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aptitude

Dieser Artikel wurde für die folgenden Ubuntu-Versionen getestet:

Dieser Artikel ist größtenteils für alle Ubuntu-Versionen gültig.

Zum Verständnis dieses Artikels sind folgende Seiten hilfreich:

Wiki/Icons/terminal.png aptitude {en} ist eine Erweiterung der Paketverwaltung APT (Advanced Packaging Tool) welche auf allen Debian-basierten Systemen, und damit auch Ubuntu, zum Einsatz kommt. Es handelt sich, wie bei apt-get, um eine reine Konsolenanwendung, die aber zusätzlich eine grafische Oberfläche auf ncurses-Basis bietet.

Im Gegensatz zu apt-get führt aptitude über Änderungen der installierten Pakete „genauer“ Buch, so dass nicht mehr benötigte Pakete automatisch erkannt und deinstalliert werden. Die Installationsgeschichte wird in ein Log geschrieben, wodurch später angezeigt werden kann, wann oder warum ein Paket installiert wurde.

Bei Ubuntu gehört aptitude bis zur Version 10.10 zur Standardinstallation, wurde aber aus platztechnischen Gründen aus der Installations-CD entfernt. In der Server-Variante ist aptitude weiterhin vorinstalliert.

Achtung!

aptitude hatte bis zur Version 0.6.8.1 Probleme mit der Multiarch-Unterstützung (siehe 831768) (dies betrifft in erster Linie 64-bit-Systeme) und war auf Multiarch-Systemen (ab 11.04, z.B. 64-Bit) unter Umständen nicht sinnvoll einsetzbar.

Für Ubuntu 12.04 wurde die Unterstützung zurückportiert und ist in den precise-updates-Quellen verfügbar. Diese sollten deswegen unbedingt aktiviert werden. Bei späteren Ubuntu-Versionen ist das Problem wegen einer neueren aptitude-Version nicht mehr relevant.

Installation

aptitude kann über das folgende Paket installiert werden [1]:

  • aptitude

Wiki/Vorlagen/Installbutton/button.png mit apturl

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install aptitude 

sudo aptitude install aptitude 

Des Weiteren kann man noch das (englische) Handbuch zu aptitude installieren:

  • aptitude-doc-en

Wiki/Vorlagen/Installbutton/button.png mit apturl

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install aptitude-doc-en 

sudo aptitude install aptitude-doc-en 

Bedienung

Wie oben bereits erwähnt, kann man aptitude entweder über die Kommandozeile oder die grafische Oberfläche in der Konsole bedienen. Wie bei der Paketverwaltung üblich, werden Root-Rechte für Schreibvorgänge, wie Paketinstallationen zwingend benötigt. Die allgemeine Syntax lautet:

sudo aptitude BEFEHL PAKET 

Ruft man das Programm ohne Befehl und Paket auf, erscheint automatisch die grafische Version. Die grafische Version startet zwar auch ohne Root-Rechte, allerdings kann man dann nur suchen bzw. die Liste der installierten Pakete anschauen; man kann aber keine Pakete entfernen, installieren etc.

Grafische Oberfläche

./aptitude.png

Die Pakete werden vorsortiert und hierarchisch in Form einer aufklappbaren Ordnerstruktur dargestellt. In der grafischen Oberfläche werden die Pakete je nach „Zustand“ verschiedenfarbig dargestellt:

  • schwarz : Paket wird nicht verändert

  • rot : Paket ist kaputt oder kann nicht installiert werden

  • blau : Paket wird aktualisiert

  • weiß : Paketversion bleibt erhalten, kann aber aktualisiert werden

  • grün : Paket wird installiert

  • magenta : Paket wird gelöscht

aptitude kann komplett über die Tastatur gesteuert werden. Alle Funktionen sind aber auch über ein Menü erreichbar, zu dem man mittels Strg + T gelangt. Im Folgenden sind einige Tasten erklärt:

Übersicht Tasten
Taste Funktion
+ Auswahlbalken bewegen
Verzeichnis auf- und zuklappen
/ Suchen
N Weitersuchen
L Suchen, alle Pakete, auf die das Suchkriterium nicht zutrifft werden aber ausgeblendet
I Paketinformationen anzeigen
D Abhängigkeiten anzeigen
U Paketquellen updaten
+ U alle verfügbaren Updates installieren
+ Paket zur Installation vormerken
- Paket zum Löschen vormerken
= Paketversion halten
G Start der Installation/Deinstallation
? Hilfe anzeigen, d.h. alle verfügbaren Tasten und deren Funktion
+ Q aptitude beenden

Die Suche von aptitude kennt auch weiterführende Suchfunktionen wie Verknüpfungen, Suche in der Beschreibung etc. Dazu ein paar Beispiele:

  • ?name(linux) - sucht nach allen Paketen, die Linux im Namen haben

  • ?description(python) - sucht nach allen Paketen, die Python in der Beschreibung haben

  • ?and(?name(linux),?description(python) - sucht nach allen Paketen, die Linux im Namen und Python in der Beschreibung haben

  • ?installed - sucht nach allen installierten Paketen

  • ?installed(?not(?automatic)) - sucht nach allen installierten Paketen ohne markauto Tag

Eine komplette Übersicht bietet das aptitude-Handbuch.

Konsole

Ruft man aptitude mit einer Option bzw. Paketnamen auf, so wird die Aktion ohne Start der grafischen Oberfläche direkt ausgeführt. Die allgemeine Syntax lautet

sudo aptitude BEFEHL OPTION PAKETNAME(N) 

Wichtig ist, dass der Befehl vor dem/den Paketnamen steht. Eine Option ist in vielen Fällen nicht notwendig. Wird mehr als ein Paketname angegeben, wird die entsprechende Aktion auf alle genannten Pakete angewendet.

Im Folgenden sind einige gängige Befehle aufgeführt. Teilweise sind diese identisch mit denen von apt-get und haben i.d.R. auch den gleichen Effekt.

Übersicht Befehle Kommandozeile
Befehl Funktion
install installiert das Paket, die Abhängigkeiten werden direkt mit aufgelöst
remove löscht das Paket, die Konfigurationsdateien bleiben aber erhalten
purge löscht das Paket inklusive aller Konfigurationsdateien
hold erzwingt, dass das Paket in der aktuell installierten Version gehalten wird, d.h. es werden keine Updates dafür installiert
forbid-version verbietet die Installation einer bestimmten Paketversion, diese muss hinter dem Paketnamen mittels = angehängt werden, also z.B. xserver-xorg=1.7.7+2~broken-4
safe-upgrade Es wird ein Update der Pakete durchgeführt, die aktualisiert werden können, ohne dass andere Pakete hinzugefügt oder entfernt werden müssen. Dies ist der „normale“ Befehl, um innerhalb eines Releases ein Update durchzuführen.
full-upgrade aktualisiert alle Pakete, installiert neue und entfernt ggf. nicht mehr benötigte; dies ist der Befehl für ein Upgrade zwischen zwei Ubuntu-Versionen (entspricht bei apt-get dem dist-upgrade)
show zeigt Informationen zum Paket an
why zeigt an, welche Pakete von diesem abhängen
why-not zeigt an, warum ein Paket nicht installiert werden kann, also welche Konflikte existieren
clean leert den Paketcache, kann u.U. sehr viel Festplattenplatz frei machen
autoclean leert den Paketcache für alle Pakete aus den eingetragenen Quellen, kann u.U. sehr viel Festplattenplatz frei machen
build-dep installiert die nötigen Quellpakete, um das spezifizierte Paket kompilieren zu können (verfügbar seit Ubuntu 8.10)

Eine Option, die hier für install erwähnt werden soll, ist -R. Dadurch werden nur die direkten Abhängigkeiten mitinstalliert und keine empfohlenen Pakete (was unter Ubuntu die Voreinstellung ist). Dieses Verhalten von Ubuntu kann systemweit über den Schlüssel APT::Install-Recommends bestimmt werden kann.

Pakete suchen

Pakete können mit dem folgenden Befehl gesucht werden:

aptitude search SUCHBEGRIFF1 SUCHBEGRIFF2 ... 

Wird bei einem Installationsbefehl ein nicht existierender Paketname angegeben, werden Alternativen aufgelistet. Die Eingabe von Paketnamen lässt sich außerdem durch Aktivierung der Shell-Autovervollständigung wesentlich erleichtern. Es kann auch nach bestimmten Eigenschaften gesucht werden. Alle Suchmöglichkeiten werden in /usr/share/doc/aptitude/README gelistet. So sucht

aptitude search ~Ddepends:gtk~dscanner'!~dvirus' 

zum Beispiel nach Paketen, die von gtk abhängen und in deren Beschreibung „scanner“, aber nicht „virus“ vorkommt. Es können also auch Reguläre Ausdrücke zur Suche genutzt werden.

Defekte Pakete reparieren

Wenn ein Paket, das nicht zur separaten Installation gedacht ist, eigentlich weitere Pakete benötigt oder in anderer Weise nicht in die bestehende Installation passt, werden bei der nächsten Verwendung „kaputte Pakete“ gemeldet. Diese muss man reparieren lassen. Der Befehl

sudo aptitude -f install 

führt entweder zur Installation weiterer Pakete oder zur Entfernung des installierten Pakets. aptitude macht dabei Vorschläge zur Lösung des Problems, die man akzeptieren oder ablehnen kann. Falls die defekten Pakete bekannt sind, kann auch folgender Befehl das Problem lösen:

sudo aptitude -f install PAKETNAME1 PAKETNAME2 

Wobei PAKETNAME1 bzw. PAKETNAME2 usw. durch die Namen der bekannten defekten Pakete ersetzt wird.

Achtung!

Auch wenn aptitude eine gewisse Intelligenz besitzt, so ist die erste vorgeschlagene Lösung nicht immer die beste. D.h., man sollte die Vorschläge immer sorgsam lesen und dann entscheiden, ob diese sinnvoll sind oder nicht!

Paketverwaltung unbrauchbar

Sollte die Paketverwaltung nach einem upgrade bzw. dist-upgrade unbrauchbar werden, so kann einer der folgenden Befehle helfen:

  • Nach einem Update der bestehenden Installation:

    sudo aptitude safe-upgrade -f 
  • Nach einem Versions-Upgrade auf eine neue Ubuntu-Version:

    sudo aptitude full-upgrade -f 

Nach beiden Befehlen sollte auf jeden Fall noch

sudo dpkg --configure -a 

aufgerufen werden.

Konfigurationsdaten nachträglich löschen

sudo aptitude purge '~c' 

löscht die Konfigurationsdaten von bereits deinstallierten Paketen.

Tags vergeben

Tags sind zusätzliche Eigenschaften für lokal installierte Pakete. Zum Kompilieren eines Programms werden beispielsweise viele „-dev“-Pakete benötigt. Viele sind anschließend als manuell installiert markiert, werden aber nach erfolgreicher Kompilierung nicht mehr benötigt, allerdings auch nicht automatisch wieder entfernt. Wenn man den Installationszeitraum noch weiß, kann der Blick ins Log helfen, was aber nicht sehr komfortabel ist.

Vergibt man aber schon bei der Installation beispielsweise das Tag „<programmname>kompilierung“ an die betreffenden Pakete, so sieht man auch im Nachhinein leicht, warum ein bestimmtes Paket installiert wurde, und kann gegebenenfalls alle Pakete mit dem Tag entfernen. Beispiel:

sudo aptitude install --add-user-tag freeorionkompilierung graphviz-dev libalut-dev libboost1.35-dev libdevil-dev liblog4cpp5-dev libsdl-mixer1.2-dev libsdl1.2-dev python2.5-dev 
sudo aptitude remove '?user-tag(freeorionkompilierung)'  

Paketzustand speichern oder wiederherstellen

Will man den Zustand aller installierten Pakete, der Caches, der Paketlisten und APT-, sowie aptitude-Einstellungen zu einem Zeitpunkt speichern oder wiederherstellen, kann man dazu den Mechanismus, der eigentlich für reproduzierbare Bugreports gedacht ist, nutzen:

  • Backup anlegen:

    sudo aptitude-create-state-bundle DATEINAME 
  • Backup direkt ins System einspielen:

    sudo tar xvf DATEINAME -C / 

System auf überflüssige Pakete untersuchen

aptitude entfernt nicht benötigte Pakete automatisch. Wenn aber nicht nur aptitude zur Paketinstallation verwendet wurde, helfen die Pakete debfoster {de} und deborphan {de}, deren Gebrauch im Debian Anwenderhandbuch {de} beschrieben ist. Das Paket deborphan enthält eine Benutzerschnittstelle (orphaner), die die Bedienung vereinfacht.

Automatische Sicherheitsupdates ohne Interaktion

Hier empfiehlt es sich, mit einem Editor [3] folgende neue Textdatei anzulegen:

1
2
3
4
#!/bin/sh
date >> /var/log/aptitude-security-updates
aptitude update >> /var/log/aptitude-security-updates
aptitude safe-upgrade -y -t $(lsb_release --short --codename)-security >> /var/log/aptitude-security-updates

und diese unter dem Namen aptitude-security-updates im Verzeichnis /etc/cron.daily abzuspeichern. Danach muss man die Ausführrechte mit

chmod 775 aptitude-security-updates 

im Terminal [2] setzen. Zukünftig wird dadurch täglich automatisch auf Sicherheitsupdates überprüft und - falls vorhanden - diese ohne Nachfrage installiert. Protokolliert wird dies in der Datei /var/log/aptitude-security-updates.

Ein ausgeklügelter Mechanismus wird von unattended-upgrades bereitgestellt.

Problembehebung

Immer wieder problematisch ist die gleichzeitige Verwendung von apt-get und aptitude. Ein typisches Beispiel ist der Diskussion "sudo aptitude -f install" schlägt scheinbar sinnlos Pakete vor zu entnehmen. Man sollte sich daher in der Praxis auf die Nutzung eines Programms zur Paketverwaltung beschränken.

Diese Revision wurde am 26. September 2014 13:28 von aasche erstellt.
Die folgenden Schlagworte wurden dem Artikel zugewiesen: Paketverwaltung, Shell