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AppArmor

Dieser Artikel wurde für die folgenden Ubuntu-Versionen getestet:

Zum Verständnis dieses Artikels sind folgende Seiten hilfreich:

./apparmor.png AppArmor 🇬🇧 ist ein Sicherheitsframework für Linux. Als Mandatory Access Control (MAC) System kontrolliert es Anwendungen einzeln. Für diese können in Profilen Zugriffsrechte festgelegt werden, die feiner als die allgemeinen Dateirechte sind. Neben den vordefinierten können eigene Profile aufgestellt werden. Für jedes Profil kann einer von drei Eingriffs-Modi gesetzt werden.

Zweck von AppArmor ist der Schutz von sicherheitskritischen Anwendungen, in erster Linie also Anwendungen/Prozesse mit Netzwerkzugriff, aber auch von z.B. Büroanwendungen, die durch das Laden verseuchter Dokumente u.U. das System kompromittieren könnten.

AppArmor ist seit Kernel 2.6.36 offiziell integriert 🇬🇧. Ab Ubuntu 11.04 braucht es nicht mehr als Kernelmodul nachgeladen werden. Seit Ubuntu 7.10 wird es beim Systemstart geladen. Das gilt auch für die zugehörigen Profile (Regelsätze).

Von 2005 bis 2007 wurde AppArmor maßgeblich von Novell entwickelt. Seit 2009 engagiert sich Canonical verstärkt für das Sicherheitsframework, wodurch dann auch die bereits erwähnte Aufnahme in den Linux-Kernel erreicht wurde.

AppArmor wurde als Alternative zum als schwer konfigurierbar geltenden SELinux konzipiert. Von den "großen" Linux-Distributionen verwendet neben Ubuntu noch openSUSE das Framework.

Installation

Seit 2007 ist AppArmor mit Hilfswerkzeugen in der Standardinstallation von Ubuntu enthalten. Ansonsten kann es über die folgenden Pakete nachinstalliert werden [1]:

  • apparmor

  • apparmor-utils

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install apparmor apparmor-utils 

Oder mit apturl installieren, Link: apt://apparmor,apparmor-utils

Verzeichnisstruktur

Globale und Systemeinstellungen sind in /etc/apparmor gespeichert. Die Anwendungsprofile sowie mehrere vordefinierte Unterverzeichnisse befinden sich in /etc/apparmor.d/. Eine ausführliche Darstellung der Verzeichnisstruktur nebst Inhalten ist unter Policy Layout 🇬🇧 verfügbar.

disable und force-complain

Enthält /etc/apparmor.d/disable eine Verknüpfung zu einem Profil, so wird dieses nicht automatisch geladen. Ähnlich sorgen Verknüpfungen unter /etc/apparmor.d/force-complain dafür, dass Profile nur im complain-Modus geladen werden (siehe unten).

Benutzung

Hinweis:

Alle Befehle zur Steuerung von AppArmor müssen mit Root-Rechten aufgerufen werden!

AppArmor Utilities

Nach der Installation von apparmor-utils stehen folgende Werkzeuge zur Verfügung:

Utility Beschreibung
aa-status Überblick über die geladenen AppArmor-Profile mit Angabe des Modus
aa-unconfined Ausgabe der Prozesse mit Netzwerkzugriff ohne Profil
aa-audit Profil in den Audit-Modus versetzen
aa-complain Profil in den Complain-Modus versetzen
aa-enforce Profil in den Enforce-Modus versetzen
aa-autodep Erstellung eines Basis-Profils im Complain-Modus
aa-genprof Erstellung eines Basis-Profils mit interaktiver Ergänzung von Regeln und abschließender Versetzung des Profils in den Enforce-Modus
aa-logprof interaktive Ergänzung von Regeln anhand der Einträge in /var/log/syslog
aa-cleanprof automatisches Aufräumen eines Profils

Im Idealfall nutzt man AppArmor ohne es zu bemerken, da Regeln die entsprechenden Anwendungen schützen, aber nicht beeinträchtigen. Um einen Überblick über den aktuellen Status von AppArmor zu erhalten, dient folgender Befehl im Terminal [3]:

sudo aa-status 

AppArmor Notify

Nach der Installation von apparmor-notify stehen folgende Werkzeuge zur Verfügung:

Utility Beschreibung
aa-notify Benachrichtigung über AppArmor-DENIED-Events

Um die Benachrichtigung für DENIED-Messages zu aktivieren, dient folgender Befehl im Terminal [3]:

aa-notify -p 

Die Benachrichtigung kann man testen mit:

sudo tcpdump -i enp0s31f6 -n -s 0 -w /foo 

(enp0s31f6 ist das Tcpip-Interface, das man mit ifconfig findet)

AppArmor Modi (flags)

AppArmor kennt drei Modi für jedes einzelne Profil:

Modus Beschreibung
complain "Lernmodus": Aktionen, die gegen die Regeln verstoßen, werden nur geloggt und nicht verboten. Das Profil enthält die Kennzeichnung flags=(complain).
enforce "Zwangsmodus": Aktionen, die gegen die Regeln verstoßen, werden geloggt und verboten. Das Profil enthält die Kennzeichnung flags=(enforce).
audit "Prüfmodus": Alle Regelanwendungen und Regelverstöße werden geloggt. Das Profil enthält die Kennzeichnung flags=(audit).

Profile werden somit folgendermaßen geladen:

sudo aa-complain PROFIL      # für den "Complain"-Modus
sudo aa-enforce PROFIL       # für den "Enforce"-Modus
sudo aa-audit PROFIL         # für den "Audit"-Modus 

Möchte man alle Profile auf einmal aktivieren, so geschieht dies mit diesem Befehl:

sudo aa-complain /etc/apparmor.d/*     # für den "Complain"-Modus"
sudo aa-enforce /etc/apparmor.d/*      # für den "Enforce"-Modus 

Das Logging erfolgt dabei sowohl in der Syslog /var/log/syslog als auch in erweiterter Form in der Kernel-Log /var/log/kern.log. Die /var/log/syslog ist dabei jedoch standardmäßig die ausschlaggebende, die auch von den AppArmor-Utils aa-logprof und aa-genprof benutzt wird. Möchte man sich von Hand anschauen, was AppArmor loggt, eignet sich tail durch Ausführung von

tail -F /var/log/syslog | grep "apparmor" 

bzw.

tail -F /var/log/kern.log | grep "apparmor" 

Die Regelsätze befinden sich im Verzeichnis /etc/apparmor.d/. Die Regeln haben dabei die Struktur "pfad.zur.datei.dateiname". Es ist also der Dateipfad enthalten, allerdings durch einen Punkt anstatt eines Slashs getrennt, der letzte Teil gibt den Namen des Programms/Dienstes/... an.

Deaktivieren und Reaktivieren

Die Steuerung von AppArmor erfolgt als Dienst. Um diesen komplett zu stoppen, dient nicht wie bei anderen Diensten üblich der Befehl stop, dieser leert nur den Cache. Um AppArmor komplett zu stoppen, muss der folgende Befehl eingegeben werden:

sudo service apparmor teardown 

Der Neustart erfolgt wie gewohnt mit

sudo service apparmor start 

Profile bearbeiten

Grundsätzlich ist es möglich, von Hand bestehende Profile zu bearbeiten oder neue zu erstellen. Es handelt es sich um normale Textdateien.

Achtung!

Wer das Editieren von Hand beabsichtigt, sollte genau wissen, was er tut! Es besteht eine erhöhte Gefahr, dass das Programm, welches durch das editierte Profil gesichert ist, entweder nicht mehr ausreichend gesichert ist oder auch, dass die Sicherung zu restriktiv ist, so dass das Programm nicht mehr richtig ablaufen kann!

Profilaufbau

Eine Profil-Datei ist dabei prinzipiell wie folgt aufgebaut:

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#include <tunables/global>

/pfad/zur/anwendung {
  #include <abstractions/base>
  [...]
  capability sys_admin,
  [...]
  # Kommentar
  /usr/lib/gconv/** r,
  /proc/meminfo r,
  /bin/basename rmix,
  [...]
}
  • Mit dem Befehl #include können andere (grundlegende) Regelsätze eingebunden werden.

  • In allen Profilen ist grundsätzlich die Datei /etc/apparmor.d/tunables/global mit #include eingebunden, die wiederum weitere Dateien aus diesem Verzeichnis enthält, in denen u.a. Variablen wie @{HOME} (für alle Homeverzeichnisse) oder @{PROC} (für das Verzeichnis /proc/) definiert sind.

  • Nach der Angabe des Pfades zur Anwendung, für die das Profil erstellt ist, stehen sämtliche Regeln innerhalb von geschweiften Klammern. Jede Zeile endet mit einem Komma - mit Ausnahme von Kommentaren, #include-Anweisungen, mit denen sogenannten abstractions eingebunden werden, und Kind-Profile (näheres dazu weiter unten).

  • Mit dem Befehl capability XYZ werden grundlegende Eigenschaften/Merkmale definiert. Siehe dazu die entsprechende Manpage 🇬🇧 sowie Capability rules 🇬🇧.

  • /PFAD/ZU/DATEI OPTION setzt die Berechtigungen für das jeweilige Verzeichnis bzw. die jeweilige Hilfsanwendung. Dabei ist die Verwendung des Jokers * erlaubt, zwei ** bedeuten "inkl. aller Unterverzeichnisse" (extended globbing). Beispiele dazu:

    /ordner/datei gilt für diese spezifische Datei datei in Verzeichnis /ordner
    /ordner/* gilt für alle Dateien im Verzeichnis /ordner
    /ordner/a* gilt für alle Dateien im Verzeichnis, die mit "a" beginnen
    /ordner/*.png gilt für alle Dateien mit der Endung .png
    /ordner/[^.]* gilt für alle Dateien in /ordner mit Ausnahme derjenigen, die mit einem "." beginnen
    /ordner/ gilt für das spezifische Verzeichnis /ordner
    /ordner/*/ gilt für jedes Verzeichnis in /ordner
    /ordner/** gilt für jede Datei oder jedes Verzeichnis in oder unterhalb von /ordner
    /ordner/**/ gilt für jedes Verzeichnis in oder unterhalb von /ordner

    Weitere Hinweise und Details finden sich unter File Globbing 🇬🇧.

Berechtigungen

Grundsätzlich gilt: Eine Anwendung mit AppArmor-Profil darf nur, was im Profil durch entsprechende Regeln explizit erlaubt wird. Wenn z.B. in einem Profil keine Lese- oder Schreib-Regel für das Home-Verzeichnis existiert, wird jeglicher Zugriff der betreffenden Anwendung auf dieses Verzeichnis blockiert.

Attribute

Darüber hinaus gibt es drei zusätzliche Attribute:

Attribut Beschreibung
audit alle Anwendungen der Regel werden grundsätzlich geloggt
owner Berechtigung wird nur erteilt, wenn die Datei bzw. das Verzeichnis im Besitz des Benutzers ist
deny der Zugriff auf die Datei bzw. das Verzeichnis wird explizit verboten

deny ist sinnvoll, wenn etwa für das Home-Verzeichnis Lese- und Schreibberechtigung durch eine entsprechende Regel erteilt wurde, aber besonders sicherheitskritische Verzeichnisse/Dateien geschützt werden sollen. Beispiel:

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audit deny @{HOME}/.config/autostart/** wl,
audit deny @{HOME}/.kde{,4}/Autostart/** wl,
Netzwerkberechtigungen

AppArmor kann einer Anwendung den Netzwerkzugriff allgemein oder auch sehr spezifisch erlauben oder verbieten. Typische Beispiele:

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network,                     # Netzwerkzugriff wird generell erlaubt
deny network,                # Netzwerkzugriff wird generell verboten 
network tcp,                 # TCP-Verbindungen werden erlaubt
network udp,                 # UDP-Verbindungen werden erlaubt
network inet stream,         # IPv4 TCP-Verbindungen werden erlaubt
network inet6 dgram,         # IPv6 UDP-Verbindungen werden erlaubt

Weitere Details unter Network rules 🇬🇧.

Dateizugriffsberechtigungen

In AppArmor gibt es folgende Berechtigungen:

Dateizugriffsberechtigungen in AppArmor-Profilen
Option Beschreibung
r Lesezugriff ist erlaubt
w Schreibzugriff ist erlaubt
a Dateiinhalte können hinzugefügt werden
l Es ist erlaubt, einen Link zu erstellen
k Datei kann gesperrt werden (lockfile)
m Es darf der Aufruf von mmap 🇬🇧 erfolgen
x Hilfsanwendung darf ausgeführt werden

Die Option x kann nur in den folgenden Kombinationen verwendet werden:

Ausführungsberechtigungen in AppArmor-Profilen
Option englisch für Beschreibung
ux unconfined execute mode Hilfsanwendung ohne AppArmor-Überwachung ausführen
Ux unconfined execute – scrub the environment wie ux mit Bereinigen der Umgebung
ix inherit execute mode Hilfsanwendung erbt die Berechtigungen der Hauptanwendung
px discrete Profile execute mode setzt die Definition eines eigenen Profils für die Hilfsanwendung voraus
Px Discrete Profile execute mode – scrub the environment wie px mit Bereinigen der Umgebung
cx Execute and transition to a child profile Ausführen der Hilfsanwendung über ein Kind-Profil innerhalb des Profils der Hauptanwendung
Cx Execute and transition to a child profile – scrub the environment wie cx mit Bereinigen der Umgebung

Für die Ausführungsberechtigungen sind folgende Hinweise zu beachten:

  • Die Benutzung von ux wird nicht empfohlen, sofern nicht unbedingt notwendig. Eine mit ux ausgeführte Hilfsanwendung wird von AppArmor nicht kontrolliert bzw. "eingesperrt" und kann somit u.U. eine erhebliche Lücke in ein ansonsten sicheres Profil der Hauptanwendung reißen.

  • Auch die Benutzung von Ux wird nicht empfohlen. Zwar wird hier ein sog. "environment scrubbing" 🇬🇧 durchgeführt (d.h. ein Bereinigen der Umgebung, indem Umgebungsvariable wie LD_PRELOAD entfernt werden). Ansonsten gilt jedoch dieselbe Problematik wie unter ux.

  • Erheblich sicherer ist die Verwendung von ix. Eine damit ausgeführte Hilfsanwendung erbt die Berechtigungen der Hauptanwendung, darf also nicht mehr, aber auch nicht weniger als diese. Dies kann problematisch sein, wenn die Hilfsanwendung mehr Rechte benötigt als die Hauptanwendung oder wenn die Rechte der Hilfsanwendung gezielt beschränkt werden sollen.

  • Erheblich flexibler ist diesbezüglich die Verwendung von px (bzw. Px). Voraussetzung ist, dass für die Hilfsanwendung ein eigenes AppArmor-Profil definiert ist, in dem die Berechtigungen deutlich von denen der jeweiligen Hauptanwendung abweichen können, und auf das auch andere Hauptanwendungen zugreifen können.

  • Noch flexibler ist die Verwendung von cx (bzw. Cx). Hier wird für die Hilfsanwendung ein lokales Profil innerhalb des Profils der Hauptanwendung angelegt. Der Vorteil gegenüber px ist, dass dadurch unterschiedliche Berechtigungen für die Hilfsanwendung festgelegt werden können, je nachdem, durch welche Hauptanwendung sie aufgerufen wird. Beispiel: Erstellt man z.B. ein AppArmor-Profil für den Browser Google Chrome, werden u.a. als Hilfsanwendungen xdg-open und xdg-settings benötigt, die über entsprechende Kind-Profile eingebunden werden können. Die Syntax für das Profil /etc/apparmor.d/opt.google.chrome.chrome sieht dann auszugsweise folgendermaßen aus:

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    # Last Modified: Sat Feb 16 18:28:03 2013
    #include <tunables/global>
    
    /opt/google/chrome/chrome {
    [...]
    /opt/google/chrome/xdg-settings Cx,
    [...]
    /usr/bin/xdg-open Cx,
    /usr/bin/xdg-settings Cx,
    
    [...]
    
      profile /opt/google/chrome/xdg-settings {
    
        /bin/dash r,
        /bin/grep rix,
        /bin/readlink rix,
        [...]
      }
    
      profile /usr/bin/xdg-open {
        #include <abstractions/base>
    
        /bin/dash r,
        /etc/X11/cursors/oxy-white.theme r,
        [...]
      }
    
      profile /usr/bin/xdg-settings {
    
        /bin/cat rix,
        /bin/dash r,
        [...]
      }
    }
    
  • Als weitere Variante mit cx und Cx ist eine sog. "named profile transition" möglich. Hier wird ein Kind-Profil namentlich explizit definiert. Sollen in dem obigen Beispiel keine separaten Kind-Profile für /opt/google/chrome/xdg-settings und /usr/bin/xdg-settings erstellt werden, könnte etwa ein gemeinsames Kind-Profil namens gemeinsame_xdg_settings definiert werden, auf das die Hilfsanwendungen mit einem Pfeilsymbol verweisen. Die Syntax ändert sich dann in:

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    #include <tunables/global>
    
    /opt/google/chrome/chrome {
    [...]
    /opt/google/chrome/xdg-settings Cx -> gemeinsame_xdg_settings,
    [...]
    /usr/bin/xdg-settings Cx -> gemeinsame_xdg_settings,
    
    [...]
    
      profile gemeinsame_xdg_settings {
    
        /bin/dash r,
        /bin/grep rix,
        /bin/readlink rix,
        [...]
      }
    }
    

Ein weiteres interessantes Beispiel einer "named profile transition" enthält die abstraction /etc/apparmor.d/abstractions/ubuntu-browsers.d/java.

Abstractions

Im Verzeichnis /etc/apparmor.d/abstractions befinden sich eine Vielzahl von vorgefertigten Regelsätzen, den sog. "abstractions". Sie enthalten Regeln, die typischerweise bei der Erstellung eines AppArmor-Profils von vielen Anwendungen benötigt werden. Durch Einbinden über den "#include" - Befehl kann die Profilerstellung deutlich vereinfacht werden. Die jeweiligen abstractions werden - wenn benötigt - bei der Regelerstellung bzw. beim Optimierung des Profils mit aa-logprof angeboten. Folgende Hinweise sollten dabei beachtet werden:

  • In vielen abstractions sind andere abstractions über #include eingebunden, und in diese wiederum oft andere abstractions. Durch diese mehrstufige Verschachtelung ist es - insbesondere bei der Verwendung mehrerer abstractions - häufig sehr schwierig, die effektiven Berechtigungen zu durchschauen, die man sich dadurch eingehandelt hat. Es besteht daher die Gefahr, dass auf diese Weise einer Anwendung mehr Rechte als nötig oder beabsichtigt erteilt werden. Das ist ein potentielles Sicherheitsrisiko.

  • Hinzu kommt, dass es bei der Verwendung mehrerer abstractions mitunter zu konkurrierenden Berechtigungen kommen kann, was beim Laden des Profils mit einer entsprechenden Fehlermeldung (z.B. "... conflicting permissions...") quittiert wird.

  • Aus diesen Gründen ist es ratsam, sich bei der Verwendung von abstractions in Zurückhaltung zu üben. Wird von aa-logprof eine spezifische Regel und als Alternative eine oder mehrere abstractions angeboten, sollte man die Regel bevorzugen, auch wenn dies die Profilerstellung etwas mühsamer macht.

  • Nichtsdestotrotz sind eine Reihe von abstractions sehr sinnvoll. Da den meisten Anwendungen Lese- und Schreibzugriff auf das Homeverzeichnis gewährt werden muss, ist es z.B. sinnvoll, zur Absicherung sicherheitskritischer Dateien oder Verzeichnisse das Profil mit "#include <abstractions/private-files>" (oder u.U. in einer erweiterten Form mit "#include <abstractions/private-files-strict>") zu ergänzen.

Generelle Hinweise zur Profilbearbeitung

Das manuelle Editieren eines AppArmor-Profils sollte die Ausnahme darstellen. In der Praxis erfolgt das Hinzufügen von Regeln zu einem Profil mit Hilfe von aa-logprof. Eine manuelle Nachbearbeitung beschränkt sich daher im wesentlichen auf drei Fälle:

  1. Es sollte überprüft werden, ob man nicht mit aa-logprof versehentlich die gefährlichen Ausführungsmodi ux und Ux gewählt hat.

  2. Es macht bei umfangreichen Profilen u.U. Sinn, zum Zwecke einer besseren Übersichtlichkeit die Regeln zu gruppieren bzw. anders zu sortieren oder auch ggfs. einzelne Regeln mit einer zusätzlichen Kommentarzeile (beginnend mit einem #) zu erläutern.

  3. Es ist zu überprüfen, ob möglicherweise einzelne Regeln nachträglich modifiziert werden sollten, z.B. indem eine generelle Lese- und Schreibberechtigung für das Homeverzeichnis durch "deny"-Regeln für einzelne Unterverzeichnisse/Dateien eingeschränkt wird.

Generell nicht manuell bearbeitet werden sollten die mit Ubuntu standardmäßig mitgelieferten und mit apparmor-profiles zusätzlich installierten Profile in /etc/apparmor.d, da alle Modifizierungen (auch über aa-logprof) bei einem Update dieser Profile über die Paketverwaltung verloren gehen. Für diesen Zweck stehen stattdessen in /etc/apparmor.d/local jeweils leere "Unterprofile" zur Verfügung, die mit "#include" in das zugehörige Profil eingebunden sind. Alle hier manuell hinzugefügten Berechtigungen oder "deny"-Regeln bleiben bei einem Update des betreffenden Profils erhalten. Diese Empfehlung gilt natürlich nicht für selbsterstellte Profile.

Schutz durch AppArmor

AppArmor wird automatisch geladen. Möchte man eine neue Regel laden, so muss man dies von Hand erledigen. Grundsätzlich sollte jedes Programm, das eine Angriffsfläche bietet, durch AppArmor geschützt werden. Eine Auflistung der nicht profilierten Online-Anwendungen erhält man durch ein AppArmor-Werkzeug, das man im Terminal [3] aufruft:

sudo aa-unconfined 

Dieses ermittelt mittels netstat, welche Programme offene Netzwerk-Sockets (TCP/UDP) besitzen und ob sie ein AppArmor-Profil besitzen. Eine Ausgabe kann folgendermaßen aussehen:

5460 /usr/sbin/avahi-daemon not confined
5460 /usr/sbin/avahi-daemon not confined
5806 /sbin/dhclient3 not confined
18367 /usr/sbin/cupsd confined by '/usr/sbin/cupsd (enforce)'

Man sieht hier drei Dienste, von denen nur einer geschützt wird (cups). Man besitzt also zwei ungeschützte Dienste: avahi-daemon und dhclient3. avahi-daemon wird wahrscheinlich doppelt gelistet, weil es sowohl auf TCP wie auch UDP lauscht. Diese beiden Dienste sind standardmäßig auf Ubuntu installiert. Sie sind nur aus dem lokalen Netzwerk, aber nicht aus dem Internet zu erreichen und gelten deshalb als sicher und nicht ausnutzbar. Mehr dazu kann man im Artikel Offene Ports lesen. Paranoide werden wahrscheinlich trotzdem eine Regel dafür haben wollen, aber nach derzeitigem Kenntnisstand ist dies nicht erforderlich.

Sollte aa-unconfined weitere Dienste anzeigen, wie zum Beispiel Privoxy oder Tor, sollte man diese von AppArmor schützen lassen. Als Anmerkung sei noch gesagt, dass aa-unconfined mit großer Wahrscheinlichkeit nur Dienste anzeigen wird und nicht normale Internetanwendungen (wie zum Beispiel einen Browser). Das bedeutet aber nicht, dass diese nicht geschützt werden sollten. Wie bereits gesagt ist die aa-unconfined-Liste nur ein kleiner Ausschnitt der schützenswerten Anwendungen und in keinem Fall vollständig.

Auch Windows-Anwendungen über Wine lassen sich mit AppArmor kontrollieren. Ausführliche Hinweise dazu finden sich unter AppArmorWine 🇬🇧 und im Forum.

Woher weitere Profile beziehen?

Ubuntu bringt bereits für ein paar Programme Profile mit, wobei diese jedoch teilweise deaktiviert sein könnten. Um nun weitere Profile zu beziehen, gibt es im Grunde zwei Möglichkeiten: fremde Profile übernehmen oder Profile selber erstellen.

Fremde Profile übernehmen

In der Installation sind nur sehr wenige Regeln enthalten. Ein größerer Regelsatz kann über das Paket

  • apparmor-profiles

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install apparmor-profiles 

Oder mit apturl installieren, Link: apt://apparmor-profiles

installiert [1] werden. Es sollte aber bedacht werden, dass diese Regeln zum einen unter Umständen für veraltete Programmversionen gedacht sind (z.B. Regeln für GAIM anstelle von Pidgin enthalten), zum anderen, dass diese Regeln nicht blind übernommen werden sollen/können, sondern den individuellen Bedürfnissen angepasst werden müssen. Im Internet kursieren noch zahlreiche weitere Profile für AppArmor, doch es sollte immer überlegt werden, wie vertrauenswürdig die Quelle ist und wie kompetent im Erstellen von Profilen. Außerdem sind diese Regeln meist nicht auf die eigenen Bedürfnisse angepasst, sondern müssen nachträglich feinjustiert werden. Auch hier gilt, dass keine Profile blind übernommen werden sollten.

Eine Übersicht der standardmäßig in Ubuntu enthaltenen und über apparmor-profiles zusätzlich verfügbaren Profile zeigt das Ubuntu Wiki 🇬🇧.

Eigene Profile erstellen

Will man selbst eigene Profile für AppArmor erstellen, gibt es einen eigenen Artikel, der dies ausführlich erklärt: Archiv/AppArmor/Profile erstellen

Intern

Extern

Diese Revision wurde am 26. April 2019 07:27 von ubot erstellt.
Die folgenden Schlagworte wurden dem Artikel zugewiesen: System, Sicherheit