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gvfs-mount

Dieser Artikel wurde für die folgenden Ubuntu-Versionen getestet:

Zum Verständnis dieses Artikels sind folgende Seiten hilfreich:

Um auf Dateisysteme zugreifen zu können, müssen diese in das System eingebunden (eingehängt) werden. Zur Standard-Ausrüstung aller Linux-Systeme gehören deshalb die Kernel-Routinen des Pakets mount (siehe dazu mount und fstab). Damit lassen sich verschiedene Dateisysteme mit Root-Rechten ohne Notwendigkeit irgend einer grafischen Benutzeroberfläche (GUI) systemweit einbinden. Die so eingebundenen Dateisysteme sind in der Datei /etc/mtab eingetragen und können mit dem Befehl mount abgefragt werden.

Das GVFS (Gnome Virtual File System) ist eine virtuelle Dateisystemebene innerhalb der GTK-basierten grafischen Benutzeroberflächen GNOME, MATE, Unity, Xfce (Xubuntu) und LXDE (Lubuntu), die auch ohne die Kernel-Routinen von mount den Zugriff auf verschiedene Dateisysteme ermöglicht. Dies kann sowohl lokal als auch über verschiedene Netzwerk-Protokolle geschehen. Das GVFS arbeitet im Userspace, sodass damit der jeweilige Benutzer die Dateisysteme ohne Root-Rechte ein- und aushängen kann. Dafür muss nirgends ein SUID-Bit gesetzt sein, und es ist auch kein vorbereitender Eintrag in /etc/fstab nötig. Beim Einhängen von Netzwerk-Dateisystemen erfolgt auch kein Eintrag in der Datei /etc/mtab.

Das Einbinden von Dateisystemen mittels GVFS erfolgt entweder direkt über einen Dateimanager (z.B. Nautilus, Caja, Thunar oder PCManFM), über das grafische Werkzeug Gigolo oder über die Kommandozeile mit dem Befehl gvfs-mount.

Besonderer Wert wurde beim GVFS darauf gelegt, das Einbinden möglichst einfach zu gestalten. Eine individuelle Auswahl von Mount-Optionen ist deshalb nicht vorgesehen. Beim Einbinden von Netzwerk-Freigaben unterstützt gvfs-mount nicht immer alle Möglichkeiten des jeweils verwendeten Netzwerk-Protokolls. So unterstützt z.B. gvfs-mount bei Samba im Gegensatz zu mount.cifs die „cifs-UNIX-Extensions“ nicht.

In KDE (Kubuntu) übernehmen KIO-Slaves weitgehend die Funktionen des GVFS.

Hinweis:

Ab Ubuntu 18.04 LTS gibt es gvfs-mount nicht mehr, dort kommt das neuere gio bzw. dessen Befehl gio mount zu Einsatz.

Installation

GVFS gehört als Bestandteil von GNOME zur Standard-Installation von Ubuntu und auch von Xubuntu. Um das GVFS auch in Kubuntu oder Lubuntu sowie älteren Versionen von Xubuntu verwenden zu können, müssen zudem folgende Pakete installiert sein:

  • gvfs-backends

  • gvfs-fuse

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install gvfs-backends gvfs-fuse 

Oder mit apturl installieren, Link: apt://gvfs-backends,gvfs-fuse

Für die Verwendung von gvfs-mount auf der Kommandozeile muss eventuell zusätzlich noch folgendes Paket installiert[1] werden:

  • gvfs-bin

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install gvfs-bin 

Oder mit apturl installieren, Link: apt://gvfs-bin

Anwendung

Mountpunkt

Von den Kernel-Routinen des Pakets mount her ist man gewohnt, dass man zum Einbinden eines Dateisystems immer zuerst einen Einhängepunkt (Mountpunkt) erstellen und diesen dann im mount-Befehl angeben muss. Für das GVFS gilt dies nicht. Dieses erstellt automatisch einen geeigneten Mountpunkt, der im Befehl gvfs-mount nicht anzugeben ist, und der auch beim Aushängen des Dateisystems wieder selbständig gelöscht wird. Wo sich dieser Mountpunkt befindet, hängt von der Art des eingebundenen Dateisystems ab.

Einbinden lokaler Dateisysteme

Als "lokal" gelten Dateisysteme, die sich auf internen Datenträgern (Festplatten) oder aber auf externen Datenträgern wie USB-Sticks, CD-ROM usw. befinden, die direkt am Rechner angeschlossen sind. Üblicherweise werden lokale Dateisysteme, die zwar beim Booten erkannt und in der Datei /dev eingetragen wurden, die aber nicht schon anderweitig eingebunden oder per Eintrag in /etc/fstab zum temporären Einbinden vorbereitet sind, vom jeweiligen Dateimanager (z.B. Nautilis, Thunar ...) beim ersten Zugriffsversuch über das GVFS eingebunden. Dieser Vorgang geschieht transparent (d.h. vom Benutzer weitgehend unbemerkt) im Hintergrund und wird als "Dynamisches Einbinden" (Dynamisches Mounten) bezeichnet. Das Dateisystem bleibt bis zum Ende der Sitzung eingebunden. Außer bei MATE erscheint jetzt kein Symbol auf dem Desktop, sondern nur noch in der Seitenliste des Dateimanagers.

In den meisten Fällen erweist sich dieses Dynamische Mounten als sehr praktisch. Es hat jedoch den Nachteil, dass man dann, wenn man nicht über den Dateimanager, sondern direkt mit einem Anwendungsprogramm oder auch über das Netzwerk auf eine solche Datei zugreifen möchte, leicht übersieht, dass diese eventuell noch gar nicht eingebunden ist. Dies gilt umso mehr, als in der Seitenliste auch Dateisysteme erscheinen, die zwar vorhanden, aber nicht eingebunden sind.

Deshalb kann man Dateisysteme dieser Art mit dem GVFS auch unabhängig vom Dateimanager direkt einbinden. Im Terminal geschieht dies mit dem Befehl gvfs-mount und der Option -d bzw. --device. Beispiel:

gvfs-mount -d /dev/sdb1 

Den Mountpunkt für lokale Dateisysteme erstellt das GVFS selbständig im Systemordner /media. Als Namen für den Mountpunkt entnimmt es aus dem Eintrag in /dev das Label oder, falls nicht vorhanden, die UUID des Datenträgers. Auf das so eingebundene Dateisystem kann dann genau so wie auf jedes andere mit der Kernel-Routine mount eingebundene Dateisystem zugegriffen werden. Die Befehlszeile kann man auch als Startprogramm eintragen (nicht aber in /etc/rc.local, da diese Datei schon abgearbeitet wird, bevor die GUI eingerichtet ist). Dies stellt dann eine einfache, benutzerbezogene Alternative zum systemweiten statischen Mounten mittels Eintrag in /etc/fstab dar.

Noch einfacher gestaltet sich das temporäre oder statische Einbinden mittels GVFS mit dem grafischen Tool Gigolo.

Hinweis:

Normalerweise kann jeder Benutzer auch ohne Root-Rechte jedes in /dev eingetragene, noch frei verfügbare Dateisystem mit dem GVFS einbinden. Sollte dies einmal nicht erwünscht sein, so lässt sich dies dadurch unterbinden, dass man durch einen Eintrag in fstab mit der Option noauto, aber ohne die Optionen user bzw. users ein temporäres Mounten vorbereitet, das dann aber nur mit Root-Rechten möglich ist.

Im Gegensatz zu Netzwerk-Dateisystemen (s.u.) werden lokale Dateisysteme auch beim Einbinden mittels GVFS in der Datei /etc/mtab eingetragen. Sie werden deshalb bei dem Befehl mount mit angezeigt und lassen sich mit dem Befehl umount wieder aushängen.

Da sich das Einbinden lokaler Dateisysteme mit dem GVFS sehr einfach gestaltet, und da es dabei kaum Besonderheiten zu beachten gibt, konzentriert sich der Artikel im Folgenden auf Netzwerk-Dateisysteme.

Unterstützte Netzwerk-Protokolle

Folgende Netzwerk-Protokolle werden derzeit vom GVFS unterstützt:

  • Samba bzw. Windows-Freigaben (smb://)

  • FTP (ftp://)

  • SSH und SFTP (ssh:// bzw. sftp://)

  • WebDAV (dav:// und davs://)

  • OBEX-FTP (obex://[xx:xx:xx:xx:xx:x] zum Browsen und Datenaustausch über Bluetooth)

Das Netzwerk-Protokoll NFS wird zwar mittlerweile vom GVFS unterstützt, jedoch ist das dafür notwendige Backend in Ubuntu nicht verfügbar.

Ähnlich wie Netzwerk-Protokolle behandelt das GVFS auch Folgendes:

  • Datenträger (computer://)

  • Papierkorb (trash://)

  • Netzwerkumgebung (network://)

  • Brennprogramme (burn://)

  • Digitalkameras (gphoto2://)

  • Dateien mit Root-Rechten öffnen: (admin://) - ab Ubuntu 17.04 verfügbar.

Seit Ubuntu 13.10 unterstützt das GVFS auch MTP, sodass sich auch über USB angeschlossene Smartphones, Tabletts usw. direkt über das GVFS ansprechen lassen.

Auflösung von Rechnernamen

Grundsätzlich werden Rechner im Netzwerk über ihre IP-Adresse angesprochen. Liegt ein entsprechender Eintrag in der Datei /etc/hosts vor, kann statt dessen auch der Rechnername verwendet werden. Manche Dienste stellen auch eigene Dienste zur Namensauflösung zur Verfügung (z.B. nmbd bei Samba), auf die das GVFS zurückgreifen kann.

Unabhängig davon unterstützt das GVFS auch die Namensauflösung über Avahi. Hierzu muss an den Rechnernamen noch ".local" angehängt werden (Beispiel: Heimserver.local). Über Avahi werden nur Rechner erkannt, auf denen ebenfalls ein Zeroconf-Service läuft (Avahi bei Linux oder Bonjour bei Mac OS X). Avahi gehört in Ubuntu zur Standard-Ausrüstung.

Transparente Verwendung im Dateimanager

Bindet man Netzwerk-Freigaben mit dem Dateimanager ("Netzwerk durchsuchen", über "Orte → Netzwerk" oder auch über die Adresszeile) ein, so wird dabei im Hintergrund gvfs-mount verwendet (siehe auch z.B. Samba Client GNOME). Da hier das Einbinden erst beim ersten Zugriff bzw. beim Öffnen des entsprechenden Manager-Fenster erfolgt, nennt man es auch "dynamisch". Außer bei MATE erscheinen eingebundene Freigaben inzwischen nur noch in der Seitenliste des Dateimanagers.

Manche Dateimanager (z.B. Thunar, nicht aber Nautilus und Caja) hängen die mittels Mausklick dynamisch eingebundenen Freigaben beim Schließen des entsprechenden Manager-Fensters automatisch wieder aus.

Kann auf die Freigaben wahlweise mit und ohne Eingabe von Benutzername und Passwort zugegriffen werden (z.B. bei Samba-Freigaben mit erlaubtem Gast-Zugang), so wählt der Dateimanager beim Browsen mittels "Netzwerk durchsuchen" automatisch stets den einfacheren Weg ohne Passwort. Beim Zugriff über "Orte → Verbindung zu Server" hat man hingegen immer die Möglichkeit, zwischen einem Zugriff mit und ohne Passwort zu wählen.

Mit gvfs-mount werden Freigaben immer temporär, d.h. maximal für die jeweilige Sitzung, eingebunden. Nach einem Benutzerwechsel oder Neustart müssen sie wieder neu gemountet werden. Dies kann jedoch automatisiert werden.

Gigolo

Ein grafisches Frontend speziell für gvfs-mount ist das Tool Gigolo. Es ist nicht nur dann von Interesse, wenn der verwendete Dateimanager das GVFS nicht unterstützt (z.B. auch ältere Versionen von Thunar oder PCManFM), denn es bietet Optionen, die über die eines gewöhnlichen Dateimanagers hinausgehen, wie z.B. das Erstellen von Lesezeichen und das automatische Einbinden von Freigaben beim Einloggen des Benutzers (Autostart).

Im Gegensatz zu Gigolo verwenden Smb4K kein GVFS.

gvfs-mount im Terminal

gvfs-mount lässt sich auch im Terminal[2] und in Skripten verwenden. Eine knappe Übersicht über die Syntax erhält man mittels

gvfs-mount -h 

oder seit Ubuntu 14.04 etwas ausführlicher über die Manpage.

Einhängen

Wie bei lokalen Dateisystemen benötigt gvfs-mount auch beim Einbinden über ein Netzwerk-Protokoll keine Angabe eines Mountpunktes. Für die Netzwerk-Freigaben wird dann aber im Gegensatz zu lokalen Dateisystemen kein Mountpunkt in /media erstellt, sondern diese werden anschließend mit genau der gleichen Syntax angesprochen, mit der sie eingehängt wurden. Um die Samba- bzw. Windows-Freigabe Musik des Servers Heimserver einzuhängen, genügt also die Befehlszeile

gvfs-mount smb://Heimserver/Musik 

Eventuell noch benötigte Angaben von Benutzername, Domain und Passwort werden interaktiv erfragt. Anschließend erscheint in GNOME, MATE oder Unity auf dem Desktop oder im verwendeten Dateimanager das Symbol für den Netzwerk-Ordner "Musik auf Heimserver", genau wie wenn das Einbinden grafisch über Nautilus erfolgt wäre. Vom Anwendungsprogramm angesprochen wird die eingebundenen Freigabe mit der Syntax \smb://Heimserver/Musik.

Aushängen

Zum Aushängen verwendet man auch den Befehl gvfs-mount mit dem Parameter -u. Beispiel:

gvfs-mount -u smb://Heimserver/Musik 

Außerdem lassen sich mit gvfs-mount eingebundene Freigaben auch im Dateimanager mittels Mausklick wieder aushängen.

Weitere GVFS-Befehle

Während die Dateimanager (z.B. Nautilus, Caja, Thunar usw.) mit den über gvfs-mount eingebundenen Freigaben meist ähnlich wie mit lokalen Ordnern und Dateien umgehen können, kommen die Shell-Befehle mit der verwendeten Syntax nicht zurecht (d.h. cp smb://... geht z.B. nicht). Mit den üblichen Shell-Befehlen ist dann also allenfalls der alternative Zugriff über FUSE (siehe unten) möglich.

Damit im Terminal die üblichen Shell-Operationen auch ohne den Umweg über FUSE ausgeführt werden können, bietet das GVFS einige spezielle Befehle an, die sich weitgehend selbst erklären, da die Befehlsnamen identisch mit den "normalen" Shellbefehlen sind: gvfs-cat, gvfs-less, gvfs-monitor-dir, gvfs-move, gvfs-rm, gvfs-trash, gvfs-copy, gvfs-ls, gvfs-monitor-file, gvfs-open, gvfs-save, gvfs-tree, gvfs-info, gvfs-mkdir, gvfs-mount, gvfs-rename, gvfs-set-attribute. Für diese Befehle ist in Ubuntu zwar erst seit Version 14.04 eine Manpage vorhanden, doch lässt sich mit dem Parameter -h bzw. --help eine kurze Erklärung abrufen.

Automatisches Einbinden

Eine sehr bequeme Möglichkeit zum automatischen Einbinden von Freigaben bietet das graphische Tool Gigolo. Alternativ ist dies auch über ein Mount-Skript möglich.

Mount-Skript

Für Freigaben, die ohne Angabe von Benutzername und Passwort eingebunden werden können, genügt es, die Befehlszeilen unverändert in ein Skript zu übernehmen:

#!/bin/bash
gvfs-mount smb://Heimserver/Fotos
gvfs-mount smb://Heimserver/Musik

Sind jedoch zusätzliche Eingaben (z.B. von Benutzername und Passwort) nötig, wird man diese beim Abarbeiten eines Skripts nicht gerne interaktiv vornehmen. gvfs-mount bietet zwar selbst keine Optionen an, um die Zugangsdaten im Skript zu übergeben. Es gibt aber zwei Lösungsansätze, die dieses Manko umgehen:

  1. Man kann die Zugangsdaten von GNOME speichern lassen und wird deshalb im Skript von gvfs-mount nicht mehr nach den Zugangsdaten gefragt. Dazu genügt es, das Laufwerk einmal mit dem Dateimanager einzuhängen und bei der Frage nach den Zugangsdaten die Option "nie vergessen" auszuwählen. Das Passwort wird dabei im Schlüsselbund (Menü: "System → Einstellungen → Passwörter und Verschlüsselung") abgelegt. Da der GNOME-Schlüsselbund selbst standardmäßig mit dem Login-Passwort verschlüsselt ist und erst bei der Anmeldung des Benutzers wieder entschlüsselt wird, ist diese Methode sicherheitstechnisch die bessere. Selbst ein Benutzer mit Root-Rechten kann die so gespeicherten Passwörter nicht lesen.

  2. Man kann gvfs-mount die Antworten auch durch eine Eingabe-Umleitung übergeben. Dazu wird der Inhalt einer Credentials-Datei als "Standard-Eingabe" an gvfs-mount übergeben. Dies ist eine Textdatei mit beliebigem Namen, die man vorzugsweise versteckt im eigenen Heimverzeichnis anlegt (z.B. /home/BENUTZERNAME/.smbcreds). Diese enthält in jeder Zeile der Reihe nach die Antwort auf jede sonst interaktiv gestellte Frage. Braucht eine Frage nicht beantwortet zu werden, ist dafür eine Leerzeile vorzusehen. Um zu wissen, in welcher Reihenfolge die Fragen gestellt werden und wie viele Zeilen nötig sind, genügt es, die Befehlszeile vorher einmal direkt im Terminal einzugeben.

  • Beispiel: Zum Einbinden der Samba- bzw. Windows-Freigaben Dokumente und Texte auf dem Server Heimserver fragt gvfs-mount nacheinander nach Benutzername, Domain und Passwort. Der Samba-Benutzername sei Udo, die Angabe einer Domain ist nicht erforderlich, und das Passwort laute geheim. Dann hat die Credentials-Datei folgenden Inhalt (die Leerzeile für die Domain ist bei Samba (smb) wichtig, entfällt jedoch bei anderen Diensten):

Udo

geheim

Die Befehlszeile im Skript lautet dann

#!/bin/bash
gvfs-mount smb://Heimserver/Dokumente </home/udo/.smbcreds
gvfs-mount smb://Heimserver/Texte </home/udo/.smbcreds

Wegen des unverschlüsselt eingetragenen Passworts sollte die Credentials-Datei noch mit:

chmod 0600 /home/udo/.smbcreds 

vor fremden Blicken geschützt werden.

Achtung!

In einem unverschlüsselten Heimverzeichnis können auch solcherart geschützte Dateien immer noch von Fremden mit Root-Rechten oder mittels einer Live-CD eingesehen werden!

Experten-Info:

Der Aufbau der Credentials-Datei stimmt bei gvfs-mount und mount.cifs nicht überein.

Das Mount-Skript muss dann nur noch ausführbar gemacht werden [3]

Automatisches Mounten beim Einloggen

Um ein Skript beim Einloggen des Benutzers automatisch auszuführen, wird sein Zugriffspfad in "System → Einstellungen → Startprogramme" eingetragen. Sollte sich Probleme ergeben, weil vielleicht die Netzwerk-Verbindung noch nicht bereit ist, so kann man entweder etwas Wartezeit vorsehen (z.B. eine Zeile sleep 20 vor der ersten Zeile mit cifs-mount einfügen) oder auch das Skript direkt beim verwendeten Netzwerk-Manager als "Post-Connection-Script" eintragen (siehe dazu Dispatcher oder Wicd).

Hinweis:

Trägt man in "System → Einstellungen → Startprogramme" das Skript nicht direkt ein, sondern mit vorgestelltem gnome-terminal -e, so erscheint eine eventuelle Passwortabfrage von gvfs-mount nach dem Login in einem Terminal Fenster und kann dort beantwortet werden.

Hinweis:

Skripte, in denen gvfs-mount verwendet wird, darf man keinesfalls in /etc/rc.local eintragen, weil diese Datei schon vor dem dem Einrichten der GUI und vor dem Einloggen des jeweiligen Benutzers abgearbeitet wird.

Obwohl sich gvfs-mount problemlos in allen Start-Skripten verwenden lässt, die nach dem Einloggen des jeweiligen Benutzers abgearbeitet werden, ist die Verwendung in Cronjobs leider nicht möglich.

GVFS und FUSE, alternativer Zugriff

Die vom GVFS für den Zugriff auf Netzwerk-Freigaben verwendete Syntax (smb://…, ftp://… usw.) entspricht nicht dem POSIX-Standard. Für die meisten Dateimanager und Anwendungsprogramme ist dies kein Problem. Ein Zugriff über ein Terminal ist mit dieser Syntax jedoch nur mittels spezieller Befehle (s.o.) möglich. Außerdem gibt es immer noch einige Programme, die für den Dateizugriff einen POSIX-konformen Zugriffspfad verlangen.

Deshalb bindet gvfs-mount Netzwerk-Dateisysteme (nur diese) noch zusätzlich – falls vorhanden – über FUSE an anderer Stelle ein. Seit Ubuntu 14.04 wird /run/user/BENUTZER-UID/gvfs/… verwendet.

Wegen des sehr komplizierten Zugriffspfades und Namens empfiehlt es sich, für die eingebundenen Freigaben einfacher zugängliche Symbolische Verknüpfungen einzurichten.

Experten-Info:

Die für das Funktionieren des GVFS nötigen Daemonen befinden sich im Verzeichnis /usr/lib/gvfs. Beim Systemstart wird der Hauptdienst gvfsd gestartet, der seinerseits dann die übrigen Dienste aufruft.

Für den alternativen Zugriff ist der Daemon gvfs-fuse-daemon nötig. Mit gvfs-fuse-daemon mountpoint [options] werden der Mountpunkt für den alternativen Zugriff und ggf. noch verschiedene Mount-Optionen festgelegt. Möchte man den standardmäßig voreingestellten Mountpunkt verändern, dann empfiehlt es sich, erst den Hauptdienst mit gvfsd -r --no-fuse neu zu starten und dann anschließend gfvs-fuse-daemon mit dem gewünschten Mountpunkt aufzurufen. Dies lässt sich auch mit einem Skript automatisieren.

Beachtung verdient auch der Dienst gvfsd-metadata. Über diesen werden zur Sicherheit bei allen GVFS-Operationen (auch den lokalen) die Metadaten im Ordner ~/.local/share/gvfs-metadata zwischengespeichert und nach erfolgreicher Operation wieder gelöscht, sodass sie bei einem ungewollten Abbruch noch verfügbar bleiben. Unter Umständen kann dies jedoch zu einer erheblichen Verzögerung von Dateioperationen und zu einer großen Belastung von Prozessor, Netzwerk und Festplatte führen. Manchmal kann es deshalb sinnvoll sein, den Daemon gvfsd-metadata zu deaktivieren (z.B. durch Umbenennen der Datei).

Einbinden von Online-Speichern

Internet-Provider bieten oftmals noch kostenlosen Online-Speicher an, auf den über den Webbrowser zugegriffen werden kann. Besonders dann, wenn man eine schnelle Internet-Verbindung hat, möchte man diesen auch gerne als Netzwerk-Ordner einbinden. Die vom Provider dafür bereitgestellte Software ist aber oftmals für Linux nicht geeignet. Da für den Datenaustausch WebDAV verwendet wird, lässt sich der Zugriff aber leicht mit gvfs-mount bewerkstelligen. So lautet z.B. die Befehlszeile fürs Einbinden des T-Online-Mediencenters ("MagentaCloud"):

gvfs-mount davs://magentacloud.de:443 

Die Port-Angabe (:443) ist meist nicht nötig. Als Benutzername muss in diesem Beispiel die T-Online-E-Mail-Adresse und als Passwort das mit T-Online vereinbarte Passwort angegeben werden. Wie oben beschrieben, lässt sich dies natürlich auch automatisieren.

Eine Liste mit Zugangsdaten verschiedener WebDAV-Anbieter findet sich hier.

Problembehebung

Freigaben lassen sich nicht einbinden

Authentifikation

Manchmal lassen sich Freigaben von älteren Windows-Servern oder NAS-Geräten trotz korrekter Eingabe von Benutzername und Passwort nicht einbinden. Der Grund kann sein, dass die für die Authentifikation verwendete Verschlüsselung vom Server nicht verstanden wird.

Seit Ubuntu 14.04 verwenden Samba-Clients standardmäßig nur noch die starke NTLMv2-Verschlüsselung, um Kontakt mit einem Server aufzunehmen. Ältere Server (vor allem auch NAS) kommen manchmal mit den neueren Verschlüsselungen nicht klar. Zur Abhilfe kann man auf dem Client die Datei /etc/samba/smb.conf mit Root-Rechten editieren und dort im Teil [global] folgende Befehlszeilen einfügen:

client NTLMv2 auth = no

und nur in seltenen Fällen (meist nicht empfohlen, weil unsicher!):

client lanman auth = yes

Ungeeignete Namen

Obwohl nicht empfohlen, sind die üblichen Sonderzeichen wie Umlaute, "ß" usw. in den Namen von Server und Freigaben möglich. Nicht zulässig sind dagegen einige Zeichen wie z.B. Doppelpunkt (Kolon), Slash, Backslash usw. Außerdem darf der Servername nicht länger sein als 15 Zeichen. Bei Zugriffs-Problemen sollte man deshalb auch an unzulässige Namen denken.

Entstellte Datei- und Ordnernamen

Automatisch erzeugte Datei- und Ordnernamen (z.B. durch Kameras oder CD-Ripper) werden im GVFS gelegentlich bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Grundsätzlich dürfen Datei- und Ordnernamen im GVFS auch nationale Sonderzeichen (Umlaute, Akzente) sowie Leerzeichen enthalten. Einige Zeichen wie z.B. : , / führen jedoch zu Problemen bei plattformübergreifender Nutzung. Dann gibt es keinen anderen Ausweg, als diese Dateinamen auf dem Server zu ändern – oder die Freigaben ohne GVFS (z.B. mit mount.cifs) einzubinden.

Manche Dateimanager (z.B. Thunar) gestatten es nicht, symbolische Verknüpfungen zum Mountpunkt in /run/user/BENUTZER-UID/gvfs herzustellen. Der Grund dafür sind die Sonderzeichen "=", "," und ":", die dort von gvfs-mount im Dateinamen verwendet werden. Die gewünschten Verknüpfungen lassen sich aber trotz der Sonderzeichen problemlos in einem Terminal [2] mit dem Befehl ln -s QUELLE ZIEL erstellen, wenn den Sonderzeichen ein Backslash ("\") vorangestellt wird. Beispiel:

ln -s /run/user/1000/gvfs/smb-share\:server\=diskstation\,share\=public ~/Diskstation/Public 

Zeitstempel (Datum und Uhrzeit) werden verändert

Manche Netzwerk-Protokolle erlauben die Übertragung der Dateiattribute zwischen Server und Client, z.B. Samba über die "cifs-UNIX-Extensions". Wenn dies von gvfs-mount nicht unterstützt wird, gelten auf den Server kopierte Dateien dort als neu angelegt (erhalten das Datum des Kopiervorgangs). Vor allem bei bidirektionaler Datensynchronisation (Abgleich in beide Richtungen, siehe z.B. Unison oder FreeFileSync) kann dies zu erheblichen Problemen führen.

Diese Revision wurde am 16. Juni 2020 12:24 von noisefloor erstellt.
Die folgenden Schlagworte wurden dem Artikel zugewiesen: Bluetooth, LXDE, Netzwerk, Xfce, GNOME