Dieser Artikel ist größtenteils für alle Ubuntu-Versionen gültig.
Die Fenstermanager der unterschiedlichen Ubuntu-Varianten bringen in aller Regel einen Menüeditor mit, der es gestattet, Menüeinträge komfortabel vorzunehmen bzw. zu verändern. Jedoch kann es unter Umständen nötig sein, dass die zu Grunde liegenden Dateien mit der Endung .desktop von Hand bearbeitet werden müssen. Neben allgemeinen Einstellungen werden Besonderheiten des jeweiligen Fenstermanagers aufgeführt.
Für einen Eintrag in das Menü muss man eine Datei [2] nach folgendem Muster erstellen: Beispielname.desktop. Benutzerspezifische Menüeinstellungen werden im Ordner ~/.local/share/applications abgespeichert. Sollen die Einstellungen systemweit gelten, so erstellt man diese Datei unter /usr/share/applications oder /usr/share/gnome/apps. Im Gegensatz zur ersten Variante werden hier jedoch Rootrechte [3] benötigt.
Allgemeine Voraussetzungen sind a) eine geeignete Symboldatei (Icon) und b) das installierte Programm. Für genauere Informationen zum Thema die Seite Desktop Menu Specification
konsultieren.
Im folgenden Beispiel wird ein Eintrag im Menü mit dem Namen "LinDVD" für das Untermenü "Multimedia" erstellt. Einen Texteditor [2] öffnen und folgenden Text kopieren und einfügen:
[Desktop Entry] Version=1.0 Encoding=UTF-8 Name=LinDVD GenericName=Video Player Comment=DVD-Player Exec=lindvd Icon=/usr/share/pixmaps/LinDVD.xpm Terminal=false Type=Application StartupNotify=false Categories=AudioVideo;Player; OnlyShowIn=GNOME;XFCE; MimeType=video/mpeg;audio/mpeg;
Die Datei nun im Ordner ~/.local/share/applications unter einem aussagekräftigen Namen wie z.B. lindvd.desktop abspeichern. Der neue Eintrag erscheint als "LinDVD" sofort im Menü.
Möchte man einen Programmstarter auf dem Desktop anlegen, so muss die erstellte Datei (zusätzlich) im eigenen Homeverzeichnis im Ordner ~/Desktop/ (oder ~/Arbeitsfläche/ – je nach Ubuntu-Version) abgespeichert werden.
Wenn bei der Nutzung unter GNOME eine Fehlermeldung auftaucht (siehe Abbildung), dann ist es zusätzlich erforderlich, die Datei ausführbar [3] zu machen (572918). Unter Xfce und LXDE tritt das Problem nicht auf.
Die Bedeutung der einzelnen Elemente:
(siehe auch Desktop Menu Specification Standard Keys
)
| Systemmenü | |
| Element | Beschreibung |
Name= | Der Name der Verknüpfung innerhalb des Menüs |
Generic Name= | optional: allgemeine Beschreibung des Programms, z.B. Web Browser |
Comment= | optional: ein kurzer beschreibender Satz, welcher mit dem Feld Name nicht identisch ist |
Exec= | Ausführungsbefehl für das Programm (mit dem es in einem Terminalfenster gestartet werden kann - z.B. scummvm) |
TryExec= | anhand dieser Zeile wird überprüft, ob das Programm, für das ein Menüeintrag angezeigt werden soll, installiert ist. Entweder der komplette Pfad zur ausführbaren Datei oder nur ihr Name (dann wird versucht, ihn über die $PATH-Variable aufzulösen). |
Icon= | Symbol (Piktogramm), welches im Menü angezeigt werden soll (Icon Themes) . |
Terminal= | Auswahl, ob das Programm in einem Terminalfenster läuft. true für ja, false für nein. |
Type= | Man unterscheidet drei Arten von Spezifikationen: Application, Link und Directory. Für Programme Application wählen. |
StartupNotify= | Soll der Programmstart über ein spezielles Mauszeigersymbol angezeigt werden? In der Regel wird die Option false für Einträge von Programmen ins Menü genutzt. Weitere Informationen . |
Categories= | Angaben hier entscheiden, in welchem Untermenü die Anwendung angezeigt werden soll. Alle verfügbaren Kategorien kann man hier einsehen. Mehrere Angaben sind möglich. Beispiele: OpenOffice.org/LibreOffice: =Application;Office;WordProcessor;ScummVM: =Game;AdventureGame;Pidgin: Network;InstantMessaging;Gxine: =AudioVideo;GTK;Player;TV;Xfburn: =X-XFCE;GTK;DiscBurning;Archiving;Utility; |
OnlyShowIn= | Eintrag wird nur im Menü von Unity, GNOME, KDE, Xfce oder LXDE angezeigt. Kombinationen sind möglich. |
MimeType= | Um den korrekten MimeType anzugeben, muss man zuerst in Erfahrung bringen, welche Dateitypen vom Programm unterstützt werden. Diese Informationen sind im Wiki oder auf der Internetseite des Programms / Projektes zu finden. Hat man diese Informationen, so öffnet man mit einem Editor die Datei /etc/mime.types. Anhand der Dateiendungen z.B. mp3 und mpg erhält man die benötigten Informationen für das Programm LinDVD: audio/mpeg; video/mpeg;. Diese werden dann in der Datei eingetragen. (shared-mime-info-spec) |
StartupWMClass= | optional: Verwendung einer speziellen "WMClass". Wichtig z.b. für Java-Apps in Kombination mit Unity oder Docky. |
Bei der Angabe von relativen Pfaden für Programme, Skripte oder Symbole im eigenen Homeverzeichnis kommt es häufiger zu Problemen. Dem kann man aus dem Weg gehen, wenn man stattdessen absolute Pfade verwendet.
Am Beispiel von ScummVM:
[Desktop Entry] Encoding=UTF-8 Name=ScummVM Comment=Sammlung von Interpretern für einige Adventure-Game-Engines Exec=scummvm Icon=/usr/share/pixmaps/scummvm-logo.png Terminal=false Type=Application Categories=Application;Game;AdventureGame; StartupNotify=false
Obwohl auch der TV-Browser auf Java (siehe unten) basiert, dient das Programm hier als Beispiel für einen Programmstart über ein Shell-Skript:
[Desktop Entry] Encoding=UTF-8 Name=TV-Browser Comment=digitale TV-Zeitschrift Exec=/usr/lib/tvbrowser/tvbrowser.sh Icon=/usr/share/pixmaps/tvbrowser128.png Terminal=false Type=Application Categories=AudioVideo; StartupNotify=false
Ein Beispiel für einen Java-Programmstarter (siehe Geotag). Benutzername, Pfade und Dateinamen sind noch anzupassen:
[Desktop Entry] Encoding=UTF-8 Name=Geotag Comment=GPS-Daten in Bilder anzeigen und setzen Exec=java -jar /home/BENUTZERNAME/bin/geotag.jar Icon=/home/BENUTZERNAME/Bilder/geotag.png Terminal=false Type=Application Categories=Graphics; StartupNotify=false
Weitere Beispiele können mittels eines Editors [2] in /usr/share/applications eingesehen und für eigene Einträge verwendet bzw. überarbeitet werden.
Bitte immer mit Kopien der Originaldateien arbeiten. Die Originaldatei nur überschreiben, wenn man sich der Konsequenzen bewusst ist.
Speziell bei Java-Programmen unter Unity ist eine .desktop-Datei etwas kniffelig zu erstellen. Diese Diskussion im Forum stellt eine Lösung vor.
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