LightZone

Dieser Artikel wurde für die folgenden Ubuntu-Versionen getestet:


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Zum Verständnis dieses Artikels sind folgende Seiten hilfreich:

  1. Verwenden eines PPAs

  2. Installation von Programmen

  3. Archive entpacken

  4. Ein Terminal öffnen

  5. Ein einzelnes Paket installieren; optional

  6. Starten von Programmen

Inhaltsverzeichnis
  1. Voraussetzungen
  2. Installation
  3. Konzept
  4. Bedienung
  5. Probleme und Lösungen
  6. Alternativen
  7. Links

./lightzone_logo.png LightZone 🇬🇧 ist ein RAW-Konverter, also ein Programm zum Bearbeiten von RAW-Fotos. Solche Bilder werden im Regelfall von hochpreisigen digitalen Kameras erzeugt und gestatten Fortgeschrittenen und Profis vollen Zugriff auf die von der Kamera erzeugten Rohdaten eines Bilds.

Das Programm selbst hat eine längere Vorgeschichte. Ursprünglich wurde es für Windows und Mac OS X kommerziell vertrieben, während die Linux-Version eine Zeitlang kostenfrei zur Verfügung stand. Im September 2011 wurde der Vertrieb eingestellt, nachdem der Firmen-Eigentümer zu Apple gewechselt hatte. Ende 2012 kündigte Anton Kast, einer der ehemaligen Entwickler und verantwortlich für die Linux-Portierung, die Fortführung als Open-Source-Projekt an. Im Juni 2013 stand erstmals die Version 4.0.0 zur Verfügung, die funktional der letzten kommerziellen Version 3.9 entspricht, aber durch ihre höhere Versionsnummer darauf hinweisen soll, dass es sich jetzt um freie Software unter der BSD-Lizenz handelt. Die Sprache der Programmoberfläche und des integrierten Hilfesystems ist Englisch.

Der Umgang mit den im Regelfall sehr großen RAW-Dateien zieht erhöhte Systemanforderungen nach sich. Rechner mit 32-Bit-Betriebsystemen stoßen hier schnell an ihre Grenzen. Daher sind ein Mehrkern-Prozessor, ein 64-Bit-Betriebssystem und mindestens 4 GiB RAM empfehlenswert.

Voraussetzungen

LightZone basiert auf Java. Die dazu benötigten Proramme werden bei Installtion des LightZone-Pakets mit installiert. Darüber hinaus wird ein Prozessor mit SSE2 (ab Pentium 4) benötigt.

Installation

Wiki/Icons/synaptic.png LightZone ist kein Bestandteil der offiziellen Paketquellen, kann aber über ein "Personal Package Archiv" (PPA)[1] der Entwickler installiert oder manuell heruntergeladen werden.

PPA

Adresszeile zum Hinzufügen des PPAs:

Hinweis!

Zusätzliche Fremdquellen können das System gefährden.


Ein PPA unterstützt nicht zwangsläufig alle Ubuntu-Versionen. Weitere Informationen sind der Wiki/Vorlagen/PPA/ppa.png PPA-Beschreibung des Eigentümers/Teams lightzone-team zu entnehmen.

Nach dem Aktualisieren der Paketquellen erfolgt die Installation über das folgende Paket[2]:

Befehl zum Installieren der Pakete:

sudo apt-get install lightzone 

Oder mit apturl installieren, Link: apt://lightzone

Die benötigten Java-Abhängigkeiten werden automatisch mitinstalliert.

Manuell

Die aktuelle (Entwickler-)Version kann seit September 2020 direkt von der github-Projektseite ⮷ heruntergeladen werden. Eine Anmeldung/Registrierung ist nicht mehr notwendig.

Zum Erstellen werden folgende Pakete benötigt.

Befehl zum Installieren der Pakete:

sudo apt-get install debhelper devscripts build-essential ant autoconf git-core javahelp2 default-jdk default-jre-headless libglib2.0-dev liblcms2-dev liblensfun-dev libjpeg-dev libtiff5-dev libx11-dev libxml2-utils pkg-config rsync javahelper libjetbrains-annotations-java liblombok-java 

Oder mit apturl installieren, Link: apt://debhelper,devscripts,build-essential,ant,autoconf,git-core,javahelp2,default-jdk,default-jre-headless,libglib2.0-dev,liblcms2-dev,liblensfun-dev,libjpeg-dev,libtiff5-dev,libx11-dev,libxml2-utils,pkg-config,rsync,javahelper,libjetbrains-annotations-java,liblombok-java

Das Sourcecode-Archiv herunterladen und entpacken[3]. Damit die benötigten Java-Bibliotheken gefunden werden, vor Erstellung diesen Befehl ausführen:

export JAVA_HOME=/usr/lib/jvm/default-java 

In den beim Entpacken entstandenen Ordner wechseln und dort im Terminal[4] den Build anstoßen:

ant -f linux/build.xml 

Zum Testen

ant -f linux/build.xml run  

durchführen. Wenn alles wie gewünscht funktioniert musszum Erstellen einen .deb-Paketes das Sourcecodearchiv erneut in einen anderen Order entpacken werden. Disese in LightZone-X.X.X (Nummer der verwendeten Version) umbenennen, den Inhalt mit einem Packprogramm in ein Archiv mit dem Namen lightzone_4.2.3.orig.tar.gz packen und im übergeordneten Ordner ablegen. Dort dann

debuild -uc -us 

ausführen. Ggf. werden weitere Abhängigkeiten angezeigt, die ebenfalls installiert werden müssen. Die geforderten ggf. Pakete librefuel-java und jiconfont-google-material-design-icons sind allerdings in den Quellen nicht vorhanden, können aber aus dem LightZone-Team-PPA (siehe oben) bezogen werden.

Im übergeordneten Verzeichnis wird damit ein .deb-Paket erstellt (z.B. lightzone_4.2.3-0obs1_amd64.deb), das installiert[5] werden kann.

Konzept

LightZone bearbeitet die Original-Dateien so, dass sie unverändert erhalten bleiben. Alle Veränderungen werden in einer eigenen Datei gespeichert, alle Veränderungen können rückgängig gemacht werden. Mit dem Programm kann eine Batch-Verarbeitung erfolgen; der Workflow lässt sich in eigenen Templates festhalten und speichern, sodass die Änderungen automatisiert für viele Bilder (auch als Batch-Verarbeitung) verwendet werden können. LightZone kann 16-Bit-tiff-Dateien verarbeiten und bringt HDR-Werkzeuge mit.

./lightzone_browse.png ./lightzone_edit.png
Dateibrowser mit Bildvorschau Bearbeitungsfenster

Bedienung

Der Programmstart[6] erfolgt bei Ubuntu-Varianten mit einem Anwendungsmenü über den Eintrag "Grafik → LightZone" oder den Befehl lightzone. Ggf. erscheint bei Start eines selbstkompilierten Programms zunächst Fenster mit einer Fehlermeldung

Couldn't link with platform-specific native libraries
no Linux in java.library.path

Wenn man dort allerdings auf "OK" klickt, starte das Programm und läuft ohne Probleme.

Nach dem Start öffnet sich die Oberfläche zur Bildauswahl (Auswahlreiter "Browse", links einen Verzeichnisstruktur, in der Mitte eine Auswahl der Bilder, rechts Metadaten zum ausgewählten Bild). Nach Auswahl des gewünschten Bildes (Auswahlreiter " Bearbeiten") erscheinen links die "Styles" ("History" zeigt die vorgenommenen Veränderungsschritte), in der Mitte wird das Bild in Echtzeit entsprechend der Maßnahmen angezeigt, rechts kann zwischen "Info" und "Tools" gewechselt werden. Letzteres zeigt für jeden gewählte Veränderung einzelne Einstellungsfenster zu jeden Schritt an, in denen Finetunig betrieben werden kann; die Bearbeitungsreihenfolge kann individuell angepasst werden (die Einstellungsdialoge können per Drag'n'Drop in jede beliebige Reihenfolge gezogen werden). Alle Schritte können auch einzeln rückgängig gemacht werden, die Bearbeitung erfolgt vollständig nicht-destruktiv.

Unterstützte Formate

LightZone unterstützt die RAW-Formate der gängigen Kamerahersteller; außerdem jpeg und tiff. Die Unterstützung für png-Dateien wurde leider eingestellt; Masken, die mit früheren Versionen für png-Dateien erstellt wurden, werden zwar erkannt, können aber nicht aufgerufen werden, das das zugrundeliegende png-Bild nicht mehr verwendbar ist. Bearbeitete RAW-Bilder können in tiff oder jpeg konvertiert werden; Bearbeitungen von jpegs werden mit einem Zusatz als DATEINAME_lzn.jpeg abgespeichert.

ZoneMapper

Ein Alleinstellungsmerkmal von LightZone ist der ZoneMapper. Grundlage ist das Zonensystem, dessen Entwicklung u.a. dem amerikanischen Fotografen Ansel Adams entwickelt worden war. Damit können besonders Schwarz-Weiß-Aufnahmen bearbeitet und aufgewertet werden, indem verschieden Helligkeitsstufen im Bild lokalisiert und verändert werden können (Tonwertspreizung) . Eine recht detaillierte Anleitung findet sich auf Lightzone.helpmax.net 🇬🇧.

Von LightZone verwendete Ordner

Vorlagen/Styles sind in ~.local/share/LightZone/Templates als ~/*.lzt abgelegt, dort werden auch neu erstellte Templates gespeichert. Die Konfigurationsdaten befinden sich in~/.java/.userPrefs/com/lightcrafts/, temporäre Dateien werden in ~/.lzncache/ abgelegt.

Probleme und Lösungen

Konvertieren von jpeg-Dateien führt zu Abstürzen

Wenn versucht wird, eine .jpeg-Datei in eine tiff-Datei zu konvertieren, kann LightZone abstürzen. Auslöser dafür ist eine vorliegende Bewertung (überprüfbar im rechten Fenster, dort den Reiter "Info" öffnen) in den Exif-Daten der Datei. Nach Entfernen der Bewertung sollte eine Konvertierung möglich sein. Das Aufheben der Bewertung in LightZone funktioniert nicht immer zuverlässig, in so einem Fall kann die Bewertung mit ExifTool mit dem Befehl

exiftool -Rating=0 DATEINAME.jpg 

entfernt bzw. auf 0 gesetzt werden.

Red Eye Reduction ohne Funktion

Die Funktion zum Korrigieren roter Augen (durch Blitzeinsatz) funktioniert - zumindest für jpeg- und tiff-Dateien sowie RAW-Dateien einer Panasonic Lumix DMC FZ1000 - nicht. Im Terminal erscheint eine Meldung

failed tile 1:1
java.lang.UnsupportedOperationException: Unsupported data type: 3
	at com.lightcrafts.jai.opimage.RedMaskOpImage.computeRect(RedMaskOpImage.java:60)
	at javax.media.jai.PointOpImage.computeTile(PointOpImage.java:914)
	at com.sun.media.jai.util.SunTileScheduler.scheduleTile(SunTileScheduler.java:899)
	at javax.media.jai.OpImage.getTile(OpImage.java:1125)
	at javax.media.jai.PlanarImage.cobbleByte(PlanarImage.java:2918)
	at javax.media.jai.PlanarImage.getData(PlanarImage.java:2169)
	at javax.media.jai.AreaOpImage.computeTile(AreaOpImage.java:486)
	at com.sun.media.jai.util.SunTileScheduler.scheduleTile(SunTileScheduler.java:899)
	at javax.media.jai.OpImage.getTile(OpImage.java:1125)
	at javax.media.jai.PlanarImage.cobbleByte(PlanarImage.java:2918)
	at javax.media.jai.PlanarImage.getData(PlanarImage.java:2169)
	at javax.media.jai.PlanarImage.getExtendedData(PlanarImage.java:2508)
	at javax.media.jai.AreaOpImage.computeTile(AreaOpImage.java:485)
	at com.sun.media.jai.util.SunTileScheduler.scheduleTile(SunTileScheduler.java:899)
	at javax.media.jai.OpImage.getTile(OpImage.java:1125)
	at javax.media.jai.RenderedOp.getTile(RenderedOp.java:2258)
	at javax.media.jai.PointOpImage.computeTile(PointOpImage.java:911)
	at com.sun.media.jai.util.SunTileScheduler.scheduleTile(SunTileScheduler.java:899)
	at javax.media.jai.OpImage.getTile(OpImage.java:1125)
	at javax.media.jai.PointOpImage.computeTile(PointOpImage.java:911)
	at com.sun.media.jai.util.SunTileScheduler.scheduleTile(SunTileScheduler.java:899)
	at javax.media.jai.OpImage.getTile(OpImage.java:1125)
	at com.lightcrafts.jai.opimage.BlendOpImage.getTile(BlendOpImage.java:207)
	at javax.media.jai.RenderedOp.getTile(RenderedOp.java:2258)
	at com.lightcrafts.model.ImageEditor.BlendedOperation$BlendedTransform$CachedImage.getTile(BlendedOperation.java:318)
	at com.sun.media.jai.opimage.CropOpImage.getTile(CropOpImage.java:118)
	at javax.media.jai.PointOpImage.computeTile(PointOpImage.java:911)
	at com.sun.media.jai.util.SunTileScheduler.scheduleTile(SunTileScheduler.java:899)
	at javax.media.jai.OpImage.getTile(OpImage.java:1125)
	at javax.media.jai.PointOpImage.computeTile(PointOpImage.java:911)
	at com.sun.media.jai.util.SunTileScheduler.scheduleTile(SunTileScheduler.java:899)
	at javax.media.jai.OpImage.getTile(OpImage.java:1125)
	at com.sun.media.jai.util.RequestJob.compute(SunTileScheduler.java:242)
	at com.sun.media.jai.util.WorkerThread.run(SunTileScheduler.java:463)

Seit dem 23.11.2021 ist diesre Fehler im Masterbranch behoben (siehe Issue auf github); ggf. kann man sich sonst mit dem Spot- oder dem Clone-Tool von LightZone behelfen.

Alternativen

Zu seiner Zeit war das plattformunabhängige LightZone der Konkurrenz deutlich voraus. Inzwischen hat sich dieser Abstand deutlich verringert und mit darktable und RawTherapee stehen mindestens zwei ebenbürtige Alternativen zur Verfügung. Zum Linux-Urgestein zählt dagegen UFRaw, dass als Erweiterung für GIMP immer noch eine gewisse Rolle spielt.