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AVM FRITZ!Card PCI

Dieser Artikel wurde für die folgenden Ubuntu-Versionen getestet:

Artikel für fortgeschrittene Anwender

Dieser Artikel erfordert mehr Erfahrung im Umgang mit Linux und ist daher nur für fortgeschrittene Benutzer gedacht.

Achtung!

Ab Ubuntu 8.10 Intrepid Ibex muss das notwendige Kernelmodul (Treiber) erst selbst kompiliert (übersetzt) werden.

Wiki/Icons/pci.png Diese Anleitung beschreibt die Einrichtung der AVM FRITZ!Card PCI {de}. Zusätzliche Informationen sind im Übersichtsartikel ISDN-Karten zu finden.

Ab Kernel 2.6.32 bzw. Ubuntu 10.04 Lucid Lynx ist ein neues Kernelmodul avmfritz enthalten, welches theoretisch in Kombination mit dem Programm ipppd für den Internet-Zugang genutzt werden kann. Praktische Erfahrungen liegen bisher nicht vor, daher wird im Folgenden der "klassische" Weg mittels CAPI beschrieben.

Kernelmodul installieren

Es wird das Kernelmodul fcpci benötigt, welche bis Ubuntu 8.04 Hardy Heron im Paket

  • linux-restricted-modules

enthalten ist. Dieses Paket muss nicht extra installiert werden, sondern gehört zur Standardinstallation von Ubuntu.

Ab Ubuntu 8.10 Intrepid Ibex wurde das Kernelmodul aus dem Paket entfernt, weshalb man dieses nun zwingend selbst übersetzen muss. Der dazu benötigte Quelltext ist ebenfalls nicht mehr enthalten, aber via Internet verfügbar.

Kernelmodul kompilieren

Achtung!

Prinzipiell muss das Kompilieren des Kernelmoduls bei jedem Kernelupdate wiederholt werden! Um nach einem Kernelupdate nicht ohne Internet-Zugang dazustehen – die Paketverwaltung ist sich dieser Problematik nicht bewusst und es erfolgt keine Warnung – sollten man genau beachten, welche Pakete zur Aktualisierung vorgeschlagen werden und ein Kernelupdate gegebenenfalls aufschieben.

Eine elegante Lösung dieses Problems ist der Einsatz von DKMS. Eine entsprechende Anleitung für die FRITZ!Card PCI befindet sich im Unterartikel ISDN-Karten/AVM FRITZ!Card PCI/DKMS.

Vorbereitung

Hinweis:

Zur Installation von Paketen wird vorausgesetzt, dass man bereits via Netzwerk (z.B. LAN oder WLAN) mit dem Internet verbunden ist. Eine Internet-Einwahl (via ISDN) ist erst nach Erledigung diverser Vorarbeiten möglich, die im Folgenden erläutert werden.

Zunächst müssen folgenden Pakete installiert [1] werden, um den Quelltext kompilieren zu können:

  • build-essential

  • linux-headers (passend zur eigenen Kernel-Architektur: -generic, -386, -generic-pae usw.)

  • capiutils (universe)

  • libcapi20-3 (universe)

  • libcapi20-dev (universe)

  • pppdcapiplugin (optional, nur falls CAPI für die Internet-Einwahl genutzt werden soll, universe)

Wiki/Vorlagen/Installbutton/button.png

Paketliste zum Kopieren:

sudo apt-get install build-essential linux-headers capiutils libcapi20-3 libcapi20-dev pppdcapiplugin 

sudo aptitude install build-essential linux-headers capiutils libcapi20-3 libcapi20-dev pppdcapiplugin 

Quellcode herunterladen

Dann muss noch der Quellcode für das Kernelmodul fcpci heruntergeladen werden. Dabei ist darauf zu achten, exakt den zur eigenen Ubuntu-Version passenden zu verwenden. Die folgende Tabelle hilft hierbei weiter.

Quellcode für das Kernelmodul fcpci
Ubuntu-Version Kernel-Version Archivdatei alternative Quelle
11.10 * 3.0.0 fritz-fcpci-2.6.39.tar.bz2 {dl}
11.04 * 2.6.38 fritz-fcpci-2.6.34.tar.bz2 {dl} fritz-fcpci-2.6.34.tar.bz2 {dl}
10.10 2.6.35
10.04 2.6.32 fritz-fcpci-src-2.6.31_untested.tar.bz2 {dl} fritz-fcpci-src-2.6.31_untested.tar.bz2 {dl}
9.10 2.6.31

* siehe unten

Hinweis!

Fremdsoftware kann das System gefährden.


Anmerkung: Der Quellcode wurde von Lutz Willek {de} angepasst (gepatcht) und entspricht nicht mehr dem Original-Treiber von AVM. Er bittet um Rückmeldung zu diesen Quelltexten – positive wie negative Erfahrungen sind nützlich. Bei Problemen auch die jeweils beiliegende liesmich.txt beachten.

Die im folgenden beschriebene Kompilierung ist für ältere Ubuntu-Versionen identisch, es müssen aber

  1. der entsprechende Quelltext verwendet und

  2. die Pfadangaben korrigiert werden

Ubuntu 10.04

Folgende Schritte sind notwendig:

Methode 1

  1. Archivdatei ins Homeverzeichnis entpacken [6]

  2. Kompilieren vorbereiten:

    cd ~/fritz-fcpci-src-2.6.31/lib
    rm fcpci-lib.o 
  3. je nachdem, ob man ein 32- oder 64-Bit System [5] einsetzt, einen entsprechenden Link anlegen:

    ln -s 32_fcpci-lib.o fcpci-lib.o 

    oder

    ln -s 64_fcpci-lib.o fcpci-lib.o 
  4. Kompilieren starten:

    cd ~/fritz-fcpci-src-2.6.31/fcpci_src
    sudo make clean
    sudo make all 
  5. Modul kopieren und einrichten:

    sudo mkdir /lib/modules/`uname -r`/extra
    sudo cp fcpci.ko /lib/modules/`uname -r`/extra/
    sudo depmod -a 
  6. Modul entladen und neu laden:

    sudo modprobe -rf fcpci
    sudo modprobe -v fcpci 

    Liefert der letzte Befehl eine Fehlermeldung (...device or ressource busy...), dann verhindern die Kernelmodule hisax bzw. avmfritz das Laden von fcpci. Abhilfe erfolgt in zwei Schritten: 1. die Installation des Pakets capiutils und 2. muss das automatische Laden des blockierenden Kernelmoduls avmfritz manuell unterbunden werden (Blacklisting). Dazu mit Root-Rechten die Datei /etc/modprobe.d/blacklist-avmfritz.conf erstellen und folgende Zeilen einfügen:

    blacklist avmfritz

    Diese Änderungen werden erst nach einem Neustart aktiv!

Ubuntu 10.10

Entweder wie bei Ubuntu 10.04 oder mit dem erneut von Lutz Willek {de} angepassten Quelltext. Das Kompilieren wurde gegenüber früheren Versionen vereinfacht und das manuelle Verlinken (je nach 32- oder 64-Bit System) entfällt:

  1. Archivdatei ins Homeverzeichnis entpacken und in den Ordner fritz-fcpci-2.6.34 wechseln

  2. Quelltext übersetzen:

    cd ./src
    sudo make clean
    sudo make all
    sudo make install
    sudo depmod -a 
  3. Modul entladen und neu laden:

    sudo modprobe -rf fcpci
    sudo modprobe -v fcpci 

    Bitte auch den Hinweis bei Ubuntu 10.04 (Schritt 6) beachten, um Probleme mit dem Kernelmodul avmfritz zu beheben.

Ubuntu 11.04

Bisher ungetestet. Prinzipiell könnte es wie bei Ubuntu 10.10 funktionieren.

Ubuntu 11.10

Für den ab Ubuntu 11.10 verwendeten Kernel 3.x gibt es zwar ebenfalls einen angepassten Quelltext. Allerdings sollte man unbedingt beachten, dass das für den späteren Betrieb zwingend erforderliche Kernelmodul capifs nicht mehr in den offiziellen Paketquellen enthalten ist. Damit ist die Fritz!Card PCI unter Ubuntu nicht mehr einsetzbar (zumindest nicht durch die in diesem Artikel beschriebene Vorgehensweise).

Konfiguration

CAPI einrichten

Dazu die Datei /etc/isdn/capi.conf mit Root-Rechten bearbeiten und die Fritz!Card PCI (fcpci) durch Entfernen des Zeichens # am Zeilenanfang aktivieren:

# card		file		proto	io	irq	mem	cardnr	options
fcpci		-		-	-	-	-	-
#b1isa		b1.t4		DSS1	0x150	7	-	-	P2P
#b1pci		b1.t4		DSS1	-	-	-	-
#c4		c4.bin		DSS1	-	-	-	-
#c4		-		DSS1	-	-	-	-
#c4		-		DSS1	-	-	-	-	P2P
#c4		-		DSS1	-	-	-	-	P2P
#c2		c2.bin		DSS1	-	-	-	-
#c2		-		DSS1	-	-	-	-
#t1isa		t1.t4		DSS1	0x340	9	-	0
#t1pci		t1.t4		DSS1	-	-	-	-
#fcpcmcia	-		-	-	-	-	-
#fcusb		-		-	-	-	-	-
#fxusb		-		-	-	-	-	-
#fcclassic	-		-	0x150	10	-	-
#fcdsl		fdslbase.bin	DSS1	-	-	-	-
#fcdsl2		fds2base.bin	DSS1	-	-	-	-
#fcdslsl	fdssbase.bin	DSS1	-	-	-	-
#fcdslslusb	fdlubase.frm	DSS1	-	-	-	-
#fcdslusba	fdlabase.frm	DSS1	-	-	-	-
#fcdslusb2	fds2base.frm	DSS1	-	-	-	-
#fcdslusb	fdsubase.frm	DSS1	-	-	-	-

Hinweis:

Unter neueren Ubuntu-Versionen wird die FRITZ!Card PCI automatisch erkannt. Ein manuelles Editieren der /etc/isdn/capi.conf ist nicht mehr zwingend notwendig, schadet aber auch nicht.

Kernelmodule laden

Mit einem Texteditor [3] und Root-Rechten [8] folgende Zeilen der Datei /etc/modules hinzufügen:

capidrv
capi
fcpci

Dadurch werden die notwendigen Kernelmodule beim Starten automatisch geladen (Anmerkung: unter Ubuntu 9.10 Karmic Koala muss fcpci zwingend angegeben werden, unter Ubuntu 10.04 Lucid Lynx nicht – es schadet aber auch nicht).

Funktionstest

Nach der Installation des Kernelmoduls und der Konfiguration den Rechner neu starten. Jetzt zum Test folgendes eingeben:

sudo capiinit
capiinfo 

Es sollte folgende Ausgabe erscheinen:

Number of Controllers : 1
Controller 1:
Manufacturer: AVM GmbH
CAPI Version: 2.0
Manufacturer Version: 3.11-07  (49.23)
Serial Number: 1000001
BChannels: 2
Global Options: 0x00000039
   internal controller supported
   DTMF supported
   Supplementary Services supported
   channel allocation supported (leased lines)
B1 protocols support: 0x4000011f
   64 kbit/s with HDLC framing
   64 kbit/s bit-transparent operation
   V.110 asynconous operation with start/stop byte framing
   V.110 synconous operation with HDLC framing
   T.30 modem for fax group 3
   Modem asyncronous operation with start/stop byte framing
B2 protocols support: 0x00000b1b
   ISO 7776 (X.75 SLP)
   Transparent
   LAPD with Q.921 for D channel X.25 (SAPI 16)
   T.30 for fax group 3
   ISO 7776 (X.75 SLP) with V.42bis compression
   V.120 asyncronous mode
   V.120 bit-transparent mode
B3 protocols support: 0x800000bf
   Transparent
   T.90NL, T.70NL, T.90
   ISO 8208 (X.25 DTE-DTE)
   X.25 DCE
   T.30 for fax group 3
   T.30 for fax group 3 with extensions
   Modem

  0100
  0200
  39000000
  1f010040
  1b0b0000
  bf000080
  00000000 00000000 00000000 00000000 00000000 00000000
  01000001 00020000 00000000 00000000 00000000

Supplementary services support: 0x000003ff
   Hold / Retrieve
   Terminal Portability
   ECT
   3PTY
   Call Forwarding
   Call Deflection
   MCID
   CCBS

Bitte auch darauf achten, dass 2 B-Kanäle (BChannels) erkannt werden! Ist bis hierhin alles erfolgreich verlaufen, kann man sich nun mit dem Thema Einwahl ins Internet beschäftigen.

Probleme und Lösungen

Ubuntu 8.04 64-Bit

Mit dem Kernelupdate auf 2.6.24.24 unter Ubuntu 8.04 64-Bit konnte das Modul fcpci nicht mehr geladen werden. Der Befehl

sudo modprobe fcpci 

lieferte folgende Meldung:

FATAL: Module fcpci not found.

In Anlehnung an diesen Fehlerbericht werden zuerst die Quellen des Kernelmoduls avm-fritz-kernel-source_3.11+2.6.24.18-27.5_amd64.deb {dl} heruntergeladen. Diese .deb-Datei mit einem Entpacker öffnen und erst dann die darin enthaltene data.tar.gz entpacken. Wichtig ist aus dieser Archivdatei wiederum nur die Datei ~/usr/src/avm-fritz.tgz. Nachdem man diese in das eigene Homeverzeichnis kopiert hat, kann (und sollte!) man die Datei data.tar.gz und den Ordner ~/usr/ wieder löschen.

Nun avm-fritz.tgz entpacken (eine evtl. Fehlermeldung beim Entpacken kann übergangen werden) und in das Verzeichnis ~/fritz64/fcpci/ wechseln, den Quellcode übersetzen und abschließend mit Root-Rechten das Modul laden:

cd ~/fritz64/fcpci
make
sudo make install
sudo depmod -a
sudo modprobe -v fcpci 

Jetzt mit dem Funktionstest überprüfen, ob alles geklappt hat.

Diese Revision wurde am 11. April 2012 18:22 von Kuttel Daddeldu erstellt.
Die folgenden Schlagworte wurden dem Artikel zugewiesen: unfreie Software, Hardware, Server

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