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Vorbereitung auf Videokonferenzen

Achtung!

Die Verwendung dieses Howto geschieht auf eigene Gefahr. Bei Problemen mit der Anleitung melde dies bitte in der dazugehörigen Diskussion und wende dich zusätzlich an den Verfasser des Howtos.

Hinweis:

Diese Howto-Anleitung wurde zuletzt von min_nom am 07.04.2020 unter Ubuntu 19.10 erfolgreich getestet.

Problembeschreibung

Man kann jede Videokonferenz sprengen, indem man dieser mit Störgeräuschen beitritt. Man sollte daher bereits im Vorfeld seine Ausrüstung und seine Umgebung, mit der man an einer Video-Konferenz teilzunehmen gedenkt, nicht nur in dieser Hinsicht testen.

Anleitung

Wenn man nur noch 2 Minuten Zeit hat

  1. Ton testen: https://online-voice-recorder.com/de/

  2. Bild testen: https://www.onlinemictest.com/de/webcam-testen/

... mit Hilfe von Servern im Internet. Details sind im Folgenden nachzulesen.

Die Umgebung

Beleuchtung

Das Licht sollte nicht von hinten das Gesicht des Teilnehmers überstrahlen. Am besten geeignet ist eine diffuse, helle Beleuchtung mit einer Farbtemperatur von ca. 5500 Kelvin (Sonnenlicht). Man setze sich also nicht vor ein Fenster.

Hintergrund

Wenn der Hintergrund rel. ruhig ist, kann man ihn mit manchen Konferenz-Programmen (z.B. zoom) durch ein beliebiges Bild ersetzen.

Hintergrundgeräusche

Auch die besten Audio-Filter (s.u.) können Hintergrundgeräusche nicht herausfiltern. Man suche sich also ein ruhiges Örtchen.

Störungen

Es gibt inzwischen berühmte Video-Clips, die prominente Teilnehmer mit hereinplatzendem Kind, Hund zeigen. Will man diese Berühmtheit?

Audio-Devices

Bereits durch die Wahl der Audio-Geräte kann man Probleme mit Echo, Hall oder Rückkopplung vermeiden:

  • Mit einem Headset kann man diese Störungen gar nicht erst erzeugen.

  • Wenn Mikrofon und Lautsprecher im gleichen Gerät verbaut sind (Smartphone, Laptop, All-in-one-Lösung), hat das entsprechende Gerät eine Chance, sich um die Minimierung der Störungen zu kümmern.

  • Es sollte nie mehr als ein Mikrofon offen sein. Der Einsatz eines Headsets ist nur mäßig hilfreich, wenn das Mikro der WebCam offen ist.

Im folgenden wird eine erfolgversprechende Einstellung der Audio-Devices erklärt.

Mikrofon-Konfiguration

Hier wird erklärt,

  • wie man das gewünschte Mikrofon unter mehreren auswählt,

  • die passende Aussteuerung einstellt und

  • den Klang optimiert.

Diese Einstellungen werden in die Videokonferenz mit übernommen!

pavucontrol

Die Installation kann mittels eines Ubuntu Pakets erfolgen:

sudo apt install pavucontrol 
pavucontrol 

Mikrofon konfigurieren:

  • Reiter "Eingabegeräte" öffnen über die Pfeiltasten in der Anwendung.

    1. Hier sollten nun alle am Computer angeschlossenen Audiogeräte angezeigt werden. (Hinweis! Durch trennen der Verbindung des Gerätes zum PC kann man in pavucontrol, durch das verschwinden der Auswahl dieses Gerätes, ermitteln welchen Namen das Audiogerät hat.)

  • Im Reiter Eingabegeräte kann nun unter "Port:" der Mikrofoneingang ausgewählt werden.

  • Es sollte ein Ausschlag im dem Balken im unteren Bereich zu sehen sein.

    1. Wenn nicht als erstes prüfen ob der "Stummschalten"-Button aktiv ist.

    2. Sollte dies nicht der Fall sein und trotzdem ist nichts zu sehen, sollte der Regler in der Drag Bar weiter nach rechts um die Mikrofonempfindlichkeit zu erhöhen.

  • Man sollte die Drag Bar für die Mikrofonempfindlichkeit so positionieren, dass der Ausschlag in dem umliegenden Balken bei normalem Sprechen etwa 1/4 bis 1/2 seiner vollen Größe ausfüllt.

Systemeinstellungen (Anleitung für gnome Desktop)

  • Systemeinstellungen öffnen (Meist durch Zahnradsymbol gekennzeichnet).

  • Kategorie Klang öffnen. (In anderen Oberflächen bzw. allgemein nach Begriffen wie-> "Sound, Klang, Eingabegräte, Ton, Mikrofon, usw..." suchen)

  • Den Bereich Eingang suchen. (In anderen Oberflächen bzw. allgemein nach Begriffen wie-> "Eingabegräte, Mikrofon, usw..." suchen)

    1. Hier kann nun ein Eingabegerät ausgewählt werden.

  • Man sollte die Drag Bar für die Mikrofonempfindlichkeit so positionieren, dass der Ausschlag in dem umliegenden Balken bei normalem Sprechen etwa 1/4 bis 1/2 seiner vollen Größe ausfüllt.

Bebilderte Anleitung 🇬🇧

pulseeffects

Mit pulseeffects (https://github.com/wwmm/pulseeffects 🇬🇧) kann man seinen Mikrofon-Input verändern. Es gibt die verschiedensten Einstellungen: So kann man seine Stimme verzerren, höher oder tiefer stellen und vieles mehr. Vor allem kann man lästiges Rauschen minimieren, wenn nicht sogar ganz eliminieren.

Hinweis:

Die Installation als Ubuntu-Paket funktioniert nur für Ubuntu 19.10 und höher!:

sudo apt install pulseeffects 

Mit Hilfe eines Gates, das Signalpegel erst ab einer einstellbaren Stärke durchleitet, kann man das Rauschen verringern/entfernt.

  • pulseeffects starten.

pulseeffects 

  • In der oberen rechten Ecke auf das Block Symbol mit den drei Streifen klicken um in die Einstellungen zu kommen.

    1. Im Reiter Allgemein "Alle Eingänge verarbeiten" und "Alle Ausgänge verarbeiten" aktivieren.

    2. Fenster mit den Einstellungen wieder schließen.

MenüEinstellenPulse.png

  • In der oberen linken Ecke auf das Mikrofon klicken, um dieses zu konfigurieren.

MikroundGate.png

  • In der oberen linken Ecke auf die Sinuskurve klicken und im neu öffnenden Fenster dann wieder auf das Mikrofon klicken um das Mikrofon zu aktivieren.

MikroTesten.png

  1. Wenn nun gesprochen wird, sollte ein Ausschlag in dem Fenster zu sehen sein.

  2. Kleines Fenster schließen.

  3. Im Hauptfenster sollte nun auch ein Ausschlag zu sehen sein.

  • Hat man ein Rauschen in seinem Mikrofon, sollte man im Hauptfenster im oberen Bereich einen Ausschlag sehen obwohl man nicht redet.

MitRauschen.png

  • Auf den Reiter Gate klicken und im rechten Bereich aktivieren. (Es sollte nun ein Haken neben dem Reiter "Gate" sein.)

Gate.png

  1. "Verstärkungsreduzierung" nun verringern bis der "Gating" Balken im unteren Bereich nahezu voll ist und grün aufleuchtet.

GatinLeiste.png

  1. "Schwelle" nun so anpassen, dass bei normalem sprechen der Ausschlag im oberen Bereich etwa die Hälfte seiner maximalen Höhe an nimmt.

  • Man sollte nun nur noch einen minimalen Ausschlag sehen. Am besten keinen solange man nicht redet.

KeinRauschen.png

  • Ton mit einer der oben beschriebenen Varianten testen.

  • Anwendung kann nun geschlossen werden und Konferenz gestartet werden.

Hinweis:

Wenn die Einstellungen nicht übernommen wurden, sehe man unter Mikrofon im Reiter "Anwendungen" nach, ob die Anwendung, in welcher das Mikrofon genutzt werden soll, deaktiviert ist und gegebenenfalls aktivieren.

Informationen und Erklärung zu pulseeffects: Installations Guide: https://github.com/wwmm/pulseeffects/wiki/Package-Repositories#debian--ubuntu 🇬🇧

Audioausgang

Bevor man die Ausgabe mit pavucontrol optimiert, sollte man die Basics überprüfen:

  • Alle Geräte auf einen korrekten Anschluss prüfen.

  • Prüfen ob die Lautsprecher nicht ausgeschaltet sind.

  • Prüfen ob die Lautstärkeregler falls vorhanden nicht auf 0 stehen.

pavucontrol starten:

pavucontrol 

  • Reiter "Ausgabegeräte" auswählen.

  • Etwas Gesprochenes abspielen (z.B. ein YouTube Video.

  • Hier werden nun alle Geräte angezeigt, die Töne ausgeben können.

  • Ausgabegerät unter "Port" auswählen.

  • Der Balken des gewählten Ausgabegeräts sollte zucken. Wenn sich kein Balken bewegt:

    1. Als erstes prüfen, ob der "Stummschalten"-Button gedrückt ist.

    2. Sollte dies nicht der Fall sein und trotzdem ist nichts zu hören, sollte der Regler in der Drag Bar weiter nach rechts gezogen werden, um die Lautstärke zu erhöhen.

  • Mit der Drag Bar kann man die gewünschte Lautstärke einstellen.. Es sollte jedoch beachtet werden, dass es bei zu lauten Einstellungen leicht zu einer Rückkopplung oder einem Echo in der Konferenz kommen kann.

Kamera und Audio testen

Vor allem das Mikrofon muss getestet werden, denn nur mit diesem kann man eine Videokonferenz wirklich stören (Rauschen, Kratzen, Quietschen oder sonstige unangenehme Geräusche). Sie wird extrem gestört, wenn jemand beitritt und ein sehr lautes Störgeräusch mitbringt. Es ist zu beachten, dass es verschiedene Gründe für diese Geräusche geben kann. Manche kann man beheben, andere wiederum nicht, so dass nur ein Stummschalten des Störers hilft.

Im Folgenden werden 2 Arten von Tests erklärt:

  1. off-line, nur mit dem eigenen Rechner

  2. unter Verwendung eines Servers im Internet. Hierbei sollte man das Testmaterial" mit Bedacht wählen.

Wie immer sollte man zu Beginn erst einmal sicherstellen, dass alle Geräte (Videokamera, Audio-Devices) angeschlossen und alle Anschlüsse intakt sind.

Cheese (off-line)

Cheese bietet die wohl einfachste Möglichkeit eines lokalen Tests, da normalerweise nichts konfiguriert werden muss. Die Installation kann mittels eines Ubuntu-Pakets erfolgen:

sudo apt install cheese 
  • Cheese starten.

cheese 

  • Dropdown-Menü in oberer rechter Ecke öffnen (falls vorhanden) und "Einstellungen" auswählen.

  • Dort kann nun ein Eingabegerät unter mehreren ausgewählt werden.

  • "Video" auswählen.

  • Aufnahme starten durch Klick auf Kamerasymbol unter dem Live-Bild.

  • Aufnahme beenden durch Klick auf Stop-Symbol an gleicher Stelle.

  • Den gerade aufgenommenen Videoclip kann man durch Doppelklick auf das Vorschaubild in der untersten Leiste starten.

GUVCView (off-line)

Die Installation von GUVCView kann mittels eines Ubuntu-Pakets erfolgen:

sudo apt install guvcview 
  • Starten:

guvcview 
  • Es öffnen sich zwei Fenster: ein Kontrollfenster, sowie ein Fenster zum Konfigurieren der Kameraeinstellungen innerhalb der Anwendung.

  • Man hat nun 3 Reiter vor sich ("Bildsteuerung / Video Controls / Audio Control").

    1. Die Funktonen der Reiter erklären sich von selbst, sowie die Einstellungen, die man in diesen vornehmen kann.

    2. Alle Einstellungen, die vorgenommen werden, werden sofort im Kontrollfenster übernommen.

Hier muss wieder darauf hingewiesen werden, dass alle Einstellungen, die vorgenommen werden, nur zum Testen der Funktionalität beitragen und nur innerhalb der Anwendung aktiv sind.

VLC (off-line)

VLC Media Player bietet die wohl komplizierteste Testmöglichkeit. Die Installation kann mittels eines Ubuntu-Pakets erfolgen:

sudo apt install vlc 
  • VLC starten:

vlc 

  • Sollten beim Start des VLC die Geräte für die Video- und Audioeingabe noch nicht ausgewählt sein, kann man das im Reiter "Medien → Aufnahmegerät öffnen" nachholen:

    • Unter Geräteauswahl können nun beide Eingabegeräte auswählt werden.

    • Diese Auswahl kann bei jedem User variieren (Einstellung, unter denen es funktioniert hat, waren /dev/video0 und hw:0,1).

    • Im Fall, dass diese Einstellung nicht funktioniert, gibt VLC standardmäßig einen Fehlercode aus.

Hinweis:

Alle weiteren Einstellungen, die unter "Erweiterte Optionen" vorgenommen werden, werden zwar in der eventuellen Aufnahme mit aufgenommen, jedoch werden diese nicht in die Konferenz mit übernommen. Es dient lediglich zum Testen der Funktionalität der Eingabegeräte.

Online Testen

Die Möglichkeit, Video und Audio Online über eine Weboberfläche zu testen hat Vor- und Nachteile:

  • Vorteil: Man kann alles in einem Zuge testen: die Quälität von Audio- und Video-Signal und der Übertragung zu einem Server im Internet

  • Nachteil: Man weiß nicht, wem man Zugriff auf Kamera und Mikrofon einräumt und was mit den übertragene Daten geschieht. Also Vorsicht, aber nicht mehr als bei der Videokonferenz, für die man testet.

3 Server im Netz für Tests:

Eine weitere Möglichkeiten für Online-Tests bietet auch der Konferenzdienst des DFN, der die DSGVO beachten muss:

Troubleshooting

  • Verschlechterung des Tons: Man sollte an einer Videokonferenz via Kabel und nicht via WLAN teilnehmen, denn WLAN ist ein shared Medium, d.h. wenn im Nachbarzimmer der große Download gestartet wird, verschlechtert sich der eigene Ton.

  • Kein/schlecherTon: Man sollte immer in Betracht ziehen, dass das Mikrofon auch einfach kaputt ist. Ein Test an einem anderen technischen Gerät (z.B. Smartphone, Tablet usw...) sollte Aufschluss geben.

  • Keine/defekte Audiobuchse: Ist die Audiobuchse beschädigt oder gar nicht erst vorhanden, nutze man eine externe USB-Soundkarte. Einfach nach "externe soundkarte USB" oder ähnlichem suchen. Brauchbare "Karten", die wie ein dicker USB-Stick aussehen, gibt es für unter 10€.

  • Ton lokal gut, remote schlecht: Der Sound bei einem selbst klingt gut in den Tests, aber in der Konferenz nicht? Eventuell kann es auch an einer dünnen Internetverbindung liegen. Diese kann abgehackten Ton und Störgeräusche mit sich bringen. Lösungsansätze:

    • andere, unnötige Programme, die auch Internet verwenden, zu schließen

    • Trennen der Internetverbindung anderer Geräte, die sich im Internet des gleichen Netzwerkes befinden

    • das Beschränken auf Audio und Deaktivieren der Videoübertragung.

  • Falsche Quellen: Sicherstellen, dass der Konferenz-Anwendung der Zugriff auf Audio- und Video-Devices erlaubt wurde und die richtigen Quellen ausgewählt wurden. Es kann sein, dass ein Browser (ohne Installation eines Plug-ins), die Erlaubnis des Zugriffs nicht einholt.

  • Verbesserung des Tons: Gegebenenfalls kann nochmal ein Feintuning in den Audioeinstellungen der Konferenz vorgenommen werden. (Es folgt nahezu dem gleichen Schema wie oben beschrieben, es muss nach Begriffen wie Audio, Ton, Mikrofon, usw.... gesucht werden)

  • Blockade: Es muss sichergestellt sein, dass das Mikrofon und die Videokamera durch keine andere Anwendung in Gebrauch sind. Dies kann das Nutzen dieser in der aktuellen Anwendungen blockieren.

  • Schutzschalter: Heutzutage haben Mikrofone oft einen sogenannten Kill Switch für das Mikro und die Kamera. Des Weiteren gibt es oft auch einen mechanischen Schiebeschutz vor der Linse.

  • Browserwahl: Die meisten Videokonferenzanbieter empfehlen die Nutzung des Browsers Chrome, da er über die beste Implementierung des Internetstandards WebRTC verfügt. Erfahrungsgemäß funktioniert die unproblematischere Variante Chromium in den meisten Fällen ebenso.

Diese Revision wurde am 7. Mai 2020 10:25 von HeinrichH erstellt.
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