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MPD auf der Benutzerebene

Dieser Artikel wurde für die folgenden Ubuntu-Versionen getestet:

MPD/mpd.png Wer MPD auf dem "Alltagsrechner" installiert hat und von dort aus Musik ins Heimnetz oder Tablet/Androidgerät streamen möchte, ist ggf. mit einer Einrichtung des Servers auf der Benutzerebene (User space) besser bedient. Auch die Integration in das Audiosystem mit PulseAudio, das ja auch benutzerspezifisch eingesetzt wird, gestaltet sich so wesentlich einfacher.

Installation

Dazu muss zunächst MPD wie in MPD/Server beschrieben installiert werden[1]. Da MPD normalerweise als systemweiter Dienst gestartet wird, muss er zunächst im Terminal[2] gestoppt, und die systemweite Version dann aus dem Autostart entfernt werden, z.B. mit

sudo service mpd stop
sudo update-rc.d mpd disable ## bzw.
sudo systemctl disable mpd ## z.B. unter 16.04 mit systemd 

Alternativ kann in der Datei /etc/default/mpd eine Zeile mit dem Inhalt

START_MPD= false

eingefügt werden (Editor[4] mit Rootrechten nötig).

Konfiguration

Die Konfigurationsordner werden dafür im Homeverzeichnis des Benutzers angelegt, im Terminal z.B. mit

mkdir ~/.mpd
mkdir ~/.mpd/playlists 

Außerdem wird eine Konfigurationsdatei .mpdconf im Homeverzeichnis erstellt, indem man die vorhandene Beispielkonfiguration aus dem bei Installation mit kopierten Archiv mpdconf.example.gz entpackt[4], z.B. mit

gunzip -c /usr/share/doc/mpd/examples/mpdconf.example.gz > ~/.mpdconf 

Unter der in Ubuntu 18.04 installierten Version hat sich der Pfad zum Archiv geändert, entsprechend der Befehl: gunzip -c /usr/share/doc/mpd/mpdconf.example.gz > ~/.mpdconf

Achtung!

Eine bestehende Konfigurationsdatei wird damit überschrieben.

Hinweis:

Wenn die Konfigurationsdatei direkt im Homeverzeichnis liegt, muss sie - im Gegensatz zur Konfiguration in /etc/ - tatsächlich ohne Dateiendung , also als .mpdconf, existieren, ansonsten registriert MPD diese Datei nicht. Der Daemon versucht dann zunächst, ~/.mpd/mpd.conf, oder dann /etc/mpd.conf aufzurufen, startet aber ggf. nicht, wenn die gefundene Datei nicht sauber konfiguriert ist.

In einem Editor[3] wird .mpdconf dann angepasst, sodass die Konfigurationseinträge auf ~/.mpd verweisen. Die folgenden Einträge werden bearbeitet: music_directory, playlist_directory, db_file, log_file, pid_file, state_file, sticker_file

Die jeweiligen Einträge sehen dann etwa so aus:

music_directory		"/PFAD/ZUR/MUSIKSAMMLUNG"
playlist_directory	"~/.mpd/playlists"
db_file			"~/.mpd/tag_cache"
log_file		"~/.mpd/mpd.log"
pid_file		"~/.mpd/pid"
state_file		"~/.mpd/state"
sticker_file		"~/.mpd/sticker.sql"

Für die Ausgabe via PulseAudio reicht im Normalfall (mit einer Soundkarte an Bord)

audio_output {
	type 		"pulse"
	name		"My Pulse Output"
}

Die user-Zeile muss mit vorgestellter # auskommentiert sein, da MPD unter dem jeweiligen Benutzer läuft! Die weiteren Einstellungen, z.B. für einen http-Stream, werden in MPD/Server ausführlich beschrieben.

Verwendung

MPD wird im Terminal mit

mpd 

./mpd-pulse.png gestartet[5]; wenn alles in Ordnung ist, startet MPD dann kommentarlos als Dienst im Hintergrund. Eventuelle Fehler in der Konfiguration werden mit Zeilenangaben ausgeben, sodass sie leicht zu korrigieren sein sollten.

MPD lässt sich dann über einen Client eigener Wahl steuern, zunächst muss natürlich die Datenbank eingelesen werden.

Die Wiedergabe kann über via PulseAudio in den Audio-Einstellungen gezielt gesteuert werden. Das scheint unter einer systemweiten Einrichtung nicht so problemlos zu funktionieren; mit MPD als Alsa-Ausgabe behindern sich verschiedene Programme mit Tonausgabe dann gegenseitig.

Hinweis:

Ìnsbesondere, wenn die Option auto_update gesetzt ist, kann sich der Startprozess über einige Minuten hinziehen, sodass sich Klienten zunächst nicht verbinden können! Das gilt auch beim Eintrag in den Autostart.

Eintrag in den Autostart

Um MPD gleich bei Systemstart mit aufzurufen, kann man folgenden Eintrag als mpd.desktop im Verzeichnis ~/.config/autostart ablegen:

1
2
3
4
5
6
7
8
[Desktop Entry]
Type=Application
Name=Music Player Daemon
Comment=start MPD as user when you log in
Exec=mpd
StartupNotify=false
Terminal=false
Hidden=false

Ab Version 0.17.3-1 kann man die Datei auch von /usr/share/doc/mpd/examples/mpd.desktop übernehmen, eine entsprechende Version ist in den Quellen verfügbar.

Diese Revision wurde am 13. März 2019 19:18 von Heinrich_Schwietering erstellt.
Die folgenden Schlagworte wurden dem Artikel zugewiesen: Server, Netzwerk, Audioplayer, Multimedia