzeitig bzw. eines zusätzlichen Frontends beschrieben.

mythfrontend-main.png ./tv.png mythfrontend-guide.png
Oberfläche TV EPG

Die auf MythTV abgestimmte eigenständige Ubuntu-Variante Mythbuntu wurde im November 2016 eingestellt. Stattdessen werden die mythtv-* -Pakete gepflegt, die sich individuell auf allen verfügbaren Ubuntu-Varianten installieren lassen.

Installation

Als Backend reicht unter Umständen ein älterer Rechner, wobei die konkreten Systemanforderungen von Fall zu Fall unterschiedlich sind (nähere Informationen 🇬🇧). Voraussetzung für die Installation von MythTV ist

  • eine erfolgreiche Betriebssystem-Installation (in unserem Fall Ubuntu oder einer Variante)

  • Netzwerk ist konfiguriert mit stabiler Namens-Auflösung bzw. fixe IP (DHCP oder statisch), da der Name des Backends auch in die Datenbank geschrieben wird.

  • die bereits erfolgreiche Installation der TV-Karten. In MythTV kann so ziemlich alles verwendet werden, was unter Linux erkannt wird: Digital-TV für Satellit mit verschiedenen DISEqC Varianten (bspw. Unicable), Kabel und terrestrischen Empfang, IPTV oder SAT over IP.

  • eine laufende MySQL-Datenbank. MariaDB sollte ebenfalls funktionieren, in der Konfiguration müssen jedoch einige Details beachtet werden.

  • der Festplattenspeicher für die Aufnahmen sollte bereits zur Verfügung stehen.

Die MythTV-Pakete werden unabhängig vom Ubuntu-Derivat gepflegt und können aus dem Ubuntu Repository multiverse bezogen werden. Sie bringen im Allgemeinen die notwendigen Abhängigkeiten bereits mit. Das gängigste Paket ist:

  • mythtv (multiverse, MythTV Backend und Frontend gemeinsam)

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install mythtv 

Oder mit apturl installieren, Link: apt://mythtv

Je nach Einsatzort können auch die mythtv Pakete einzeln installiert werden, damit

  • mythtv-frontend, multiverse, nur das Frontend für einen Client

  • mythtv-backend-master, multiverse, das primäre Backend für den Server mit TV-Anschluss

  • mythtv-backend, multiverse, nur das Backend, ggfs. für weitere Server

Darüberhinaus gibt es noch weitere (Meta-)Pakete, die individuelle Werkzeuge und Services, Plugins, Anbindungen für andere Datenbanken und Integrationen in Frontend-Anwendungen (bspw. Kodi) etc. bereitstellen.

In den Ubuntu-Repositories wird für jede Ubuntu-Release eine bestimmte MythTV-Version vorgehalten und gepflegt. Falls die benötigte MythTV-Version nicht mit der verwendeten Ubuntu-Version zusammenpasst, kann das Mythbuntu-Repo als PPA eingebunden werden, um die gewünschte Kombination Ubuntu/MythTV zu erhalten - siehe Mythbuntu-Repos. In diesem Beispiel wird (unabhängig von der Ubuntu-Version) das PPA für die MythTV-Version 30 angeboten:

Adresszeile zum Hinzufügen des PPAs:

  • ppa:mythbuntu/30

Hinweis!

Zusätzliche Fremdquellen können das System gefährden.


Ein PPA unterstützt nicht zwangsläufig alle Ubuntu-Versionen. Weitere Informationen sind der Wiki/Vorlagen/PPA/ppa.png PPA-Beschreibung des Eigentümers/Teams mythbuntu zu entnehmen.

Damit Pakete aus dem PPA genutzt werden können, müssen die Paketquellen neu eingelesen werden.

Hinweis:

MythTVs Versionsnummern haben sich geändert. Die letzten Versionen bis 2018 lauteten 0.27, 0.28 und 0.29, als Mythbuntu-Repo ppa:mythbuntu/0.29. Dagegen lauten die Versionen ab 2019 wie folgt: 30.0 , bzw. die Mythbuntu-Repos nur ppa:mythbuntu/30

Backend

Mythtv-Setup ist eine komfortable grafische Installations- und Konfigurations-Oberfläche für das MythTV-Backend, hiermit werden viele Funktionen übersichtlich eingerichtet (es bietet die meisten Einstellmöglichkeiten der Vorgänger-Applikation mythbuntu-control-centre). Besonders Einsteiger bekommen damit einen guten Überblick der Basis-Einstellungen und wichtigsten Optionen. Mythtv-Setup wird gestartet in einem Terminal

mythtv-setup

und kann auch über X-Umleitung gestartet werden, wenn das Backend auf einem Server ohne grafischer Oberfläche läuft. Mythtv-Setup selbst ist grafisch und darauf ausgelegt, dass es auch mit Pfeiltasten und etwas Tastatur (ggfs. einer Fernbedienung) konfiguriert werden kann.

Allgemeines

mythtv-setup-main.png mythtv-setup-allg-backend.png Unter den Menüpunkten "Allgemeines""Host Address" Backend Setup' werden die wichtigsten Einstellungen des MythTV-Backends vorgenommen:

  • Port & Status-Port: bitte nicht ändern, dies sind die vorgesehenen Netzwerk-Ports zur Kommunikation vom Frontend

  • Sicherheits-Pin: Diese PIN wird an den autorisierten Frontends eingetragen, falls es nicht auf dem Backend-Server eingerichtet ist. Dabei gelten '0000' als Freigabe von allen Frontends (keine Autorisierung); Kein Eintrag verhindert jeden Zugriff aus dem Netzwerk.

  • Primary IP address / DNS name: Über diese Adresse ist MythTV-Backend im Netzwerk erreichbar - diese Nummer bzw. Name sollte sich nicht ändern, er wird auch in die MySQL-Datenbank eingetragen.

  • This server is the Master Backend: Der Haken hier bestätigt diese Aussage. Das sollte der Fall sein für den ersten MythTV-Server im Netzwerk.

Unter den Menüpunkten "Allgemeines""Lokale Einstellungen" werden die Informationen über Region (in unserem Fall: Deutschland) und TV-Format eingestellt:

  • TV-Norm: PAL

  • VBI-Norm: PAL-Teletext

  • Tabelle der Senderfrequenzen: europe-west

TV-Karten

mythtv-setup-tvkarten-typ.png mythtv-setup-tvkarten-dvbs2.png Nächster Punkt ist die Auswahl der zu verwendenden TV-Karten im gleichnamigen Menüpunkt.

  • Wenn eine DVB-Karte benutzt wird, den Kartentyp "Digital Video Broadcast Card (DVB)" auswählen. Diese sollte dann automatisch erkannt und Daten über die Karte angezeigt werden. Sollte das nicht der Fall sein, ist die Hardware wahrscheinlich noch nicht richtig konfiguriert (Siehe TV-Karte).

    • Der LNB oder auch Multiswitch, Unicable o.ä. wird unter "DISEqC" eingerichtet.

    • Für Twinkarten mit zwei oder mehr Satelliten-Anschlüssen (z.B. Digital Device Cine S2-HDTV) 🇬🇧 muss jeder Tuner einzeln eingerichtet werden. Die werden unterschieden mit frontend0 für den ersten, frontend1 für den zweiten Tuner, etc. Entsprechendes gilt für die Zuordnung .

  • Streaming oder IPTV-Verbindungen werden unter "IPTV Recorder", bei analogen Karten die gleichnamige Option V4L2 Aufnahmegerät" eingerichtet

  • Die Konfiguration von Hardware MPEG-Encodern wie der PVR-150 erfolgt unter "HD-PVR H.264 Aufnahmen".

Bei den übrigen Standardeinstellungen ist im Normalfall nichts zu ändern.

Videoquellen

Danach muss mindestens eine Videoquelle angegeben werden. Videoquellen kommen besonders bei mehreren TV-Karten Bedeutung zu, denn diese regeln, welche Karte auf welche Gruppe von Sendern zugreift. So lassen sich zum Beispiel die Fernsehsender über eine DVB-T-Quelle und eine DVB-S-Quelle auf die unterschiedlichen Karten aufteilen, während sich mehrere TV-Eingänge an einem Satelliten-Multiswitch eine Quelle teilen. Dieser Eintrag wird daher idealerweise nach dem Quellmedium bezeichnet, z.B. DVB-S.

Bei DVB-T, DVB-S und DVB-C kann gleich die Option "EIT" ausgewählt werden, um die meistens mitgelieferten EPG-Daten zu nutzen. Der Nachteil ist, dass die TV-Karte dann ständig von MythTV genutzt wird und kein anderes Programm darauf zugreifen kann (siehe Problemlösung).

Verknüpfungen

Unter "Verknüpfungen" werden dann die definierten Videoquellen den angegebenen TV-Karten zugewiesen. Dabei ist zu beachten, dass Karten unterschiedlichen Typs nicht auf dieselbe Videoquelle zugreifen sollten. Das bedeutet, dass zum Beispiel DVB-T Karten nicht auf DVB-S Sender zugreifen können, jedoch Karten mit derselben Signalquelle zu einer MythTV-Videoquelle zusammengefasst werden sollten.

Je nach Art des TV-Signals unterscheidet sich auch die Sendersuche. Es wird empfohlen, die Sender mit Hilfe einer vorher angefertigten channels.conf-Datei einzuspielen, welche in allen Fällen funktionieren sollte. Hinweise für die Sendersuche bei DVB-T findet man im Artikel dvb-utils. Bei DVB-S/S2 und Analog-TV kann hingegen auch auf den eingebauten Suchlauf zurückgegriffen werden.

Start-Frequenzwerte für den Suchlauf (DVB-S2):

DVB-S Werte : Deutschland
Satellit KHZ Symbolrate
Astra 19,2 Ost 11954000 27500000

Die Sortierung der Kanäle in der Senderliste erfolgt am einfachsten in MythWeb, das zusätzlich installiert werden muss.

Aufnahmeprofile

In Aufnahmeprofile werden die Aufnahme-Qualität eingestellt - einige wie High Quality oder Streaming sind bereits vordefiniert, jedoch können auch weitere Profile definiert werden. Für DVB kann (unter "Aufnahmeprofile""Umwandler""Qualitätsstufe""Bildgröße") die Bildgröße überprüft werden.

Speicherorte

Naturgemäß brauchen die Recordings auf einem Mediaserver eine Menge Speicherplatz. Entsprechende Festplatten (wenn die Systemplatte nicht ausreicht) sollten hier bereits eingerichtet sein. Unter "Speicherorte" wird der Datei-Pfad zum vorgesehenen Speichermedium festgelegt, die Voreinstellung lautet /var/lib/mythtv, in das auch die Unterverzeichnisse bei der Einrichtung angelegt werden.

Entweder das gesamte Wurzelverzeichnis oder einzelne Unterverzeichnisse können definiert werden für folgende Datentypen: banners (Serien-banner), coverart (Filmplakate), fanart (Fanarbeiten), music (Musikaufnahmen), recordings (Videoaufnahmen), streaming (IPTV-Aufnahmen), videos (eigene Videosammlung, von MythTV verwaltet), db_backups (Datenbank-Backups), livetv (Live-TV Aufnahmen), pictures (von MythTV verwaltete Foto-Sammlungen), screenshots (Szenenbilder) oder trailers.

Wenn bestimmte Verzeichnisse für die Speicherung von MythTV-Material nicht zugänglich sind, müssen die Lese- und Schreibrechte für den Benutzer mythtv bzw. die Gruppe mythtv überprüft werden [5].

Abschließende Schritte des mythtv-setup Programms

Die grundlegendsten Einstellungen sind gemacht, und das "Setup" kann mit Esc verlassen werden.

  • Nach dem Ausstieg erscheint die Frage, ob man neue Programminformationen in die Datenbank schreiben will bzw. mythfilldatabase ausgeführt werden soll. Dieser Befehl (der vom Setup-Programm selbst ausgeführt wird) erstellt bzw. aktualisiert die Daten in der MySQL-Datenbank. Die Bestätigung kann in jedem Fall "gefahrlos" gegeben werden. Falls der Bezug von Programminformationen schon definiert ist (besprochenes EIT), werden diese verarbeitet.

  • Ebenfalls automatisch wird ein User und eine Gruppe mythtv angelegt. Unter diesem User läuft der Daemon mythtv-backend und enthält alle wichtigen Verbindungsdaten zur mythtv-Datenbank. Dieser Damon wird kontrolliert bzw. gestartet mit

systemctl status mythtv-backend # Status
systemctl start mythtv-backend # Start 

MySQL Datenbank

Während der Installation wird automatisch die Verbindung zur laufenden Datenbank (MySQL oder MariaDB) geprüft und die Tabellen angelegt. Das Setup informiert den Nutzer über das MySQL-Passwort, welches entweder gleich notiert oder auch nachträglich in den Backend-Einstellungen abgelesen werden kann (bzw. in /etc/mythtv/config.xml → <Password>). Dieses Passwort wird benötigt, um die einzelnen Frontends mit einem Backend zu verbinden.

Bei einer Neuinstallation kann es vorkommen, dass der MySQL-Server nicht auf Anfragen aus dem lokalen LAN erreichbar ist. Um dies zu beheben, muss in der Datei /etc/mysql/conf.d/mythtv.cnf die Zeile "bind-address" mit der eigenen Adresse des Datenbankservers verändert werden:

# Instead of skip-networking the default is now to listen only on
# localhost which is more compatible and is not less secure.
bind-address		= 192.168.178.5 # your IP

Dies ermöglicht ein Zugriff aus dem lokalen Netzwerk. Mit dem Eintrag von '0.0.0.0' kann aus allen Netzwerken zugegriffen werden.

Nach einem Neustart sollte die Verbindung dann klappen.

Frontend Installation

Für die Installation des Frontends wird das Programm

mythfrontend 

gestartet, dass analog zum mythtv-backend auf diesem Rechner ein Frontend von Mythtv einrichtet. An erster Stelle sollte die Überprüfung der Grundfunktionen des Backends stehen. Erforderlich für alle Funktionen des Frontends ist eine Verbindung zum Backend, wofür eine Netzwerkverbindung, das MySQL-Passwort und die IP-Adresse des Backends benötigt wird. Am einfachsten lassen sich diese Eingaben wiederum unter "MythTV Konfiguration" machen, wo sie auch gleich mittels "MySQL Verbindung testen" überprüft werden können. Die Standardeinstellungen, "Benutzer = mythtv" und "MythTV Database = mythconverg", sollten beibehalten werden. Wenn Backend und Frontend zusammenfallen, müsste die Konfiguration bereits übereinstimmen. Lässt sich keine Verbindung aufbauen, sollte zuerst die Konfiguration des MySQL-Servers überprüft werden (siehe Problemlösung). Alternativ dazu können Backend-IP und MySQL-Passwort auch direkt im Frontend unter den Grundeinstellungen eingetragen werden.

Starten lässt sich das Frontend selbst unter "Anwendungen → Sound & Video → Mythtv Frontend", das unter dem Benutzer mythtv läuft. Im Menüpunkt "Fernsehen" kann überprüft werden, ob alles "richtig" gemacht wurde. Dann können weitere Funktionen und Einstellungen gemacht werden, um das volle Potenzial von Mythtv auszuschöpfen.

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extern

Diese Revision wurde am 2. Mai 2020 19:04 von dirkolus erstellt.
Die folgenden Schlagworte wurden dem Artikel zugewiesen: TV, Multimedia