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Windows nach Ubuntu installieren

Dieser Artikel wurde für die folgenden Ubuntu-Versionen getestet:

Dieser Artikel ist größtenteils für alle Ubuntu-Versionen gültig.

Zum Verständnis dieses Artikels sind folgende Seiten hilfreich:

Entgegen der allgemeinen Annahme, man müsste bei geplantem Dualboot immer zuerst Windows und dann Linux installieren, stellt die umgekehrte Reihenfolge oftmals kein allzu großes Hindernis da. Ist bereits Ubuntu/Linux installiert, wäre es jedenfalls, mit einer Ausnahme (siehe weiter unten), unnötige Mehrarbeit Ubuntu deswegen noch mal neu zu installieren. In diesem Artikel werden diverse Möglichkeiten dargestellt, wie man das relativ problemlos hin bekommt. Grundsätzlich sind hierfür keine tiefer gehenden IT-Kenntnisse erforderlich. Wichtiger ist eher, die richtigen Werkzeuge parat zu haben.

Ist man sich generell unsicher, ob man in dieser Reihenfolge installieren kann/sollte, kann man an dieser Stelle vorab und sehr pauschal festhalten, dass es bei Rechnern mit UEFI-Boot relativ problemlos vonstatten gehen sollte, ebenso bei mehreren vorhandenen Laufwerken im MBR/BIOS-Modus, während man es bei diesem Modus mit nur einem verbauten Laufwerk besser sein lassen sollte, wenn man kein versierter Anwender ist.

Hinweis:

In diesem Artikel werden lediglich die Voraussetzungen und die Vorarbeit für eine nachträgliche Installation von Windows sowie die ggf. erforderliche Nacharbeit in Ubuntu oder Windows erörtert. Der Ablauf des Installationsprozesses von Windows kann nicht Gegenstand eines Ubuntu-Wikis sein und ist an geeigneter Stelle nachzulesen.

Sonderformen der Ubuntu-Installation, wie z.B. MBR/BIOS-Boot auf einem GPT formatierten Laufwerk finden hier ebenfalls keine Erwähnung.

Vorbereitung

Informationsermittlung

Zunächst gilt es den Ist-Zustand zu ermitteln: Vor der Installation sind je nach Rechnertyp zwei Dinge zunächst von Bedeutung.

  1. Wo soll die Installation hin? - ist nur eine interne Platte vorhanden oder stehen mehrere Datenträger zur Verfügung?

  2. In welchem Modus bootet der Rechner aktuell? - also modernem UEFI oder klassischem BIOS!

Wie viele Platten verbaut sind sollte dem Nutzer bekannt sein, anders verhält es sich mit dem Bootmodus, da hier einige Optionen möglich sind und nicht jeder Nutzer mit den Optionen eines UEFI(-BIOS) vertraut ist.

Ist man sich also im Unklaren welcher Modus eingestellt ist oder möchte das sicherheitshalber noch mal überprüfen, gibt es einige Möglichkeiten dem auf die Spur zu kommen.

Terminalabfragen

Aus dem laufenden System heraus kann man mit dem folgenden Befehl direkt ermitteln welcher Modus gebootet wird[1]:

[ -d /sys/firmware/efi ] && echo UEFI || echo BIOS   

Die Befehlsausgabe lautet dann schlicht entweder UEFI oder BIOS.

Mit der Abfrage zur Plattenbelegung mittels des Befehls[1][2]

sudo parted -l 

erhält man weitere Informationen angezeigt. Der wichtigste Hinweis für den unter Windows zu verwendenden Modus findet sich in der Spalte Partitionstabelle/partition table. Ist das betreffende Laufwerk mit gpt gekennzeichnet verlangt Windows zwingend eine Installation im UEFI-Modus. Findet sich hier die Kennzeichnung mbr ist ebenso zwingend eine Installation im herkömmlichen BIOS/MBR-Modus vorzunehmen. In der Regel findet sich auf einem mit gpt formatierten Laufwerk eine kleine Partition, die mit esp (hinten) gekennzeichnet ist. Hierbei handelt es sich um die „EFI System Partition“. Ein weiteres Indiz, dass die aktuelle Ubuntu-Installation im UEFI-Modus läuft.

UEFI/BIOS

Zu guter Letzt kann man einen Blick ins Setup (UEFI/BIOS) und dort in den Bootbereich werfen. Die aktuelle Einstellung „UEFI“, weist auf eben diesen Modus hin. Die Einstellung „Legacy“ steht für klassisches BIOS auf einem UEFI-Board. "Legacy" kann, je nach Firmware des Rechners, als alleiniger Menüpunkt aufgelistet sein oder als untergeordneter Menüpunkt des so genannten CSM-Menüs.

Hinweis:

Ein Tipp an dieser Stelle: Es gibt etliche Variationen an Einstellungsmenüs im UEFI/BIOS, von sehr spartanisch (meist preiswerte Notebooks) bis sehr umfangreich. Ohne auf Details einzugehen, empfiehlt es sich aber Einstellungen, die mehrere Bootmodi zulassen (insofern vorhanden), diese sind i.d.R. mit „both“ oder „first“ gekennzeichnet, zu meiden und auf ein klares UEFI (only) oder Legacy (only) festzulegen. Andernfalls kann es vorkommen (und es kommt leider oft vor), dass die Betriebssysteme unbeabsichtigt in verschiedenen Bootmodi installiert werden, was zu allerlei Problemen führen kann.

Windows Erfordernisse

Bevor man mit der Windows-Installation beginnt sind folgende Erfordernisse zu beachten, insbesondere bei Installation auf dem gleichen Laufwerk:

  • Windows benötigt viel mehr Platz als Ubuntu/Linux. 40 GB kann man als absolutes Minimum bei Windows 10 ansetzen. Dessen halbjährlichen Funktionsupdates legen zusätzlich große Sicherungsordner an, die 20 GB und größer sein können. Dies kann aber aber auf irgendeiner NTFS-Partition erfolgen. Trotzdem beachten!

  • Windows wird mindestens zwei Partitionen erstellen.

  • Die kleine Windows-Systempartition mit den Bootdateien muss eine primäre Partition sein.

  • Für das mittlerweile veraltete Windows 7 muss eine ISO mit SP1 für den UEFI-Modus verwendet werden. Im Set-Up (UEFI/BIOS) muss "secureboot" auf "disabled" eingestellt werden.

Installationsmedium

  • Wie man einen USB-Stick mit Linuxmitteln für Windows erstellt, kann man in den Artikeln Windows-Installations-Stick erstellen bzw. Windows-Installation vom USB-Stick nachlesen.

    • Hat man einen Windows-Rechner zur Verfügung, seien an dieser Stelle die Tools Rufus 🇬🇧 oder das Windows eigene Werkzeug "Media Creation Tool" empfohlen. Letzteres hat den Vorteil, dass es, wenn man es zur allgemeinen Verwendung anlegt, in beiden Bootmodi nutzbar ist, während man bei "Rufus" die Voreinstellung selbst bestimmen muss.

Achtung!

Datensicherung bzw. Systemsicherung ist wie immer erste User-Pflicht bevor man Änderungen an Laufwerken vornimmt!

Installation klassisches BIOS

Je nach dem, ob man sich entschieden hat Ubuntu und Windows auf dem gleichen Datenträger oder auf verschiedenen Datenträgern zu installieren unterscheidet sich das Prozedere.

Installation auf 2. internes Laufwerk

Hat man eine leere 2. Platte zur Verfügung, gestaltet sich die Installation recht simpel. Man klemmt am besten die Platte mit Linux/Ubuntu ab, lässt das Windows-Installationsprogramm seine Arbeit erledigen und stöpselt anschließend die Ubuntuplatte wieder ein. Jetzt hat man den jeweiligen Bootloader schön getrennt auf der jeweiligen Platte installiert. Gemäß der Einstellung der Bootreihenfolge im Setup startet nun entweder Ubuntu oder Windows. Über das direkte Bootmenü des Rechners (über diese Funktion verfügen alle modernen Rechner) könnte man bei jedem Start auswählen, von welcher Platte man booten möchte. In der Regel möchte man aber nach dem Start des Rechners ein Menü angeboten bekommen, dass die Auswahl beider Betriebssysteme ermöglicht. Unter Ubuntu ruft man dann wieder das Terminal auf und führt mit

sudo update-grub 

ein Update des Bootloaders Grub durch. Hierbei wird Windows eingebunden und sollte beim nächsten Neustart des Rechners als Option zur Verfügung stehen.

Unter Windows könnte man mit dem Tool EasyBCD Ubuntu/Linux in den Bootvorgang mit einbinden, wenn man Windows als federführendes Betriebssystem beim Bootvorgang präferiert. Man kann hiermit auch Linux nur temporär in den Windows-Bootloader einbinden um anschließend den Ubuntu-Bootloader Grub wieder mit zwei kurzen Befehlen neu zu installieren (Grub Reparatur). Dies erspart die deutlich aufwändigere chroot-Methode aus einer Live-Session heraus oder den Systemstart mit Hilfe der SuperGrub2Disk 🇬🇧.

Ist die vorgesehene 2. Platte nicht komplett leer, muss man sich vorher entsprechend Platz schaffen für die Windowsinstallation. Im Installationsprogramm von Windows muss man dann aber explizit anweisen wo Windows installiert werden soll.

Installation auf gemeinsam genutzter interner Platte

ACHTUNG: Dies ist die schwierigste Variante der nachträglichen Windowsinstallation und stellt die in der Einleitung angesprochene Ausnahme da! Hier ist es tatsächlich meist besser, alles noch mal neu zu machen mit der Windowsinstallation vorneweg.

Nachfolgend trotzdem die Eckpunkte, die zu beachten sind, entscheidet man sich dafür Windows unter diesen Voraussetzungen nachträglich zu installieren.

  • Ist nicht schon ausreichend Platz für eine Windowsinstallation vorhanden, muss der geschaffen werden. Bestens geeignet ist hierfür das Tool GParted (muss meist noch installiert werden im Gegensatz zur Live-Session). Hier nochmal der Hinweis auf den hohen Platzbedarf von Windows 10!

  • Klassischer BIOS-Modus befindet sich auf einem MBR-formatierten Datenträger. Hierbei gibt es die Einschränkung auf max. vier primäre Partitionen. Benötigt man mehr als vier Partitionen ist man gezwungen, eine primäre Partition in eine erweiterte Partition/erweitertes Laufwerk zu verwandeln. Diese fungiert als Container für weitere Partitionen. Man muss also zunächst ermitteln, wie sich das aktuell darstellt. Dazu verwendet man wieder den bereits weiter vorne erwähnten Befehl

sudo parted -l 
  • Je nach Ausgangslage muss man nun entscheiden, wie man unter den o.g. Grundvoraussetzungen weiter verfährt. D.h. wo man den vorhandenen Partitionen Platz weg nimmt, ob man eine erweiterte Partition anlegt bzw. in welchem Umfang und wie man Windows platziert.

Da das eine recht komplexe Angelegenheit werden kann mit vielen Variablen ist es an dieser Stelle nicht sinnvoll ein allgemeingültiges How-to vorzugeben, zumal sich hier nur wirklich erfahrene Nutzer ran wagen sollten. Die Gefahr von Datenverlust ist zudem sehr groß.

Hat man es trotzdem erfolgreich durchgezogen, gelten wieder die gleichen Möglichkeiten Dualboot einzurichten, wie im vorigen Abschnitt beschrieben.

Installation im UEFI-Boot Modus

Installation auf verschiedenen Laufwerken

Der Ablauf der Windows Installation auf einer leeren 2. internen Platte ist hier ebenso einfach wie im klassischen Modus. Es gilt aber zusätzlich etwas zu beachten! Lässt man das Ubuntu-Laufwerk bei der Windowsinstallation angestöpselt, wird die bereits vorhandene ESP (EFI-Systempartition) auch von Windows i.d.R. mit genutzt (es ist schon vereinzelt vorgekommen, dass Windows trotzdem eine eigene ESP anlegt, was an dem weiteren Prozedere aber nichts ändert). Entfernt man dieses Laufwerk, legt Windows diese Partition noch mal neu an. Will man künftig Windows in den Linux-Bootloader Grub einbinden, empfiehlt sich die erste Variante. Möchte man die verschiedenen Betriebssysteme jeweils separat starten über das Bootmenü des Rechners, empfiehlt sich die 2. Variante. Zur Auswahl stehen dann dort der „Windows Boot Manager“ und „Ubuntu“. Im 2. Fall wird Grub i.d.R. trotzdem Windows einbinden. Das kann aber u.U zu unkontrollierten Bootbedingungen führen. Also vorher entscheiden was man präferiert!

Wie Windows ggf. in den Bootloader Grub eingebunden wird, siehe den folgenden Abschnitt!

Installation auf einem gemeinsamen internen Laufwerk

  • Die Einschränkung auf vier primäre Partitionen entfällt. Es gibt nur noch primäre Partitionen in beliebiger Anzahl.

  • Den (geschaffenen) freien Platz kann man mit GParted vorab mit dem Windows-Dateisystem NTFS formatieren.

    • Bei der Installation den Platz für die Windowsinstallation manuell zuweisen und nicht die automatische Installation starten

Nach Neustart gibt es nun mehrere Möglichkeiten, die der UEFI-Firmware des Rechners geschuldet sind.

Szenario 1: Die Bootreihenfolge wurde verändert und es startet Windows, ohne Auswahlmöglichkeit von Linux

Im diesem Fall sollte Ubuntu zunächst weiterhin über das direkte Bootmenü des Rechners ausgewählt werden können. Will man Ubuntu wieder vorne haben in der Bootreihenfolge, kann man das auf verschiedene Weise anpassen:

  • Über die Einstellungen im Setup des Rechners, Bereich Booten

  • In Windows mit dem grafischen Tool EasyUEFI 🇬🇧

  • In Ubuntu mit dem Kommandozeilen-Werkzeug efibootmgr

Da Ubuntu zu diesem Zeitpunkt noch nichts von Windows weiß, muss dieses in den Bootloader Grub noch eingebunden werden, mittels

sudo update-grub 

im Terminal.

Szenario 2: Die Bootreihenfolge wurde nicht verändert und es startet weiterhin nur Ubuntu

Auch hier gilt wieder, Auswahl ggf. über das Bootmenü des Rechners! Will man Windows in den Ubuntu-Bootloader Grub mit einbinden, muss man dies wieder mit dem Terminalbefehl

sudo update-grub 

erledigen. Beim nächsten Neustart erscheint dann die entsprechende Auswahl im Grub-Menü.

Hinweis:

Vor oder spätestens nach der Windows-Installation muss zwingend die Funktion "Fastboot" im Set-Up (UEFI-BIOS) des Rechners auf "disabled" eingestellt werden. Ebenso muss das dann noch in Windows deaktiviert werden 🇩🇪, da Windows ansonsten nicht richtig herunter gefahren wird, was zu diversen Problemen im Parallelbetrieb mit Ubuntu führt.

Diese Revision wurde am 3. Februar 2020 12:17 von Heinrich_Schwietering erstellt.
Die folgenden Schlagworte wurden dem Artikel zugewiesen: Installation