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DAViCal

Dieser Artikel wurde für die folgenden Ubuntu-Versionen getestet:


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Artikel für fortgeschrittene Anwender

Dieser Artikel erfordert mehr Erfahrung im Umgang mit Linux und ist daher nur für fortgeschrittene Benutzer gedacht.

Zum Verständnis dieses Artikels sind folgende Seiten hilfreich:

./davical_logo.png DAViCal 🇬🇧 ist ein Kalenderserver, welcher das CalDAV-Protokoll implementiert. Das CalDAV-Protokoll erweitert das HTTP- bzw. das WebDAV-Protokoll um Zugriffsicherungs- und Auswertungsfunktionen für das Kalenderaustauschformat iCalendar. Der Server selbst ist in PHP programmiert und verwendet für die Verwaltung der Daten eine PostgreSQL-Datenbank.

Es können verschiedene Arten von Nutzern definiert werden, welche Kalender schreiben, lesen oder auch nur freie Termine einer anderen Person einsehen dürfen. Die Kalender können mit diversen Programmen abgerufen und modifiziert werden. Auch Mobilgeräte und Telefone sind teilweise in der Lage, sich mit den (online) veröffentlichten Kalendern zu synchronisieren. Unter anderem können die folgenden Client-Programme bzw. Geräte mit DAViCal verwendet werden:

Neben der Funktion als reiner Kalenderserver kann DAViCAL auch Aufgabenlisten und Notizen verwalten. So wird es möglich, Treffen mit anderen Personen zu planen, Aufgaben in einem Team zu verteilen und die Arbeit zu organisieren.

Sehr interessant ist ein DAViCal-Server in Kombination mit Postfix, Fetchmail, Dovecot (IMAP), OpenLDAP und einem geeigneten E-Mail-Programm mit Kalenderfunktion, da diese Kombination von der Funktion her recht nahe an die weit verbreitete kommerzielle Lösung Exchange/Outlook herankommt. Wen die Kombination verschiedener Einzelprogramme abschreckt, sollte sich DavMail Gateway 🇬🇧 anschauen. Diese Software stellt ein Gateway zu einem bestehenden Exchange-Server bereit.

Der DAViCal-Server auch Adressen im CardDAV-Format verarbeiten, womit eine gemeinsame Adressenverwaltung auch ohne LDAP z.B. mit Evolution möglich ist.

Voraussetzungen

Zunächst müssen Apache 2.4, PHP und PostgreSQL installiert werden und prinzipiell funktionieren. Anleitungen dazu findet man in den Artikeln:

Installation

DAViCal ist in den offiziellen Paketquellen enthalten. Folgende Pakete müssen installiert werden [1]:

  • davical (universe)

  • davical-doc (universe, optional, Dokumentation)

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install davical davical-doc 

Oder mit apturl installieren, Link: apt://davical,davical-doc

Fremdquelle

Zum Einrichten einer Fremdquelle folgt man der entsprechenden Anleitung 🇬🇧 im DAViCal-Wiki.

Hinweis!

Zusätzliche Fremdquellen können das System gefährden.

Fremdpakete

Alternativ können drei Fremdpakete im DEB-Format, die benötigte Bibliothek libawl-php ⮷ und die eigentlichen davical-Pakete ⮷ heruntergeladen werden.

Vor der Installation müssen zunächst noch fehlende Abhängigkeiten installiert werden. Für Ubuntu 20.04 sind dies:

  • libdbd-pg-perl

  • libdbi-perl

  • libyaml-libyaml-perl

  • libyaml-perl

  • php-pgsql php-xml

  • php7.4-pgsql

  • php7.4-xml

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install libdbd-pg-perl libdbi-perl libyaml-libyaml-perl libyaml-perl php-pgsql php-xml php7.4-pgsql php7.4-xml 

Oder mit apturl installieren, Link: php-xml,php7.4-pgsql,php7.4-xml

Danach können die DEB-Pakete manuell installiert werden, wobei die Installation des Pakets libawl-php zuerst erfolgen muss (VERSION bitte anpassen):

  1. libawl-php_VERSION_all.deb

  2. davical_VERSION_all.deb

  3. davical-doc_VERSION_all.deb

Hinweis!

Fremdpakete können das System gefährden.

Konfiguration

Diese Anleitung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, stellt aber einen funktionierenden Kalenderserver mit Webadministration bereit. Die offizielle Anleitung mit erweiterten Konfigurationsmöglichkeiten ist auf den Projektseiten 🇬🇧 von DAViCal zu finden.

Der Port 11371 darf nicht durch eine Firewall blockiert werden. .

Apache

Davical kann mit verschiedenen Webservern und PHP ab 5.1 arbeiten. Die Webserver können dann die Daten als Virtueller Host oder als simuliertes Unterverzeichnis zurück liefern. Die letztere, auch als Alias bezeichnete Variante, wird im Folgenden betrachtet.

Apache 2.4

Für Apache Version 2.4 wird die Konfigurationsdatei /etc/apache2/conf-available/davical.conf mit folgendem Inhalt erstellt:

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## /etc/apache2/conf-available/davical.conf

# <IfModule mod_ssl.c>
Alias /davical /usr/share/davical/htdocs

<Directory /usr/share/davical/htdocs>
        Require all granted
        Options Indexes
        DirectoryIndex index.php
        php_flag magic_quotes_gpc Off
        php_flag register_globals Off
</Directory>
# </IfModule>

Die Konfigurationsdatei wird anschließend aktiviert:

sudo a2ensite davical.conf 

Nach Änderungen in den Konfigurationsdateien muss der Webserver (Apache) neu gestartet werden.

sudo systemctl reload apache2 

Wer nur SSL-verschlüsselte Verbindungen erlauben will, kann die #-Kommentarzeichen vor den Zeilen mit <IfModule ...> und </IfModule> entfernen.

DAViCal Konfiguration

Im Verzeichnis /etc/davical/ wird die Standardkonfiguration in der Datei config.php mit dem Texteditor bearbeitet und durch folgenden Inhalt ersetzt:

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<?php
  $c->default_locale = "de_DE";
// Diesen String verwenden, wenn die Datenbank auf dem gleichen Host betrieben 
// wird, wie das Webinterface.
  $c->pg_connect[] = 'dbname=davical user=davical_app';
// Wenn der Datenbankserver auf einer anderen Maschine läuft, diesen String verwenden. 
//  $c->pg_connect[] = 'dbname=davical user=davical_app host=HOSTNAME port=5432';
?>

Die Konfigurationsdatei muss für den Apache lesbar sein. Diese erreicht man, indem man die Leserechte für andere Benutzer setzt.

sudo chmod 644 /etc/davical/config.php 

Hinweis:

Die Konfigurationsdatei kann auch so angelegt werden, dass für verschiedene Clients im Netzwerk verschiedene Datenbanken verwendet werden (siehe Davical Configuration 🇬🇧).

PostgreSQL

Zuerst müssen in der PostgreSQL-Datenbank die Benutzer für DAViCal angelegt werden. Dafür wird ein Terminal [2] geöffnet und der folgende Befehl eingegeben:

sudo -u postgres createuser davical_app
sudo -u postgres createuser davical_dba 

Sollte es beim Ausführen der Befehle Fragen nach superuser, roles und databases geben, können alle mit "Nein" beantwortet werden, denn die beiden neu zu erstellenden Benutzer von PostgreSQL sollen keine besonderen Rechte besitzen.

Hinweis:

Da in unterschiedlichen Ubuntu-Versionen auch die Versionen von PostgreSQL variieren, ist im folgenden VERSION ein Platzhalter für die Versionsnummer des PostgreSQL-Servers.

Jetzt müssen noch die Zugriffsrechte der beiden Nutzer für die PostgreSQL-Datenbank eingerichtet werden, damit sie sich lokal ohne Passwort anmelden dürfen. Dazu wird die Konfigurationsdatei /etc/postgresql/VERSION/main/pg_hba.conf mit einem Editor [3] mit Root-Rechten [4] geöffnet und die folgenden zwei Zeilen vor den bereits vorhandenen Codeblöcken eingefügt.

[...]
# TYPE  DATABASE    USER        ADDRESS          METHOD
local   davical     davical_dba                     trust
local   davical     davical_app                     trust
[...]

Damit die Änderungen wirksam werden, muss der Datenbankserver neu gestartet werden:

sudo systemctl restart postgresql.service 

Anschließend wird mit einem Skript die DAViCal-Datenbank angelegt:

sudo -u postgres -s /usr/share/davical/dba/create-database.sh 

Nachdem das Skript durchgelaufen ist, wird am Ende das Administrator-Password angezeigt.

Hinweis:

Dieses Passwort sollte man sich notieren. Es kann und sollte später über das Webinterface geändert werden. Das Passwort steht in jedem Fall auch als Klartext in der Datenbank. Bei entsprechender Konfiguration und Verwendung von SSL-Verschlüsselung (https://) ist dies jedoch vernachlässigbar.

Damit ist die Grundkonfiguration abgeschlossen und man kann sich mit der Erstellung von Benutzern und Ressourcen beschäftigen.

LDAP-Anbindung

Davical kann die oben genannte Benutzerdatenbank, die unter der Konfigurationsdatei /etc/davical/config.php mit dem Befehl pg_connect angelegt wurde, mit einem LDAP-Verzeichnis synchronisieren. Hierzu ist zunächst die Konfigurationsdatei /etc/davical/config.php wie folgt zu erweitern:

Für die Aktivierung der LDAP-Synchronisation:

$c->authenticate_hook['call'] = 'LDAP_check'; 

Einzelne Benutzer werden wie folgt von der LDAP-Synchronisation ausgenommen (es empfiehlt sich den Administrator von der Synchronisation auszuschließen):

$c->do_not_sync_from_ldap = array( 'admin' => true ); 

Dann wird die Synchronisation definiert (hier: Annahme, dass die zu synchronisierenden Benutzer mit der objectClass posixAccount angelegt sind):

$c->authenticate_hook['config'] = array(
  // Verbindungsdaten des LDAP-Servers
  'host' => 'SERVER-IP',
  'port' => '389',
  'protocolVersion' => '3',
  // Wenn keine anonyme Abfrage möglich
  'bindDN'=> 'KNOTEN DES ABFRAGENDEN BENUTZERS',
  'passDN'=> 'PASSWORT',
  // Suchkriterien der zu synchronisierenden Benutzer im LDAP
  'baseDNUsers'=> 'BAUM DER ZU SYNCHRONISIERENDEN BENUTZER',
  'filterUsers' => 'objectClass=posixAccount',
  // Definition der zu synchronisierenden Benutzerdaten
  'mapping_field' => array("username" => "uid",
                           "updated" => "modifyTimestamp",
                           "fullname" => "displayName",
                           "email" =>"mail"),
  // Suchkriterien der zu synchronisierenden Gruppen im LDAP
  'baseDNGroups' => 'BAUM DER ZU SYNCHRONISIERENDEN BENUTZER',
  'filterGroups' => 'objectClass=posixGroup',
  // Definition der zu synchronisierenden Gruppendaten
  'group_mapping_field' => array("username" => "cn",
                           "updated" => "modifyTimestamp",
                           "fullname" => "cn",
                           "members" => "memberUid",
                           "email" =>"mail"),
  // lokale Einstellungen
  'default_value' => array("date_format_type" => "E",
                           "locale" => "de_DE"),
  'format_updated' => array('Y' => array(0,4),
                            'm' => array(4,2),
                            'd' => array(6,2),
                            'H' => array(8,2),
                            'M' => array(10,2),
                            'S' => array(12,2)),
  'scope' => 'subtree',
); 

Abschließend wird im Webadmin http://SERVER-IP/davical/index.php des Davical-Servers die Synchronisation gestartet. Unter dem Menüpunkt "Tools" im Menü "Administration" lässt sich die Synchronisation für die Benutzer und Gruppen dann getrennt voneinander starten.

Benutzung

./davical_login.png

Administration

Als Administrator kann man mit einem Web-Browser lokal über

  • http://localhost/davical/

oder

  • http://IP-ADRESSE/davical/

auf die Verwaltung zugreifen und Benutzer und deren Rechte einrichten. Der Anmeldename ist admin und das Passwort ist das Passwort aus der Datenbankerstellung. Als Erstes sollte das Passwort geändert werden. Für einen schnellen Funktionstest ist es ausreichend, einen neuen Benutzer nur mit Benutzername und Passwort anzulegen.

Empfehlenswert ist auf jeden Fall ein Blick in die umfangreiche Dokumentation 🇬🇧, um z.B. Gruppen festzulegen, damit Benutzer auch untereinander Kalenderdaten austauschen können.

Clients

Der Zugriff mit einem geeignetem Clientprogramm erfolgt grundsätzlich über die Adresse (URL) des DAViCal-Servers:

http://<IP-Adresse-des-DAVical-Servers>/davical/caldav.php/<Benutzername>/calendar/

Das Adressbuch ist über folgende URL erreichbar:

http://<IP-Adresse-des-DAVical-Servers>/davical/caldav.php/<Benutzername>/addressbook/

Upgrade

Die neuen Pakete herunterladen und installieren. DAViCal bringt ein eigenes Upgrade-Skript zum Aktualisieren der Datenbank mit.

Hinweis:

Wer früher sichert, hat später was zum Rücksichern. Soll heißen: Vor dem Update sollte die Datenbank gesichert werden.

sudo -u postgres pg_dump -W -U postgres davical > davical_`date +"%d.%m.%Y-%H.%M"`.psql 

Dann kann man das Update-Skript ausführen:

sudo -u postgres -s /usr/share/davical/dba/update-davical-database 

Alternativen

Diese Revision wurde am 6. Mai 2021 06:29 von mubuntuHH erstellt.
Die folgenden Schlagworte wurden dem Artikel zugewiesen: Netzwerk, Adressbuch, Kommunikation, Kalender, Server