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AVM FRITZ!Card PCI

Archivierte Anleitung

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Artikel für fortgeschrittene Anwender

Dieser Artikel erfordert mehr Erfahrung im Umgang mit Linux und ist daher nur für fortgeschrittene Benutzer gedacht.

Achtung!

Das Modul capifs ist ab Kernel 3.x bzw. Ubuntu 11.10 nicht mehr in Ubuntu enthalten. Deshalb endet die Installation des für die Einrichtung der CAPI-Schnittstelle erforderlichen Pakets capiutils mit einer Fehlermeldung, die ignoriert werden kann.

Wiki/Icons/pci.png Diese Anleitung beschreibt die Einrichtung der AVM FRITZ!Card PCI 🇩🇪. Zusätzliche Informationen sind im Übersichtsartikel ISDN-Karten zu finden.

Es ist ein Kernelmodul avmfritz enthalten, welches theoretisch in Kombination mit dem Programm ipppd für den Internet-Zugang genutzt werden kann. Praktische Erfahrungen liegen bisher nicht vor, daher wird im Folgenden der "klassische" Weg mittels CAPI beschrieben.

Kernelmodul installieren

Es wird das Kernelmodul fcpci benötigt, welches aus dem Paket entfernt wurde, weshalb man dieses nun zwingend selbst übersetzen muss. Der dazu benötigte Quelltext ist ebenfalls nicht mehr enthalten, aber via Internet verfügbar.

Kernelmodul kompilieren

Achtung!

Prinzipiell muss das Kompilieren des Kernelmoduls bei jedem Kernelupdate wiederholt werden! Um nach einem Kernelupdate nicht ohne Internet-Zugang dazustehen – die Paketverwaltung ist sich dieser Problematik nicht bewusst und es erfolgt keine Warnung – sollten man genau beachten, welche Pakete zur Aktualisierung vorgeschlagen werden und ein Kernelupdate gegebenenfalls aufschieben.

Eine elegante Lösung dieses Problems ist der Einsatz von DKMS. Eine entsprechende Anleitung für die FRITZ!Card PCI befindet sich in Archiv/ISDN-Karten/AVM FRITZ!Card PCI/DKMS.

Vorbereitung

Hinweis:

Zur Installation von Paketen wird vorausgesetzt, dass man bereits via Netzwerk (z.B. LAN oder WLAN) mit dem Internet verbunden ist. Eine Internet-Einwahl (via ISDN) ist erst nach Erledigung diverser Vorarbeiten möglich, die im Folgenden erläutert werden.

Zunächst müssen folgenden Pakete installiert [1] werden, um den Quelltext kompilieren zu können:

  • build-essential

  • capiutils (universe)

  • libcapi20-3 (universe)

  • libcapi20-dev (universe)

  • pppdcapiplugin (optional, nur falls CAPI für die Internet-Einwahl genutzt werden soll, universe)

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install build-essential capiutils libcapi20-3 libcapi20-dev pppdcapiplugin 

Oder mit apturl installieren, Link: apt://build-essential,capiutils,libcapi20-3,libcapi20-dev,pppdcapiplugin

Außerdem wird das Paket linux-headers passend zur eigenen Kernel-Version und -Architektur (-generic, -386, -generic-pae usw.) benötigt. Dieses Paket lässt sich über den folgenden Befehl installieren:

sudo apt-get install linux-headers-$(uname -r) 

Quellcode herunterladen

Dann muss noch der Quellcode für das Kernelmodul fcpci heruntergeladen werden. Bitte darauf achten, exakt den zur eigenen Ubuntu-Version passenden zu verwenden. Die folgende Tabelle hilft hierbei weiter.

Quellcode für das Kernelmodul fcpci
Ubuntu-Version Kernel-Version Archivdatei alternative Quelle
14.04 (experimentell) 3.13 fritz-fcpci-3.10.0.tar.bz2 fritz-fcpci-3.10.0.tar.bz2
13.04 (experimentell) 3.8 fritz-fcpci-3.8.0.tar.bz2 fritz-fcpci-3.8.0.tar.bz2
12.10 (experimentell) 3.5 fritz-fcpci-3.4.0.tar.bz2 fritz-fcpci-3.4.0.tar.bz2
12.04 3.2 fritz-fcpci-3.2.0.tar.bz2 fritz-fcpci-3.2.0.tar.bz2

Hinweis!

Fremdsoftware kann das System gefährden.


Anmerkung: Der Quellcode wurde von Lutz Willek 🇩🇪 angepasst (gepatcht) und entspricht nicht mehr dem Original-Treiber von AVM. Er bittet um Rückmeldung zu diesen Quelltexten ⮷ – positive wie negative Erfahrungen sind nützlich. Bei Problemen auch die jeweils beiliegende liesmich.txt beachten.

Die im folgenden beschriebene Kompilierung ist für ältere Ubuntu-Versionen identisch, es müssen aber

  1. der entsprechende Quelltext verwendet und

  2. die Pfadangaben korrigiert werden

Ubuntu 10.04

Folgende Schritte sind notwendig:

  1. Archivdatei ins Homeverzeichnis entpacken [6]

  2. Kompilieren vorbereiten:

    cd ~/fritz-fcpci-src-2.6.31/lib
    rm fcpci-lib.o 
  3. je nachdem, ob man ein 32- oder 64-Bit System [5] einsetzt, einen entsprechenden Link anlegen:

    ln -s 32_fcpci-lib.o fcpci-lib.o 

    oder

    ln -s 64_fcpci-lib.o fcpci-lib.o 
  4. Kompilieren starten:

    cd ~/fritz-fcpci-src-2.6.31/fcpci_src
    sudo make clean
    sudo make all 
  5. Modul kopieren und einrichten:

    sudo mkdir /lib/modules/`uname -r`/extra
    sudo cp fcpci.ko /lib/modules/`uname -r`/extra/
    sudo depmod -a 
  6. Modul entladen und neu laden:

    sudo modprobe -rf fcpci
    sudo modprobe -v fcpci 

Das Modul fcpci kann nicht geladen werden, wenn ein anderes das Gerät bereits in Betrieb genommen hat. Das ist bei Ubuntu von Haus aus aber der Fall. Sollte also eine Fehlermeldung (...device or ressource busy...) erscheinen, muss das blockierende Modul zuerst entladen werden: zB. rmmod avmfritz. Zum permanenten Unterbinden des automatischen Ladens dieses Kernelmodul blacklisten. Dazu mit Root-Rechten die Datei /etc/modprobe.d/blacklist-avmfritz.conf erstellen und folgende Zeilen einfügen:

blacklist avmfritz

Ubuntu 10.10

Entweder wie bei Ubuntu 10.04 oder mit dem erneut von Lutz Willek 🇩🇪 angepassten Quelltext. Das Kompilieren wurde gegenüber früheren Versionen vereinfacht und das manuelle Verlinken (je nach 32- oder 64-Bit System) entfällt:

  1. Archivdatei ins Homeverzeichnis entpacken und in den Ordner fritz-fcpci-2.6.34 wechseln

  2. Quelltext übersetzen:

    cd ./src
    sudo make clean
    sudo make all
    sudo make install
    sudo depmod -a 
  3. Modul entladen und neu laden:

    sudo modprobe -rf fcpci
    sudo modprobe -v fcpci 

    Bitte auch den Hinweis bei Ubuntu 10.04 (Schritt 6) beachten, um Probleme mit dem Kernelmodul avmfritz zu beheben.

Ab Ubuntu 11.10

Für die ab Ubuntu 11.10 verwendeten Kernel-Versionen 3.x gibt es ebenfalls angepasste Quelltexte. Da das Kernelmodul capifs nicht mehr im Kernel enthalten ist, führt dies zu Problemen mit dem Paket capiutils bzw. der Konfiguration/Nutzung der CAPI-Schnittstelle. Das Modul fcpci an sich bzw. ISDN allgemein funktioniert einwandfrei.

Ubuntu 14.04

Die manuelle Installation ist identisch mit der unter Ubuntu 10.10 beschriebenen Variante, einzig der Link zum Quelltext ist anzupassen. Empfohlen wird jedoch die Installation über ein Skript, das dieses Modul über DKMS etwas besser ins System integriert. Details können im Artikel Archiv/ISDN-Karten/AVM FRITZ!Card PCI/DKMS nachgelesen werden.

Konfiguration

CAPI einrichten

Dazu die Datei /etc/isdn/capi.conf mit Root-Rechten bearbeiten und die Fritz!Card PCI (fcpci) durch Entfernen des Zeichens # am Zeilenanfang aktivieren:

# card		file		proto	io	irq	mem	cardnr	options
fcpci		-		-	-	-	-	-
#b1isa		b1.t4		DSS1	0x150	7	-	-	P2P
#b1pci		b1.t4		DSS1	-	-	-	-
#c4		c4.bin		DSS1	-	-	-	-
#c4		-		DSS1	-	-	-	-
#c4		-		DSS1	-	-	-	-	P2P
#c4		-		DSS1	-	-	-	-	P2P
#c2		c2.bin		DSS1	-	-	-	-
#c2		-		DSS1	-	-	-	-
#t1isa		t1.t4		DSS1	0x340	9	-	0
#t1pci		t1.t4		DSS1	-	-	-	-
#fcpcmcia	-		-	-	-	-	-
#fcusb		-		-	-	-	-	-
#fxusb		-		-	-	-	-	-
#fcclassic	-		-	0x150	10	-	-
#fcdsl		fdslbase.bin	DSS1	-	-	-	-
#fcdsl2		fds2base.bin	DSS1	-	-	-	-
#fcdslsl	fdssbase.bin	DSS1	-	-	-	-
#fcdslslusb	fdlubase.frm	DSS1	-	-	-	-
#fcdslusba	fdlabase.frm	DSS1	-	-	-	-
#fcdslusb2	fds2base.frm	DSS1	-	-	-	-
#fcdslusb	fdsubase.frm	DSS1	-	-	-	-

Hinweis:

Unter neueren Ubuntu-Versionen wird die FRITZ!Card PCI automatisch erkannt. Ein manuelles Editieren der /etc/isdn/capi.conf ist nicht mehr zwingend notwendig, schadet aber auch nicht.

Kernelmodule laden

Mit einem Texteditor [3] und Root-Rechten [8] folgende Zeilen der Datei /etc/modules hinzufügen:

capidrv
capi
fcpci

Dadurch werden die notwendigen Kernelmodule beim Starten automatisch geladen (Anmerkung: fcpci muss nicht zwingend angegeben werden – es schadet aber auch nicht).

Funktionstest

Nach der Installation des Kernelmoduls und der Konfiguration den Rechner neu starten. Jetzt zum Test folgendes eingeben:

sudo capiinit
capiinfo 

Es sollte folgende Ausgabe erscheinen:

Number of Controllers : 1
Controller 1:
Manufacturer: AVM GmbH
CAPI Version: 2.0
Manufacturer Version: 3.11-07  (49.23)
Serial Number: 1000001
BChannels: 2
Global Options: 0x00000039
   internal controller supported
   DTMF supported
   Supplementary Services supported
   channel allocation supported (leased lines)
B1 protocols support: 0x4000011f
   64 kbit/s with HDLC framing
   64 kbit/s bit-transparent operation
   V.110 asynconous operation with start/stop byte framing
   V.110 synconous operation with HDLC framing
   T.30 modem for fax group 3
   Modem asyncronous operation with start/stop byte framing
B2 protocols support: 0x00000b1b
   ISO 7776 (X.75 SLP)
   Transparent
   LAPD with Q.921 for D channel X.25 (SAPI 16)
   T.30 for fax group 3
   ISO 7776 (X.75 SLP) with V.42bis compression
   V.120 asyncronous mode
   V.120 bit-transparent mode
B3 protocols support: 0x800000bf
   Transparent
   T.90NL, T.70NL, T.90
   ISO 8208 (X.25 DTE-DTE)
   X.25 DCE
   T.30 for fax group 3
   T.30 for fax group 3 with extensions
   Modem

  0100
  0200
  39000000
  1f010040
  1b0b0000
  bf000080
  00000000 00000000 00000000 00000000 00000000 00000000
  01000001 00020000 00000000 00000000 00000000

Supplementary services support: 0x000003ff
   Hold / Retrieve
   Terminal Portability
   ECT
   3PTY
   Call Forwarding
   Call Deflection
   MCID
   CCBS

Bitte auch darauf achten, dass 2 B-Kanäle (BChannels) erkannt werden! Ist bis hierhin alles erfolgreich verlaufen, kann man sich nun mit dem Thema Einwahl ins Internet beschäftigen.

Probleme und Lösungen

Ubuntu 8.04 64-Bit

Mit dem Kernelupdate auf 2.6.24.24 unter Ubuntu 8.04 64-Bit konnte das Modul fcpci nicht mehr geladen werden. Der Befehl

sudo modprobe fcpci 

lieferte folgende Meldung:

FATAL: Module fcpci not found.

In Anlehnung an diesen Fehlerbericht werden zuerst die Quellen des Kernelmoduls avm-fritz-kernel-source_3.11+2.6.24.18-27.5_amd64.deb ⮷ heruntergeladen. Diese .deb-Datei mit einem Entpacker öffnen und erst dann die darin enthaltene data.tar.gz entpacken. Wichtig ist aus dieser Archivdatei wiederum nur die Datei ~/usr/src/avm-fritz.tgz. Nachdem man diese in das eigene Homeverzeichnis kopiert hat, kann (und sollte!) man die Datei data.tar.gz und den Ordner ~/usr/ wieder löschen.

Nun avm-fritz.tgz entpacken (eine evtl. Fehlermeldung beim Entpacken kann übergangen werden) und in das Verzeichnis ~/fritz64/fcpci/ wechseln, den Quellcode übersetzen und abschließend mit Root-Rechten das Modul laden:

cd ~/fritz64/fcpci
make
sudo make install
sudo depmod -a
sudo modprobe -v fcpci 

Jetzt mit dem Funktionstest überprüfen, ob alles geklappt hat.

Diese Revision wurde am 26. November 2015 21:20 von aasche erstellt.
Die folgenden Schlagworte wurden dem Artikel zugewiesen: isdn, Server, Hardware, unfreie Software