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Ubuntu auf dem Smartphone

Archivierte Anleitung

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Artikel für fortgeschrittene Anwender

Dieser Artikel erfordert mehr Erfahrung im Umgang mit Linux und ist daher nur für fortgeschrittene Benutzer gedacht.

Wiki/Icons/Oxygen/phone.png Inzwischen sind Smartphones und Tablets extrem leistungsfähig geworden. Somit stellt sich auch die Frage, ob es denn möglich ist, ein solches mobiles Gerät (ein Smartphone oder Tablet mit Android) mit Ubuntu zu betreiben. Hier soll ein Weg, dies zu realisieren, aufgezeigt werden, der die ursprüngliche Funktionalität des Gerätes nicht mindert und man somit das Originalbetriebssystem weiterhin nutzen kann.

Welche Möglichkeiten offenbart die hier gezeigte Ubuntu-Installation:

Was mit dieser Methode leider nicht möglich ist:

Voraussetzungen

GalaxyS2_Ubuntu.jpg

  • Das Smartphone sollte einigermaßen leistungsfähig sein, schließlich wurde Ubuntu für PCs entwickelt. Ein Dualcore-Prozessor, der mit 800Mhz getaktet ist, sowie 512MB Arbeitsspeicher sollten grundlegenden Anforderungen bereits gewachsen sein.

  • Der Kernel des Android-Systems muss "gerootet" sein. Das bedeutet, man spielt einen neuen Linux-Kernel auf das Handy, der Root-Zugriff und erweiterte Funktionalität bietet.

  • Der Kernel muss mit loop-Devices umgehen können. Dies ist bei den meisten Root-Kerneln der Fall.

  • Auf dem Telefon sollte genug Speicherplatz vorhanden sein, um in der Ubuntu-Umgebung viele Programme installieren zu können. Hier sind 4GB ein sehr guter Wert. Eine durchschnittliche Installation mit LXDE als Oberfläche, Browser, Officepaket und ein paar weiteren Kleinigkeiten benötigt etwa 2-3 GiB an Speicherplatz.

Achtung!

Die Installation von Ubuntu setzt die Installation eines ROOT-Kernels voraus. Dieser Schritt lässt jedoch üblicherweise die Herstellergarantie des Smartphones verfallen!

  • Erfolgreich getestete Android-Geräte:

    • Samsung GalaxyTab 10.1

    • Samsung Galaxy S2 GT-I9100

    • Sony Xperia S (LT26I)

Installation

Ubuntu herunterladen

Es gibt spezielle Ubuntu-Abbilder, die für Server gedacht sind und inklusive der Paketquellen für die ARM-Plattform übersetzt sind. Somit stellen sie eine ideale Basis für das Vorhaben dar. Herunterladen kann man sie Downloadseite 🇬🇧. Dort die gewünschte Version auswählen, auf "release" klicken und dann in der Liste eine Datei auswählen, die die Worte server und arm enthält, als auch auf .img.gz endet.

Abbild aufteilen

Das heruntergeladene Abbild ist noch komprimiert. Um es zu entpacken macht man am einfachsten im Dateimanager einen Rechtsklick auf die heruntergeladene Datei und wählt dort die entsprechende Option. Das entpackte Abbild besteht aus zwei Partitionen: Eine FAT32-Partition für den Bootvorgang und eine ext3-Partition, die das eigentlich gewünschte System enthält. Nähere Informationen dazu können mit dem Programm GNU Parted angezeigt werden:

parted ubuntu-11.10-preinstalled-server-armel+omap4.img 
WARNUNG: Sie sind nicht root. Achten Sie auf Ihre Rechte.
GNU Parted 3.0
Verwende /home/username/Downloads/ubuntu-11.10-preinstalled-server-armel+omap4.img
Willkommen zu GNU Parted! Geben Sie 'help' ein, um eine Liste der verfügbaren Kommados zu 	erhalten.
(parted) unit                                                             
Einheit?  [compact]? B                                                    
(parted) print                                                            
Modell:  (file)
Festplatte  /home/simon/Downloads/ubuntu-11.10-preinstalled-server-armel+omap4.img:  	1548746752B
Sektorgröße (logisch/physisch): 512B/512B
Partitionstabelle: msdos

Nummer  Anfang     Ende         Größe        Typ      Dateisystem  Flags
 1      16384B     75497471B    75481088B    primary  fat32        boot, lba
 2      75497472B  1548746751B  1473249280B  primary  ext4
	
(parted) quit

Um die Systempartition aus dem Abbild zu extrahieren wird dd benutzt:

dd if=ubuntu-11.10-preinstalled-server-armel+omap4.img of=ubuntu_small.img bs=512 skip=147456 count=368312320 

Die Werte für "skip" und "count" errechnen sich dabei wie folgt und weichen eventuell von dem hier gezeigten Beispiel ab:

  • skip = (Anfang der Systempartition 75497472) / 512 = 147456

  • count = (Größe der Systempartition 1473249280) / 4 = 368312320

Größe des Abbildes anpassen

Um auf dem Ubuntu auch große Programme installieren zu können, muss Platz gewonnen werden, indem man das Abbild vergrößert. Dazu wird zuerst ein neues leeres Abbild erzeugt. Als Größe bietet sich 4GB an, da dies die maximale Dateigröße ist, die das FAT32-Dateisystem, das auf den meisten mobilen Datenträgern verwendet wird, verwalten kann:

dd if=/dev/zero of=/pfad/zum/image/ubuntu.img bs=1000 count=4000000 

Bis das neue Abbild erstellt ist, dauert es einen Moment. Im nächsten Schritt wird darauf ein EXT3-Dateisystem erzeugt:

mkfs -t ext3 -q /pfad/zum/image/ubuntu.img 

Jetzt müssen die Dateien des zu kleinen Abbildes auf das neue kopiert werden. Dazu muss man zu allererst beide Abbilder einbinden:

sudo mkdir /mnt/ubuimgold
sudo mkdir /mnt/ubuimgnew
sudo mount -o loop /pfad/zum/image/ubuntu_small.img /mnt/ubuimgold
sudo mount -o loop /pad/zum/image/ubuntu.img /mnt/ubuimgnew 

Jetzt können die Dateien kopiert werden:

cd /mnt/ubuimgold
sudo cp -a ./* /mnt/ubuimgnew/ 

Dies kann je nach Schnelligkeit der Fesplatte etwas Zeit in Anspruch nehmen.

Konfiguration anpassen

Um verschiedene Funktionen von Ubuntu innerhalb der chroot-Umgebung gewährleisten zu können, müssen noch einige Konfigurationsdateien bearbeitet werden. Da das neue Abbild immer noch eingebunden ist, bietet es sich an, die Dateien jetzt gleich am Computer zu bearbeiten.

Zuerst werden die Paketquellen angepasst. Dazu bewegt man sich mit dem Dateimanager nach /mnt/ubuimgnew/etc/apt/ und bearbeitet dort die Datei sources.list. Die Originalquellen werden auskommentiert und neue hinzugefügt; somit ergibt sich folgender Inhalt:

# This is a sources.list entry for a small pool of packages
# provided on your preinstalled filesystem for your convenience.
#
# It is perfectly safe to delete both this entry and the directory
# it references, should you want to save disk space and fetch the
# packages remotely instead.
#
deb file:/var/lib/preinstalled-pool/ ./
#
# /etc/apt/sources.list

#deb http://ports.ubuntu.com/ubuntu-ports/ oneiric main restricted
#deb http://ports.ubuntu.com/ubuntu-ports/ oneiric-security main restricted
#deb http://ports.ubuntu.com/ubuntu-ports/ oneiric-updates main restricted

deb http://ports.ubuntu.com/ubuntu-ports oneiric-backports universe main multiverse restricted
deb-src http://ports.ubuntu.com/ubuntu-ports oneiric-backports universe main multiverse restricted #Added by software-properties
deb http://ports.ubuntu.com/ubuntu-ports oneiric-proposed universe main multiverse restricted
deb-src http://ports.ubuntu.com/ubuntu-ports oneiric-proposed universe main multiverse restricted #Added by software-properties
deb http://ports.ubuntu.com/ubuntu-ports oneiric-updates universe main multiverse restricted
deb-src http://ports.ubuntu.com/ubuntu-ports oneiric-updates universe main multiverse restricted #Added by software-properties
deb http://ports.ubuntu.com/ubuntu-ports/ oneiric-security universe main multiverse restricted
deb-src http://ports.ubuntu.com/ubuntu-ports/ oneiric-security universe main multiverse restricted #Added by software-properties
deb http://ports.ubuntu.com/ubuntu-ports oneiric main universe multiverse restricted
deb-src http://ports.ubuntu.com/ubuntu-ports oneiric main universe multiverse restricted #Added by software-properties

Achtung!

Das "oneiric" muss überall durch den Namen der Version ersetzt werden, die man heruntergeladen hat!

Damit der Internetzugang funktioniert, muss der Inhalt der Datei /mnt/ubuimgnew/etc/resolv.conf durch folgenden Text ersetzt werden:

nameserver 8.8.8.8
nameserver 8.8.4.4

Auch die Datei /mnt/ubuimgnew/etc/hosts muss angepasst werden:

127.0.0.1	localhost 

Bearbeitung abschließen

Das Abbild ist somit fertig und muss nun wieder ausgehängt werden:

sudo umount /mnt/ubuimgold
sudo umount /mnt/ubuimgnew 

Smartphone vorbereiten

Nun müssen noch einige Vorbereitungen am Smartphone selbst getroffen werden:

  • "Root-Zugriff erlangen" - Wie das genau geht, ist von Gerät zu Gerät verschieden. Aufgrund dessen kann hier nicht näher darauf eingegangen werden. Dafür finden sich im Internet sehr viele Anleitungen dazu, da diese Vorgehensweise sehr beliebt ist, um die Funktionalität des Smartphones zu erweitern. Es sei nochmals darauf hingewiesen, dass durch diesen Schritt üblicherweise die Herstellergarantie verfällt.

  • "Speicherort wählen" - Es muss irgendwo auf dem Handy ein Ordner namens "ubuntu" erstellt werden. Als Speicherort sollt das Wurzelverzeichnis einer wechselbaren Speicherkarte bevorzugt werden. Das bietet folgende Vorteile:

    • Der Pfad zum Ordner ist relativ kurz; das erspart wiederum lästige Tipparbeit auf dem Handy

    • Man kann die Speicherkarte direkt an den Computer anschließen. Das bietet im Gegensatz zum Handy oder Tablet als Adapter meistens höheren Datendurchsatz. Das ist besonders praktisch, wenn man verschiedene Abbilder erstellt und diese oft tauscht oder Sicherheitskopien anfertigt.

    • Falls man das Ubuntu sehr oft nutzt, könnte es vorkommen, dass Ubuntu sehr oft sehr viele Daten speichert. Da die Anzahl der Schreibvorgänge auf Flash-Speichermedien physikalisch durch "Abnutzung" begrenzt ist, könnte es sein, dass der Speicher nach längerer Nutzung eventuell beschädigt wird. Dass dies eintritt, ist zwar sehr unwarscheinlich, aber eine Speicherkarte lässt sich in diesem Fall sehr einfach und unkompliziert wechseln und durch eine neue tauschen. Bei im Handy oder Tablet integriertem Speicher ist dies nicht möglich und somit würde das Gerät an sich beschädigt werden.

  • "Dateien auf das Smartphone kopieren" - In den Ubuntu-Ordner müssen folgende Dateien kopiert werden:

    • Das 4GB große Ubuntu-Abbild "ubuntu.img", das erstellt wurde

    • Ein Skript, mit dem man sich in die Ubuntu-Umgebung auf Konsolenbasis einloggen kann. Es heißt "ubushell.sh" und der Inhalt des Skripts ist folgender:

      #!/bin/sh
      ##################################################################
      # Ubuntu/LXDE bootscript for Samsung Galaxy S (and others)       #
      ##################################################################
      # by Martin Rhodes (fire314)- martin.rhodes@gmail.com            # 
      # compiled with trial and error and help from a number of blogs. #
      # credits: coralic, David Jensen, debdroid, blog commenters, XDA # 
      # Tested on Ultimate 7.0 and Darky 9.3				 #
      ##################################################################
      # This script is modified by Simon Schumann                     #
      # (simon.schumann@web.de). The changes result in loading the     #
      # ubuntu-shell instead of loading a start-script which loads     #
      # a vnc-server. Thanks alot to Martin Rhodes for this very good  #
      # work :-D							 #
      ###################################################################
      
      echo "WARNING: If you have more than 255 apps installed on the SDCard, then mounting the ubuntu.img will fail!" 
      echo
      echo "Apps on the SDCard associate with an encrypted loop device, and there are only 256 available to the system." 
      echo
      echo "You have to go to Settings -> Manage Applications -> On SDCard, and move some apps back to phone storage in order to free up a loop device for ubuntu. Make sure you reboot the phone after doing this, then try again."
      echo
      echo "Please wait while entering the chroot-environment..."
      echo
      ###################################################################################
      # export environment variables													  #
      ###################################################################################
      export ANDROIDTMP=$TMPDIR
      export TMPDIR=/tmp
      export HOME=/root
      export USER=root
      export PATH=/usr/local/bin:/usr/local/sbin:/usr/bin:/usr/sbin:/bin:/sbin:$PATH
      export TERM=vt100
      ###################################################################################
      
      
      ########################################################
      #  make directories required by the chroot environment #
      ########################################################
      busybox mkdir /data/local/mnt
      busybox mkdir /data/local/mnt/proc 
      busybox mkdir /data/local/mnt/sys 
      busybox mkdir /data/local/mnt/dev 
      busybox mkdir /data/local/mnt/dev/pts 
      busybox mkdir /data/local/mnt/sdcard 
      busybox mkdir /data/local/mnt/external_sd 
      ########################################################
      
      
      ###########################################################
      # create a loop far, far away and mount ubuntu.img on it  #
      ###########################################################
      busybox mknod /dev/block/loop255 b 7 255
      busybox losetup /dev/block/loop255 ./ubuntu.img
      busybox mount -o noatime /dev/block/loop255 /data/local/mnt
      ###########################################################
      
      
      ######################################################################
      # mount the phone's sdcard storage so it's accessible from ubuntu    #
      ######################################################################
      busybox mount -o bind /sdcard /data/local/mnt/sdcard   
      busybox mount -o bind /sdcard/external_sd /data/local/mnt/external_sd
      busybox mkdir $ANDROIDTMP/ubuntutmp
      busybox mount -o bind /data/local/mnt/tmp $ANDROIDTMP/ubuntutmp
      #######################################################################
      
      
      #################################################################
      # mount linux system on our chroot environment and chroot to it #
      #################################################################
      busybox mount -t proc proc /data/local/mnt/proc
      busybox mount -t devpts devpts /data/local/mnt/dev/pts
      busybox mount -t sysfs sysfs /data/local/mnt/sys
      busybox mount -o bind /dev /data/local/mnt/dev 
      echo "******* Your chroot-environment is starting now - welcome to ubuntu! ********"
      busybox chroot /data/local/mnt /bin/bash
      echo "******* You exited the chroot-environment... please wait ********"
      #################################################################
      
      
      #########################################
      # chroot exited: umount everything      #
      #########################################
      echo
      echo "Exiting chroot environment and sync'ing memory to storage.."
      echo "DO NOT EXIT until finished - doing so may corrupt the ubuntu.img!"
      echo
      busybox sync 
      busybox umount -f /data/local/mnt/sys
      busybox umount -f /data/local/mnt/dev/pts
      busybox umount -f /data/local/mnt/proc
      busybox umount -f /data/local/mnt/sdcard 
      busybox umount -f /data/local/mnt/external_sd
      echo "Everything is shot down - you can exit the terminal now. Have a nice day :)"
      ##########################################

  • "Apps installieren" - Für den Betrieb von Ubuntu werden noch folgende Apps benötigt. Sie sind alle kostenlos im Android-Market verfügbar:

    • BusyBox 🇬🇧
      Die Installation von BusyBox ist ein wenig trickreich: Wenn man die Busybox installieren will, kommt ein Hinweis, dass bestimmte Bedingungen (gerootetes Gerät, genügend Speicherplatz etc.) erfüllt sein müssen. Es gibt allerdings keinen "Weiter"-Button, man kann das Fenster nur schließen. Man muss noch ein zweites Mal auf den Install-Button drücken, um die Installation durchzuführen.

    • VNC-Client 🇬🇧

    • Terminal Emulator 🇬🇧

    • Optional, aber empfohlen: SSH-Server 🇬🇧

    • Optional, aber empfohlen: Vollständige Tastatur 🇬🇧

Somit ist die Installation von Ubuntu auf dem Smartphone abgeschlossen und man kann es nun starten und einrichten.

Bedienung

Ubuntu starten

Dazu wird die Terminal-Emulator-App auf dem Smartphone gestartet. Es erscheint eine Eingabezeile. Das ist das GNU/Linux, das die Basis für Android bildet. Grundelegende Funktionen wie zum Beispiel "uname -a" um Systeminformationen anzuzeigen funktionieren auch. Jetzt muss man folgendes eintippen:

su 

Das wird benötigt um Root-Rechte [2] zu erlangen. Es erscheint ein Popup der Root-App (wird bei einem Root-Kernel mitinstalliert), die eine Bestätigung möchte, dass der Terminal-Emulator Root-Rechte erhalten darf. Dies mit "OK" bestätigen.

cd /sdcard
cd external_sd
cd ubuntu 

Jetzt hat man in den ubuntu-Ordner gewechselt, in dem das Ubuntu-Image und das Startskript liegen. Diese Kommandos kann man natürlich nur aus diesem Beispiel hier übernehmen, wenn der ubuntu-Ordner wie oben vorgeschlagen im Wurzelverzeichnis der Speicherkarte liegt. Ansonsten muss der Pfad entsprechend angepasst werden. Um Ubuntu nun zu starten, führt man folgendes aus:

sh ubushell.sh 

Es erscheint etwas Text und dann die Meldung, dass man sich nun in der Chroot-Umgebung befindet. Kurz darauf erscheint wieder ein Prompt. Dieses Prompt ist bereits ein Teil von Ubuntu. Hier kann man nun Ubuntu-spezifische Befehle wie "apt-get update" und "apt-get upgrade" durchführen.

Ubuntu einrichten

Zuerst sollte das System mit

apt-get update
apt-get upgrade 

auf den aktuellen Stand gebracht werden. Des weiteren empfiehlt sich, für das Ubuntu eine grafische Oberfläche zu installieren. Dabei sollte man darauf achten, eine Oberfläche zu wählen, die sowohl klein und schnell ist als auch nicht sehr tastaturlastig in der Bedienung ist, da dies auf dem Touchscreen doch sehr lästig ist. Beispielsweise wäre hier LXDE eine gute Wahl. Zusätzlich wird noch ein VNC-Server benötigt:

apt-get install tightvncserver lxde 

Anschließend müssen im Root-Ordner noch zwei Skripte angelegt werden. Das erste mit dem Namen xinit.sh und dem Inhalt:

rm /root/.vnc/localhost*
rm /tmp/.X0-lock
rm /tmp/.X11-unix/X0
tightvncserver :0 -geometry 800x480

Damit kann die grafische Oberfläche gestartet werden. Ein weiteres Skript stopt die grafische Oberfläche wieder. Es heißt xkill.sh und hat den Inhalt:

tightvncserver -kill :0

Um die grafische Oberfläche nun zu starten, tippt man in den Ubuntu-Prompt folgendes ein:

cd /root
sh xinit.sh 

Zuerst wird man aufgefordert, ein Passwort für den VNC-Server einzugeben. Man muss es zur Verfizierung ein zweites Mal eintippen. Jetzt wird man sich vielleicht wundern, warum keine grafische Oberfläche erscheint. Das liegt daran, dass diese auf dem VNC-Server läuft. Um jetzt auf die Oberfläche zu gelangen, muss man die vorher installierte VNC-App starten; dort gibt man folgende Verbindungsparameter ein:

  • Nickname: einfach leer lassen

  • Passwort: Das Passwort, das man beim ersten Start der xinit.sh festgelegt hat

  • Address: localhost

  • Port: 5900

  • Color Format: 24bit

Mit einem Klick auf "Connect" kann man nun schon die grafische Oberfläche sehen. Um den Bedienkomfort zu erhöhen öffnet man das Optionen-Menü der VNC-App und wählt bei "Input Mode" die Option "Touchpad" aus. Mit dieser Option bedient sich die Maus folgendermaßen:

  • Um die Maus in eine bestimmte Richtung zu bewegen, legt man den Finger an einer beliebigen Postition auf dem Bildschirm auf und bewegt den Finger in die gewünschte Richtung (wie bei einem Touchpad eines Laptops). Das hat den Vorteil, dass man den Mauszeiger immer sehen kann und er nicht vom Finger verdeckt wird

  • Ein einfacher Klick wird mit einem einfachen Berühren des Bildschirms ausgelöst

  • Ein Rechtsklick wird mit einem Doppelklick auf den Bildschirm ausgelöst

  • Ein Doppelklick ist leider nicht direkt möglich, denn wenn man zu schnell klickt, öffnet sich das Rechtsklick-Menü. Als Abhilfe kann man in der Desktopumgebung das Zeitintervall für einen Doppelklick auf etwa 1 Sekunde erhöhen.

  • Für Drag&Drop, Text markieren usw. lässt man die Maustaste auf dem entsprechenden Objekt gedrückt, bis das Handy kurz vibriert. Dann kann man den Finger und somit das Objekt in die gewünschte Richtung bewegen. Es ist allerdings nicht möglich, das Objekt unterwegs abzusetzen, weil der Bildschirm zu Ende ist. Deshalb sollte man bei langen Mauswegen den Finger schnell bewegen, somit kann man eine längere Strecke zurücklegen.

Um einen Text einzugeben, geht man wie bei Drag&Drop vor, nur dass man den Finger dann nicht wegbewegt sondern wieder vom Display nimmt und auf das unten erscheinende Tastatursymbol (zwischen den Zoom-Buttons) drückt. Es erscheint eine Tastatur auf dem Bildschirm, die im ungünstigen Fall den Bereich verdeckt, in dem man etwas eingeben möchte. Wenn man aber die oben vorgeschlagene alternativ-Tastatur benutzt, kann man innerhalb der ersten zwei Sekunden, nachdem man die Tastatur geöffnet hat, Pfeil-oben drücken. Dann verschiebt sich der Desktop um die Größe der Tastatur nach oben und man kann den gewünschten Ausschnitt wieder sehen. Eine andere, aber umständlichere Methode der Texteingabe besteht darin, im Optionen-Menü des VNC-Viewers "Send Text" auswählen. Um Tastenkürzel zu senden, kann man im Optionen-Menü des VNC-Viewers "Send keys" auswählen.

libreoffice.png
Wenn das alles läuft, können weitere Programme wie FireFox, Thunderbird, Libreoffice, Gimp usw. wie üblich mit apt-get nachinstalliert und genutzt werden. Es bietet sich auch an, beispielsweise für Pidgin den Konfigurationsordner vom Computer in das Ubuntu auf dem Smartphone zu kopieren, um so einfach und schnell die Konteneinstellungen zu übernehmen.

Tipps und Tricks

PC-Tastatur und Maus anschließen

Um eine Computertastatur oder -maus, USBSticks, externe Festplatten und vieles mehr am Smartphone oder Tablet benutzen zu können, benötigt man ein sogenanntes OTG-Kabel. Das ist ein Adapter mit einem MicroUSB-Stecker (Handyseite) und einer USB-Buchse, wie sie am Computer zu finden ist (Tastatur-/Mausseite). Möchte man kein solches Kabel kaufen kann, man sich auch sehr einfach selbst eines basteln. Dazu muss man nur auf dem MicroUSB-Stecker die Pins 4 und 5 kurzschließen und die USB-Buchse 1:1 mit dem MicroUSB-Stecker verbinden. Eine ausführliche Anleitung dazu findet sich beispielsweise hier: Anleitung 🇬🇧. Weitere Informationen über OTG sind in der englischsprachigen Wikipedia hinterlegt: Wikiartikel 🇬🇧

Computer als Tastatur nutzen

Wenn man in der Kommandozeile die Tastatur des Computers nutzen möchte, so kann man mit SSH auf das Handy zugreifen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die oben empfohlene SSH-App läuft und sich das Handy in einem gemeinsamen Netzwerk mit einem Computer befindet. Um den Zugriff zu starten, führt man auf dem Computer in einem Terminal folgenden Befehl aus:

ssh root@xxx.xxx.xxx.xxx 

Die 'x' sind dabei die IP-Adresse des Handys (diese wird von der SSH-App angezeigt)

Ubuntu mit dem Computer bedienen

Man kann sich vom Computer aus in den VNC-Server des Handys oder Tablets einloggen. Voraussetzung dafür ist wieder, dass sich Computer und Handy in einem gemeinsamen Netzwerk befinden. Die Zugangsdaten sind die selben wie unter Ubuntu einrichten beschrieben, lediglich als Adresse muss nicht "localhost" sondern die IP des Smartphones eingegeben werden. Geeignete VNC-Clients für den Computer finden sich im Artikel VNC

Speicherplatz sparen

Da Ubuntu mithilfe Chroot benutzt wird, wird der mitinstallierte Linux-Kernel nicht benutzt. Um Speicherplatz zu sparen kann man ihn folgendermaßen deinstallieren:

apt-get autoremove linux-image* linux-omap* linux-header* 

Ausserdem sollte man, wenn der Speicherplatz knapp wird, noch folgendes ausführen:

apt-get clean 

Das löscht die von apt heruntergeladenen *.deb-Installationspakete

Dateien drahtlos austauschen

Dateien kann man einfach drahtlos zwischen Computer und Smartphone bzw. Tablet austauschen, auch während Ubuntu läuft. Voraussetzung ist dafür wieder, dass sich das Gerät und der Computer im selben Netzwerk beziehungweise WLAN befinden und dass die SSH-App läuft. Dann kann man in der Adresszeile des Dateimanagers auf dem Computer

sftp://root@xxx.xxx.xxx.xxx

eingeben, wobei die 'x' wieder die IP-Adresse des Smartphones bzw. Tablets darstellen. Das Wurzelverzeichnis von Ubuntu befindet sich unter /data/local/mnt.

Problembehebung

Im folgenden werden bekannte Fehler sowie deren Lösung aufgezeigt.

Partitionsgröße wird nicht erkannt

Im Moment hat Ubuntu noch Schwierigkeiten zu erkennen, wieviel Platz auf dem Abbild noch frei und wieviel schon belegt ist. Allerdings ist bekannt, dass das grundsätzlich möglich ist, es fehlt also nur noch an der Konfiguration.

Drag&Drop in Firefox/Tunderbird

Leider kann man über den VNC-Server das Menü von Firefox und Thunderbird nicht mit Drag&Drop anpassen. Als als provisorische Lösung kann man die Einstellungen auf dem Computer vornehmen und dann den Konfigurationsordner ~/.mozilla/ beziehungsweise ~/.thunderbird/ auf das Handy kopieren

Kein aktueller Ubuntu-Kernel

Bei der hier gezeigten Methode wechselt man mithilfe von Chroot in das Ubuntu, das bedeutet, dass nicht der Ubuntu-Kernel sondern der Android-Kernel benutzt wird. Das liegt in der Natur von Chroot und kann nicht geändert werden. Das hat allerdings den Vorteil, dass androidseitig eingebaute Mechanismen wie Stromsparfunktionen und ähnliches schon installiert und initialisiert sind, wenn Ubuntu startet

Diese Revision wurde am 13. Februar 2020 18:46 von Heinrich_Schwietering erstellt.
Die folgenden Schlagworte wurden dem Artikel zugewiesen: Android, Installation