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MIDI

MIDI steht für Musical Instrument Digital Interface. Vereinfacht ist MIDI eine Datenstruktur zur Steuerung von elektronischen Musikinstrumenten. Eine MIDI-Datei enthält dabei keinen Töne, sondern die Musiknoten für 16 Kanäle. Jedem Kanal kann eines von 128 verschiedenen Sound-Programmen zugewiesen werden. Weitere Informationen befinden sich in dieser Einführung 🇬🇧.

MIDI abspielen

Um sich MIDI-Dateien in guter Qualität anzuhören, ist der Player Audacious empfehlenswert. Dazu wird ein SoundFont, wie z.B. der weiter unten erwähnte Fluid-Soundfont, benötigt. Um diesen anschließend auszuwählen, geht man im Menü "Einstellungen" auf das Eingabeplugin "Amidi" und wählt unter "FluidSynth-Backend" die entsprechende .sf2 Soundfont-Datei aus (nach der Installation des Fluid-Soundfonts befindet sich die entsprechende Datei im Verzeichnis /usr/share/sounds/sf2).

Wem es nur darum geht, eine MIDI-Datei anzuhören und eventuell noch einzelne Stimmen stumm zu schalten bzw. das Tempo anzupassen, kann man am einfachsten ein Notenprogramm wie MuseScore verwenden und braucht sich nicht mit der u.U. komplizierten Installation und Konfiguration von MIDI-Software herumzuschlagen. Das Abspielen einer MIDI-Datei umfasst zwei Vorgänge: Ein MIDI-Player oder ein Sequenzer erzeugt aus einer MIDI-Datei Steuerbefehle für den Tonerzeuger. Der Tonerzeuger produziert aus den Befehlen Töne und macht die Musik damit hörbar.

Der Tonerzeuger kann sowohl in Hardware als auch in Software realisiert sein.

Zu den Hardware-basierten Lösungen gehören:

  • externe MIDI-Instrumente am MIDI-Ausgang des Computers

  • eine Soundkarte mit integriertem MIDI-Synthesizer-Chip

Zu den Software-basierten Lösungen gehören:

  • Die Verwendung einer Soundbank (Soundfont), die von der Soundkarte verwaltet wird - v.A. zur Wiedergabe von Naturklängen wie Klavier etc. (auch Wavetable-Synthesizer genannt).

  • Die Software-Emulation eines Synthesizers, z.B. amSynth 🇬🇧 oder Bristol 🇬🇧 - hiermit werden überwiegend synthetische Klänge erzeugt.

Im Fall von Timidity sind MIDI-Player und Tonerzeuger (Synthesizer) in einem Programm integriert.

Synthesizer und Player in einem: TiMidity

TiMidity ist ein Software-Synthesizer, der MIDI-Dateien entweder direkt abspielt oder aber als Tonerzeuger für einen Sequenzer wie z.B. Rosegarden dient.

  • timidity (universe)

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install timidity 

Oder mit apturl installieren, Link: apt://timidity

Hier muss zum Abspielen nicht erst ein SoundFont installiert werden, denn TiMidity bewältigt diese Aufgaben selbst.

Allerdings ist das von TiMidity als Standard benutzte Soundfont nicht sehr umfangreich, so dass beim Abspielen von MIDI-Dateien oft einzelne Instrumente nicht zu hören sind. Mehr Spaß macht TiMidity mit dem Soundfont

  • fluid-soundfont-gm (universe, ca. 120MB)

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install fluid-soundfont-gm 

Oder mit apturl installieren, Link: apt://fluid-soundfont-gm

und ggf

  • fluid-soundfont-gs (universe, )

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install fluid-soundfont-gs 

Oder mit apturl installieren, Link: apt://fluid-soundfont-gs

In der Datei /etc/timidity/timidity.cfg muss für dieses Soundfont die Zeile

source /etc/timidity/freepats.cfg

geändert werden in [5]

source /etc/timidity/fluidr3_gm.cfg
source /etc/timidity/fluidr3_gs.cfg

Dazu benötigt man Root-Rechte.

Ein kleiner Auszug von der Vielseitigkeit von TiMidity soll hier gegeben werden:

  • MIDI-Dateien abspielen

    timidity midi.mid 

  • Timitidy mit einer GUI starten

    timidity -ig 

Eventuell muss hierfür das Paket timidity-interfaces-extra (universe) installiert werden.

  • Musikplayer-Interface (nur MIDI)

    timidity -ia 

  • umwandeln von MIDI-Dateien ins WAV-Format

    timidity -OwS input.mid -o output.wav 

  • Startbar als Server, um anderen Programmen (wie pmidi) einen Port anzubieten

    timidity -iA -B2,8 -Os1l -s 44100 

Wenn man TiMidity nur ab und zu nutzen möchte und auch mal ein Sequenzer-Programm einsetzen möchte, kann sich ein kleines Skript, zum Beispiel startmidi schreiben:

  • sudo modprobe snd-seq-device
    sudo modprobe snd-seq-midi
    sudo modprobe snd-seq-oss
    sudo modprobe snd-seq-midi-event
    sudo modprobe snd-seq
    timidity -iA -B2,8 -Os1l -s 44100 

Damit die Datei auch ausführbar ist, noch ein

  • chmod 755 startmidi" 

Nun kann man einfach das Skript starten und hat sofort ein MIDI-Ausgabegerät zum Beispiel für den Sequenzer Rosegarden zur Verfügung. Nach dem Ausführen bekommt man die Ausgabe:

  •         Timidity starting in ALSA server mode
            Opening sequencer port 128:0 128:1 

Falls es beim Abspielen "ruckelt", kann man die Reverb und Chorus wie folgt abschalten:

  • timidity -iA -B2,8 -Os1l -s 44100 -EFreverb=0 -EFchorus=0 

Ein Blick in die Hilfe-Seiten lohnt sich auf jeden Fall.

  • man timitidy 

Synthesizer und Player/Sequenzer getrennt

Tonerzeuger für ausschließlich synthetische/elektrische Klänge wie amSynth oder Bristol kommen ohne Soundfonts aus. Zum Betrieb eines Synthesizers für Naturklänge (Wavetable-Synthese) muss dagegen immer ein Soundfont verfügbar sein.

Hochwertige Soundfonts können unter Ubuntu direkt installiert werden:

  • fluid-soundfont-gm (universe)

  • fluid-soundfont-gs (universe)

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install fluid-soundfont-gm fluid-soundfont-gs 

Oder mit apturl installieren, Link: apt://fluid-soundfont-gm,fluid-soundfont-gs

Die so installierten Soundfonts befinden sich dann in /usr/share/sounds/sf2. Soundfonts können auch aus anderen Quellen bezogen werden. Die Fonts haben die Endung .sf2 oder .sfArk und finden sich zum Beispiel auf dem Medium mit den Soundkartentreibern oder im Internet auf hammersound.net 🇬🇧 .

Soundfonts, die im .sfArk-Format vorliegen, müssen vor der Verwendung entpackt werden. Auf der Seite melodymachine.com 🇬🇧 kann man dazu das Programm sfArkXTc herunterladen und entpacken [4]. Jetzt entpackt man den Soundfont mit dem Befehl [2]:

./sfarkxtc soundfont.sfArk 

Software-Synthesizer: Qsynth / Fluidsynth

Qsynth ist eine komfortable grafische Oberfläche für Fluidsynth. Bei der Installation des Pakets

  • qsynth (universe)

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install qsynth 

Oder mit apturl installieren, Link: apt://qsynth

wird Fluidsynth automatisch mit installiert.

Qsynth wird über das Menü "Anwendungen → Unterhaltungsmedien" gestartet und muss laufen, bevor der Sequenzer gestartet wird. Unter "Options/Audio" ist eventuell noch der richtige Audiotreiber (z.B. ALSA 🇬🇧, PulseAudio oder JACK) auszuwählen. Zudem muss unter "Options/Soundfonts" ein Soundfont ausgewählt sein - dann ist der Synthesizer einsetzbar.

Das eigentliche Abspielen von MIDI-Dateien wird weiter unten im Abschnitt "Midi Programm verwenden" behandelt.

Hinweis:

Fluidsynth bietet eine Vielzahl von Funktionen, die hier nicht alle behandelt werden können. Man kann zum Beispiel mehrere Soundfonts gleichzeitig laden oder Fluidsynth zum Abspielen von MIDIs benutzen.

Hardware-Synthesizer

Manche Soundkarten wie die Soundblaster Live oder Audigy2 können Soundfonts direkt verwenden. Der Vorteil dieser Methode besteht darin, dass die bei größeren Soundfonts recht hohe Rechenleistung von der Soundkarte erbracht wird und nicht von der CPU.

Benötigt wird hierzu das Paket [1]

  • awesfx (universe)

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install awesfx 

Oder mit apturl installieren, Link: apt://awesfx

Außerdem müssen die Kernelmodule snd_seq_midi, snd_emux_synth und snd_emu10k1_synth geladen sein [3].

Damit der Soundtreiber auf einen Soundfont zugreifen kann, lädt man diesen in den Speicher [2]:

  • Für ALSA:

asfxload soundfont.sf2 
  • Für OSS:

sfxload soundfont.sf2 

MIDI-Programme verwenden

Das Kernel-Modul snd-seq ist standardmäßig geladen.

MIDI-Player versus MIDI-Sequencer

Zur Steuerung von Tonerzeugern (Synthesizer) per MIDI gibt es zwei Programmtypen. Reine MIDI-Player (z.B. pmidi) wandeln lediglich MIDI-Dateien in Steuerbefehle für den Tonerzeuger um. MIDI-Sequenzer (z.B. Rosegarden) ermöglichen darüber hinaus, MIDI-Dateien zu bearbeiten und umfangreiche eigene Kompositionen zu erstellen. Letztere sind deshalb eher für Musiker gedacht.

MIDI-Player für die Konsole: pmidi

Exemplarisch soll hier das Abspielen einer MIDI-Datei mit dem Programm pmidi 🇬🇧 beschrieben werden. Dazu wird das folgende Paket benötigt [1]:

  • pmidi (universe)

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install pmidi 

Oder mit apturl installieren, Link: apt://pmidi

Zunächst lässt man alle verfügbaren Geräte auflisten [2]:

pmidi -l 

Falls man Fluidsynth als Synthesizer verwendet, sollte eine Zeile

128:0     FLUID Synth (7176)                Synth input port (7176:0)

dabei sein. Wichtig ist der Port, der ganz links steht. Diesen gibt man beim Aufruf von pmidi mit an.

Verwendet man einen Hardwaresynthesizer, sollte man ein Gerät mit "MPU-401" im Namen versuchen. Im Allgemeinen kann man das richtige Gerät durch Ausprobieren finden. Eine MIDI-Datei kann man nun zum Beispiel mit

pmidi -p 128:0 midi.mid 

abspielen.

MIDI-Sequenzer mit grafischer Oberfläche

Rosegarden ist ein leistungsfähiger Sequenzer, der sich vor allem an Musiker und Songschreiber richtet. Er kann Musikstücke auch als Notensatz anzeigen und bearbeiten, Audio-Spuren integrieren und Effekt-Plugins verwenden. Hier wird kurz die Verwendung von Rosegarden mit Qsynth als Tonerzeuger beschrieben. Qsynth muss vor Rosegarden gestartet werden und zur Tonerzeugung konfiguriert sein (s.o). Beim Start von Rosegarden kommt zunächst eine Fehlermeldung wegen des nicht laufenden JACK-Servers. Sie kann ignoriert werden, wenn man nur mit Qsynth arbeiten möchte.

Im Menu "Studio → Midi-Geräte verwalten" kann Qsynth als Tonerzeuger für die MIDI-Ausgabe festgelegt werden. Wenn Qsynth läuft, sollte dies schon automatisch einstellt sein. Die Bezeichnung für Qsynth ist hier "128:0 Synth input Port (qsynth:0)" oder ähnlich. Damit ist die Konfiguration abgeschlossen, und es können MIDI-Dateien oder eigene Kompositionen abgespielt werden.

MIDI-Programme

Folgende MIDI-Programme wurden unter Ubuntu getestet:

  • pmidi 🇬🇧 - MIDI-Player (MPU, SF2)

  • Timidity 🇬🇧 - MIDI->WAV Converter, Player und Synthesizer in Einem

  • Rosegarden - Sequenzer-Editor (MPU, SF2)

  • KeyKit 🇬🇧 - MIDI-Player und -Generator (nur im MPU-Modus getestet)

  • KMid 🇬🇧 - MIDI-/Karaoke-Player für KDE

  • NtEd kann .mid-Dateien verarbeiten und für nicht-MIDI-fähige Soundkarten Timidity für die Ausgabe einsetzen.

  • MuseScore kann ebenfalls Midi-Dateien wiedergeben, und auch erstellen.

Externe MIDI-Geräte anschließen

Der MIDI-Standard ermöglicht eine Verbindung zwischen Musikinstrumenten und anderen MIDI-Geräten in Echtzeit und ist damit auch zum Live-Musizieren geeignet. Hierzu dient eine serielle Schnittstelle mit fünfpoligen DIN-Steckern.

Was kann man mit der Hardware-MIDI-Schnittstelle machen?

Die Schnittstelle ist sehr vielseitig fürs Musikmachen nutzbar. Beispiele sind:

  • Die Ansteuerung eines externen Tonerzeugers (Keyboard, Synthesizer, Sampler) durch den Sequenzer.

  • Das Einspielen von Melodien in den Sequenzer über eine MIDI-Tastatur

  • Das Synchronisieren des Software-Sequenzers mit einer Hardware-Drummachine etc.

  • Datensicherung von älteren Musikinstrumenten, die noch kein USB besitzen.

Die Benutzung der Schnittstelle

Für einen MIDI-Anschluss am PC braucht man ein MIDI-Interface. Bei vielen Soundkarten ist das MIDI-Interface schon integriert, ansonsten sind USB-MIDI-Interfaces für wenig Geld erhältlich.

Wird ein von Linux unterstütztes USB-MIDI-Interface an den Computer angeschlossen, erkennt Ubuntu es "out of the box" und stellt es als /dev/midi0 oder /dev/midi1 zur Verfügung.

cat /dev/sndstat 

Sound Driver:3.8.1a-980706 (ALSA v1.0.20 emulation code)
Kernel: Linux ubuntu 2.6.31-20-generic #57-Ubuntu SMP Mon Feb 8 09:05:19 UTC 2010 i686
Config options: 0

Installed drivers: 
Type 10: ALSA emulation

Card config: 
HDA Intel at 0xd2300000 irq 22
E-MU Systems, Inc. E-MU XMidi1X1 at usb-0000:00:1d.1-1, full speed

Audio devices:
0: AD198x Analog (DUPLEX)


Synth devices: NOT ENABLED IN CONFIG

Midi devices:
1: E-MU XMidi1X1

Timers:
31: system timer

Mixers:
0: Analog Devices AD1986A
1: USB Mixer

Je nach Gerät kann mindestens ein MIDI-Eingang und ein MIDI-Ausgang genutzt werden. In Rosegarden wird sowohl der Eingang als auch der Ausgang angezeigt mit einer Bezeichnung wie

20:E-Mu XMidi1x1

Die Bezeichnung ist in Ubuntu also sehr ähnlich wie bei der Verbindung zu einem Software-Tonerzeuger. Tatsächlich können Hardware- und Software-MIDI-Geräte frei miteinander kombiniert werden. Zum Beispiel kann der Sequenzer Rosegarden in einem Fall einen Hardware-Synthesizer steuern und im anderen Fall von der Tastatur eines E-Pianos per MIDI gesteuert werden.

Wichtig für die Verbindung ist in jedem Fall, dass MIDI-Software und externes Gerät zum Senden und Empfangen auf den gleichen MIDI-Kanal eingestellt sind!

low-level-Zugriff auf ein MIDI-Gerät

Manchmal ist es z.B. zu Testzwecken oder für Evaluierungen erforderlich, eine direkte Verbindung vom PC zu einem angeschlossenen MIDI-Gerät aufzubauen. Dies kann unter Linux durch lesenden oder schreibenden Zugriff auf die oben erwähnte Gerätedatei /dev/midi0 oder /dev/midi1 erfolgen. Da die MIDI-Datensätze in der Regel aus drei Bytes (Statusbyte inkl. MIDI-Kanal, Datenbyte1, Datenbyte2) bestehen, müssen die MIDI-Daten binär übertragen werden.

MIDI-Verbindungen über JACK

Sobald man MIDI auf einem Linux-System intensiver nutzen möchte, lassen sich die Verbindungen am einfachsten mit Hilfe des Soundservers JACK herstellen. Das können rechner-interne Verbindungen sein, aber ebenso auch Verbindungen zu externen Geräten wie Synthesizern, Effektgeräten, DAW-Steuergeräten ("Controllern") etc.

JACK fungiert dabei als eine Art Schaltzentrale und muss dazu mit den MIDI-Schnittstellen der einzelnen Hard- und Softwareelemente verbunden werden. Das kann man auf zweierlei Art bewerkstelligen: über ALSA-MIDI oder über JACK-MIDI. Letztere Methode scheint auf den ersten Blick umständlicher einzurichten; sie dürfte aber im Zweifelsfalle zuverlässiger arbeiten und wird wohl auch deshalb auf einer Anleitungsseite der JACK-Entwickler "the recommended-by-the-pros way" genannt.

ALSA-MIDI

Zur Vorbereitung muss man zwei Justagen im Qjackctl-Einstellungsfenster kontrollieren. Hat man JACK gerade erst installiert bzw. zuvor noch keine Veränderungen vorgenommen, sind diese Justagen bereits "ab Werk" passend eingestellt:

  • Auf der Registerkarte "Einstellungen" muss "MIDI-Treiber" auf "raw" stehen.

  • Auf der Registerkarte "Verschiedenes" muss ein Haken vor "Unterstützung für ALSA-Sequencer bereitstellen" stehen.

Falls man diese Justagen jetzt erst vorgenommen hat: JACK anschließend stoppen, Qjackctl beenden und damit schließen, danach erneut öffnen und JACK starten. Im Fenster "Verbindungen" ist jetzt eine Registerkarte "ALSA-MIDI" vorhanden. Dort finden sich die Ein- und Ausgänge der MIDI-Hardware im Rechner. Sobald man MIDI-bezogene Programme öffnet, tauchen auch deren Ein- und Ausgänge dort auf, sodass man nach Belieben Verbindungen herstellen kann.

JACK-MIDI

Auch hier sind zwei Justagen im Qjackctl-Einstellungsfenster nötig. Sie laufen sozusagen entgegengesetzt zu denen unter ALSA-MIDI ab. Also:

  • Auf der Registerkarte "Einstellungen" muss "MIDI-Treiber" auf "keiner" stehen.

  • Auf der Registerkarte "Verschiedenes" darf kein Haken vor "Unterstützung für ALSA-Sequencer bereitstellen" stehen.

Hat man eine der Justagen verändert, gilt anschließend auch hier: JACK stoppen, Qjackctl beenden und schließen, dann wieder öffnen und JACK starten. Im Fenster "Verbindungen" ist jetzt die Registerkarte "ALSA-MIDI" verschwunden. Alle MIDI-Verbindungen richtet man statt dessen auf der Registerkarte "JACK-MIDI" ein. Dazu braucht es nun allerdings noch einen vorbereitenden Schritt: Man installiert ein kleines Programm, das die MIDI-Brückenfunktion zwischen ALSA und JACK wahrnimmt: a2jmidid 🇬🇧. Dieses Programm ist in den offiziellen Paketquellen enthalten:

  • a2jmidid

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install a2jmidid 

Oder mit apturl installieren, Link: apt://a2jmidid

Im nächsten Schritt startet man a2jmidid in der Konsole:

a2jmidid -e 

Die Konsole zeigt sofort die Brückenverbindungen an; und auf der Registerkarte "JACK-MIDI" sind jetzt unter a2j die JACK-seitigen Enden der MIDI-Brücke zu sehen.

Diese Anbindung über JACK-MIDI lässt sich auch automatisieren; die einzelnen Schritte dazu erläutert die Anleitungsseite des Tonstudioprogramms Ardour.

Hinweis:

Alternativ zum Qjackctl-Verbindungsfenster kann man zur Herstellung der MIDI- (und Audio-)Verbindungen auch das Programm Patchage 🇬🇧 nutzen, in dem man mit der Maus auf dem Bildschirm buchstäblich Kabel verlegen kann (Patchage ist in den offiziellen Ubuntu-Paketquellen verfügbar). Noch einen Schritt weiter geht die JACK-Oberfläche in der Multimedia-Distribution KXStudio, die ein besonders aufwendiges und variables Fenstersystem enthält.

MIDI-Verbindungsbeispiele mit JACK

Zunächst geht es hier um die Verbindung von Sequenzer-Software mit einem externen Hardware-Synthesizer - daran schließt sich der Verweis auf die Möglichkeiten einer Verbindung von Tonstudio-Software mit externen Hardware-Steuerpulten an.

In diesem Beispiel wird ein Roland JP-8000 🇩🇪 angebunden, der bereits 1997 entwickelt wurde und deshalb MIDI-Verbindungen nur über fünfpolige DIN-Anschlüsse herstellen kann. Rechnerseitig wird eine Terratec DMX6fire-24/96-Karte eingesetzt, gleichfalls mit DIN-Buchsen.

Qjackctl und Patchage zeigen dabei nur den rechner-internen Bereich bis zum MIDI-Ein- und Ausgang der Soundkarte an. Schließt man also beispielsweise ein Effektgerät mit MIDI-Steuerungsmöglichkeiten an, ergibt sich auf dem Bildschirm dieselbe Anzeige wie bei dem Beispiel mit dem Synthesizer.

Externer Synthesizer und ALSA-MIDI

Der Synthesizer soll hier mit dem Sequenzer-Programm Rosegarden kooperieren. Rosegarden fungiert also als eine Art MIDI-Aufzeichnungsgerät und als "Befehlsgeber" für den Synthesizer.

Nachdem man Rosegarden geöffnet und ein Projekt angelegt hat, tauchen dessen MIDI-Anschlüsse auf der ALSA-MIDI-Registerkarte von Qjackctl auf. Das hier gezeigte Beispiel beschränkt sich auf sehr wenige Spuren. Die gewünschten Verbindungen zieht man nun per Hand.

Bildschirmfoto_Rosegarden-MIDI-Verbindung.png

In Patchage verfährt man analog. Patchage zeigt dabei die Verbindungsmöglichkeiten durch Farben an: im untenstehenden Beispiel lassen sich also nur die grünen MIDI-Anschlüsse der Soundkarte mit denen von Rosegarden verbinden. Die roten Anschlüsse der a2jmidid-Brücke bleiben außen vor, weil Rosegarden keine roten Pendants zur Verfügung stellt.

Bildschirmfoto_Rosegarden-MIDI-Verbindung_in_Patchage.png

Externer Synthesizer und JACK-MIDI

Hier kooperiert der Synthesizer mit dem Tonstudio-Programm Ardour. Ardour kann MIDI-Spuren aufzeichnen, bearbeiten und wiedergeben und fungiert hier in ähnlichem Sinne als Sequenzer wie Rosegarden im vorangegangenen Beispiel.

Nach dem Aufrufen der a2jmidid-Brücke und dem Starten eines Ardour-Projektes zeigen sich auch hier die Brücken-Anschlüsse und die Ardour-MIDI-Anschlüsse im Qjackctl-Verbindungsfenster. Im untenstehenden Beispiel verfügt Ardour über zwei MIDI-Spuren. Auch hier zieht man die gewünschten Verbindungen per Hand.

Bildschirmfoto_Ardour-MIDI-Verbindung.png

Abermals zum Vergleich die Oberfläche von Patchage. Ardour stellt rote MIDI-Anschlüsse zur Verfügung, deshalb lassen sich die Verbindungen zu den roten a2jmidid-Anschlüssen ziehen; die direkte Verbindung zu den grünen MIDI-Anschlüssen der Soundkarte wird nicht benötigt:

Bildschirmfoto_Ardour-MIDI-Verbindung_in_Patchage.png

Externe Hardware steuert die DAW

Über MIDI lässt sich Tonstudio-Software sehr komfortabel mit einem externen Steuerpult (sog. DAW-Controller) handhaben. Die nötigen Schritte am Beispiel des Programms Ardour erläutert der zugehörige Anleitungsartikel.

Intern

  • Multimedia Übersichtsseite

  • Tonstudio Tonstudio unter Ubuntu - Einführungsartikel

  • JACK Einführungsseite zum Soundserver JACK mit Links zu weiterführenden Artikeln

Extern

Diese Revision wurde am 16. Februar 2020 00:44 von schlizbäda erstellt.
Die folgenden Schlagworte wurden dem Artikel zugewiesen: Tonstudio, Midi, Multimedia