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Apt-Pinning

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Artikel für fortgeschrittene Anwender

Dieser Artikel erfordert mehr Erfahrung im Umgang mit Linux und ist daher nur für fortgeschrittene Benutzer gedacht.

Zum Verständnis dieses Artikels sind folgende Seiten hilfreich:

Apt-Pinning nennt man eine Technik, bei der in der sources.list verschiedene Paketquellen bevorzugt werden. So kann man bei einer LTS-Version bleiben, aber gezielt Pakete von einer neueren Version oder einer inoffiziellen Quelle ziehen. Es lässt sich auch ein Paket in einer bestimmten Version festhalten oder dessen Installieren oder Deinstallieren verhindern. Dies wird hier als Beispiel dargestellt.

Das Pinning geschieht in der Datei /etc/apt/preferences, die in einem Editor mit Root-Rechten [1] angelegt bzw. bearbeitet werden muss. Im weiteren Verlauf folgen Beispiele. Ab Ubuntu 10.04 müssen im Ordner /etc/apt/preferences.d/ Dateien angelegt werden, die die Package-Information des gewünschte Paketes enthalten. Diese können beliebige Namen haben und beliebig viele Regeln enthalten. Sie muss die Dateiendung .pref oder keine Endung haben, precise.pin würde z.B. ignoriert werden.

Regeln für das Pinning

Hinweis:

Das Folgende ist lediglich ein Beispiel, wie Pinning verwendet werden kann. Die konkreten Gewichtungen sind auf keinen Fall als Empfehlung zu verstehen.

Die Beispieldatei /etc/apt/sources.list soll hier als Beispiel wie folgt aussehen:

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## Offizielle Quellen
deb http://archive.ubuntu.com/ubuntu/ precise main restricted universe multiverse
deb-src http://archive.ubuntu.com/ubuntu/ precise main restricted universe multiverse
## Inoffizielle Quelle
deb http://peters-ubuntupakete.example.org/ubuntu/ precise main restricted universe multiverse

Die Beispieldatei(en, jeweils) in /etc/apt/preferences.d/:

Pinning per release

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Package: *
Pin: release v=10.04, l=Ubuntu
Pin-Priority: 1000

Von nun an haben alle Pakete aus Quellen mit der Version 10.04 und dem Distributionsnamen (Label) Ubuntu den Vorzug, selbst wenn es in anderen Quellen neuere Pakete gibt. Ein Pin: release a=lucid hätte nicht gereicht, da es ja auch Paketquellen von Ubuntu 10.04 gibt, die lucid-security, lucid-updates etc. heißen. Erst wenn es die Pakete dort nicht gibt, werden diese (soweit verfügbar) aus anderen Quellen installiert. Die verschiedenen Parameter für "Pin: release" werden im Abschnitt Parameter für Pinning per release erläutert.

Pinning per origin

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Package: *
Pin: origin peters-ubuntupakete.example.org
Pin-Priority: 300

Dieser Fall setzt die Priorität einer bestimmten Internetadresse ("origin", Ursprung). Die genaue Bedeutung der "Pin-Priority" werden im Abschnitt Werte für Pin-Priority erläutert.

Pinning per version

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Package: hello
Pin: version 2.1.1*
Pin-Priority: 1000

Dieses Beispiel verhindert das Installieren einer neueren Version als 2.1.1 des Paketes hello, aber auch die unbeabsichtigte „automatische“ Deinstallation aufgrund von Konflikten.

Hinweis:

In der /etc/apt/preferences definiert eine Leerzeile einen neuen Abschnitt für einen weiteren Eintrag. Leerzeilen zwischen Package, Pin und Pin-Priority sind nicht erlaubt!

Gezieltes Umgehen mit apt-get

Im Terminal [2] kann man mit apt-get die Prioritäten aber auch gezielt umgehen. Folgender Aufruf z.B. zieht mplayer aus dem precise-Paketbereich (= Ubuntu 12.04). Dabei werden Abhängigkeiten nach der Priorität erfüllt.

sudo apt-get -t precise install mplayer-custom 

Parameter für Pinning per release

Folgende Parameter können für das Pinnen mittels release verwendet werden:

  • a (archive) - Der Name eines Repositories, z.B. precise oder precise-backports

  • c (components) - Der Bereich eines Repositories, z.B. universe

  • v (version) - Version des Repositories bzw. der Veröffentlichung, z.B. 12.04 für precise

  • o (origin) - Die Erzeuger des Repositories z.B. Ubuntu oder LP-PPA-eclipse-team. Nicht zu Verwechseln mit origin als Quelle (Domainname).

  • l (label) - Name der Distribution, z.B. Ubuntu

Die genauen Werte können mittels apt-cache policy nachgeschlagen werden. Hier ein Ausschnitt aus der Ausgabe dieses Kommandos.

  25 http://packages.medibuntu.org precise/free Packages
     release v=12.04,o=Medibuntu,a=precise,l=Medibuntu,c=free
     origin packages.medibuntu.org
 500 http://de.archive.ubuntu.com precise/main Packages
     release v=12.04,o=Ubuntu,a=precise,l=Ubuntu,c=main
     origin de.archive.ubuntu.com
  50 http://ppa.launchpad.net precise/main Packages
     release v=12.04,o=LP-PPA-eclipse-team,a=precise,l=Ubuntu,c=main
     origin ppa.launchpad.net

Die Werte aus den release-Zeilen können ganz oder teilweise zum Pinning übernommen werden.

Werte für Pin-Priority

Die Werte für "Pin-Priority" in der Datei /etc/apt/preferences müssen positive oder negative ganze Zahlen sein. Sie werden wie folgt interpretiert:

  • größer 999: Version wird in jedem Fall installiert, auch wenn das einen Downgrade des Paketes nach sich zieht

  • von 990 bis 999: Version wird installiert, auch wenn sie nicht zum Release gehört, es sei denn ein aktuelleres Pakete ist bereits installiert

  • von 500 bis 989 : Version wird installiert, es sei denn, es gibt eine Version, die zum Release gehört oder eine aktuellere Version ist bereits installiert

  • von 100 bis 499: Version wird installiert, es sei denn, es gibt eine aktuellere die nicht zum Release gehört oder die bereits installierte Version ist aktueller

  • von 1 bis 99: Version wird nur dann installiert, wenn es keine bereits installierte gibt

  • negativer Wert: Version wird nicht installiert

Das Paket mit der höchsten Punktzahl wird bevorzugt.

Experten-Info:

Ausführlichere Informationen hierzu findet man in der Manpage von apt_preferences oder im APT HOWTO {en}.

Beispiele

Von proposed-Quellen downgraden

Mit Pinnings gibt es eine vergleichsweise einfache Möglichkeit ungewollte Upgrades auf Pakete aus den proposed-Quellen rückgängig zu machen, sprich auf die herkömmlichen und idR. gut getesteten Pakete bzgl. Installationsroutine und -Integration downzugraden. Zuerst deaktiviert man die proposed-Quellen [3] und aktualisiert die Paketindexdateien. Dann fügt man folgenden Eintrag der /etc/apt/preferences hinzu (ggfs. Datei neu anlegen): [1]

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Package: *
Pin: release a=ARCHIV*
Pin-Priority: 1001

Dabei ist ARCHIV durch den Codenamen der jeweiligen Ubuntuversion zu ersetzen. Der Stern * sollte nach dem Codenamen gesetzt werden, damit auch Pakete aus den -updates und -security-Quellen berücksichtigt werden. Codenamen sind: lucid, precise, quantal, saucy, ...

Anschließend sollte das Upgrade bzw. Downgrade der Pakete durchgeführt werden: [2]

sudo apt-get dist-upgrade 

Nachdem die Paketversionen korrigiert wurden, sollte der Pinning-Eintrag wieder entfernt werden, damit in Zukunft ein Upgrade auf ein neues Ubunturelease ohne Probleme möglich ist.

Hinweis:

Bis einschließlich Ubuntu 10.04 kann kein Globbing beim Archivnamen verwendet werden (Schreibweise mit Stern *). Stattdessen müssen alle Archive ausgeschrieben werden:

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Package: *
Pin: release a=ARCHIV
Pin-Priority: 1001

Package: *
Pin: release a=ARCHIV-updates
Pin-Priority: 1001

Package: *
Pin: release a=ARCHIV-security
Pin-Priority: 1001

Package: *
Pin: release a=ARCHIV-backports
Pin-Priority: 1001

Einzelne Pakete aus früherer / späterer Ubuntu-Version installieren

Mitunter möchte man eine aktuellere Version eines Pakets aus der nächsten Ubuntu-Version nutzen, ist aber nicht bereit, ein komplettes Upgrade zu machen. Oder aber man hat ein Upgrade hinter sich, die neue Version eines Programms macht jedoch Probleme und man würde lieber für dieses eine Paket zur früheren Version zurückkehren. Die Methode mit Apt-Pinning entspricht im Prinzip dem manuellen Herunterladen und Installieren der entsprechenden Pakete von http://packages.ubuntu.com, ist aber deutlich bequemer, besonders wenn verschiedene Abhängigkeiten ebenfalls up- bzw. downgegraded werden sollen.

Achtung!

Die Verwendung von Paketen aus anderen Ubuntu-Versionen kann im Einzelfall eine pragmatische Lösung sein, in der Regel ist aber davon abzuraten. Besonders bei einer hohen Zahl an Abhängigkeiten sind Probleme vorprogrammiert.

Konkretes Beispiel: Das Paket subversion (siehe Svn) liegt für Ubuntu 12.04 ("precise") in der Version 1.6.17 und für Ubuntu 12.10 ("quantal") in der Version 1.7.5 vor. Nach einem Upgrade auf Ubuntu 12.10 möchte man zur Version 1.6 des Pakets zurückkehren. Dazu fügt man den Paketquellen folgende Zeile hinzu: [3]

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deb http://archive.ubuntu.com/ubuntu precise main
deb-src http://archive.ubuntu.com/ precise main
deb http://archive.ubuntu.com/ precise-updates main
deb http://archive.ubuntu.com/ precise-security main

Nun wird in der Pinningsdatei /etc/apt/preferences folgender Inhalt ergänzt (bzw. die Datei neu angelegt):

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Package: subversion
Pin: version 1.6*
Pin-Priority: 1001

Package: *
Pin: release v=12.04, l=Ubuntu
Pin-Priority: -1

Nun kann nach Aktualisieren der Paketlisten mit "apt-get update" subversion aus den Ubuntu 12.04 Quellen installiert werden [4]. Wurde es bereits installiert, wird es mit "apt-get dist-upgrade" automatisch gedowngradet.

Unter Umständen müssen je nach Komplexität der Abhängigkeiten noch weitere Pinning-Einträge hinzugefügt werden.

  • apt {Übersicht} Übersichtsseite zum Paketmanagement mit APT

Diese Revision wurde am 21. März 2014 21:56 von diesch erstellt.
Die folgenden Schlagworte wurden dem Artikel zugewiesen: Paketverwaltung, Installation