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Alternativen-System

Dieser Artikel wurde für die folgenden Ubuntu-Versionen getestet:

Zum Verständnis dieses Artikels sind folgende Seiten hilfreich:

Ein Vorteil von Linux ist die Vielfalt von Anwendungen. Man kann zwischen mindestens 24 Editoren oder 42 Mail-Programmen wählen. Diese Programme können alle gleichzeitig installiert sein. Der Benutzer hat alle Freiheit bei der Auswahl seiner Lieblingsprogramme. Für andere Programme kann es schwierig sein auszuwählen, welches Programm es für eine Aufgabe benutzen soll.

Um zu vermeiden, dass ein Programm eine Installation eines anderen Programms über Abhängigkeiten erzwingt, gibt es für Debian und damit auch für Ubuntu das Alternativen-System. Das Alternativen-System ermöglicht es, aus mehreren Programmen mit derselben Funktionalität eines als Vorgabe zu wählen.

Funktionsweise

Alternativen werden über zweifache symbolische Links verwirklicht. Zum Beispiel ist /usr/bin/x-www-browser ein symbolischer Link auf /etc/alternatives/x-www-browser, was wiederum ein symbolischer Link auf den als Vorgabe eingestellten Webbrowser ist.

Experten-Info:

Diese anscheinend unsinnige "Umleitung" erklärt sich dadurch, dass der FHS empfiehlt, dass vom Systemadministrator durchgeführte Änderungen sich auf das Verzeichnis /etc beschränken sollten.

Optionen

Das Alternativen-System kann mit dem Kommandozeilenprogramm [1] update-alternatives konfiguriert werden. Die folgenden Optionen sind gebräuchlich, wobei immer Eingabe und Ausgabe angegeben ist. Mitunter sind bei der Ausgabe noch weitere Ein- und Angaben des Benutzers notwendig.

  • --config - Zeigt die verfügbaren Alternativen an und erlaubt es, interaktiv ein Programm als Vorgabe auszuwählen.

sudo update-alternatives --config x-www-browser 
There are 4 alternatives which provide `x-www-browser'.

  Selection    Alternative
-----------------------------------------------
      1        /usr/bin/firefox
*     2        /usr/bin/epiphany
 +    3        /usr/bin/dillo
      4        /usr/bin/opera

Press enter to keep the default[*], or type selection number: 2
Using `/usr/bin/epiphany' to provide `x-www-browser'.

  • --set - Setzt das Programm als Alternative. Dies ist equivalent zu --config, kann aber geskriptet werden, da es nicht-interaktiv ist.

sudo update-alternatives --set x-www-browser /usr/bin/epiphany 
Using `/usr/bin/epiphany' to provide `x-www-browser'

  • --list - Zeigt alle Ziele der Linkgruppe an.

update-alternatives --list x-www-browser 
/usr/bin/firefox
/usr/bin/epiphany
/usr/bin/dillo
/usr/bin/opera

  • --display - Zeigt Informationen über die Linkgruppe an, von der Link der Master-Link ist. Die angezeigten Informationen enthalten den Modus der Gruppe (automatisch oder manuell), auf welche Alternative der Symlink derzeit zeigt, welche weiteren Alternativen zur Verfügung stehen (und ihre zugehörigen Slave-Alternativen) und die installierte Alternative mit der höchsten Priorität.

update-alternatives --display x-www-browser 
x-www-browser - status is manual.
 link currently points to /usr/bin/epiphany
/usr/bin/firefox - priority 70
 slave x-www-browser.1.gz: /usr/share/man/man1/firefox.1.gz
/usr/bin/epiphany - priority 85
 slave x-www-browser.1.gz: /usr/share/man/man1/epiphany.1.gz
/usr/bin/dillo - priority 100
 slave x-www-browser.1.gz: /usr/share/man/man1/dillo.1.gz
/usr/bin/opera - priority 80
Current `best' version is /usr/bin/dillo.

  • Man kann dem Alternativen-System auch eigene Einträge für Anwendungen bekannt machen. Dafür dient die Option --install. Wenn man zum Beispiel den Webbrowser unter /usr/local/bin installiert hat, sähe der Befehl so aus:

sudo update-alternatives --install /usr/bin/x-www-browser x-www-browser /usr/local/bin/firefox 100 

Experten-Info:

Sehr ausführliche Informationen sind in den Manpages von update-alternatives nachzulesen. Dort ist leider nicht erklärt, wie man den generischen Namen des Master-Links von bereits installierten Alternativen-Gruppen herausbekommt. Diesen findet man in der zweiten Zeile der Datei /var/lib/dpkg/alternatives/GRUPPENNAME, also z.B. durch Eingabe von sed -ne 2p /var/lib/dpkg/alternatives/x-www-browser.

Grafische Werkzeuge

Neben der Möglichkeit, Programme systemweit als bevorzugte Anwendung zu starten, gibt es in den verschiedenen Desktop-Umgebungen die Möglichkeit, diese nur für den jeweiligen Benutzer einzurichten. Diese Funktion ist jeweils einfach über die Menüs aufrufbar.

gnome-control-center-vorgabe.png

Unity/GNOME 3

In Unity und bei der GNOME Shell können unter

einige Standardanwendungen eingestellt werden. Die Einstellung für das Terminal legt man stattdessen mit Hilfe desselben fest:

gsettings list-recursively org.gnome.desktop.default-applications                                # Einstellungen anzeigen
gsettings set org.gnome.desktop.default-applications.terminal exec 'gnome-terminal --maximize'   # Einstellung ändern (Beispiel) 

./kde_standardanwendungen.png

KDE

Über das {k} Anwendungsmenü unter

  • "Systemeinstellungen → Standard-Komponenten"

kann man unter KDE einstellen, welche Anwendungen benutzt werden sollen.

Damit ist es auch möglich, mittels sudo update-alternatives --config x-www-browser den systemweiten Browser auf Iceweasel/Firefox einzustellen und nur den KDE-Webbrowser z.B. von Konqueror auf rekonq umzustellen. Dann öffnet z.B. der TV-Browser Links in Firefox. ./xfce_bevorzugte_anwendungen.png

Xfce

In der Desktopumgebung Xfce findet man diesen Dialog im {x} Anwendungsmenü unter

  • "Einstellungen → Bevorzugte Anwendungen"

Unter dem Reiter "Werkzeuge" können noch weitere Einstellungen vorgenommen werden. Neben Webbrowser und E-Mail-Programm können auch Standard-Terminal und -Editor festgelegt werden.

./lxde_bevorzugte_anwendungen.png

LXDE

Die Einstellungsmöglichkeiten bei LXDE sind im Vergleich mit den bisherigen Werkzeugen am bescheidensten. Zugänglich sind diese wie bei Xfce über das {l} Anwendungsmenü und

  • "Einstellungen → Bevorzugte Anwendungen"

Unter Ubuntu 12.04 kann man nur den bevorzugten Webbrowser und das Lieblings-E-Mail-Programm auswählen.

Sonstige

./galternatives.png

G Alternatives

Neben der Verwaltung der Alternativen über die Kommandozeile oder den integrierten Möglichkeiten der Desktop-Umgebungen gibt ein weiteres grafisches Werkzeug namens "G Alternatives". Obwohl die Anwendung ursprünglich für GNOME 2 entwickelt wurde, eignet sie sich für alle auf der Grafikbibliothek GTK basierenden Oberflächen (praktisch alle offiziellen Ubuntu-Varianten mit Ausnahme von Kubuntu).

Dieses Programm kann direkt aus den offiziellen Paketquellen installiert [3] werden. Der Paketname lautet:

  • galternatives (universe)

Wiki/Vorlagen/Installbutton/button.png mit apturl

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install galternatives 

sudo aptitude install galternatives 

Der Programmstart [4] erfolgt bei Ubuntu-Varianten mit einem Anwendungsmenü über "System -> Alternatives Configurator". Alternativ kann man den Befehl:

gksudo galternatives 

nutzen. In beiden Fällen sind Root-Rechte [2] erforderlich, da die systemweiten Vorgaben geändert werden. Die Bedienung sollte selbsterklärend sein - ansonsten sei noch einmal auf die Grundlagen am Anfang dieses Artikels verwiesen.

  • MIME-Typ - Dateiinhalte bestimmten Standardanwendungen zuweisen

Diese Revision wurde am 23. Januar 2014 19:21 von aasche erstellt.
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