Dienste/Erläuterung

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Zum Verständnis dieses Artikels sind folgende Seiten hilfreich:

  1. Dienste

  2. Ein Terminal öffnen

Inhaltsverzeichnis
  1. Übersicht
    1. Kurzüberblick
    2. Tabelle
  2. Dienste auflisten und Zweck herausfinden
  3. Links

./sitzungsverwaltung.png Die nachfolgende Übersicht soll es Anwendern ermöglichen, auf einen Blick zu erkennen, welcher Dienst (Daemon) welche Funktion innehat. Dabei werden sowohl das ältere SysVinit als auch Ubuntu-spezifische Upstart-Jobs berücksichtigt. Der Unterschied zwischen beiden Systemen ist kurz zusammengefasst unter Wie Upstart arbeitet beschrieben.

Übersicht

Hinweis:

Da sich die einzelnen Dienste von Ubuntuversion zu Ubuntuversion verändern, kann es sein, dass nicht alle hier aufgeführten Dienste auf dem System in der hier beschriebenen Form vorhanden sind. Bei Unsicherheiten hilft vorheriges Fragen im Forum.

Es werden nur solche Dienste aufgelistet, die in mindestens einer der Desktop-Varianten von Ubuntu vorinstalliert sind. Diese sind nicht zwangsläufig aktiv. An einigen Stellen werden mehrere Einträge mit "..." zusammengefasst. So steht "plymouth..." z.B. für "plymouth", "plymouth-log", "plymouth-splash" usw.

Kurzüberblick

Die im folgenden Abschnitt aufgeführte Tabelle ist recht lang. Wer nur einen kleinen Überblick möchte, findet daher hier alle Einträge zusammengefasst. Ausführlichere Informationen sind aber erst in der Tabelle zu finden.

Tabelle

Die Tabelle listet alle Dienste alphabetisch sortiert auf.

Dienste
Dienst Beschreibung
acpi... ACPI zur Energieverwaltung, z.B. für Energiesparmodi
alsa-... ALSA ist für die direkte Ansteuerung der Soundkarten zuständig. Hier wird jedoch "nur" der Soundkarten-Zustand (z.B. Lautstärke) gespeichert bzw. wiederhergestellt.
anacron, cron Regelmäßige Aufgaben-Wiederholung mit Cron.
apparmor (+ weitere) Mit dem Sicherheitssystem AppArmor können Zugriffsberechtigungen durch sogenannte "Profile" für verschiedene Programme sehr genau geregelt werden. Manche anderen Dienste laden ihre Profile sicherheitshalber auch selbst (falls sie vor "apparmor" gestartet wurden).
apport Erstellung von Fehlerberichten bei Programmabstürzen mit Apport.
atd Ermöglicht die einmalige Ausführung von Befehlen mit at.
avahi-daemon Aufbau und Nutzung lokaler Netzwerke (z.B. bei einer Direktverbindung zweier Computer per Kabel) ohne zusätzliche Konfiguration oder (z.B. DHCP-)Server mittels Avahi.
bluetooth Zur Nutzung der Kurzstrecken-Funktechnik Bluetooth.
...bootlogd... Speichert alles, was an /dev/console gesendet wird, in die Logdatei /var/log/boot - falls es aktiviert wurde. /dev/console ist POSIX-spezifiziert 🇬🇧.
brltty Zur Nutzung virtueller Konsolen mit Braillezeilen für Blinde (s. auch Brailleschrift).
console..., setvtrgb, tty... Verwaltung der virtuellen Konsolen.
container-detect Stellt fest, ob Ubuntu als Gast in einer virtuellen Maschine läuft.
control-alt-delete Führt einen Neustart aus, wenn in einer virtuellen Konsole Strg + Alt + Entf gedrückt wird.
cryptdisks... Macht LUKS-verschlüsselte Geräte (z.B. Festplatten) nutzbar.
cups Das Drucksystem Common Unix Printing System.
dbus D-Bus dient der Kommunikation zwischen verschiedenen Prozessen. Dieser Dienst startet den System-Bus, der zur Mitteilung von System-Ereignissen (z.B. die Hardware betreffend) und anderer Informationen genutzt wird.
dmesg Speichert die ersten Kernel-Nachrichten in die Logdatei /var/log/dmesg.
dns-clean, pppd-dns Problembehebung, Wiederherstellung der /etc/resolv.conf (bei Nutzung des Point-to-Point Protocol, PPP). Siehe "resolvconf".
failsafe Setzt den Bootvorgang nach einem Timeout von zwei Minuten auch dann fort, wenn gewisse Jobs (bisher nur der Aufbau von Netzwerkverbindungen) nicht fertig werden.
failsafe-x Versucht einen XServer im Fallback-Modus zu starten, falls der Displaymanager nicht starten kann. Es werden ggf. Fehlermeldungen angezeigt und verschiedene Auswahlmöglichkeiten angeboten.
flush-early-job-log Sorgt dafür, dass Log-Ausgaben gespeichert werden, sobald alle Speichermedien eingebunden wurden (s. "mountall").
friendly-recovery Startet, wenn gewünscht, den Recovery Modus (Wiederherstellungsmodus).
gpsd Der gpsd ermöglicht die Nutzung angeschlossener GPS-Empfänger, ist aber standardmäßig deaktiviert.
grub-common Teilt dem Bootloader GRUB mit, dass das System erfolgreich gestartet wurde. Dadurch wird beim nächsten Systemstart das GRUB-Menü übersprungen und Ubuntu sofort gestartet, wenn kein anderes Betriebssystem installiert ist.
halt Schaltet den Computer aus. Es ist der letzte Schritt beim Herunterfahren.
hostname Setzt den Computernamen. Dieser wird üblicherweise bei der Installation von Ubuntu angegeben und in /etc/hostname gespeichert. Sollte keiner gefunden werden, wird hier einfach "localhost" verwendet.
hwclock... Passt die Systemzeit anhand der Hardware-Uhr an bzw. speichert die Zeit in dieser.
hybrid-gfx Wählt aus, welche Grafikkarte verwendet werden soll. Vgl. Hybrid-Grafikkarten. (Das aufgerufene Programm hybrid-detect ist kaum dokumentiert. Der Quellcode ist auf Launchpad zu finden.)
irqbalance Verteilt Unterbrechungen (interrupts) durch die Hardware auf mehrere Prozessor-Kerne, was für bessere Performance sorgt.
kerneloops Sendet die Fehlermeldungen eines Kernel-OOPS (Fehler im Linux-Kernel) an die Entwickler, wenn der Benutzer zustimmt. Manche Kernel-OOPS können zu einem Kernel panic führen.
killprocs Wird beim Betreten von Runlevel 1 (Ein-Benutzer-Modus) gestartet und beendet alle überflüssigen Prozesse (siehe auch Manpage von killall5).
lightdm, ...dm Startet den jeweiligen Displaymanager (z.B. LightDM oder GDM), welcher wiederum den XServer startet und einen grafischen Login bietet.
modemmanager, network... Aufbau und Verwaltung der Netzwerkverbindungen. Dazu werden u.a. der NetworkManager und (zumindest für die Loopback-Schnittstelle) ifup genutzt.
module-init-tools Lädt die in /etc/modules angegebenen Kernelmodule.
mountall... Bindet alle Dateisysteme und Swap-Partitionen, die in /etc/fstab aufgeführt sind, ein. Dateisystemchecks und Fehlerbehandlung gehören auch dazu.
mount....sh Für Kompatibilität mit SysVinit-Skripten.
mounted-... Diverse Nacharbeiten, die ausgeführt werden, sobald das entsprechende Dateisystem eingebunden wird.
ondemand Sorgt eine Minute nach Systemstart dafür, dass die Taktfrequenz des Prozessors immer an die aktuellen Bedürfnisse angepasst wird (Governor ondemand). Vorher wird permanent die höchstmögliche CPU-Frequenz genutzt (performance).
passwd Löscht beim Booten Lock-Dateien für /etc/passwd und ähnliche Dateien, mit denen Benutzer und Gruppen verwaltet werden. Es ist ein Workaround für Bugs, durch die die Lock-Dateien nicht ordentlich entfernt werden.
plymouth... Plymouth wird für die Darstellung des grafischen "Boot Splash", d.h. die grafische Animation während des Startvorgangs verwendet.
procps Hier werden die Kernel-Parameter aus /etc/sysctl.conf sowie Dateien in /etc/sysctl.d/ gesetzt.
pulseaudio PulseAudio ist der Standard-Soundserver unter Ubuntu. Siehe auch "alsa-...".
rc... Hiermit werden SysVinit-Skripte auch unter Upstart im richtigen Runlevel ausgeführt.
reboot Führt einen sofortigen Reboot/Neustart aus. Es ist der letzte Schritt, der vom Betriebssystem ausgeführt wird (vgl. "halt").
resolvconf Initialisiert oder aktualisiert die /etc/resolv.conf für die Nutzung des Domain Name System. Insbesondere enthält sie die Adresse des zu nutzenden DNS-Servers.
rfkill-... rfkill kann Funkgeräte (z.B. für Bluetooth oder WLAN) aktivieren und deaktivieren. Diese Jobs speichern den Status bzw. stellen ihn wieder her.
rsync rsync ist ein mächtiges Werkzeug zum kopieren / synchronisieren von Dateien. Falls er in /etc/default/rsync aktiviert wurde, wird hiermit der rsync-Daemon zur Nutzung über ein Netzwerk gestartet.
rsyslog Der Rsyslog-Daemon speichert Lognachrichten, die ihm mitgeteilt werden, in den dafür vorgesehenen Dateien.
saned SANE bietet eine Schnittstelle zur Verwendung von Scannern. Falls in /etc/default/saned aktiviert, wird hiermit der zugehörige Netzwerk-Server gestartet.
sendsigs Dies beendet beim Herunterfahren / Neustarten alle übrig gebliebenen Prozesse mit den Signalen SIGTERM und, wenn nötig, SIGKILL.
shutdown Beginnt mit dem Herunterfahren, sobald Upstart das Signal SIGPWR (pwr = power / power fail) erhält. Dies passiert, wenn die unterbrechungsfreie Stromversorgung einen Stromausfall meldet und nur noch Strom aus den Akkumulatoren liefert. Außerdem scheint es für die Gäste mancher virtueller Maschinen nötig zu sein.
single Wird beim Wechsel in den Ein-Benutzer-Modus ausgeführt und ändert den Runlevel von 1 zu S.
speech-dispatcher speech-dispatcher wird u.a. von Orca für größere Barrierefreiheit zur Sprachausgabe verwendet und, falls aktiviert, hiermit gestartet.
sudo Dieses Skript sorgt dafür, dass nach einem Neustart für einen Benutzer-Wechsel mit sudo das Passwort auf jeden Fall eingegeben werden muss (Timeout: siehe sudo (Abschnitt „root-im-Terminal“) und sudo/Konfiguration (Abschnitt „Adminstrator-auf-Zeit“)).
udev... udev verwaltet neu erkannte oder entfernte Geräte, indem es u.a. Geräte-Dateien in /dev/ erstellt.
ufw Ziel von ufw ist es, ein unkompliziertes Frontend für iptables zu bieten (siehe auch Personal Firewalls).
umount... Hängt alle Dateisysteme aus und schaltet Swap aus. Das root-Dateisystem (d.h. das mit dem Wurzelverzeichnis) wird nur-lesbar eingebunden.
unattended-upgrades Falls gerade ein vollautomatisches Update durchgeführt wird, wird beim Herunterfahren darauf gewartet.
upstart-...-bridge Erzeugt Upstart-Ereignisse aus udev-Ereignissen oder wenn per Socket eine Verbindung zu Upstart aufgebaut wird.
urandom Speichert beim Herunterfahren den Seed des Kernel-Zufallszahlengenerators und liest ihn beim Hochfahren wieder ein. Siehe /dev/random und für ausführliche Erläuterungen drivers/char/random.c im Linux-Quelltext 🇬🇧.
ureadahead... über-readahead liest Programme und Bibliotheken, die während des Systemstarts (und kurz danach) gebraucht werden, bereits vorher in den Arbeitsspeicher ein, sodass sie schneller starten. Siehe auch Vergleich mit preload und Mit ureadahead Programmstart beschleunigen 🇩🇪
wait-for-state wait-for-state kann von einem Job manuell gestartet werden, um darauf zu warten, dass ein anderer Job einen bestimmten Zustand (z.B. "started") erreicht. wait-for-state ist leider schlecht dokumentiert (962047).
whoopsie Ein Dienst, um Fehlerberichte automatisch hochladen zu können - wenn der Benutzer zustimmt. Siehe auch Apport (Abschnitt „Ab-Ubuntu-12-04“) und ErrorTracker 🇬🇧.
x11-common Erstellt einige Verzeichnisse, die der XServer braucht. Der XServer selbst wird vom Displaymanager gestartet (siehe "lightdm").

Dienste auflisten und Zweck herausfinden

Die Verzeichnisse /etc/init.d/ und /etc/init/ enthalten die Dateien für alle installierten Dienste. Eine alphabetisch sortierte Liste erhält man mit dem folgenden Befehl [3]:

Die Dateien enthalten meistens auch Beschreibungen, sodass man sie nur mit einem Editor oder mit less öffnen muss:

less /etc/init.d/DIENST     # allgemein
less /etc/init.d/apparmor   # Beispiel für AppArmor 

Für Dienste, die bereits auf Upstart umgestellt wurden, enthält /etc/init.d/ nur Verknüpfungen (Links auf die Datei /lib/init/upstart-job) oder gar keine Dateien mehr. Hier öffnet man stattdessen die Datei im Verzeichnis /etc/init/:

less /etc/init/DIENST.conf  # allgemein
less /etc/init/cron.conf    # Beispiel für Cron