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grep

Dieser Artikel wurde für die folgenden Ubuntu-Versionen getestet:

Dieser Artikel ist größtenteils für alle Ubuntu-Versionen gültig.

Zum Verständnis dieses Artikels sind folgende Seiten hilfreich:

Wiki/Icons/terminal.png Mit grep lassen sich Dateien nach bestimmten Textstücken durchsuchen. Die Suchmuster werden "regular expressions" (auf Deutsch: regulärer Ausdruck) genannt. Sie sind vielfältig einsetzbar, und werden nicht nur von grep verwendet.

Regular Expressions

Bevor es an die Beschreibung des Befehls geht, soll noch kurz erläutert werden, wie man das, was man sucht, überhaupt beschreibt. Die Beschreibung eines Textmusters wird als regular expression (regulärer Ausdruck) bezeichnet. Sie sind ähnlich mathematischen Ausdrücken aufgebaut: kleinere Untereinheiten werden durch Operatoren miteinander verknüpft. Es gibt zwei Variationen von regular expressions, basic und extended, die folgenden Beschreibungen beziehen sich auf die extended Variante. Um diese beim Aufruf von grep zu verwenden, kann es entweder mit dem Parameter -E aufgerufen werden, oder durch den alternativen Befehl egrep.

Die grundlegenden Einheiten eines regulären Ausdrucks sind solche, die ein einzelnes Zeichen beschreiben. Die meisten Zeichen (darunter alle Buchstaben und Ziffern) passen auf sich selbst, zum Beispiel passt "4" auf alle Vieren in einer Zeichenkette, also z.B. 456, PMA4Life, Hausnummer4 usw... . Alle Zeichen mit einer besonderen Bedeutung (wie zum Beispiel der Punkt ".") lassen sich durch das Voranstellen eines Rückstrichs "\" ihrer besonderen Bedeutung berauben. Um also einen Punkt "." zu finden muss man in dem regulären Ausdruck ein "\." verwenden. Um den Rückstrich selbst zu finden, benötigt man ein "\\".

Listen (bracket expressions)

Erwartet man an einer Stelle innerhalb des Regulären Ausdrucks nicht ein ganz bestimmtes Zeichen, sondern nur eines aus einer spezifischen Liste, so kann man dies durch eine sogenannte bracket expression ausdrücken. Die Liste der Zeichen, aus der das zu findende Zeichen stammen soll, wird dazu einfach in eckigen Klammern "[]" angegeben. Um beispielsweise alle Buchstaben "a", egal ob groß oder klein, zu finden, verwendet man folgenden regulären Ausdruck: "[Aa]" Möchte man alle Zeichen finden, die nicht in der Liste stehen, die Liste also negieren, so muss das erste Zeichen in der Liste ein Caret "^" sein. Ein regulärer Ausdruck der Form "[^Aa]" passt also auf alle Zeichen, die weder ein großes noch ein kleines "a" sind.

Kurzes Beispiel: "[Aa]lpha" findet alle Textstücke "Alpha" und "alpha".

Um die Listen der bracket extensions kompakt darstellen zu können, werden range expressions verwendet. Ein range expression wird durch zwei Zeichen, die durch einen Bindestrich miteinander verbunden sind, dargestellt: "[a-d]". Ein solcher Ausdruck passt auf alle Zeichen, die in der Sortierung des Zeichensatzes zwischen die beiden Zeichen fallen. Leider hängt diese Sortierung von der verwendeten locale-Einstellung ab. In der Standard C locale würde obiges Muster "[a-d]" einem regulären Ausdruck von "[abcd]" entsprechen, während er bei vielen anderen locales einem Ausdruck "[aBbCcDd]" entsprechen würde. Um die C locale für die Zeichensortierung zu erzwingen, kann man der Variablen LC_CTYPE den Wert C zuweisen:

LC_CTYPE=C befehl                 # gilt nur für diesen Befehl
LC_CTYPE=C grep -E [a-d] Datei    # Beispiel
export LC_CTYPE=C                 # gilt für alle nachfolgenden Befehle 

Die meisten Zeichen mit besonderer Bedeutung verlieren diese Bedeutung innerhalb eines bracket expressions. Um ein Zeichen "]" in die Liste aufzunehmen, muss es an der ersten Stelle in der Liste stehen. Um das Caret "^" in die Liste aufzunehmen, kann es irgendwo in der Liste stehen, nur nicht an der ersten Stelle. Um den Bindestrich "-" in die Liste einzufügen, muss es an letzter Stelle stehen.

Darüber hinaus gibt es einige vordefinierte Listen:

  • [:digit:] alle Ziffern, also [0-9]

  • [:upper:] alle Großbuchstaben

  • [:lower:] alle Kleinbuchstaben

  • [:alpha:] alle Buchstaben, also [[:upper:][:lower:]]

  • [:alnum:] alle Ziffern oder Buchstaben, also [[:digit:][:alpha:]]

  • [:punct:] alle Satzzeichen bzw. Sonderzeichen

  • [:graph:] alle graphischen Zeichen, also [[:alnum:][:punct:]]

  • [:print:] druckbare Zeichen, also [ [:graph:]]

  • [:blank:] Leerzeichen oder Tabulator

  • [:space:] Zeichen die Leerraum erzeugen (Leerzeichen, Tabulator, Zeilenvorschub etc.)

  • [:cntrl:] alle Steuerzeichen

Die vordefinierten Listen müssen aber auch in eckige Klammern eingeschlossen zu werden:

# falsch:
grep -E '[:alnum:]' Datei     # findet z.B. 'a', da es eines der Zeichen ':alnum:' ist, aber nicht 'b' oder '1' (die vordefinierte Liste wird nicht als solche interpretiert!)
# richtig:
grep -E '[[:alnum:]]' Datei   # findet sowohl 'a', als auch 'b' oder '1', da die vordefinierte Liste nun als "Buchstabe oder Zahl" interpretiert wird
# auch richtig:
grep -E '[[:alnum:] ]' Datei  # findet zusätzlich zu Buchstaben und Zahlen auch Leerzeichen
# auch richtig:
grep -E '[0-9a-zA-Z]' Datei   # entspricht [[:alnum:]]

Besondere Zeichen

  • Der Punkt "." passt auf ein beliebiges Zeichen.

  • Das Caret "^" findet den Anfang einer Zeile.

  • Das Dollarzeichen "$" findet das Ende einer Zeile.

  • Die Symbole "\<" passen auf den Beginn eines Wortes.

  • Die Symbole "\>" passen auf das Ende eines Wortes.

Wiederholungsoperatoren

Reguläre Ausdrücke können mit Hilfe dieser Operatoren öfter wiederholt werden.

  • "?" Der vorangegangene Ausdruck ist optional und wird maximal einmal angetroffen.

  • "*" Der vorangegangene Ausdruck wird beliebig oft (auch keinmal) vorgefunden.

  • "+" Der vorangegangene Ausdruck wird mindestens einmal gefunden.

  • "{n}" Der vorangegangene Ausdruck wird genau n-mal gefunden.

  • "{n,}" Der vorangegangene Ausdruck wird mindestens n-mal oder öfter angetroffen.

  • "{,m}" Der vorangegangene Ausdruck ist optional und wird maximal m-mal angetroffen.

  • "{n,m}" Der vorangegangene Ausdruck wird mindestens n-mal und maximal m-mal angetroffen.

Zusammenführung von regulären Ausdrücken

Mehrere reguläre Ausdrücke können durch Aneinanderfügen zusammengeführt werden. Ein solcher Ausdruck findet dann alle Zeichenketten, die aneinander gehängt zu dem jeweiligen Ausdruck passen. Das obige Beispiel "[Aa]lpha" stellt eine solche Verkettung dar. Es ist aus den Einzelnen Bausteinen "[Aa]", "l", "p", "h" und "a" aufgebaut.

Verknüpfung durch "oder"

Durch den Operator "|" lassen sich reguläre Ausdrücke mit einem "oder" verknüpfen. Der daraus entstehende Ausdruck findet Zeichenketten, die entweder auf den einen oder den anderen Ausdruck passen.

Kurzes Beispiel: "[Aa]lpha|[Bb]ravo" findet alle Textstücke "Alpha", "alpha", "Bravo" und "bravo" (am Besten nur mit Parameter -E oder egrep).

Vorrang der Regeln

Ähnlich wie bei mathematischen Ausdrücken (Punkt- vor Strichrechnung) unterliegen die Verknüpfungsoperatoren einer gewissen Rangfolge: Wiederholungen kommen vor Verkettungen, die wiederum vor dem "oder" kommen. Wie auch in arithmetischen Ausdrücken lassen sich diese Regeln durch Klammern überschreiben.

Geklammerte Ausdrücke referenzieren

Eine Teilzeichenkette, die auf einen geklammerten Teilausdruck gepasst hat, lässt sich durch "\n" referenzieren. Dabei steht "n" für eine einzelne Ziffer, die den n-ten geklammerten Teilausdruck auswählt.

Beispiele

  • "\<[Aa]+n+[ae]+\>" findet alle Wörter, die ungefähr wie Anne oder Anna aussehen, nur mit beliebig vielen "A", "n" und "e" (sofern sie jeweils mindestens ein mal vorkommen). AAnnneeea würde zum Beispiel auch passen.

  • "[Ss]up(er|ra)" findet alle Wörter, die ein Super, super, Supra oder supra enthalten.

  • "^[[:digit:]]" findet alle Zeilen, die mit einer Ziffer beginnen.

Installation

Das Programm grep ist im essentiellen Paket

  • grep

von Ubuntu enthalten und ist deshalb auf jedem System installiert.

Aufruf von grep

grep [Optionen] Muster [Datei...] 

oder

grep [Optionen] [-e Muster | -f Datei] [Datei...] 

außerdem gibt es noch drei Varianten von grep:

  • egrep entspricht grep -E (obige Beschreibung von regular expressions bezog sich auf diese Variante)

  • fgrep entspricht grep -F

  • rgrep entspricht grep -r

Beschreibung

Mit grep lassen sich Zeichenketten in Dateien finden, die auf die angegebenen regular expressions passen. Wird keine Datei angegeben, so wird die Standardeingabe verwendet.

Parameter

Diese Parameterliste ist unvollständig. Weiteres findet sich auf der man-Seite von grep.

KurzformLangformBeschreibung
-A NUM --after-context=NUM gibt zusätzlich NUM Zeilen nach der passenden Zeile aus.
-a text --text Verarbeite eine binäre Datei, als wäre sie Text. Dies entspricht der Option --binary-files=text.
-B NUM --before-context=NUM gibt zusätzlich NUM Zeilen vor der passenden Zeile aus.
-b --byte-offset gibt den Byte-Offset innerhalb der Datei vor jeder gefundenen Zeile an.
--binary-files=TYP gibt an, wie grep mit binären Dateien verfahren soll. Default für Typ ist binary, in diesem Fall gibt grep nur eine kurze einzeilige Mitteilung aus, ob die Datei das Muster enthält oder nicht. without-match nimmt an, dass eine binäre Datei keine passenden Zeichenketten enthält. Bei text verarbeitet grep die Datei als wäre sie eine Textdatei. Vorsicht: Die Ausgabe von binären Daten kann zu unerwünschten Resultaten führen, wenn die Ausgabe auf einem Terminal erfolgt, und dieses einige der Zeichenketten als Befehle interpretiert!
-C NUM --context=NUM gibt zusätzlich NUM Zeilen von Kontext aus. Zwischen zusammenhängende Gruppen von Treffern werden Zeilen mit "–" eingefügt.
-c --count unterdrückt die normale Ausgabe und gibt stattdessen für jede Eingabedatei an, wieviele Zeilen auf die regular expression passen.
--colour[=Wann], --color[=Wann] Markiert Treffer farbig. Wann kann dabei "never", "always" oder "auto" sein.
-E --extended-regexp Verwendet die extended Variante beim Interpretieren der übergebenen regular expression.
-e Muster --regexp=Muster verwende Muster als regular expression. Nützlich um Ausdrücke zu schützen, die mit einem - beginnen.
-F --fixed-strings interpretiert das übergebene Muster als eine Liste von festen Zeichenketten, die durch Zeilenumbrüche voneinander getrennt sind.
-f Datei --file=Datei beziehe die Muster aus Datei, eines je Zeile. Eine leere Datei enthält keine Muster und passt somit auf keinen String.
-H --with-filename gibt den Dateinamen vor jedem Treffer aus.
-h --no-filename unterdrückt die Ausgabe des Dateinamens, wenn mehrere Dateien durchsucht werden.
-I --binary-files=without-match schließt Binärdateien aus.
-i --ignore-case unterscheide nicht zwischen Groß- und Kleinschreibung.
-L --files-without-match unterdrückt die normale Ausgabe und gibt stattdessen die Dateinamen von allen Dateien, die keine Treffer enthalten aus. Die Bearbeitung stoppt, sobald ein Treffer auftritt.
-l --files-with-match unterdrückt die normale Ausgabe und gibt stattdessen die Dateinamen von allen Dateien, die Treffer enthalten aus. Die Bearbeitung stoppt, sobald ein Treffer auftritt.
-n --line-number gibt die Zeilennummer vor jedem Treffer aus.
-o --only-matching gibt nur die passende Zeichenkette aus.
-P --perl-regexp verwendet Perl regular expressions.
-q --quiet, --silent schreibt nichts auf die Standardausgabe und stoppt beim ersten Treffer.
-R -r --recursive liest alle Dateien unter jedem Verzeichnis rekursiv.
-v --invert-match Invertiert die Suche und liefert alle Zeilen die nicht auf das gesuchte Muster passen.
-w --word-regexp wählt nur solche Zeilen aus, deren Treffer aus vollständigen Wörtern bestehen.

Beispiele

egrep -rni -e "ubuntuusers" /var/www 

Findet rekursiv (-r) alle Dateien im Verzeichnis /var/www, in denen die Zeichenkette ubuntuusers auftritt, unabhängig von Groß- und Kleinschreibung (Option -i). Die Treffer werden unter Angabe der Datei und der Zeilennummer (Option -n) auf der Standardausgabe ausgegeben.

egrep -rc -e "toll" /usr/src 

Gibt an, wie oft (Option -c) die Zeichenkette toll in welchen Dateien im Verzeichnis /usr/src vorkommt.

egrep -w "EE|WW" /var/log/Xorg.0.log 

Durchsuchen einer speziellen Logdatei nach Zeilen, welche die Zeichenkette EE oder WW als Kennzeichnung von Fehlern und Warnungen enthalten, nicht jedoch als Bestandteil von Wörtern wie SCREEN. Der jeweilige Treffer bildet vielmehr ein eigenständiges (durch Leerzeichen oder Satzzeichen getrenntes) "Wort".

grep -vf foo bar 

Gibt alle Zeilen der Datei "bar" aus, in welchen keines der in der Datei "foo" gelisteten Muster enthalten ist.

sudo grep -rIo "\-session" ~ 

Durchsuchen des gesamten eigenen Homeverzeichnisses "~" mit sudo-Rechten nach Textdateien (Konfigurationsdateien, Logdateien, Textdokumente...), welche die Zeichenfolge -session (Option) enthalten.

Binärdateien wie Videos werden durch -I ausgeschlossen, -o beschränkt die Zeichenkette auf das Suchwort -session. "\" verhindert eine Fehlermeldung von grep durch das fälschlicherweise Auswerten von -s aus -session als Option statt als Suchbegriff -session.

lsmod | grep snd 

Ausgabe aller geladenen Treiber, die als Module vorliegen, durch lsmod, wobei die Ausgabe durch den Operator "|" an grep umgeleitet wird. grep gibt nur die Zeilen aus, die die Zeichenfolge snd enthalten (Suche nach den geladenen Soundtreibern).

if grep -q "foo" bar; then echo "Die Datei bar enthält den Begriff foo."; fi 

Wenn der Begriff "foo" in der Datei "bar" gefunden wird, wird eine entsprechende Meldung auf den Bildschirm ausgegeben.

Grafische Werkzeuge

Für den Einsatz innerhalb einer Desktop-Umgebung sind gedacht:

  • Searchmonkey 🇬🇧 - in den offiziellen Paketquellen enthalten

  • regexxer 🇬🇧 - in den offiziellen Paketquellen enthalten

  • jGrep 🇬🇧 - auf Java basierend

  • grepui 🇬🇧

Diese Revision wurde am 9. Juli 2021 17:00 von DJCrashdummy erstellt.
Die folgenden Schlagworte wurden dem Artikel zugewiesen: Shell