Es gibt verschiedene Schriftformate, die unter Ubuntu verwendet werden können. Ausführliche Hintergrundinformationen zu den einzelnen Formaten und deren Unterschieden finden sich im TypoWiki
, insbesondere hier
.
Ubuntu verwaltet Schriften mit Hilfe der Systembibliothek fontconfig
. FontConfig erleichtert auch die Schriften-Installation und entscheidet zum Beispiel, welche Schrift verwendet werden soll, wenn eine Schrift in einem Dokument oder einer Anwendung fehlt.
Die globale FontConfig-Konfigurationsdatei befindet sich unter /etc/fonts/fonts.conf. Jeder Benutzer kann die globalen Einstellungen mit einer persönlichen Konfigurationsdatei überschreiben: Der versteckten Datei .fonts.conf im Homeverzeichnis des aktuellen Benutzers.
Nähere Infos zum Umgang mit FontConfig finden sich unten im Abschnitt Einstellungen. Um komfortabel Schriftarten betrachten, vergleichen und installieren zu können, bietet sich der Artikel Fontmanager an.
TrueType ist das Standard-Schriftformat unter Ubuntu. Es ist im Vergleich zum PostScript-Type1-Format gut für die Bildschirmdarstellung geeignet. Deshalb sind TrueType-Fonts der dominierende Standard für Systemfonts auf den meisten Betriebssystemen, z.B. auch unter Windows und Mac OS. TrueType-Schrift-Dateien haben die Endung .TTF.
Die systemweit verfügbaren TrueType-Schriften bzw. die zugehörigen ttf-Dateien liegen unter Ubuntu normalerweise im Verzeichnis /usr/share/fonts/truetype.
PostScript-Type-1-Schriften, manchmal auch nur als "PostScript"- oder "Type1"-Schriften bezeichnet, waren lange Zeit der dominierende Schriftformat-Standard im professionellen Grafikdesign und der Druckvorstufe. Ein Nachteil ist die im Vergleich zu TrueType schlechtere Bildschirmoptimierung ("Hinting"). Ein weiteres Problem ist die fehlende Unicode-Unterstützung. Deshalb werden PostScript-Type1-Fonts immer mehr durch den Nachfolger OpenType abgelöst.
Type 1 Fonts bestehen im Gegensatz zu TrueType-Schriften aus mehreren Dateien:
.PFB (Printer Font Binary)
.PFM (Printer Font Metrics file)
.AFM (Adobe Font Metric file)
.INF (Informationen zur betreffenden Schrift wie Name, Zeichenkodierung etc.)
Die Dateien mit der Endung .pfb und .pfm sind im Allgemeinen ausreichend, um einen Font ins System einzubinden. Die .afm-Dateien werden unter Ubuntu jedoch ebenfalls zwingend benötigt, damit die installierten Schriften in der Schriftenliste einiger Anwendungen, wie zum Beispiel OpenOffice.org, angezeigt werden. Siehe dazu auch OOo Fontguide
. Die .inf-Dateien werden dagegen im Allgemeinen nicht benötigt.
Die systemweit verfügbaren PostScript-Schriften bzw. die zugehörigen *.afm, *.pfm und *.pfb Dateien liegen unter Ubuntu normalerweise im Verzeichnis /usr/share/fonts/type1.
OpenType ist ein plattformübergreifend nutzbares Schriftformat, das von Adobe und Microsoft entwickelt wurde. Es ist technisch gesehen eine Erweiterung des TrueType-Formates um spezielle typographische Funktionen, mit deren Hilfe sich etwa Ligaturen, Schwungbuchstaben, Symbole, Währungszeichen und verschiedenste Ziffernsets in einem Schriftschnitt vereinigen lassen. Daher ist streng genommen jeder TrueType-Font auch gleichzeitig ein OpenType-Font (TrueType als Untermenge bzw. Spezialfall von OpenType). Das heißt umgekehrt, dass ein Font mit dem TrueType-Logo auch ein OpenType-Font sein kann und dann erweiterte typographische Funktionen beinhaltet.
Bei OpenType-Fonts muss nach zwei Kategorien unterschieden werden:
TrueType-basierte OpenType-Schriften (Suffix: TTF): Sie können problemlos genauso wie "originäre" TrueType-Schriften ins System eingebunden werden.
PostScript-basierte OpenType-Schriften (Suffix: OTF). Sie sind der Nachfolger der klassischen Type1-Schriften und werden diese - zumindest den Wünschen des Software-Herstellers Adobe zufolge - sukzessive ablösen.
PostScript-basierte OpenType-Schriften (.OTF) werden unter OpenOffice.org erst ab 3.2 unmittelbar unterstützt. Bei älteren Versionen kann man sich allerdings mit Workarounds behelfen, die darauf abzielen, .OTF-Dateien in .TTF-Dateien umzuwandeln. Nähere Infos unter: OpenOffice.org-Wiki
bzw. OpenOffice.org-Wiki Font-FAQ
. Anwendungen, welche die fontconfig
-Bibliothek verwenden, haben dagegen im Allgemeinen keine Probleme mit PostScript-basierten OpenType-Schriften.
Je nachdem, ob man eine TrueType-basierte oder eine PostScript-basierte OpenType-Schrift einsetzen möchte, gilt im Folgenden das jeweils für TrueType bzw. PostScript Gesagte analog.
Ab Ubuntu 9.10 genügt es, auf die entsprechende Schriftart zu doppelklicken. Dann kann man auf einen Knopf "Installieren" klicken und die Schriftart ist installiert. (Dies funktioniert nur bei der default-Gnome-Version von Ubuntu, nicht bei KDE)
Schriftarten lassen sich unter Ubuntu sehr einfach installieren, indem man die entsprechenden Schriftart-Dateien (siehe oben) in den zugehörigen Font-Ordner des Betriebssystems kopiert. Je nachdem, ob die Schriften exklusiv für einen oder für alle Benutzer verfügbar sein sollen, liegen die Schriftart-Dateien in einem der folgenden Ordner:
| Art der Installation | TrueType / OpenType (.TTF) | PostScript (.PFM + .PFB + .AFM) / OpenType (.OTF) |
| Lokal für einen Benutzer | ~/.fonts/truetype | ~/.fonts/type1 |
| Global für alle Benutzer | /usr/local/share/fonts/truetype | /usr/local/share/fonts/type1 |
Falls die Ordner nicht existieren, müssen sie ggf. erst manuell erstellt werden. Dateien unterhalb von /usr/local/ folgen der Struktur von /usr/, werden jedoch nicht vom Paketmanager beeinflusst.
Um nun einen Font für einen oder alle Benutzer im System zu installieren, werden die zugehörigen Schriftart-Dateien einfach in einen der angegebenen Pfade kopiert. Für die globalen Schriftarten muss man dazu Root-Rechte [4] besitzen. Dazu gibt es mehrere mögliche Wege:
Im Dateimanager der KDE, z.B. Dolphin, kann man über die Adresse fonts:/ einen virtuellen Ordner aufrufen, welcher Unterordner zu den Schriftarten des Benutzers und der Systemschriftarten enthält. Hier kann man ganz normal neue Schriftarten einfach in die Ordner kopieren.
Alternativ lassen sich Schriftdateien einfach direkt in den (versteckten) Ordner ~/.fonts/ kopiert werden. Dieser muss ggf. noch angelegt werden. Damit die Schriftarten ohne einen Neustart des X-Servers den Anwendungen zur Verfügung stehen, muss anschließend der Befehl
sudo fc-cache
ausgeführt werden [2].
Alternativ kann man unter KDE auch den Weg über die KDE Systemeinstellungen gehen. Dazu in der Gruppe "Systemverwaltung" den Punkt "Schriftarteninstallation" (vor Kubuntu 8.10: unter "Erscheinungsbild") auswählen. Hier kann man nun für den einzelnen Benutzer oder global für alle Benutzer weitere Schriftarten hinzufügen oder bestehende löschen. Möchte man eine System-Schriftart hinzufügen oder entfernen wird ein Dialog angezeigt um Root-Rechte [4] zu erhalten.
Für die lokale Installation eines TrueType-Fonts für den Benutzer würde das in der Konsole beispielsweise so aussehen [2]:
mkdir -p ~/.fonts/truetype cp -R /pfad/wo/die/ttf-dateien/liegen/ ~/.fonts/truetype
Eine globale Installation eines PostScript-Fonts für alle Benutzer würde dagegen beispielsweise so aussehen:
sudo cp -R /pfad/wo/die/pfm-pfb-und-afm/dateien/liegen/ /usr/local/share/fonts/type1
Nun sollten die neuen Schriftarten z.B. in OpenOffice.org bereits verwendet werden können.
Man muss unbedingt darauf achten, dass bei der globalen Installation jeder Benutzer Leserechte für die neu installierten Schriften hat, sonst kann es bei verschiedensten Programmen (Firefox, ...) zu einem Absturz mit der Fehlermeldung "Segmentation Fault" kommen. Abhilfe schafft das Korrigieren der Leserechte über [2]
sudo chmod -R +r /usr/share/fonts sudo chmod -R +r /usr/local/share/fonts
Besonders bei PostScript-Schriften kann es nötig sein, das System noch einmal neu zu starten, bevor die installierten Schriften in allen Anwendungen verfügbar sind. Nach dem nächsten Login sollten die Schriftarten dann verwendbar sein.
Alternativ kann man auch den X-Server per Strg + Alt + ⌫ neu starten. Seit Ubuntu 9.04 (Jaunty Jackalope) funktioniert diese Tastenkombination nicht mehr, (siehe Don't Zap) stattdessen muss der X-Server mit Alt + Druck + K neu gestartet werden.
Vorsicht: Durch den letztgenannten Befehl werden alle GUI-basierten Programme beendet! Also vorher unbedingt noch nicht gespeicherte Daten sichern!
Sollten die Schriftarten selbst nach einem Neustart des X-Servers nicht auftauchen, muss gegebenenfalls folgender Befehl ausgeführt werden [2]:
sudo fc-cache
Sollten nach Herunterladen und Installation neuer Schriftarten-Pakete (siehe unten) einige der erwarteten Schriften nicht verfügbar sein, hilft meist eine Neukonfiguration von fontconfig [2]:
sudo dpkg-reconfigure fontconfig
Die Schriften-Dateien werden nun neu eingelesen, wobei man in einer interaktiven Abfrage verschiedene Optionen auswählen kann. Möchte man beispielsweise zusätzlich auch Bitmap-basierende Fonts wie den KDE-Klon des Fonts "Helvetica" verwenden, so müsste man die Frage nach den Bitmapschriften mit "JA" beantworten.
Von der Verwendung von Bitmapschriften ist generell abzuraten, da sie schlechter skalieren und je nach Ausgabegerät und Bildschirmauflösung, zum Beispiel auf einem TFT-Flachbildschirm, recht "pixelig" erscheinen können. Stattdessen sollte man besser dem fontconfig-System das Schriftenhandling überlassen. Siehe auch Schriftbild verbessern.
Danach wieder den X-Server neu starten (siehe oben).
Falls unter KDE die (Bitmap-)Schriften in GTK- (Firefox) bzw. GNOME- (GIMP, Evolution) Programmen noch pixelig sind, sollte man sich das folgende Paket installieren [1]:
gtk-theme-switch (universe)
Jetzt kann man im Kontrollzentrum einstellen, dass auch GTK/GNOME Programme zum Beispiel den Font "Helvetica" verwenden sollen.
Libertine
ist entworfen worden, um eine freie Alternative zu den bekannten aber leider auch proprietären Microsoft Schriftarten wie "Times New Roman" darzustellen.
|
| Libertine |
|
| Times New Roman |
Folgendes Paket muss installiert [1] werden:
ttf-linux-libertine (universe)
Nach der Installation werden die Befehle zur Schriftdarstellungsoption ausgeführt. Danach entweder ein Neustart ausführen oder man startet den XServer neu. Nun sollten allen Anwendungen die Libertine Schriftfamilie zur Verfügung stehen.
Es gibt die Möglichkeit, von Larabiefonts
Debian Font-Pakete (TrueType-Format) zu installieren. Folgende Pakete müssen dazu installiert werden [1]:
ttf-larabie-deco (mulitverse)
ttf-larabie-straight (mulitverse)
ttf-larabie-uncommon (mulitverse)
Wer sich mal vor dem Installieren ein Bild von den Fonts machen will.
sudo apt-get install ttf-larabie-deco ttf-larabie-straight ttf-larabie-uncommon
Anschließend sollte man im Kontrollzentrum (KDE) bzw. im Menü "System -> Einstellungen -> Schrift" (GNOME) Dutzende von neuen Schriftarten auswählen können.
Computer Modern ist als Standardschriftart von LaTeX bekannt. Die Installation von Computer Modern Unicode bietet sich an, wenn man Unicodezeichen etwa mit XeTeX benutzen möchte.
Die Schriftart sollte man sich in der otf-Variante herunterlanden
. Dann entpackt man das Archiv wie gewohnt in das entsprechende Verzeichnis.
Es gibt noch einige frei verfügbare Type 1 Schriften, die sich im LaTeX-Umfeld befinden, teilweise als eigene Pakete [1]
lmodern (universe)
Teilweise können diese Fonts nur direkt von CTAN
-Mirrors heruntergeladen werden, unter anderem hier: http://tug.ctan.org/search.html
(im Suchfeld unter "Search the package descriptions" zum Beispiel "Font", "T1" oder "Type 1" eingeben).
Sollten Schriften in Webseiten falsch dargestellt werden, sollte man die Windowsschriftarten nachinstallieren.
Nach der Installation der Microsoft Schriftarten sollte noch beachtet werden, die Schriftdarstellung einzustellen, da diese sonst erheblich verfälscht sein kann.
Ab Ubuntu 9.04 Jaunty Jackalope muss das Paket
ttf-mscorefonts-installer (multiverse)
in älteren Ubuntu-Versionen stattdessen das Paket
msttcorefonts (multiverse)
installiert [1] werden. Ab Ubuntu 7.04 Feisty Fawn hat man noch eine zweite Möglichkeit zur Installation der Schriftarten:
ubuntu-restricted-extras (multiverse) - Ein Metapaket, welches neben den Schriftarten noch andere unfreie Software installiert.
Sollten bei der Installation des Paketes msttcorefonts Fehler wie
Fehler beim Parsen der Proxy-URL »http://:8080/«: Ungültiger Hostname. andale32.exe: No such file or directory All done, errors in processing 1 file(s) dpkg: Fehler beim Bearbeiten von msttcorefonts (--configure): Unterprozess post-installation script gab den Fehlerwert 1 zurück Fehler traten auf beim Bearbeiten von: msttcorefonts E: Sub-process /usr/bin/dpkg returned an error code (1)
auftauchen, obwohl man nirgendwo einen Proxyserver eingerichtet hat, so kann man dies lösen, indem man die Datei /var/lib/dpkg/info/msttcorefonts.postinst mit Root-Rechten bearbeitet [3] und die Zeilen
db_get msttcorefonts/http_proxy http_proxy=$RET
auskommentiert. Die Zeilen müssten danach also so
# db_get msttcorefonts/http_proxy # http_proxy=$RET
aussehen. Nun kann die Paketverwaltung über den Befehl [2]
sudo dpkg --configure -a
dazu veranlasst werden die Installation der Windows-Schriftarten zu beenden.
Sofern man parallel zu Linux auch noch ein Windows installiert hat, startet man Windows und sucht zuerst den Ordner (normalerweise C:\Windows\Fonts bzw. C:\WinNT\Fonts) mit den Schriften: "Start -> Suchen" und sucht nach "*.ttf". Dann markiert man alle gefundenen Dateien oder jene, die man auch in Linux verwenden möchte und kopiert sie in einen Ordner (z.B. Fonts) auf dem Laufwerk, auf das man auch unter Linux-Zugriff hat. Danach kann man sie wie oben unter "Installation" beschrieben einbinden.
Zitat von MS Word und Schriften
: Oft wird auch nach der sehr verbreiteten Schrift Helvetica gefragt. Die Schrift "Helvetica" wurde vom Schweizer Grafiker Max Miedinger entwickelt und ist urheberrechtlich geschützt. Im Macintosh-Umfeld wird der Font "Helvetica" ausgeliefert, nicht aber für MS Windows. Einer der Standardfonts in MS Windows ist das Helvetica-Plagiat "Arial". Die Schriften "Helvetica" und "Arial" sind praktisch identisch und lassen sich kaum unterscheiden. Wem es schwer fällt, dies zu glauben, der kann sich gerne am folgenden Quiz beteiligen:
Unter Ubuntu gibt es mehrere Möglichkeiten, die Darstellung der Schrift anzupassen.
In der Standardkonfiguration werden asiatische Schriften recht unansehnlich dargestellt. Als Abhilfe wird ein symbolischer Link gesetzt.
Beispielsweise für Japanisch:
sudo ln -s /etc/fonts/conf.avail/69-language-selector-ja-jp.conf /etc/fonts/conf.d/
Die deutsche Schreibschrift suetter.ttf mit dem Erstellungsdatum 16. April 1995 ist offenbar defekt, als gleichwertiger Ersatz geht deutsch.tff. Diese ist unter der Adresse http://www1.hansenet.de/~Wappen/deutsch.htm
zu finden.
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