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Lizenzen

Eine Lizenz ist eine offizielle schriftliche Erlaubnis, die etwas erlaubt, was andernfalls verboten wäre. In der Software-Welt haben Lizenzen eine sehr große Bedeutung, weshalb man sich als Nutzer und Ersteller von Programmen mit den verschiedenen Lizenzen vertraut machen sollte. Dieser Artikel soll einen kurzen Überblick ermöglichen.

Begriffe

Freie Software

Unter Freier (oder Free) Software versteht man Software, welche frei ist im Sinne von "Freiheit" oder "freie Rede". Die Kriterien, was eine freie Software ausmacht, werden von der Free Software Foundation (FSF) aufgestellt. Diese definiert vier Freiheiten 🇩🇪:

  1. Die Freiheit, das Programm für jeden Zweck auszuführen.

  2. Die Freiheit, die Funktionsweise eines Programms zu untersuchen und es an seine Bedürfnisse anzupassen

  3. Die Freiheit, Kopien weiterzugeben und damit seinen Mitmenschen zu helfen

  4. Die Freiheit, ein Programm zu verbessern und die Verbesserungen an die Öffentlichkeit weiterzugeben, sodass die gesamte Gesellschaft profitiert.

Open Source

Der Begriff "Open Source" ist vom Open Source Institute (OSI) 🇬🇧 geschützt. Diese Organisation bestimmt, welche Lizenzen der Definition von "Open Source" entsprechen und sich somit als "Open Source" bezeichnen dürfen. Open Source ist eine abgeschwächte Art von freier Software. Es müssen im Prinzip nur die ersten drei Freiheiten erfüllt sein, jedoch spricht man bei Open Source nicht von Freiheiten. Der Quelltext muss offen liegen und jeder darf ihn anschauen. Für Entwickler und Projekte ist Open-Source-Software oftmals attraktiver, da Open Source auch leicht in proprietäre Projekte integriert werden kann. Die wichtigsten Open-Source-Lizenzen sind die BSD-Lizenzen und die Apache-Lizenzen.

Freeware

Freeware ist normalerweise proprietäre Software, die der Autor kostenlos zur Verfügung stellt. Dies ist allerdings keine rechtsgültige Definition, weniger ein durch die Endbenutzer-Lizenzvereinbarung (EULA) des jeweiligen Programms eingegrenzter Begriff.

Shareware

Shareware ist üblicherweise eine proprietäre Software, die man vor der kostenpflichtigen Lizenzierung testen darf, teilweise auch unbegrenzt. Im Vergleich zu anderer proprietärer Software ist der Preis für Shareware oft (deutlich) geringer.

FOSS/FLOSS

Unter FOSS oder FLOSS versteht man die Zusammenfassung von freier und quelloffener Software. FOSS steht für "free and open source software", das "L" in FLOSS steht für "Libre" um deutlich zu machen, dass es bei frei um Freiheit und nicht um Freibier geht.

Lizenzen

GNU General Public License (GPL)

Die GNU General Public License ist wohl die wichtigste Lizenz für Freie Software. Verantwortlich ist die Free Software Foundation (FSF). Viele wichtige Projekte wie Linux, GNOME oder WordPress stehen unter dieser Lizenz.

Wichtige Merkmale sind:

  • Jeder darf das Programm zu jedem Zweck nutzen

  • Kopien dürfen kostenlos oder entgeltlich zur Verfügung gestellt werden, der Quellcode muss aber veröffentlicht werden

  • Das Programm darf studiert und verändert werden

  • Wird eine veränderte Version veröffentlicht, muss diese unter der selben Lizenz stehen wie das ursprüngliche Programm

Seit der 2. Version der Lizenz von 1991 muss diese Lizenz in ihrer Gänze erfüllt sein ("Liberty or Death"-Klausel). In der 3. Version von 2007 wurde die Lizenz an internationales Recht angepasst und betont, dass die GPL die Verfassung der "Freien Software Bewegung" ist.

GNU Lesser General Public License (LGPL)

Die Lesser General Public License wurde von der FSF geschaffen, um Programmbibliotheken eine weniger restriktive Lizenzierung zu ermöglichen. Hier ist es erlaubt, die Software unter eine anderen Lizenz als der LGPL zu veröffentlichen, ansonsten ähnelt sie der GPL.

Wichtige Projekte, die unter dieser Lizenz stehen, sind LibreOffice und die Glibc.

GNU Affero General Public License (AGPL)

Die Affero General Public License wurde von der FSF geschaffen, um für Nutzer web-basierter Anwendungen ähnliche Freiheiten sicherzustellen, wie sie die GPL für lokal installierte Anwendungen sicherstellt.

Unter anderem steht Launchpad unter der AGPL.

GNU Free Documentation License (GFDL)

Die GNU Free Documentation License (dt: GNU-Lizenz für freie Dokumentation) ist eine an die GPL angelehnte Lizenz, die speziell für Softwaredokumentation und andere Texte gedacht ist.

BSD-Lizenz

Die BSD-Lizenz unterscheidet sich von der GPL insofern, dass sie kein Copyleft enthält. Der Programmierer eines veränderten Programms muss den Quellcode hier nicht mitliefern. Die einzige Bedingung ist, dass die ursprünglichen Autoren genannt werden. Das aber natürlich nur mit dem Einverständnis dieser Person(en).

Unter der BSD-Lizenz steht zum Beispiel der Kernel des Mac OS X-Betriebssystems Darwin oder OpenBSD.

Creative Commons-Lizenzen

Die Creative Commons-Lizenzen 🇩🇪 eignen sich besonders für Audio- und Video-Inhalte sowie Grafiken. Man kann die Bedingungen je nach Bedarf etwas verändern. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Lizenztexte offiziell in viele Sprachen übersetzt sind und so in vielen Ländern vor Gericht Bestand haben.

Beispielsweise stehen die Inhalte der Wikipedia 🇩🇪 unter einer solchen Lizenz.

Weitere Lizenzen

Dies ist, wie gesagt, nur eine Übersicht über die gängigsten Open-Source-Lizenzen. Es gibt noch eine Reihe weiterer Lizenzen, die teilweise ursprünglich für bestimmte Software-Projekte geschaffen wurden, wie z.B. die Apache-Lizenz 🇬🇧 oder die Mozilla-Lizenzen 🇬🇧.

Diese Revision wurde am 27. August 2018 10:31 von Berlin_1946 erstellt.
Die folgenden Schlagworte wurden dem Artikel zugewiesen: unfreie Software