
VoIP ist die Abkürzung für Voice over IP, sprich die Telefonie über ein Computernetzwerk. Dabei werden die analogen Audiosignale eines Telefons in digitale Datenpakete umgewandelt und über ein Netzwerk verschickt. Die Übertragung kann entweder über das Internet oder aber über das Heim- bzw. Firmennetzwerk erfolgen.
VoIP verwendet, wie der Name schon sagt, das Übertragungsprotokoll IP, um die Daten in einem Netzwerk verschicken zu können. Die Telefondaten unterscheiden sich also nicht von anderen Daten im Internet.
Ist eines der beiden Endgeräte nicht über das Internet, sondern nur über das herkömmliche Telefonnetz erreichbar, muss ein sogenannter „Gateway“ die Umwandlung von IP-Paketen in ein analoges Signal und umgekehrt übernehmen. Dieses Gateway funktioniert meist über das Session Initiation Protocol kurz SIP. Es gibt mittlerweile viele Anbieter, die zum einen Programme oder Hardware für VOIP über SIP herstellen, bzw. Dienstleister, die einen Zugang zu den Telefonnetzen per SIP bereitstellen.
Ekiga - der Nachfolger des Programmes GNOME-Meeting - ist eine vollständige VoIP-Lösung. Es kann telefoniert und "gechattet" sowie Videotelefonate geführt werden. Alles, was es dazu braucht, ist das Programm Ekiga, ein Headset und, wenn man Videotelefonie betreiben möchte, eine Webcam.
Ekiga wird bis Ubuntu "Jaunty Jackalope" 9.04 von Haus aus bei der Installation von Ubuntu installiert, es braucht somit nur noch konfiguriert zu werden. Sollte man eine Ubuntu-Variante nutzen, in der Ekiga nicht automatisch installiert wurde, so kann man das Programm über das folgende Paket hinzufügen [1]:
ekiga
(Falls einem die Version aus den Paketquellen nicht aktuell genug sein sollte)
Um das Programm aus dem PPA
ppa von sevmek zu installieren, muss, abhängig von der Ubuntu-Version, eine der folgenden Paketquellen eingetragen werden:
Zusätzliche Fremdquellen können das System gefährden.
Für Synaptic oder Softwareverwaltung KDE: ppa:sevmek/ppa (dabei wird automatisch der Schlüssel der Quelle importiert)
oder für ältere Versionen (VERSION durch den Codenamen der verwendeten Version ersetzen):
deb http://ppa.launchpad.net/sevmek/ppa/ubuntu VERSION main
Um die Quelle zu verwenden, sollte man den Signierungsschlüssel für diese Quelle einspielen. Dazu verwendet man folgenden Befehl:
sudo apt-key adv --recv-keys --keyserver keyserver.ubuntu.com 83044851
Sehr unkompliziert ist ekiga.net
vom Hersteller von Ekiga. Dieser Anbieter kann automatisch mittels des Konfigurationsassistenten innerhalb von Ekiga als Konto angelegt werden. Man erhält zwar keine Festnetzrufnummer, kann jedoch gleich mit der VoIP-Telefonie - innerhalb des ekiga.net-Netzes - anfangen. Weitere SIP-Provider zusammen mit den notwendigen Einstellungen findet man im Internet-Telefonie-Artikel hier im Wiki.
Unter "Bearbeiten -> Einstellungen" lassen sich noch weitere Details einrichten. Viele dieser Optionen sind nur dazu da, Ekiga an die eigenen Bedürfnisse anzupassen oder die Einstellungen zu ändern. Wichtig sind jedoch noch die Optionen, die man unter "Protokolle" findet.
Damit man telefonieren kann, muss der Benutzer noch der Gruppe "voice" hinzugefügt werden, damit er die entsprechenden Rechte besitzt[2], das geht z.B. mit folgenden Befehl:
sudo adduser `whoami` voice
Befindet man sich hinter einer Firewall oder einem Router, so muss Ekiga eventuell noch gesagt werden, einen STUN-Server zu nutzen. Dieser STUN-Server ermöglicht den unkomplizierten Einsatz von Computer-Programmen in Heimnetzwerken, die Daten aus dem Internet empfangen möchten. Dadurch brauchen keine Ports durch Firewalls geleitet oder sonstige Einstellungen geändert zu werden. Die entsprechenden STUN Server findet man in der Anbieter-Tabelle.
Bei der Version 3.2 von Ekiga (welche z.B. mit Jaunty ausgeliefert wird), ist die STUN-Einstellung nicht sichtbar und muss von der Kommandozeile aus durchgeführt werden. Beispiel (der STUN-Servername muss ggf. angepasst werden):
1 | gconftool-2 -s /apps/ekiga/general/nat/stun_server stun.sipgate.net:10000 --type=string
|
Um zu testen, ob Ekiga funktioniert, kann man die Nummer sip:500@ekiga.net anwählen. Dadurch kommt man in ein Test-System, welches alles, was man zum Server sagt, mit ein paar Sekunden Unterschied zu einem zurücksendet. Der Test funktioniert nur, wenn man als Audio-Codec "PCMU" in den Einstellungen aktiviert hat.
Der Provider Ekiga bietet auch Konferenzräume an. Über sip:501@ekiga.net kommt man in den offiziellen Konferenzraum von Ekiga. Möchte man einen eigenen Konferenzraum eröffnen, wählt man sip:501XXXX@ekiga.net, wobei XXXX eine beliebige vierstellige Nummer für seinen Raum ist. Dann wird man nach einem Passwort gefragt, wenn man den eigenen Konferenzraum per Passwort schützen möchte. Das Passwort gibt man ein, indem man die Zahlenkombination wählt. Drückt man direkt #, wird der Konferenzraum ohne Passwort eröffnet.
Der Provider Ekiga bietet auch Durchwahlnummern für andere VOIP-Netze an, wenn man mit jemandem "chatten" möchte, der kein Ekiga benutzt. Dazu muss man eine Vorwahl vor die eigene Nummer setzen:
| Vorwahl | VOIP-Netz |
*747 | Gizmo/SIPPhone |
*393 | Freeworlddialup |
*534 | Voipbuster |
*551 | internetcalls |
*248 | Wengo |
Arbeitet man mit mehreren Ekiga-Clients bzw. SIP-Anwendungen hinter einem Router, so kann es zu Problemen mit der gleichzeitigen Anmeldung von mehreren Clients kommen. Eventuell kann man sich hier mit der Einrichtung eines SIP-Proxy Dienstes wie siproxd helfen.
Normalerweise stellt dies kein Problem dar. Ekiga erkennt den NAT-Router beim Einrichten eines Kontos und bietet einem automatisch an, einen Stun-Server zu verwenden, der das Problem behebt. Falls beim Durchklicken des Konfigurations-Assistenten beim Punkt "NAT-Typ entdecken" "symmetric NAT" gemeldet wird und die Empfehlung zum Port-Forwarding kommt - muss die weiterzuleitende Port-Breich ("range"") mit 5000-5100, wie auf dieser Seite
beschrieben, angegeben werden. Der Port 5060 ist auch wichtig und muss entsprechend angegeben werden.
Auf dieser Seite
im Ekiga-Wiki gibt es u.a. ein Skript, das die Regeln der IPtables anpasst, ohne aber irgendwelche Ports zu öffnen. Eventuell müssen die in Zeile 9 und 10 des Skripts genannten Dateien erst mit sudo erstellt werden, ehe es durchlaufen kann.
Gibt es Probleme bei der Tonqualität, kann es helfen, den Haken bei "Bearbeiten -> Einstellungen -> Video-Codecs -> Video-Unterstützung aktivieren" herauszunehmen. Außerdem kann man unter "Bearbeiten -> Einstellungen -> Audio-Codecs" alle Codecs bis auf einen deaktivieren. Dieser Codec sollte dann der gleiche sein, den auch der Chat-Partner benutzt, und man sollte durchprobieren, welcher Codec am besten funktioniert.
Audio Manager: Falls man seine Eigene Stimme hört aber keine zeitverzögerte Aufnahme hören kann, parallel dazu in Konsole <alsamixer> starten. Mit der Tabulatortaste die View auf Capture stellen. Mit rechter/linker Pfeiltaste zu Regler Capture gehen. Mit Leertaste Capture aktivieren (roter Text <CAPTUR> erscheint). Für den ersten Versuch mit Pfeiltasten oben/unten alle Regler auf maximum stellen. Ins Mikrofon sprechen und mit Reglern spielen bis man seine Stimme optimal und zeitverzögert durch Ekiga/Konfigurations-Druide/ Audio Manager hören kann.
Zumindest bis einschließlich der Version 3.2 bringt Ekiga noch keine Verschlüsselung der Audio- und Videodaten mit sich, obwohl diese über das Internet übertragen werden. Bis zur internen Fähigkeit die Kommunikationsinhalte zu schützen, ist es daher empfehlenswert, auf die allgemeine VoIP-Verschlüsselungssoftware Zfone zurückzugreifen, um einen grundlegenden Datenschutz über Ekiga zu gewährleisten.
ekiga.org
- offizielle Homepage
Spezial Nummern
- Eine Liste mit speziellen Rufnummern für Ekiga
Diese Revision wurde am 24. Juni 2010 um 20:45 Uhr
von frustschieber erstellt.
Dieser Seite wurden folgende Begriffe zugeordnet:
GNOME, voip, Kommunikation, Internet
2004 – 2010 ubuntuusers.de • Einige Rechte vorbehalten