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Zotero

Dieser Artikel wurde für die folgenden Ubuntu-Versionen getestet:

Zum Verständnis dieses Artikels sind folgende Seiten hilfreich:

Das Logo von Zotero.png Zotero 🇬🇧 ist ein Programm zur Literaturverwaltung, welches sich auch zum Erstellen von Quellenangaben und Bibliographien eignet. Es handelt sich dabei um freie Software, die unter der AGPL-Lizenz an der George Mason University (USA) entwickelt wird und für Linux, macOS und Windows verfügbar ist. Die Software ist unter anderem auch in deutscher Sprache verfügbar.

Über Browser-Plugins für Firefox, Chrome und Safari lassen sich Quellen jeglicher Art (Bücher, wissenschaftliche Aufsätze/Paper, Webseiten, Gesetze, …) einfach per Mausklick von einer Vielzahl von Webseiten direkt zur eigenen Literatursammlung hinzufügen. Fachaufsätze werden, sofern Zugriff darauf besteht, direkt mit der Quelle als pdf-Datei abgespeichert. Die Quellen lassen sich in Sammlungen sortieren und mit Schlagwörtern versehen und können sogar mittels Volltextsuche durchsucht werden. Eine Synchronisation über mehrere Geräte ist über ein Zotero-Benutzerkonto möglich und über Gruppen können mehrere Nutzer zusammen an gemeinsamen an Projekten arbeiten.

Mittels Plugins lassen sich Zitate und Literaturverzeichnis direkt in Textverarbeitungsprogrammen (LibreOffice und Microsoft Office) erstellen. Zotero ist damit eine freie und kostenlose alternative zu kommerziellen Literaturverwaltungsprogrammen wie Citavi oder EndNote. Außerdem ist eine Integration in viele andere Programme, wie etwa in LaTeX-Editoren (z. B. LyX und Kile) oder die Verwendung beim Erstellen von Webseiten mit WordPress möglich.

Zotero bietet eine eigene sehr ausführliche Anleitung 🇬🇧/🇩🇪, welche teilweise auch auf Deutsch übersetzt ist. In folgendem Artikel, sollen deshalb nur kurz und knapp die wichtigsten Grundlagen aufgeführt werden. Außerdem steht Zotero für Fragen und Diskussionen ein Forum🇬🇧 zur Verfügung.

Installation

Ab Version 5 steht Zotero als eigenständiges Programm bereit, welches über AddOns für Firefox, LibreOffice, usw. erweitert werden kann. Bei früheren Versionen konnte zwischen Zotero for Firefox (Zotero lief vollständig als Firefox-Plugin) und Zotero Standalone (Zotero lief als eigenständiges Programm) gewählt werden. Erstere Variante ist mittlerweile nicht mehr nutzbar.

Zotero ist aktuell nicht über die offiziellen Paketquellen verfügbar (Stand: Juni 2018). Für die Installation gibt es mehrere Möglichkeiten. Die zuverlässigste Variante ist das Herunterladen des Programms von zotero.org und die manuelle Installation. Diese kann entweder im eigenen Homeverzeichnis oder für alle Benutzer verfügbar in /opt erfolgen. Alternativ ist eine automatisierte Installation durch ein Installationsskript oder durch ein (inoffizielles) PPA möglich.

Zotero prüft selbständig ob eine neue Version verfügbar ist. Eine Aktualisierung ist direkt über Zotero möglich.

Hinweis:

Wer aktuell von Zotero 4 auf Version 5 aktualisieren möchte, kann dies nicht über Zoteros Update-Funktion machen, sondern muss sich die aktuelle Version über die Downloadseite herunterladen und installieren.

PPA

Die Zotero-Entwickler stellen keine Pakete für Ubuntu oder andere Linux-Distributionen zur Verfügung. Es gibt ein inoffizielles PPA, welches jedoch in der Vergangenheit zeitweise nicht funktionierte.

Adresszeile zum Hinzufügen des PPAs:

  • ppa:smathot/cogscinl

Hinweis!

Zusätzliche Fremdquellen können das System gefährden.


Ein PPA unterstützt nicht zwangsläufig alle Ubuntu-Versionen. Weitere Informationen sind der Wiki/Vorlagen/PPA/ppa.png PPA-Beschreibung des Eigentümers/Teams smathot zu entnehmen.

Damit Pakete aus dem PPA genutzt werden können, müssen die Paketquellen neu eingelesen werden.

Anschließend kann Zotero-Standalone über das folgende Paket installiert [2] werden:

  • zotero-standalone (ppa)

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install zotero-standalone 

Oder mit apturl installieren, Link: apt://zotero-standalone

Manuelle Installation

Zotero kann entweder von jedem Benutzer selbst heruntergeladen und im eigenen Homeverzeichnis installiert oder mit Administatorrechten für alle Benutzer eines Systems verfügbar gemacht werden. Bei letzterer Variante funktioniert Zoteros Auto-Update-Funktion allerdings nur dann, wenn das Programm mit Root-Rechten gestartet wird.

Im Homeverzeichnis

  1. Das tar-Archiv herunterladen 🇬🇧 ⮷ und in einen beliebigen Ordner im Homeverzeichnis entpacken (es kann jeder Ordner außer ~/.zotero oder ~/Zotero verwendet werden. In diesem Beispiel wurder der Ordner ~/Downloads verwendet). Entweder über die graphische Benutzeroberfläche (Rechtsklick → Hier Entpacken) oder via Kommandozeile:

    tar -xf ~/Downloads/Zotero-5.0.48_linux-x86_64.tar.bz2 -C ~/Downloads

    (entpackt das tar-Archiv im Ordner Downloads in den Ordner Downloads). Hinweis: Der Dateiname muss ggf. abhängig von der Programmversion angepasst werden

  2. Das Zotero-Icon der .desktop-Datei kann automatisch über ein Skript aktualisiert werden:

    bash ~/Downloads/Zotero_linux-x86_64/set_launcher_icon

    Alternativ kann man die .desktop-Datei auch manuell anpassen oder selbst erstellen

  3. Nun kann Zotero über einen Doppelklick auf die .desktop-Datei gestartet werden. Diese trägt den Dateinamen zotero.desktop und wird nach dem ersten Start im Dateimanager als Zotero angezeigt (nicht zu verwechseln mit zotero).

  4. Damit Zotero in Gnome Shell in der Suche auftaucht und zu den Favoriten hinzugefügt werden kann, muss eine symbolische Verknüpfung der .desktop-Datei im Verzeichnis ~/.local/share/applications/ erstellt werden. Entweder über die graphische Benutzeroberfläche, indem die Datei zotero.desktop bzw. Zotero mit gedrückter Strg + -Taste in das Verzeichnis gezogen wird oder via Kommandozeile:

    ln -s ~/Downloads/Zotero_linux-x86_64/zotero.desktop ~/.local/share/applications/

    Hinweis: falls der Zotero Ordner nicht im Ordner Downloads liegt muss der Pfad entsprechend angepasst werden.

Systemweite Installation für alle Benutzer

  1. Das tar-Archiv herunterladen 🇬🇧 ⮷ und nach /opt entpacken. Entweder über einen Dateimanager mit Root-Rechten oder via Kommandozeile:

    sudo tar -xf ~/Downloads/Zotero-5.0.48_linux-x86_64.tar.bz2 -C /opt

    Hinweis: Pfad und Dateiname müssen ggf. angepasst werden

  2. Das Zotero-Icon der .desktop-Datei automatisch über das Skript aktualisieren:

    sudo bash /opt/Zotero_linux-x86_64/set_launcher_icon
  3. Damit Zotero in Gnome Shell in der Suche auftaucht und zu den Favoriten hinzugefügt werden kann, muss eine symbolische Verknüpfung der .desktop-Datei im Verzeichnis /usr/share/applications/ erstellt werden:

    sudo ln -s /opt/Zotero_linux-x86_64/zotero.desktop /usr/share/applications/
  4. Falls man Zotero über die Kommandozeile starten möchte, muss noch eine symbolische Verknüpfung in /usr/bin erstellt werden:

    sudo ln -s /opt/Zotero_linux-x86_64/zotero /usr/bin/zotero

Deinstallation

Wenn Zotero manuell installiert wurde, erfolgt die Deinstallation einfach durch Löschen des Programmordners und des Zotero-Datenverzeichnises, sowie ggf. des symbolischen Links in ~/.local/share/applications/. Dies geht entweder über den Desktopmanager oder via Kommandozeile:

  1. Programmordner (bei der Installation im Homeverzeichnis kann der Pfad abweichen, je nachdem wohin Zotero entpackt wurde):

    rm -r ~/Downloads/Zotero_linux-x86_64/

    bzw. bei systemweiter Installation:

    sudo rm -r /opt/Zotero_linux-x86_64/
  2. Das Datenverzeichnis (hier speichert Zotero die Daten. Standardmäßig ist es das Verzeichnis ~/.zotero)

    rm -r ~/.zotero/

    Das Datenverzeichnis muss bei allen Nutzern gelöscht werden, die Zotero verwendet haben.

  3. Symbolische Verknüpfung zur .desktop-Datei (falls diese erstellt wurde):

    rm ~/.local/share/applications/zotero.desktop

    bzw. bei systemweiter Installation:

    sudo rm /usr/bin/zotero/zotero.desktop

Automatisiert über ein Installationsskript

Der Download der aktuellsten Version und eine anschließende Installation ist automatisiert mit einem Skript möglich, welches folgendermaßen heruntergeladen und ausgeführt werden kann. Dabei kann zwischen der Installation im eigenen Homeverzeichnis oder einer systemweiten Installation gewählt werden.

Achtung!

Das Ausführen von Code aus ungeprüften Quellen kann ein Sicherheitsrisiko darstellen. Das Skript ist auf Github einsehbar.

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2
3
4
wget https://raw.github.com/smathot/zotero_installer/master/zotero_installer.sh \
    -O /tmp/zotero_installer.sh
chmod +x /tmp/zotero_installer.sh
/tmp/zotero_installer.sh

Benutzung

Die Bedienung von Zotero ist intuitiv. Eine ausführliche Dokumentation 🇬🇧/🇩🇪 aller Funktionen steht auf der Projektseite zur Verfügung und ist teilweise auch auf Deutsch übersetzt. Für die ersten Schritte gibt es den Schnelleinstieg🇩🇪. Im Folgenden werden deshalb nur ganz kurz ein paar grundlegende Funktionen vorgestellt.

Einträge hinzufügen

Quellen oder Einträge die verwaltet und ggf. zitiert werden sollen, werden in Zotero in verschiedene Kategorien unterteilt (Buch, Buchkapitel, Gesetz Patent, Webseite, Zeitschriftenartikel, Zeitungsartikel, …) in der Bibliothek gespeichert. Einträge können zwar in Zotero direkt über Datei → Neuer Eintrag bzw. das ZoteroToolbarItemAdd-Symbol hinzugefügt werden, doch Zoteros Stärke liegt in der Möglichkeit Quellen automatisch hinzufügen zu können, ohne alle Infos aufwändig von Hand eingeben zu müssen.

Eintrag per Identifier hinzufügen

Über die Schaltfläche Eintrag per Identifier hinzufügen lassen sich Bücher mit ihrer ISBN oder wissenschaftliche Publikationen anhand des (DOI) oder des PubMed identifier (PMID) hinzufügen.

Eintrag per Browser-Plugin Zotero Connector hinzufügen

Die wohl meistgenutzte und komfortabelste Möglichkeit ist die Verwendung von Zotero Connector🇬🇧, einem Browser-Plugin für Firefox, Chrome und Opera. Über dieses Plugin lässt sich eine Quelle mit einem Mausklick direkt aus dem Browser zur eigenen Bibliothek hinzufügen. Zotero erkennt bei einer Vielzahl Webseiten automatisch um welche Art von Quelle es sich handelt – von Zeitungen über Bibliothekswebseiten bis hin zu fast allen wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Aus den Metadaten werden dann sämtliche Informationen wie etwa die Namen der Autoren, Erscheinungsjahr und -ort, Verlag, … direkt in den Eintrag übernommen. Je nach erkannter Quelle ändert sich das Zotero-Symbol im Browser. Falls möglich speichert Zotero die Quelle selbst als Anhang zu dem Eintrag in der Bibliothek ab – also z. B. im Falle von wissenschaftlichen Publikationen das Paper als pdf-Datei oder bei einer Webseite einen Schnappschuss dieser. Weitere Dateianhänge können beliebig zu jedem Eintrag hinzugefügt werden.

Aus einer pdf-Datei anhand der Metadaten hinzufügen

Die meisten wissenschaftlichen Publikationen enthalten mittlerweile die wichtigen Infos als Metadaten in der pdf-Datei. Zotero kann daraus automatisch einen neuen Eintrag erstellen. Dazu muss die Datei einfach per Drag-and-Drop in das Zotero-Fenster gezogen werden.

Einträge verwalten und durchsuchen

Nach dem Hinzufügen eines Eintrages kann dieser noch mit Schlagwörtern/Tags, sowie mit Notizen versehen werden, welche beim Durchsuchen in Zotero miteinbezogen werde können. Außerdem kann auch der Inhalt der Anhänge (z.B. pdf-Dateien), wenn bei der Suche „Alles“ ausgewählt wurde, durchsucht werden. Die Einstellung für die Indizierung der Anhänge lassen sich unter DateiBearbeiten → im Tab Suche anpassen.

Online-Synchronisation und arbeiten in Gruppen

Wenn man bei Zotero ein Benutzerkonto anlegt, kann die Sammlung online gesichert und zwischen verschiedenen Computern synchronisiert werden. Außerdem kann in Gruppen gemeinsam an Projekten mit anderen Benutzern gearbeitet werden. Es können unbegrenzt Einträge und Notizen zur Sammlung hinzugefügt werden. Wenn die Dateianhänge zusammen 300 MB überschreiten, werden zusätzliche Anhänge nicht mehr hochgeladen bzw. synchronisiert. Es besteht die Möglichkeit verschiedener kostenpflichtiger Tarife für mehr Speicher. Alternativ kann man auch einen eigenen WebDAV-Speicher für die Synchronisation der Dateianhänge benutzen.

Zitieren der Quellen in LibreOffice

Für LibreOffice (und übrigens auch Microsoft Word) gibt es von Zotero ein offizielles Plugin mit dem die Einträge zitiert werden können und eine Bibliographie angelegt werden kann. Die Bedienung ist weitestgehend selbsterklärend und in dieser Anleitung beschrieben.

Unterstützung für LyX und LaTeX-Editoren

Lytero

Nutzer von LyX und Kile können Literatureinträge auch direkt aus Zotero in das aktuell bearbeitete Dokument senden. Neben einer exportierten BibTeX-Datei muss dazu das Plugin Lytero 🇬🇧 installiert sein. Leider funktioniert seit Version 1.09 von Zotero der Export nicht mehr reibungslos. Dies lässt sich jedoch mit einer kleinen Modifikation im Quellcode von Lytero ändern.

Dazu speichert man zuerst die xpi-Datei, wobei es sich nur um ein Zip-Archiv mit anderer Endung handelt, und entpackt dieses[2] in einen Ordner. Die Datei chrome/content/lytero/lytero.js wird mit einem Editor[3] geöffnet und der Eintrag

1
2
this.Translator.Zotero.Utilities.strToDate = 
		Zotero.Utilities.prototype.strToDate;

durch

1
2
this.Translator.Zotero.Utilities.strToDate = 
		Zotero.Date.strToDate;

ersetzt. Abschließend speichert man die Datei und komprimiert diese und alle anderen Dateien, die sich in dem oben erstellten Ordner befinden, wieder in das Archiv lytero.xpi.[2] Dieses kann nun mit Firefox geöffnet werden.

Im neu gestarteten Firefox findet man bei ausgeklapptem Zotero nun einige neue Symbole. Über die Büroklammer LyteroSymbol können sowohl das Ausgabeformat des Literaturschlüssels ("Set key format") als auch die zu benutzende lyxpipe konfiguriert werden ("Set path of lyxpipe"). Normalerweise reicht es hier, "changethis" durch den eigenen Benutzernamen zu ersetzen. Wenn das nicht klappt, kann man auch nach der lyxpipe suchen. Dazu muss das entsprechende Programm laufen (z.B. Kile) und in diesem die lyxpipe aktiviert sein ("Settings → Kile → General → Let Kile process LyX commands sent by bibliography editors/viewers").

Die Ausgabe des Befehls

find ~/ -name .lyxpipe.in 

trägt man nun ohne die Endung .in als Pfad in Lytero ein.

Diese Revision wurde am 6. Januar 2019 11:25 von ubot erstellt.
Die folgenden Schlagworte wurden dem Artikel zugewiesen: Literaturverwaltung, Bildung