PC-Direktverbindung per Netzwerk-Kabel

Dieser Artikel wurde für die folgenden Ubuntu-Versionen getestet:

Zum Verständnis dieses Artikels sind folgende Seiten hilfreich:

  1. Ein Terminal öffnen

Inhaltsverzeichnis
  1. Voraussetzungen
  2. Konfiguration
  3. Test
  4. Verwendung
  5. Problembehebung
  6. Links

Wiki/Icons/Oxygen/network-wired.png Mit Hilfe einer direkten Kabelnetzwerk-Verbindung zweier Rechner lassen sich Daten schnell austauschen, z.B. zwischen Desktop und Notebook. Dies ist besonders praktisch, wenn kein Router vorhanden ist oder wenn keine WLAN-Verbindung aufgebaut werden kann. Eine solche Direktverbindung lässt sich unkompliziert einrichten, ohne Änderungen in Konfigurationsdateien von Hand vornehmen zu müssen. Im Idealfall brauchen auch keine statischen IP-Adressen (von Hand) vergeben werden.

Bei bestehender Verbindung können die beiden Rechner dank Avahi nicht nur über ihre IP-Adressen, sondern auch bequem über Rechnername.local angesprochen werden. Haben die Rechner z.B. die Namen "Desktop" und "Notebook", können sie jeweils mit Desktop.local und Notebook.local angesprochen werden.

Statt einer Kabelverbindung kann man auch WLAN nutzen: PC-Direktverbindung per WLAN.

Voraussetzungen

./crossover_adapter.jpg In der Vergangenheit war ein CrossOver-Kabel zwingende Voraussetzung zur direkten Verbindung zweier Rechner. Statt des sonst selten benötigten Spezial-Kabels kann man auch ein normales Patchkabel mit einem CrossOver-Adapter (siehe Abbildung) verwenden.

Wenn allerdings mindestens einer der beiden Rechner mit einer Auto MDI-X-fähigen Netzwerkkarte ausgestattet ist, reicht ein normales Patchkabel (ohne Adapter) ebenfalls aus. Als Faustregel kann gelten, dass dies ab Gigabit-Ethernet-Karten der Fall sein sollte. Um die Frage zu klären, ob die eigene Netzwerkkarte geeignet ist, kann folgender Befehl helfen [1]:

lspci -nnk | grep -i net -A2 

Enthält die Ausgabe den Begriff Fast Ethernet, dann handelt es sich nicht um eine Gigabit-fähige Netzwerkkarte. Manche dieser Netzwerkkarten können trotzdem ohne ein spezielles CrossOver-Kabel verwendet werden. Ob das für die eigenen Netzwerkkarten zutrifft, wird weiter unten näher erläutert.

Konfiguration

  1. im NetworkManager eine neue kabelgebundene Verbindung hinzufügen, z.B. "Direktverbindung"

  2. unter dem Reiter "IPv4-Einstellungen" die Methode "nur Link-Local" auswählen

  3. die selben Einstellungen auf dem zweiten Rechner vornehmen

  4. Rechner per Kabel (siehe oben) verbinden und auf beiden Rechnern "Direktverbindung" im NetworkManager auswählen

Keine Verbindung

Scheitert der Verbindungsaufbau mit den genannten Einstellungen, bearbeitet man die "Direktverbindung". Statt der Methode "nur Link-Local" wählt man "Manuell" aus und vergibt zwei IP-Adressen aus einem privaten Adressbereich. Beispiel:

Manuelle Konfiguration der IP-Adressen
Rechner IP-Adresse Netzwerkmaske (netmask)
Desktop 10.0.1.1 255.255.255.0
Notebook 10.0.1.2 255.255.255.0

Test

Normalerweise erhält man vom NetworkManager eine Rückmeldung zum Verbindungsaufbau. Um die Verbindung praktisch zu testen, kann der Befehl ping genutzt werden. Der Test erfolgt hier vom Desktop zum Notebook [1], wobei der Domainname im Format <Name des Rechners>.local aufgebaut ist:

ping -c 3 Notebook.local 

oder unter Verwendung der IP-Adresse:

ping -c 3 10.0.1.2 

Eine erfolgreiche Verbindung sieht z.B. so aus:

PING Notebook.local (169.254.6.130) 56(84) bytes of data.                                                       
64 bytes from notebook.local (169.254.6.130): icmp_seq=1 ttl=64 time=0.324 ms                                   
64 bytes from notebook.local (169.254.6.130): icmp_seq=2 ttl=64 time=0.337 ms
64 bytes from notebook.local (169.254.6.130): icmp_seq=3 ttl=64 time=0.336 ms

Sicherheitshalber sollte der Test auch in umgekehrter Richtung, also in diesem Beispiel vom Notebook zum Desktop, durchgeführt werden.

Eine erfolglose Verbindung sieht dagegen so aus:

PING 10.0.1.2 (10.0.1.2) 56(84) bytes of data.

--- 10.0.1.2 ping statistics ---
3 packets transmitted, 0 received, 100% packet loss, time 1999ms

Verwendung

Wenn die Netzwerkverbindung vorhanden ist, kann man sich nun praktischen Dingen zuwenden. In der Regel wird der Austausch von Dateien gewünscht sein. Dieser ist auf vielfältige Art und Weise möglich. So kann man beispielsweise mit net_usershare Freigaben einrichten, die mit den meisten Dateimanagern genutzt werden können. Allerdings müssen Installation und Einrichtung vorab erfolgen. Ohne Vorbereitung nutzbar ist ein temporärer Webserver mit Python. Weitere Anregungen geben die unter Links genannten Artikel.

Problembehebung

MDI-X

Bei einigen Fast-Ethernet Karten, die eine automatische Erkennung und Umschaltung der Verbindung durch MDI-X unterstützen, kann ebenfalls ein normales Patchkabel verwendet werden. Um eine Verbindung herstellen zu können, genügt eine Ethernet-Karte im Verbund, die diese Funktion unterstützt.

Ob die verwendete Karte diese Voraussetzung erfüllt, kann mit ethtool überprüft werden. Das Programm muss aus den offiziellen Paketquellen nachinstalliert werden.

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install ethtool 

Oder mit apturl die Pakete installieren. Link: apt://ethtool

Für die Schnittstelle eth0 liefert der folgende Aufruf von ethtool die notwendigen Informationen.

sudo ethtool eth0 

Gegebenenfalls muss die Schnittstelle noch angepasst werden. Wie man die richtige Schnittstelle finden kann, wird im Artikel IP-Adresse wechseln (Abschnitt „IP-Adresse-ermitteln“) erklärt. Die Ausgabe sieht dann etwa so aus (gekürzt):

Settings for eth0:
 	Supported ports: [ TP ]
 	Supported link modes:   10baseT/Half 10baseT/Full 
 	                        100baseT/Half 100baseT/Full 
 ...
 	Auto-negotiation: on
 	MDI-X: off
 	Supports Wake-on: pumbag
 ...

Sobald ein Eintrag für "MDI-X" vorhanden ist (der nicht zwangsläufig auf "on" stehen muss), unterstützt die Karte prinzipiell eine direkte Verbindung ohne CrossOver-Kabel.